Dienstag, 16. März 2010

The Abominable Snowman Of The Himalayas (Yeti, der Schneemensch - 1957)

Ok, ich feier hier ja viele Filme ab, die bisweilen recht trashig und für den Normalzuschauer eher ungenießbar sind. ABER: heute besprechen wir ein absolutes Meisterwerk des Genres! Wir treffen 2 bekannte Gesichter des B-Filmes wieder: Forrest Tucker (bekannt aus Cosmic Monster oder unserer geliebten Teufelswolke von Monteville) und der Hammerstar Peter Cushing. "Yeti, der Schneemensch" erfuhr über die Zeit eine rege Rezeption, so rekurriert das Video der Musikgötter Mastodon zu "Divinations" auf diese Perle der Filmkunst.
Die Story ist relativ simpel gehalten. Cushing spielt den hageren Dr. Rollason, der mit seiner Frau Helen in einem Mönchsdorf auf einen Trupp von sich wie Herrenmenschen aufführenden Amerikaner wartet, um sie auf ihrer Suche nach dem geheimnisvollen Yeti zu begleiten.
Der ortansässige Lama hält jedoch noch einige Zwiegespräche mit Cushing und zeigt, was für ein aufgeklärter Geist er ist (und beweist, dass B-Filme aus den 50ern moralisch wertvoller sind als 80% aller Kinofilme nach 2000).
Der Suchtrupp, angeführt von Tom Friend (Forrest Tucker), benimmt sich beim Eintreffen in das Dorf wie die Axt im Walde. Allerdings, was weniger erfreulich ist, werden die Sherpas doch als ziemlich wilde Menschen dargestellt.
Clevererweise hat Friend in einer früheren Expedition an allen möglichen Orten auf dem Weg zum Gipfel Proviant stationiert, was wie, wir noch später sehen werden, wenn Dr. Rollasons Frau (gespielt von Maureen Connell) losmaschiert, völlig egal zu sein scheint.
Der Weg zum Schneemenschen wird von Rollasons Gewissensbissen und der Verantwortung gegenüber der Kreatur dominiert. Es ist wirklich bemerkenswert, wie tiefgründig dieser Film die Thematik auswälzt und sie konsequent bis zum Ende durchzieht. Der Yeti wird dabei erst sehr spät im Film und auch nur für einen kurzen Augenblick gezeigt. Wir haben hier also gar keinen waschechten Monsterfilm, der allerdings unüblicherweile die moralische Keule schwingt. Und zwar wesentlich glaubwürdiger als Mädchen bei der Wahl zur Schönheitskönigin, wenn sie sich den Weltfrieden wünschen.
Die Kulissen sind großartig in Szene gesetzt, man würde nie denken, dass der Film in einem Studio gedreht wurde, da er wirklich zu 70% an der frischen Luft spielt. Vor allem im Tempel des Lamas hat man sich mit der Gestaltung große Mühe gegeben. Mich würde nicht mal wundern, wenn man hier in einem echten Tempel gedreht hätte! Die Schneelawinen werden eindrucksvoll durch Archivmaterial, aber auch live und direkt auf unsere Protagonisten geschüttet. Herrlich!
Außerdem tragen alle unsere Expeditionsteilnehmer die absolut arschgeilen Schneebrillen, die heute zu unrecht niemand mehr trägt. Außerdem fällt der Soundtrack überaus positiv auf. Sehr bedrohlich unterstreicht er die aufgebaute Spannung bis zum Finale.
Neben einer wirklich gelungenen Geschichte überzeugen die phantastischen Darstellerleistungen. Das fängt beim von Zweifeln zerrissenen Dr. Rollason an, geht über den ehrgeizigen Tom Friend, bis hin zum Oberarsch Ed Shelley (gespielt von Robert Brown).
Der Film appelliert an das Gewissen der Menschheit und deren Verartwortung gegenüber der Natur und bringt sehr interessante Ansätze ein.
Die Veröffentlichung kommt aus dem Hause Anolis und deren Hammerreihe, die leider zu immer schlimmeren Preisen angeboten wird.
Neben dem Audiokommentar mit Regisseur Val Guest (u.a. Shock - The Quatermass Experiment) gibt es ein Begleitheft mit Informationen von Uwe Sommerlad und die obligatorischen Trailer/Bildergalerien.
Eine gelungene Veröffentlichung, die es auch heute noch verdient, über die Grenzen des B-Filmes hinaus geschaut zu werden. Um ein wenig dazu beizutragen, veröffentliche ich kein Bild vom sehr gelungenen Schneemonster. Also seht selbst!
Beware of the abominable Snowman!!!

Kommentare:

  1. Quatsch. Der Film ist ein absolutes Meisterwerk :)
    Das amerikanisch/britische Duo rockt und erzeugt viel Spannung!

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  2. Meisterwerk ??? Och nö..ich find' ihn einen der schlechtesten Filme von Hammer überhaupt. Cushing im Schnee rumstapfen zu sehen, das finde ich schon ein bißchen wenig :(

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  3. Aber die fortschrittliche Handlung über die Bösartigkeit des Menschen, die im Dualismus von Cushing und Tucker gipfelt...
    Handlungstechnisch für mich einer der besten und sozialkritischsten Hammerfilme :)
    So verschieden können Meinungen sein! ;)

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  4. Na ja, in einem muß ich Dir zugestehen : ich hab den Film sehr lange nicht gesehen. Und als ich ihn damals gekauft und gesehen hab', war der Horror für mich mehr darin begründet, das das Geld nun futsch war. Ich fand' ihn sogar so schlecht damals, das ich ihn sogar verschenkt hab'. (was aber auch gar nicht mal so leicht war :( heute würde ich ihn vllt sogar nochmal ganz gerne sehen, gerade weil ich manchmal soviel Gutes höre oder lese, wie jetzt ja auch wieder. Aber inzwischen gibt's ihn m.W. nach ja auch gar nicht mehr und sooo wichtig ist mir das dann auch nicht. Aber manchmal ist es ja spannend, alte Filme, die man mal toll gefunden hat, oder auch nicht, wieder zu entdecken und sie dann mit ganz anderen Augen sieht.

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  5. Es lohnt sich auf jeden Fall. Der Streifen war ja auch gar nicht mehr so teuer? Obwohl, mittlerweile sind ja auch die "günstigeren" Hammertitel hochpreisig geworden.

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