Montag, 22. März 2010

Repo!l - The Genetic Opera (2008)

Ich war zugegebenermaßen durch den Trailer sehr neugierig und gespannt auf diesen Film. Angekündigt wurde er als blutige, moderne Variante der Rocky Horror Picture Show. Ein Horrormusical also. Bei Sweeney Todd haben mir die Gesangparts nur sehr eingeschänkt gefallen und dort wurden sie nur eingestreut. Bei Repo wird aber den ganzen Film über ausschließlich gesungen. Ob das nicht auf Dauer nervt?
Was jedem vorher klar sein sollte, den Film gibt es nur OmU (Original mit Untertitel)! Eine extra Synchronisation wäre sicherlich für diese Art Film zu teuer gewesen und, wenn man mich fragt, sowieso überflüssig. Trotzdem ist die deutsche Übersetzung nicht immer nah am Original. Man bedient sich aber nicht nur des Musicals, auch eine comichafte Erzählform ergänzt das Stilmittelrepertoir von Regisseur Darren Lynn Bousman (u.a. Saw II,III und IV). Vor allem Origins (Hintergrundgeschichten der jeweiligen Charaktere) werden im Film als bunter Comic präsentiert. Das sieht gut aus und spart Zeit. Allerdings sind die Sprechblasen ziemlich winzig, so dass man dankenswerterweise auf die Untertitelung schielt.
Die Story ist ganz putzig. In einer zukünftigen Welt fällt ein großer Teil der Menschenheit einer Seuche anheim, die nur durch Organtransplantation bekämpft werden kann. Der Organhandel floriert unter der Ägide von GeneCo Konzernchef Rotti Largo (gewollte Analogie zum New Yorker Paten, dem "Teflon Don" John Gotti? - das Buch "Gangland" von Howard Blum über Gotti ist übrigens sehr empfehlenswert!). Ja es ist sogar mächtig chic in der Oberschicht, sich unters Messer legen zu lassen.
Wer die Organzeche bei GeneCo nicht bezahlen kann, wird vom Repo-Man aufgesucht und seiner neuen Innereien entledigt.
Wir verfolgen schließlich die Geschichte der kranken 17 jährigen Shilo, dem Geheimnis ihres Vaters und wie sie in Konflikt mit dem GeneCo Konzern gerät. Dabei fahren wir in einer Gefühlsachterbahn vorbei an Gier, Täuschung, Liebe und Hoffnung.
Der Cast ist ziemlich hochkarätig. Unter anderem sind Anthony Head (der Bibliothekar von Buffy), Bill Moseley (House of 1000 Corpses, The Devil´s Rejects), Paris Hilton (u.a. dummes Blondinchen, aber auch Schauspielerin in House of Wax) und Sarah Brightman (die Opernsängerin) dabei.
Tatsächlich wissen die meisten der Schauspieler versiert mit ihrer Stimme umzugehen und ermöglichen es dem Zuschauer, den Film zu genießen. Der Soundtrack ist ziemlich facettenloser Gothic Rock (am ehesten mit der Band Evanescence zu vergleichen, allerdings nicht ganz so schlecht), passt aber gut zu der Lack- und Lederoptik der Kostüme.
Auch die Beleuchtung und Farbfilter sind analog dazu eingesetzt und unterstreichen die düsteren, aber auch schrillen Bilder .
Der Film befindet sich in einem permanenten Duell mit sich selbst. Es herrscht immer wieder ein Kampf zwischen klassischen Filmelementen und einem auf einer Bühne vorgetragenen Musical, wobei der Film auf eine Art Metaebene verdrängt wird (speziell beim Showdown wird dies deutlich).
Ein wirklich gelungener Film mit guten Schauspielern und soliden Gesangsleistungen. Kann man sich anschauen, wird bisweilen etwas anstrengend, aber definitiv über die Laufzeit des Filmes erträglich.
Ein ambitionierter und mutiger Weg, das Horrorgenre aus seiner konventionalisierten Lethargie heraus zu reißen. Außerdem nett anzuschauen: Paris Hilton rutscht das Gesicht vom Kopf. Olé!
Die Dvd ist relativ schlicht und kommt barebone (kein Booklet etc.), aber immerhin mit Wendecover nach Hause. Es gibt eine Handvoll Features, wobei die Karaoke-Songs eine sehr nette Idee sind.
Für unter 10€ auf jeden Fall einen Kauf wert.
Was mich aber wirklich ankotzt: liebe Filmverleiher, wir sind im Zeitalter der DVD, das heißt: man muss nicht mehr, wie früher bei der VHS, Trailer vor den Film packen! Man kann diese optional im Menu auswählen. Also lasst es, Trailer vor das Menu zu knallen. Das nervt einfach nur immer wieder auf´s Neue!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen