Montag, 29. März 2010

The Giant Behemoth (Das Ungeheuer von Loch Ness - 1958)

Nach Wochen des Wartens klingelt der Hermesmann an meiner Türe und ich weiß, das kann nur eine Bestellung von ICatcher sein. Voller Vorfreude zerrupfe ich den Karton und berge den kostbaren Inhalt. Das Ungeheuer von Loch Ness, haptisch eine sehr schöne DVD. Das liegt wohl vor allem daran, dass wir hier, obacht!, 2 DVDs im Amaray versenkt haben. Nachdem die Folie entfernt und das Wendecover gedreht ist, ab in den DVD-Player. Es ertönt das obligatorische "Amelia!! Amelia!!" und des Filmfreundes Herz umspült eine wohlige Wärme.
Der Film entführt uns nach Großbritannien, wie der Titel vermuten lässt, allerdings hat er überhaupt nichts mit dem Loch Ness in Schottland zu tun. Wir befinden uns nämlich in Cornwall England. Tatsächlich ist der Titel mal wieder einem kreativen Erguss des deutschen Filmverleihers geschuldet. Die Herren Strecker und Keßler (Salom, meine Herren!) führen uns dann auch noch diesbezüglich in die Topographie Englands ein und belegen anhand von knallharten Fakten, weshalb das Gewässer im Film nicht das bekannte Reiseziel aller Monsterfanatiker sein kann.
Unterschwellig klingt in der Anfangssequenz die Bedrohung der Atomenergie mit, es werden Atompilze gezeigt und ein Professor hält einen aufgeklärten Vortrag über die Risiken (liebe Deutsche Regierung, nehmt euch das zu Herzen!). Der gute Mann hält eine flammende Rede für Vernunft und Besonnenheit im Umgang mit dieser unkontrollierbaren Technologie und gibt uns sogar einen kurzen historischen Abriss.
Tatsächlich war es wirklich so, dass Wissenschaftler bei Atomtests im Bikini-Atoll mit maximal einem Dosimeter ausgestattet das Land nach einer Detonation auf der Insel betraten. Überflüssig zu erwähnen, dass sie kurze Zeit später den Auswirkungen der Strahlung erlagen.
Weitere Personen, die uns vorgestellt werden, sind der zu Beginn dahinscheidende Fischer Tom und seine schöne Tochter Jeannie McDougall. Da wir eine britisch-amerikanische Co Produktion haben, teilen sich die beiden Wissenschaftler die Nationalitäten, wobei der amerikanische im deutschen Ton extrem betrunken rüberkommt. Haha! Nachdem sie von dem Vorfall erfahren, machen sie sich sogleich auf, die Mysteriösitäten zu ergründen. Das Fischerdörfchen ist wirklich ein malerischer Ort mit seinen kleinen verwinkelten Seitengassen. Man riecht förmlich den Fisch auf den Kuttern, während das Wissenschaftlerduo dem Geheimnis auf der Spur ist. Mit Geigerzähler bewaffnet suchen sie den Strand nach radioaktiven Strahlen ab und treffen auf die Tochter des Verstorbenen.
Richtig wissenschaftlich wird es, als Plattfische filetiert und auf Fotoplatten gelegt werden, um deren Strahlung nachzuweisen. Der Film spielt an erstaunlich vielen Handlungsorten und auch das Warten auf das Ungeheuer dauert nicht sehr lange. Dieses ist von Willis O´Brian in Stop-Motion animiert. Viele werden ihn vielleicht durch seine großartige Leistung in King Kong und die weiße Frau kennen. Aber allzu viel vom Streifen will ich auch gar nicht verraten.
Der Film ist temporeich und gleicht einer detektivischen Schnitzeljagd. Wobei stets die absolute Abneigung gegenüber der Atomenergie präsent ist.
Anzumerken ist, dass wir in der längsten Fassung (der amerikanischen) ungefähr 5 Minuten englischen Ton mit deutschen Untertiteln haben. Auf der zweiten DVD sind dann auch noch die englische und deutsche Version des Filmes enthalten. Für alle also etwas dabei. Einen detailierten und bebilderten Schnittbericht findet man hier.
Der Film ist ein absolut würdiger Beitrag zur Galerie des Grauens und bietet richtigen Sehspaß. Er kommt einem so gar nicht B-Movie-esk vor, sondern hat storytechnisch wirklich Qualität. Sicherlich ein Film, den man sich noch einige Male anschauen und immer wieder neue Aspekte entdecken kann.
Auch wenn alle Titel der Galerie unglaublich gut sind, reiht sich The Giant Behemoth ganz weit oben in die Rangliste ein. Ein überdurchschnittlicher Monsterfilm eben.
Die Audiokommentare (Strecker/Keßler + Giesen) sind wie gewohnt liebevoll inszeniert, voller Humor und Informationsgehalt. Das Begleitheftchen ist diesmal sogar etwas dicker und prall gefüllt mit Informationen von Herrn Ingo Strecker (ich hoffe, dass Monstrula bald neuer Inhalt spendiert wird!). Auch wenn es etwas gedauert hat, das lange Warten hat sich gelohnt. Vielen Dank Anolis für diese tolle kleine Perle, die hoffentlich durch die Veröffentlichung mehr Aufmerksamkeit bekommt. Denn die hat The Giant Behemoth definitiv verdient.

Kommentare:

  1. Ist bei mir auch angekommen, nur zum anschauen bin ich noch nicht gekommen. Es liegt hier einfach zu viel auf Halde. Was mache ich jetzt nur mit der engl. DVD...*Mist*

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  2. Von so einem tollen Filmchen kann man doch nie genug Auswertungen haben :) (es sei denn, man hat echte Platzprobleme!)

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  3. Es ist Anolis wieder einmal erneut gelungen, einen Film aus der Versenkung zu holen, der zwar kein Spielberg ist, aber auch nicht sein muß. Spezialeffektepionier Willis O'Brian zeigt, wie auch Ray Harryhausen, wiviel Spaß Kino auch mit einfachsten Mitteln und ohne Computermätzchen machen kann.

    http://gothicmovieworld.forumieren.com/forum.htm

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