Dienstag, 15. Juni 2010

Attack of the Crab Monsters (USA-1957)

Kann man einen genial-absurden Monsterfilm auf einer einsamen Insel in nur 60 Minuten erzählen? Wenn man Roger Corman heißt, muss die Antwort eindeutig JA lauten!
Der Film ist der absolute Knaller, ein Trashfeuerwerk mit völlig abwegigen Ideen und einem phänomenalen Monsterdesign!
Für Monsterfilmliebhaber also eine absolute Perle, für den modernen Kinogänger sicherlich primitivste und lächerlichste Zelluloidverschwendung.
Ich habe mich sowohl prächtig amüsiert, als auch bestens unterhalten gefühlt. Durch die kurze und knackige Laufzeit gibt es überhaupt keine Längen. Corman fackelt auch nicht lange und lässt die bestenfalls rudimentär vorhandene Story binnen weniger Minuten erklären.
Ein Wissenschaftlerteam macht sich auf die Reise zu einer geheimnisvollen Insel. Das vormals dort stationierte Team ist spurlos verschwunden und niemand kann sich erklären, weshalb.
Ach ja, die Insel liegt mitten im Atombombentestgebiet! Der routinierte Monsterfilmfreund nickt zum ersten Mal wissend gen TV-Gerät und denkt sich "weiß bescheid".
Das Forscherteam besteht aus einer internationalen Besetzung. Der etwas korpulente Franzose macht einem dergestalt Angst, dass man denkt, sein Hemdknopf könnte einem wegen des immensen Drucks jeden Moment entgegen springen.
Die Meeresbiologin sieht tatsächlich eher wie eine Wissenschaftlerin, als ein Modell aus (schade) und der Kopf der Bande ist ein seltsamer Bursche mit einer zwielichtigen Sonnenbrille.
Die Insel ist jedenfalls völlig verlassen, auch keine Tiere sind darauf zu finden. Ok, ein paar Möwen und Krabben streifen umher, aber ansonsten sieht es schlecht aus mit der Fauna und es wird Wert darauf gelegt, dass die Insel unbelebt ist.
Außerdem wird das Gebiet ständig von Erdbeben heimgesucht (die Kamera wackelt und ein paar Pappsteine kullern herum). Bei einem dieser Erdbeben verliert unsere Protagonistin übrigens auf sehr charmante Art und Weise ihr Bewusstsein. Vor ihr hat sich ein großes Loch aufgetan und ihr neugieriger Kollege steigt hinab, um sich die Sache etwas genauer anzuschauen.
Seine Spitzhacke versenkt er dafür im Boden in einer völlig ungefährlichen Position. Das Fräulein hockt also über dem Loch unmittelbar neben der Spitzhacke. Plötzlich fängt es wieder an zu beben und sie fällt (im Sitzen!) gegen die Hacke und bleibt bewebungslos liegen! Das ist unter anderem einer dieser großen Momente im Film, bei dem ich lachend vom Sofa fiel!
Aber auch die Riesenkrabben regen zum Schmunzeln an und man fragt sich, ob es wirklich jemanden gab, der sich 1957 vor diesem Riesenpappvieh gefürchtet hat?
Egal, weiter geht es mit der Story. Die Leute sind also auf der Insel, es bebt und ab und zu hören wir merkwürdige Knacklaute. Damit nicht genug, schallt auch noch die Stimme eines der verschollenen Crewmitglieder durch die weite Flur und ruft die Neuankömmlinge zu Hilfe. Unser Fräulein, naiv wie Frauen in den 50ern nunmal waren (bzw. es uns suggeriert wird), macht sich sofort mitten in der Nacht auf den Weg nach draußen.
In den Höhlen entdecken wir dann die riiiieeeeesigen Monsterkrabben, die unserem smarten Franzosen die Hand abschnappen und ihn später dann ganz verspeisen. Ihre Scheren werden übrigens von gut sichtbaren Seilen gehalten!
Jetzt kommt der absolute Hammer: die offensichtlich radioaktiv-mutierten Monsterkrabben assimilieren die Gehirne der Menschen, die sie gefressen haben und können fortan deren Stimme benutzen, um mit den Menschen zu kommunizieren und sie heimtückisch zu sich zu locken. Die Krabben behalten dann auch den großartigen französischen Akzent über den Rest des Filmes. "fulisch, werie fulisch!"
Wer denkt sich denn bitte so etwas aus? Noch verrückter wird es dann, als es den Monstern ans Leder geht. Handgranaten fliegen zwar in rauen Mengen auf das Krustenvieh, aber durch den urangehärteten Chitinpanzer kommt einfach nichts durch!
Die Biester sind allerdings durch die radioaktive Strahlung negativ aufgeladen und sobald sie mit positiver Energie bestrahlt werden, zerfallen sie unmittelbar zu Staub.
Ich hab mich wirklich schlapp gelacht.
Insgesamt ist der Film neben dem hohen Trashfaktor aber sehr gut in Szene gesetzt. Corman versteht sein Handwerk und es ist sehr erfreulich, dass die meisten Szenen im Freien gedreht wurden. Irgendwie kommt dadurch richtiges Abenteuerfeeling auf, auch wenn man immer wieder über z.B. die dümmlichen Matrosenjungs grinsen muss.
Den Film muss man einfach gesehen haben, allein schon wegen der herrlich absurden Ideen und der köstlichen Krabben.
So trashig der Film auch sein mag und so sehr man sich auch über ihn lustig macht, er ist immer noch tausend Mal besser, als die meisten Filme, die heute in den riesigen Kinotempeln laufen. Die billigsten Monsterpuppen sind mir immer noch tausend Mal lieber, als irgendwelche computeranimierten Poligonungeheuer.
Leider gibt es keine deutsche Veröffentlichung des Titels und man muss auf die britische Fassung zurück greifen. Die ist als Nummer 8 in der Roger Corman Collection erschienen und grade für wenig Geld zu haben. Das Bild ist gut, allerdings gibt es absolut keine Extras. Nichtmal ein DVD Menu.
Ist aber gar nicht schlimm wegen des maximalen Spaßfaktors!
Länge: 60 min.

Kommentare:

  1. Hab ich schon oft und viel Gutes von gehört und trotzdem leider noch nicht gesehen. :(( Wann erbarmt sich endlich ein Label dieses kleinen, sicher feinen Filmchens ? Corman ist ja auch hierzulande kein Unbekannter und gerade JETZT wäre der Zeitpunkt doch günstig, wo diese Granaten wieder so gut laufen ! Also her damit ! :)

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  2. Jep, eine deutsche Veröffentlich wäre klasse. Kinosynchro, immer her damit.
    Der Film würde eigentlich perfekt in die Galerie des Grauens passen. Geht ja so in die Richtung Fiend Without a Face oder Day the World ended.

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