Donnerstag, 8. April 2010

Der große Zombie-Rundumschlag, ein Versuch

Heute möchte ich euch, liebe Leser, einen kleinen, aber feinen medialen Überblick über die Königsdisziplin der Unterhaltung geben: Zombies. Getreu dem Motto "crossing all boundaries" wird dabei quer durch ALLE Medien gewildert und nur Sahnehappen des Genres eine Kurzvorstellung gestattet. Der von mir willkürlich gesetzte Anfang datiert sich auf das Jahr 1932, als Bela Lugosi in der Rolle des Legendre im Film "White Zombie" das Genre des wieder auferstandenen Toten zum Leben erweckte. Von diesem Pionierfilm existieren mehrere brauchbare DVD Fassungen. Ein weniger glückliches Schicksal trifft den 11 Jahre später erschienenen Streifen "I Walked With A Zombie" von Jacques Tourneur. Hier gibt es lediglich eine VHS Auswertung. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert, wenn sich ein Label dieses viel rezipierten Filmes annehmen würde. Das Horrorpunk Solo Projekt Wednesday 13 hat übrigens einen gleichnamigen Schunkelpunksong mit einem angenehmen Video produziert. Wir machen nun einen Sprung in das Jahr 1966 und wenden uns dem hier im Blog bereits thematisierten "Plague of Zombies" zu, der, wie auch schon White Zombie, die Entstehung von Zombies durch Voodookulte bzw. Magie erklärt. Ein großartiger Film, der neue Blickwinkel eröffnet und sicherlich wegbereitend für den Meilenstein im Zombiegenre, der 2 Jahre später folgen sollte, war.
Die Rede ist von George A. Romeros Klassiker "Night Of The Living Dead"! "They´re coming to get you Barbara!"- nahezu jedem sind diese Worte geläufig und sie wurden nicht zuletzt in etliche Musikstücke eingeflochten. Der Film selbst setzt auf die bedrohliche Wirkung der überwältigenden Zombiemassen und ist noch weit entfernt von den modernen, schnellen Zombies. Die Protagonisten verschanzen sich in einem Haus vor der Horde Untoter und wehren sich in bester A-Team Manier. Genau 10 Jahre später folgte der zweite Film der Reihe "Dawn Of the Dead" (1978). In Deutschland ist dieser Film leider, genauso wie sein Nachfolger "Day of The Dead" (1985), beschlagnahmt und somit nicht mehr erhältlich. Allerdings sind andere EU Länder deutlich liberaler eingestellt und differenzierter in Bezug auf visuelle, fiktive Gewalt und bieten die Filme völlig legal zum Kauf an. Dass diese Art von Filmen Jugendlichen vorenthalten werden sollte, ist selbstverständlich Konsens. Aber dass dies auch für mündige, erwachsene Bürger der Fall ist, jedoch mehr als fraglich. Romero machte mit seinen Zombiefilmen immer wieder ein sozialkritisches Statement gegen die Konsumgesellschaft. Die eingesperrte Gruppe Menschen in einer amerikanischen Mall illustriert das Dilemma unserer Gesellschaft punktgenau.
Aber nicht nur britische und amerikanische Zombiefilmproduktionen machten seiner Zeit auf sich aufmerksam.
Auch im kleinen Italien schickte sich ein bebrillter Kauz namens Lucio Fulci an, das Zombiegenre zu revolutionieren. Mit seinem Genreklassiker "Ein Zombie hing am Glockenseil" (1980) setzte er deutlich mehr auf Spannungseffekte und weniger auf die Gewaltdarstellungen. Zu seiner Popularität hatte sicherlich auch geführt, dass damals das makabre Gerücht die Runde machte, Fulci würde mit echten Leichen drehen.
In den glorreichen 80ern beeinflusste das bis dato im Wesentlichen auf das Medium Film limitierte Zombiegenre eine Gruppe von Jugendlichen, die diese Einflüsse schon bald in musikalischer Form verarbeiten sollten.
Gelangweilt vom hochgestylten Thrash Metal der frühen 80er Jahre gründeten sich vor allem in Schweden viele Death Metal Bands, die in ihren Artworks und Texten immer wieder auf das Motiv der Untoten rekurrierten. Ob Flyer, Fanzines oder CD Booklets, die Seiten waren voll von zumeist selbstgezeichneten Kunstwerken aus der Horror- und größtenteils Zombieecke. 2 heute noch aktive Bands aus diesem Genre des Retro-Death Metals sind Death Breath und Tribulation. Beide Bands kommen aus Schweden und lassen die 80er Jahre wieder auferstehen. Es lohnt sich auf jeden Fall für Metalfreunde oder tolerante Musikliebhaber, ein Ohr zu riskieren.
Verlassen wir die Dekade und wenden uns den 90er Jahren zu. Man muss konstatieren, dass in der Zeit von Grunge und Hip Hop das Zombiegenre relativ stark stagnierte. Lediglich Peter Jacksons Meisterwerk "Braindead" (1992) sorgte damals für Aufsehen. Lange Zeit meiner Kindheit eine Legende, bis wir irgendwann eine schäbige Kopie des Filmes auf VHS bekamen und von der Bildgewalt schier erschlagen wurden. Für mich war das damals der Einstieg in die Welt der Zombies. Vor allem das Konzept der Endzeitstimmung und die vielen Möglichkeiten der Szenarien faszinierten mich sofort. Dabei war es vollkommen egal, ob die Filme einen humoristischen Einschlag hatten oder wirklich sehr ernst vorgetragen wurden. Amateursplatterfilme wie "Premutos" (1997) von Olaf Ittenbach, die ebenfalls das Motiv des Zombies in sich trugen, zogen schließlich auch ihre Kreise und richteten den Fokus vor allem auf die Splattereffekte.
Ein sehr erfolgreiches Computerspiel der 90er, welches primär Zombies thematisierte, war Resident Evil. Allein in diesem düsteren Haus mit einer absolut bescheuerten Steuerung und der ständigen Angst im Nacken, sorgte es für viele horrordurchtränkte Nächte vor der Konsole. Zahlreiche qualitativ schwankende Titel folgten und auch die Verfilmungen hielten sich im Vergleich zum Anspruch doch sehr in Grenzen.
2002 erschien mit "28 Days Later" ein britischer Film, der die Zombieplage auf einen Virus zurückführte und zum ersten Mal auf schnelle Zombies setzte. Die postapokalyptische Endzeitstimmung und das völlig leere London wirkten damals so bedrohlich, dass der Film schnell den Status einer Blaupause für spätere Werke werden sollte. Mit "28 Weeks Later" (2007) versuchte man sich an einer Fortsetzung, die ebenfalls sehr gelungen war. Der richtige Zombieboom sollte allerdings erst 2004 mit Zack Snyders Remake von "Dawn Of the Dead" kommen. Der bis dato Musikclips drehende Regisseur lieferte mit dieser Neuauflage ein imposantes Werk ab und setzte ebenfalls auf schnelle Zombies.
Im selben Jahr wurde das Subgenre der Zombedie, der lustigen Zombiefilme, mit Ed Wrights Meilenstein "Shaun Of The Dead" geboren. Obwohl die Ursprünge bei Filmen wie Braindead lagen, wurde hier mit der Einführung des rabenschwarzen britischen Humors ein Niveau erreicht, das bis heute unerreicht geblieben ist.
Altmeister George A. Romero ließ es sich nicht nehmen, auf den wieder
in Fahrt kommenden Zombiezug aufzuspringen und lieferte mit "Land of The Dead" eine konsequente Fortsetzung ab, die das Segment der intelligenten Zombies zum Zombiekosmos hinzufügte. Es folgte nun eine Flut von neuen Zombiefilmen, worunter jedoch nur wenig Brauchbares zu finden war. Der low Budget Streifen "Dead & Breakfast" (2004) war doch noch einer der besseren Titel, der vor allem durch seine witzigen Ideen punktete. Aber auch der das Thema des Zombies in der Gesellschaft aufgreifende Film "Fido" (2006) sollte in dieser Auflistung Erwähnung finden. Eine Firma, die Zombies mit Halsbändern an die normale Familie verkauft, damit sie niedere Arbeiten verrichten können. Das Ganze visuell super umgesetzt und in einem 50er Jahre Setting angesiedelt, überzeugt auf voller Länge. Carrie-Anne Moss (spielte Trinity) ohne die schreckliche Matrixfrisur zu sehen, ist ebenfalls einen Blick wert.
Romeros "Diary Of The Dead" (2007) erzählt die Geschichte der Ausbreitung der Zombies weiter, tut dies auf die Amateurcam-hafte Weise und kann damit nur bedingt überzeugen. Der Film ist dennoch gelungen, wenn man ihn als eigenständigen Beitrag und nicht in der "...of the Dead" Reihe betrachtet. Der Film ist sicherlich Romeros sozialkritischster, allerdings durch die Stilbrüche nicht immer stringent erzählt. Dadurch wird man an manchen Stellen einfach aus dem Film geworfen. Besser macht es da der spanische Film "Rec" (2007) bzw. sein amerikanisches Remake "Quarantine" (2008). Wobei das Original den Stoff wesentlich besser umsetzt.
Das von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez reinkarnierte Grindhousekino hat mit seinem Film "Planet Terror" (2007) den meiner Meinung nach besten Horrorfilm des neuen Jahrtausends produziert. Volle Härte, schwitzendes Zelluloid, maximaler Spaß, eine großartige Besetzung und etliche Anspielungen auf alte Horrorstreifen. Die Veröffentlichung von Senator in einer schicken Blechbox mit zahlreichen Goodies und viel Bonusmaterial muss ebenfalls erwähnt werden.
Ein weiterer lohnenswerter Film der jüngeren Jahre ist "Dance Of The Dead" (2008), bei dem es um einen von Zombies heimgesuchten Abschlussball geht (inklusive Zombiefrosch und -liebespaar). Locker und leicht kommt der Film daher, zeigt allerdings weniger Neues und bietet somit solide Zombiekost.
Verlassen wir nun den Film und wenden uns dem Bindeglied zwischen selbigem und dem Buch zu. Die Rede ist vom Comic.
Robert Kirkman schaffte bereits 2003 mit seinem Zombie Endzeitepos The Walking Dead ein in schwarz/weiß gehaltenes Meisterwerk, das es mittlerweile auf stolze 70 Ausgaben bringt. Erzählt wird die Reise von Rick Grimes durch die von Zombies bevölkerte Welt im Stil einer Seifenoper. Sehr zu empfehlen und seit einiger Zeit auch auf Deutsch in kleinen gebundenen A5 Büchern bei Cross Cult erhältlich.
Ein weiterer Comic, der unbedingt gelesen werden sollte, ist "Les Zombies Qui Ont Mangé Le Monde" - "Als die Zombies die Welt auffrassen". Von Guy Davis unglaublich toll gezeichnet und in einem 160 Seitigen Album erschienen. Außerdem wird demnächst beim deutschen Independent Comic Verlag Zwerchfell eine neue Reihe "die Toten" erscheinen, die schon jetzt Lust auf mehr macht. Ein kleine Previewseite findet man auf dem Facebookaccount des Verlages. Pünktlich zum Comic Salon in Erlangen im Juni soll der erste Band fertig sein. Wer Näheres wissen möchte, sollte sich den verlagseigenen Zettgeist Podcast darüber anhören. Ich bin wirklich gespannt und werde die Sache weiter beobachten!
Die Zombies haben es, man mag es kaum glauben, sogar in die Welt der Brettspiele geschafft. Ob dies allerdings was taugt, sei mal dahingestellt.
In die Buchhandlungsregale hat es vor allem der "Zombie Survival Guide" von Max Brooks geschafft. Weniger ein Roman als eine Anleitung zum Überleben, falls der Fall eintritt, dass die Zombies eines Tages die Erde überrennen. Kurzweiliger Lesespaß.
Hörspiele mit Beteiligung von Zombies können wir ebenfalls verzeichnen. In H. G. Francis´ Gruselserie gibt es die wirklich gelungene Folge "Die Insel der Zombies". Heute sogar auf Compact Disc erhältlich und das zu einem angemessenen Preis.
In Zeiten der Spaßgesellschaft und Sozialkritik werden auch gerne Zombie Walks veranstaltet. Das heißt, Menschen verabreden sich für einen bestimmten Zeitpunkt, kostümieren sich als Untote und wandern durch die Straßen. Ein Video eines Zombie Walks in Berlin findet man hier.
Wie man sieht, hat die Idee der lebenden Toten tatsächlich einige Perlen für uns hervorgebracht und wird dies in Zukunft auch hoffentlich weiterhin tun. Mit Zombieland (2009), Dead Air (2009), Dead Snow (2009) und Pontypool (2008) sind noch einige Filme mit Potential in den Startlöchern. Außerdem hat Romero auch schon wieder mit "Survival of the Dead" (2009) nachgelegt.
Sicherlich wurde hier und da etwas vergessen, aber ich erhebe schließlich auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr sollte dieser kleine Überblick als Orientierung im Jungle der Veröffentlichungen dienen und aufzeigen, wie vielfältig das eigentlich so banale Thema umgesetzt wurde.
In diesem Sinne, when there´s no more room in hell, then the dead will walk the earth.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Kommentare:

  1. Netter Artikel! Ich selbst liebe Zombiefilme^^ bin mal gespannt was du noch so machst!

    greetz
    LordFaethor

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  2. Demnächst wird vom Cross Cult Verlag die Seite www.zombiemania.de gestartet. Die werde ich ebenfalls mit zombiespezifischen Infos unterstützen :)

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  3. der Rundumschlag ist super gemacht , was hier noch fehlt ist die Left 4 Dead Reihe zu erwähnen -einzigartig- sie bringtt dem Spieler das Endzeit Zombieklima und den Überlebenskampf in der Gruppe gut rüber desweiteren fehlt mir noch die Erwähnung von Marvel Zombies , eine meiner meiinungnach klasse reihe ^^

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  4. ach und desweiteren sind Mangas wie High School of the living Dead zu nennen un ein online comic namens the zombie hunters , welcher eine unglaubliche zombie mythologie hat absolut lesenswert

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