Sonntag, 31. Mai 2009

Das Fenster zum Hof

Das Fenster zum Hof von Alfred Hitchcock ist die Blaupause für alle folgenden "Nachbarn des Mordes bezichtigen"-Filme, dessen spätester Ausläufer "Disturbia" die Thematik wunderbar in die moderne Zeit transportiert hat. Das Original hat allerdings schon ein paar Jahre auf dem Buckel.
1954 spielt James Stewart die Hauptrolle in diesem spannenden Kleinod. L.B. Jefferies ist ein abenteuerlustiger Fotograf, der ein paar Wochen ausfällt, da er sich das Bein gebrochen hat. Ihm bleibt also nichts weiter übrig, als den ganzen Tag aus dem Fenster zu schauen und seine Nachbarn zu beobachten. Da haben wir den talentierten Klavierspieler, die frivole Ballettänzerin, das Ehepaar mit dem kleinen Hund, die einsame Lady, die niemals Besuch bekommt und den Typ, der irgendwie hochgradig Stress mit seiner Frau hat. Irgedwann verschwindet diese Frau und Jefferies beginnt angestachelt durch seine Freundin und Krankenschwester dem Fall nachzugehen.

Das ist eigentlich auch das Tolle am Film. Er ist stark beschränkt. Auf wenige Charaktere (Jefferies, die Krankenschwester, die Freundin, sein Kumpel der Cop und die Nachbarn) und eine Handvoll Kamerawinkel. Er beginnt sehr ruhig, lässt sich Zeit und erzählt kleine Geschichten über die Nachbarschaft. Trotzdem wird der Film nie langweilig. Im Gegenteil! Mit zunehmender Dauer nimmt er an Fahrt auf und fesselt den Zuschauer stark an das Schicksal der Protagonisten. Es ist bemerkenswert, dass der komplette Film nur aus Sequenzen innerhalb des Hofes besteht. Das Set kann sich allerdings auch sehen lassen. Alles wirkt sehr natürlich und rund. Zum Schluss wartet noch ein genialer Showdown auf, den man so nicht erwartet hätte.
Das ist einer der ganz großen Filme, inszeniert von einem der ganz Großen! Zeitlos, ruhig, spannend und trotzdem actiongeladen. Sollte jeder Filmliebhaber im Schrank stehen haben! Die Dvdauswertung besticht außerdem durch ein sehr scharfes Bild und eine günstigen Preis. Also zuschlagen bei diesem Klassiker.

Samstag, 30. Mai 2009

House Of Wax (1953)

Richtig, hier geht es nicht um das passable Remake mit der unsäglichen Paris Hilton.
Das hier ist das Original mit Vincent Price. Ok, eigentlich ist das wirklich richtig echte Original "Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts" von 1933 (und auch das wird hier noch ausführlich besprochen!). Vor ein paar Jahren ist mir dieses Filmchen mal beim Einschlafzappen vor die Äuglein gekommen. Allerdings war ich seinerzeit so schlaftrunken, dass ich nur 10 Minuten des Films aufmerksam verfolgen konnte. Umso erfreulicher, nun das Meisterwerk in voller Länger genießen zu können. Auch wenn ich wusste, dass diese 10 Minuten bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatten, die mich über die Jahren zwangen, den Film zu kaufen, ging ich mit nicht zu hoch gesteckten Erwartungen an "Das Wachsfigurenkabinett des Professor Bondi".
Tja, was soll ich sagen.
Es ist einer der mit Abstand besten Filme, die ich jemals gesehen habe. Die schauspielerische Leistung von Vincent Price ist großartig, es gibt schöne Frauen aus der Zeit, eine phantastische New Yorker Innenstadt mit reichlich Nebelschwaden über dem Kopfsteinpflaster wabernd und Tempo ohne Ende.
Fangen wir erstmal mit der Story an.
Der Wachskünstler Prof. Bondi baut sich eine kleine, feine Austellung auf. An dieser ist ein kleiner Kapitalist monetär beteiligt. Zwar gibt es einen kunstverliebten Interessenten, doch dieser ist 3 Monate unterwegs und kann deshalb nicht einsteigen. Unseren Kapitalisten wurmt das ganz kräftig und er beschließt, den ganzen Laden abzufackeln. Denn schließlich gibts dann Monetós von der Versicherung. Bondi geht im Inferno unter...das heißt, doppelt Monetós!


Aber stirbt Prof. Bondi wirklich? Nein, nein....eine fiese und entstellte Person treibt in den folgenden Wochen ihr Unwesen und schnappt sich den Kapitalisten (immer mit einem Seil bewaffnet).
Außerdem werden ein paar schnieke Leichen geklaut, die verblüffende Ähnlichkeiten mit ein paar Exponaten aus Bondi´s Kabinett haben. Dieser finstere Kobold ist Bondi, aber er kann nicht mehr wirklich laufen und auch nicht mehr die Wachsfiguren modellieren (so scheint es). Dafür hat er zwei Lakaien angestellt, Igor der Taubstumme und einen ehemaligen Knasti, der
ganz scharf auf Schnaps ist.
Bald macht er ein neues Wachsfigurenkabinett auf mit verdammt echten Figuren.
Bondi ist total vernarrt in die Person der Marie Antoinette und versucht sie nachzubasteln. Schon bald findet er den perfekten "Rohling"...
Genug der Story. Ey schon viel zu viel verraten. Aber: hier stimmt echt alles. Make Up, Setting, Schauspieler, Story. Seiner Zeit ganz weit voraus! Ein absolutes Muss für Freunde des gepflegten Horrors. Für mich heißt das erstmal: mehr Vincent Price Filme besorgen. Spannend bis zur letzten Minute.

Blob - Schrecken ohne Namen 1958

Yeah! Mit dem ersten Blob von 1958 haben wir das Originalfilmchen auf der Mattscheibe von dem in den 70ern ein Sequel und Ende der 80er ein Remake gedreht wurde.
Eins vorweg: der Film ist extrem spaßig. Das fängt schon beim großartigen Bloblied in der Filmeröffnung an. Happy Happy Joy Joy! Für alle zum mitsingen: Beware of the Blob, it creaps and leaps and slides and glides across the floor, right through the door and all around the wall, a splotch, a blotch, be carefull of the Blooooob!
Uns begegnen direkt zwei "Teenager", die aber eher nach Mittdreißiger aussehen und zusammen eine Sternschnuppe sehen. Logisch ist es unser Schlabberfreund in seiner Meteoritenkapsel. Der Einsiedler aus dem Wald entdeckt den Blob als erstes. Und was tut man, wenn man ein Steinchen in einem Krater findet?
Richtig: man schnappt sich einen Stock und stochert drin rum. Blob schleimt sich natürlich um die Hand und befällt den ersten Menschen. Unser Turteltäubchenpaar sammelt den Hinterwäldler ein und bringt ihn zur schicken Behausung des örtlichen Docs...Kolonialstil!
Als die "Kids" abhauen und der Doc mit der Krankenschwester und dem Blob allein ist, erteilt er ihr den Auftrag ruhig zu bleiben und sich nicht zu bewegen, während er seine Flinte holt. Wie Krankenschwestern nun mal veranlagt sind, rennt sie apathisch herum und direkt in eine Stehlampe rein (das Frauen in Gegenstände rennen kommt im Film noch des öfteren vor!). Die völlig logische Folge: Stromausfall im kompletten Haus! Leichtes Spiel für den Blob...alles einzuschleimen.



Auf der Polizeiwache glaubt den "Kids" natürlich keine Sau. Aber immerhin gibt es einen Cop, der in seiner Schublade ein Schachspiel(!!!) hat und per Funk mit einem anderen zockt. Außerdem ist da noch der gute und der böse Bulle (der gute Bulle
ist daran zu erkennen, dass er keine Kravatte trägt). Blob schlabbert immer mehr Leute voll und wird dadurch größer. Das angehende Pärchen sucht sich Unterstützung im Kino, wo grad ein alter Bela Lugosi Film gezeigt wird. Überhaupt ist alles sehr schick "golden age of America" gehalten. Richtig spannend wird es, wenn der Blob das Diner angreift.Sehr amüsant sind die kleinen Actionszenen gezeichnete (!!) Trickfilmsequenzen, oder der Blob schlabbert einfach über ein Foto (!!!).
Auch wenn es nicht so wirken sollte: der Film macht irre Spaß und er ist sogar irgendwie spannend! Es gibt schicke Autos und stylische Amikleinstadt zu genießen! Außerdem spielt Bruce Willis (als 70jähriger) mit (der Vater von Jane).
Man sollte ihn also auf jeden Fall gesehen haben, auch wenn er aus heutiger Sicht sicherlich das ein oder andere Schmunzeln hervorruft. Auch bei diesem Film hat EMS ein informatives Booklet mit Notizen spendiert und diverse Audiokommentare.
Wer aufgeschlossenen ist und eine der Mütter der Science Fiction sehen will: angucken!

Galerie des Grauens

Obacht! Am 15. Juni erscheint bei Anolis eine neue Horrorklassikerreihe. Den Anfang macht der Film "Die Teufelswolke von Monteville".  Einen Trailer zu diesem Film gibt es hier zu sehen: Trailer "The Crawling Eye" . Das sieht nach feinstem Horrorkino mit netten Effekten aus! Außerdem wird es einen schicken Schuber für die ganze Reihe geben. Bestellen kann man den ersten Film (inklusive Schuber) bei I Cather Media für schlanke 18,99€. Da es sich hier um wirklich alte Nischenfilme handelt, die liebevoll erstmals auf DVD veröffentlicht werden, sind das keinen Cent zu viel! Weitere Filme der Reihe werden "Das Vermächtnis des Professor Bondi" , "Die Nacht der unheimlichen Bestien"  oder "Ungeheuer ohne Gesicht" sein.
Man darf gespannt sein, was Anolis da für Trash- und Horrorperlen ausgegraben hat. Für den geneigten Genrefan wird auf jeden Fall was dabei sein. Sobald es Informationen zur Ausstattung der Dvd gibt, werden sie hier bekannt gegeben. Außerdem wird ein kurzes Review zum ersten Film nachgeschoben. 
Der Zombiebunker freut sich!

Formicula - Ameisenhorror aus den 50ern

Ja, was haben wir denn hier? Für jeden, der sich irgendwie für Tierhorror interessiert, sollte Gordon Douglas´ "Formicula" aus dem Jahre 1954 ein Begriff sein. Die Story ist recht simpel gestrickt. In der Wüste zerrockt etwas verdammt Großes Trailer und Schuppen der Anwohner. 2 smarte Cops düsen durch die Wüste und finden ein irres Mädchen, das extrem geschockt ist und deshalb nicht spricht (leider sehen wir im weiteren Verlauf des Films fast gar nichts mehr von ihr). Ist auch egal.
Eine Story braucht ein gepflegter Tierhorrorfilm sowieso nicht. Zumal mit der Spezies Ameise ein recht exotischer Sprössling des Genre in den Startlöchern steht. Die riesigen Viecher sehen sehr gut, unfreiwillig komisch und extrem haarig aus. Man kann sich also leicht gruseln und trotzdem herzlich drüb
er lachen. Genau so muss das ja auch sein! Die
Effekte sind allesamt SEHR GUT. Da werden Raketen auf das Ameisennest geballert was das Zeug hält und mit Flammenwerfern der Chitinpanzer geröstet (obwohl, eigentlich sind die Dinger zottelig haarig!!!)...brennt jedenfalls!
Außerdem ist die Mode des Professors eine wahre Pracht. Hose bis zum Anschlag (d.h. gefühlt bis unter die Brustwarzen) und immer schön Stylobrille in der Wüste auf!
Showdown mit ordentlich Action in einem Kanalisationssystem
gibt es auch. Und man fragt sich immer wieder: sind die Balken,
die da auf die Darsteller ballern aus Pappe oder tat das grade echt weh?
Außerdem, wie bei fast allen Tierhorrorfilmen, spielt der Kalte Krieg im Hinterkopf eine große Rolle, bzw. die Angst vor nukleareren Katastrophen. Es lebe die radioaktive Mutation von Tieren!
Unbedingt anschauen!

Conducting From The Grave - amerikanischer Melo Death!

Conducting From The Grave klingen in jeder Note durch und durch schwedisch. Hier wird geradezu inflationär mit großartigen Melodiebögen um sich geworfen. In jedem Song findet man mindestens 3 Höhepunkt, die ein eigenes Lied rechtfertigen würden. Es wird aber auch passagenweise deftig geholzt und die typischen und in diesem Fall durchaus variablen Growls reihen sich in das Gesamtbild ein. Ebenfalls sind klassische Metalriffs verwurstet, dazu Moshparts, kleinen Schuss Frickel und viel Schredding.
Conducting From The Grave könnte man also als wildes Gemisch aus In Flames (bis zur Clayman), The Crown und...aber eigentlich ist der Sound extrem eigenständig und progressiv, dass ich mich gar nicht um Vergleiche bemühen könnte.
Auf der Platte ist kein einziger Ausfall...in diesem Album kondensiert Stoff, der sich normalerweise in 4 Jahren der besten Metalveröffentlichungen gebildet hat. Meilenstein!
Unbedingt testen!
Anspieltips: "A Never Ending Search For Closure" und der Übersong "Marching Towards Extinction"

die erste The Black Dahlia Murder DVD

Eine sehr, sehr gute DVD Vö, allerdings hatte ich mir unter den Livemitschnitten etwas anderes vorgestellt. 
Jeder Song wird aus mindestens 4 verschiedenen Konzerten geschnitten. Das wirkt bisweilen etwas nervig, da ständig Kamerawechsel angesagt sind und keine Konzertatmosphäre aufkommt, sondern eher die eines LiveVideoClips. Als Live DVD würde das Teil also eher 2 von 5 Sternen bekommen. 
Die Band"doku" allerdings haut es extrem raus. Sehr witzige Angelegenheit, auch wenn man biografisch nicht viel mitbekommt. Man bekommt einfach 2 Stunden Tourquintessenz ohne roten Faden. 
Die Band ist großartig und jeder Fan sollte sich das Teil mal anschauen. Live leider nur sehr eingeschränkt tauglich.

The Faceless - Planetary Duality

Seit längerem rotiert bei mir fast nur noch die aktuelle The Faceless Scheibe. Im Gegensatz zur Akeldama haben sie an Härte gewonnen. Das punktgenaue Drumming und Riffing knallt einen gewaltig an die Wand. Jeder Song bleibt im Gehörgang hängen, weshalb man The Faceless ruhig als Einstieg in technischen Death Metal nutzen kann. Man findet sehr schnell einen Zugang. Trotzdessen werden die Songs nicht langweilig, sondern entfalten ihr gesamtes Potential nach jedem Hören stärker.
Leider krankt das Album etwas an seiner viel zu kurzen Spielzeit.
Den z.T. noch blutjungen Buben wünscht man auf jeden Fall einen langen Atem. Da ist viel Potential, das die Flut an technischen Metal Bands definitiv überleben kann.
Sehr gute Arbeit!

Mario Bavas "Die Stunde wenn Dracula kommt"


Um den Blog mal wieder mit Inhalt zu füttern, habe ich mir heute den italienischen Film "La Maschere Del Demonio" aus dem Jahre 1960 angeschaut. Erschienen ist der Film bei EMS in der Mario Bava Reihe in einer schicken Aufmachung. Leider gibt´s den Schuber nicht mehr, allerdings liegt der DVD ein informatives Booklet und ein kleiner Comic bei. Sehr schön. Abgerundet wird die Veröffentlichung durch schönes Zusatzmaterial. Außerdem hat man noch ein paar essentielle Szenen aus der Mottenkiste (zwar ohne deutschen Ton) kramen können.
Für einen 49 Jahre alten Film ist die Bildqualität großartig! Allerdings sollte man schon etwas affin für alten Gruselklamauk sein, um Freude an dieser kleinen Perle zu finden.


Worum geht es überhaupt? Inquisition umtreibt Moldawien und so kommt Prinzessin Asa (gespielt von Barbara Steele) auf den Scheiterhaufen, damit ihre dämonische Seele durch das Feuer bereinigt wird. Vorher bekommt sie noch ein schickes Brandzeichen auf den Rücken und eine von innen mit Stacheln besetze Eisenmaske auf´s Gesicht gedrückt. Lecker! Es fängt an zu regnen und der Mob flieht ob ihrer garstige Flüche. Allerdings wird ihr Körper in der lokalen Krypta mit einem Kreuz versehen beigesetzt.

Ein paar hundert Jahre später fahren 2 Ärzte durch das Land und nehmen die Abkürzung durch den Finsteren Wald entlang der Ruine. Die Kutsche crasht und die neugierigen Knochenbrecher erkunden die Gegend. Arzt 1 entdeckt den Sarg, fightet mit einer fiesen Fledermaus und zerrockt den Sarg der fiesen Hexe Asa. Dabei schneidet er sich natürlich und das Blut reanimiert das Mistvieh.
Dracula geht im Grab auch steil und entsteigt selbigem, um ein bisschen Blut zu naschen.
Coole Story, schöne Klischees und vor allem ein Fokus, der nicht auf Dracula gerichtet ist. Das Beste an diesem schwarz/weiß Schinken ist die Optik. Großartige Kulissen, dicke Nebelschwaden, schaurige Friedhöfe und ein geräumiges Schloss sind was für´s Auge. Außerdem bietet der Film für sein Alter sehr delikate Gewaltszenen und sehr gute Effekte! Auch wenn man mit Blockbustern der 90er Jahre sozialiert wurde, lohnt es definitiv, seinen filmischen Horizont zu erweitern. Wer Lust darauf hat und sich auf Filme gerne mal ein- und überraschen lässt, dem sei dieses Kleinod an´s Herz gelegt.