Donnerstag, 15. April 2010

District 9 (2009)

Wir sprechen hier von dem wohl innovativsten und außergewöhnlichsten Film des letzten Jahres. Unter den Fittichen von Peter Jackson präsentiert, erfuhr er im Vorfeld einen ziemlich großen Hype, so dass ich schon aus Protest den Kinogang verweigerte.
Nach einiger Bedenkzeit und positiven Besprechungen von für mich bedeutendenden Verfassern habe ich mich in der Bringschuld gesehen und mir den Film ins Haus geholt.
Ich muss sagen, noch nie war ein Alienfilm politischer.
Gerade in den letzten Jahren hatte ich oft Schwierigkeiten, mich mit Filmen, die abseits des Horrorgenre lagen, zu identifizieren bzw. sie als gelungen einzuordnen. Die meisten ließen mich ob ihrer haarsträubenden Inszenierung oder völlig unglaubwürdigen Charaktere komplett kalt. Bei District 9 ist das anders. Vermutlich hängt dies auch nicht unerheblich mit dem jüngst veröffentlichten Video über das wahre Gesicht von Soldaten in Kampfeinsätzen zusammen. Als naiver Mensch, der an das Gute glaubt, quillt dieser Film nur so vor Klischees über. Vor dem Hintergrund der Realität sieht die Sache jedoch ganz anders aus. Tatsächlich sind zwischen Klischee und Realität kaum noch bemerkenswerte Unterschiede zu verzeichnen.
Der Film hält den Spiegel vor das Antlitz der Menschheit und zeigt uns unsere hässliche Fratze.
Zeigt uns, zu was Menschen fähig sind, bar jeder Vernunft. Wie fokussiert man auf Profitmaximierung, Machtgewinn und Sadismus sein kann.
Rassenideologien und Vorurteile werden auf intelligente Weise umgelenkt, auf eine Art von dritten Subjekten projiziert und ermöglichen so noch ein Quäntchen mehr Abstand, ein µ mehr Objektivität.
Über den Inhalt möchte ich mich gar nicht weiter auslassen, da man sich den Film unbedingt anschauen und dieses im Optimalfall völlig ohne Vorkenntnisse über den Film tun sollte.
Falls man doch nicht ganz ohne die Eckpfeiler in das Geschehen einsteigen will: Ein Raumschiff voller Außerirdischer schwebt über Johannesburg. Die Außerirdischen werden von den Menschen gerettet und in Ghettos untergebracht. Das Unglück nimmt seinen Lauf.
Handwerklich ist der Film absolutes Obermaß und sieht deutlich teurer aus, als er gewesen sein dürfte. Die CGI-Effekte sind auf Transformers-Niveau, ohne so dermaßen überladen zu sein. In der Tat wirken die Animationen sehr homogen und überhaupt nicht unecht oder ins Bild kopiert. Das Aliendesign ist absolut großartig (an Garnelen mit Gliedmaßen angelehnt) und lässt zusätzlich die Möglichkeit, Emotionen auszudrücken.
Die Kameraführung ist etwas undurchsichtig, da sie teilweise dokumentarischen Charakter annimmt, allerdings auch immer wieder wie ein ganz normaler Spielfilm wirkt. Man weiß nie genau, ob man diese unterschiedliche Handhabung 100% überzeugend finden soll oder nicht. Allerdings tut dieser kleine Dissenz im Geiste dem Film in Sachen Athmosphäre nicht den geringsten Abbruch.
Überhaupt kommt der Film sehr nachdenklich und humanistisch (ausgeweitet auf mitfühlende Lebewesen) daher, ohne dass man dazu gezwungen wird, zu viel darüber nachzudenken. Man kann es sehr wohl auch als Popcornkino mit ausgeschaltetem Gehirn und herunter gefahrener Empathie schauen.
So funktioniert der Film auf zwei Ebenen. Zum einen kann man ihn als optisch imposanten, actionlastigen Genrefilm mit abgefahrenen Aliens sehen, zum anderen als sozialkritischen Beitrag zum Thema Gewalt, Fremdenhass und Vorurteile.
Blutig geht es her und es verwundert mich doch stark, dass unsere Freiwillige Selbstkontrolle den Film mit einer 16ner Freigabe eingestuft hat. Das freut uns natürlich, denn obschon die absolute Willkür in unserem Quasi-Zensurorgan herrscht, fällt diese auch manchmal Entscheidungen zu Gunsten der Kunst.
Von Kunst und einem hehren Anliegen der Autoren kann man in diesem Fall definitiv sprechen und ich bereue es sogar, den Film nicht auf der großen Kinoleinwand gesehen zu haben.
Wer also einen actionlastigen Film mit intelligenter Story sehen möchte, ist mit District 9 bestens beraten. Der Spagat zwischen Unterhaltung und Anspruch ist bestens geglückt und lässt für die Zukunft auf weitere Nachahmer hoffen.

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