Donnerstag, 11. Februar 2010

The Wolfman (2010)

Nach 69 Jahren versucht Joe Johnston, einen meiner absoluten Lieblingsfilme des letzten Jahrtausends neu aufzulegen. Remakes haben ja immer den faden Beigeschmack, das Original einfach nur zu kopieren oder mit diesem gar keinen Zusammenhang mehr zu haben.
Dem entsprechend skeptisch habe ich mich ins Provinzkino gesetzt. Gerade einmal eine handvoll Gäste wollte den Film dann auch tatsächlich sehen.
Die Story spar ich mir, da man sie überall nachlesen kann und wer den Film noch schauen will, sie sowieso nicht vorher lesen will.
Die wichtigste Frage ist also: versagt der Film auf ganzer Linie?
Die Antwort lautet: nein, auf keinen Fall.
Hier wird weder wiedergekäut, noch komplett von der Vorlage abgewichen. Johnston schafft den Spagat, den Film neu zu interpretieren, aber an etlichen Stellen auf das Original zu rekurieren, so dass Fans des alten Films im Minutentakt auf ihre Kosten kommen.
Der Film ist herrlich oldschool und modern zugleich.
Allein der exorbitant eingesetzte Nebel und die zauberhaften Ländereien von englischen Grafschaften bilden einen perfekten Rahmen für die erweiterte und dramaturgisch stringent erzählte Handlung.
Mit Benicio Del Toro und Anthony Hopkins hat man sich 2 perfekte Besetzungen für den Film eingekauft. Und hey, Del Toro sieht Sir Lon Chaney Jr. verblüffend ähnlich.
Der mit Abstand größte Pluspunkt und zugleich auch meine größte Sorge war die Wolfsmenschengestalt.
Zum Glück hat man nur die Metamorphose am Computer animiert und vereinzelte Ausritte auf den Dächern des viktorianischen London. Ansonsten regiert die sympathische und dem Original nachempfundene (OBACHT!) Make-Up- Maske.
Auch die Tötungsszenen fallen bisweilen sehr blutig aus, sind aber zu keinem Zeitpunkt selbstzweckhaft eingesetzt.
Die Qualen und die innere Zerrissenheit des Hauptcharakters werden hier nicht durch die schmerzhafte Verwandlung des Lycanthropen, sondern vielmehr durch die im Verlauf des Filmes stattfindenden Folterszenen ausgedrückt und das zwiespältige Verhältnis von Lawrence Talbot zu seinem Vater. Eine nette Variante des alten Motives.
Einziger Minuspunkt ist die Darstellerin der Maleva. Sie kann Maria Ouspenskaya nicht das Wasser reichen.
Der Film ist temporeich, hat aber auch seine ruhigen Momente mit großartigen Landschaftsaufnahmen, wechselt den Handlungsort und vermischt so die Geschichten der älteren Filme. Wer einen Horrorfilm erwartet, liegt falsch. Wer einen Actionfilm erwartet, liegt falsch. The Wolfman hält erstaunlich gut die Balance und zeigt sich als vollständig ausgegorenes Stück Zelluloid.
Von mir gibt es eine volle Empfehlung. Sowohl Popcornkinoschauer als auch alte Hase werden nicht enttäuscht werden.
Ich bin beeindruckt und glücklich, dass es endlich mal ein Remake, wobei ich hier lieber von Neuinterpretation sprechen möchte, geschafft hat, den hohen Ansprüche zu genügen.
Phantastisch!


Kommentare:

  1. Es ist wohltuend, einen Horrorfilm mit einer richtigen Geschichte, statt zusammenhanglosen Splatter & Gore Szenen zu sehen. Benicio delToro war natürlich ein Hammer in gerade dieser Rolle, geradezu mehr als maßgeschneidert ! Aber auch alle anderen Darsteller waren durchweg sehr gut, von einem Anthony Hopkins ist da sowieso nichts anderes zu erwarten, wobei ich seine (sehr) frühe Leistung in "Magic" nach wie vor arg unterschätzt und noch besser als in "Silence of the Lambs" fand. Aber gut, das ist eine andere Sache. "The Wolfman" 2010 hängt für mich irgendwo zwischen den klassischen Universal Filmen und dem Hammer Film Klassiker "Der Fluch von Siniestro". Wobei ich zugeben muß - und uuiiii..jetzt werd'ich wohl einiges an Prügel einstecken - die alten Universal Filme nie sonderlich mochte.

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  2. Ich dachte schon, mit meiner positiven Meinung zu diesem Film, stehe ich allein auf weiter Flur.
    Was die Universalfilme angeht. Da kann man sicherlich unterschiedlicher Meinung sein, was ja auch vollkommen legitim ist.
    Trotzdem haben sie vermutlich alle späteren Horrorfilme maßgeblich beeinflusst. Zwar wirken sie heute nicht sehr spektakulär und alle sind gewiss nicht großartig, aber viele haben doch diesen Gewissen Charme. Durch das Entstehungsjahr und die einfachen Effekte und Möglichkeiten, wird der Film auf das absolut Wesentliche reduziert und wenn er dann noch punkten kann, ja dann kann man mit Fug und Recht von einem außergewönlichen Film sprechen!

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