Montag, 14. Juni 2010

The Brides of Dracula (Dracula und seine Bräute - 1960)

Heute geht es mal wieder zurück auf die Insel, zu einem weiteren Draculafilm aus der britischen Hammer Studio Filmschmiede. Man darf sich also auf tolle Kulissen, gotisches Ambiente, knallige Farben und Peter Cushing freuen!
Warum fällt mir momentan gerade dieser Film in die Hände? Nun, er ist aus der großartigen Koch Media Hammer Reihe! Allen Filmen wurde ein sehr schöner Schuber und ein informatives Booklet spendiert, so dass die Veröffentlichungen sehr edel und hochwertig erscheinen. Die graphische Gestaltung lässt keine Wünsche offen und auch die digital aufbereitete Bildqualität sucht seinesgleichen. Gestochen scharf und sehr authentisch.
Leider gehen die 10 veröffentlichten Titel bei den Händlern langsam zu Neige und die Neuauflage wird nur in normalen Amarays ohne Booklet verkauft. Wer also noch nicht diese tolle Reihe besitzt, sollte sich jetzt langsam beeilen, sie zu vervollständigen, bevor sie im Preis deutlich steigen bzw. barebone ohne die tolle Aufmachung verkauft werden. Denn großartige Titel hat sie allemal zu bieten! Auf den ersten Blick gibt es keinen einzigen Ausfall und eine sehr homogene Auswahl (bis auf Captain Clegg). Ich habe mich jedenfalls an diesen klugen Ratschlag gehalten und mir jüngst die fehlenden Teile, unter herben finanziellen Einbußen, gesichert.
In diesem Zusammenhang hab ich es dann auch endlich geschafft, den ersten Film der Reihe, der sich bereits in meinem Besitz befand, aus dem übervollen Regal zu ziehen und ihn mir pünktlich zur Geisterstunde anzusehen.
Der Beginn ist dann auch gleich sehr hammertypisch. Neblige Wälder, stimmungsvolle musikalische Begleitung und eine düstere Dorfkulisse führen uns in die dramatische Geschichte ein.
Marianne, gespielt von Yvonne Monlaur, möchte zu einem Mädcheninternat, um dort als Sprachlektorin zu arbeiten. Dummerweise ereignen sich auf ihrem Weg von Paris ein paar unvorteilhafte Zufälle, die sie an ihrer Weiterreise hindern. Sie ist gezwungen, im heimeligen und wundervoll ausstaffierten Dorfkrug zu nächtigen. Allerdings erscheint dort schon kurz nach ihrem Eintreffen eine alte Baroness, die sie zu sich auf ihr Schloss einlädt. Einer alten einsamen Dame kann man so einen Wunsch wohl kaum abschlagen, also nimmt Marianne die Einladung an.
Das Schloss ist unglaublich liebevoll ausgestattet und man merkt mal wieder, wie viel Mühe man sich beim Entwerfen der Umgebung gegeben hat. Es spiegelt perfekt die Dekadenz der Aristokraten wider und verstärkt das Dilemma, in dem sich die Familie befindet.
Die sehr interessante Geschichte um die alte Baroness und ihren geheimnisvollen Sohn beginnt sich zu entspinnen, so dass schließlich Peter Cushing als Doktor Van Helsing vom örtlichen Geistlichen auf den Plan gerufen wird und der Teufelsbrut ein Ende setzen soll.
Der Blick ins Begleitheftchen verrät, dass Cristopher Lee nur magere 6 Leinwandminuten beim Vorgängerfilm vorzuweisen hat. Baron Meinster dürfte allerdings auf wesentlich mehr kommen. Wie dem auch sei, der Film wird durch das schauspielerische Talent von Peter Cushing ungemein aufgewertet.
Cushing ist für sein Alter erstaunlich gut unterwegs, immerhin ist er beim Dreh schon 47. Er springt über Treppengeländer und stürzt sich wagemütig in die Kämpfe oder hält sich an Windmühlenblättern fest. Respekt!
Von den Kämpfen gibt es bis zum Schluss auch einige, die weniger hölzern dargestellt wurden, als es sonst üblich war.
Der Gruselfaktor ist allerdings nicht sonderlich hoch. Vermutlich liegt das auch an der etwas komischen Vampirfigur des Baron Meinsters. Christopher Lee kann man da auch einfach nicht adäquat beerben. Einen so stechenden und auch heute noch angsteinflößenden Blick hat man, oder eben nicht.
Trotzdem weiß der Film zu gefallen, fängt sehr ruhig und auf die Geschichte fixiert an, um schließlich sehr stark an Tempo zuzulegen.
Die Story ist eine Variation vom bekannten Draculastoff, so dass wir mal keinen Makler haben, der nach Transsilvanien reisen muss, um Dracula ein Anwesen zu verkaufen. Auch wenn der neue Plot sehr frisch rüberkommt, ist er aus heutiger Sicht ziemlich vorhersehbar. Es ist allerdings sehr bemerkenswert, dass Hammer als offizielles Sequel zu "Dracula" (1958) auf dessen Präsenz komplett verzichtete. Um seinen Namen im Titel zu erwähnen, kam man jedoch nicht drum herum, immerhin wurden seiner Zeit sämtliche Filme mit dem Namen Dracula versehen, auch wenn sie schlussendlich gar nichts mit dem Grafen zu tun und nicht mal die Figur eines Vampir im Repertoir hatten.
Der Showdown ist ein absoluter Knaller! Pyrotechnik und sogar sehr coole Make-Up-Effekte kommen zum Einsatz!
Insgesamt ist "The Brides of Dracula" ein sehr stimmungsvoller Film mit einer originellen Geschichte und absolut toller Kulisse. Wer noch nicht allzu satt vom Genre ist, sollte ihm auf jeden Fall eine Chance geben, denn der gesamte Produktionsstab von "Dracula" ist mit an Board und das garantiert eigentlich schon Qualität.
Ein sehr interessanter Beitrag zur Draculafilmgeschichte und ein würdiger erster Titel für die Hammer Reihe von Koch Media.
Länge: 82 Min.

Kommentare:

  1. Ha, den hab ich vor kurzem erst gesehen. Schöner Film und schöne Besprechung! Gruß

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  2. Zitat: "Der Blick ins Begleitheftchen verrät, dass Van Helsing nur magere 6 Leinwandminuten vorzuweisen hat."

    Seltsam. In meinem Booklat steht davon nichts!

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  3. Potzblitz!
    Da habe ich mich doch tatsächlich vertan und Christopher Lee mit Herrn Cushing verwechselt.
    Danke für den Hinweis. Es kam mir schon sehr seltsam vor :)

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  4. Nichtsdestrotrotz für meinen Geschmack ein totales Hihlight, der Film !

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  5. Ich kann mich erinnern, wie ablehnend ich damals schon im Vorfeld dem Darsteller des Grafen gegenüber stand, hatte ich dabei doch wohl immer nur Christopher Lee im Kopf, der mit diesem Blondschopf ja nun gar nichts gemeinsam hat. Aber ich hatte mich getäuscht ! David Peel war alles andere als eine Enttäuschung für mich und wäre für mich - sofern das möglich ist ! - eine absolute Alternative zu Christopher Lee gewesen, wenn dieser nicht mehr gewollt hätte. Nun, Gott sei Dank hat er aber weitergemacht ! Aber ich habe Peel als durchaus diabolisch, teuflisch wirkenden Gegner in Erinnerung und würde auch insgesamt auf den ganzen Film, den ich für einen der besten der Reihe halte, nicht verzichten wollen.

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