Donnerstag, 3. Juni 2010

The Flesh and Blood Show (Im Rampenlicht des Bösen - 1972)

Lange Zeit keine Filmbesprechung mehr gehabt, also schnell ins Regal gegriffen und eine Perle der "Phantastischen Film"-Reihe von EMS rausgeholt.
We're now in the 70‘s baby!
Was wir hier vor der Nase haben, ist einer der ersten waschechten Slasherfilme der Welt! Relativ gespannt darf man dann auch auf die frühe Umsetzung des bis heute tausendfach verwendeten Themas sein.
Wollen wir uns einmal sortieren und mit der Handlung anfangen.
In der Anfangssequenz ist unser Blick auf 2 schlafende Frauen gerichtet, die durch einen mitternächtlichen Gast geweckt werden. Eine der beiden Schönheiten steigt nackt aus dem Bett (!), geht nackt zur Tür (!!) und öffnet sie ebenfalls nackt (what the fuck!!!).
Der Herr vor der Tür (völlig bescheuerte Frisur) verarscht die beiden Damen, indem er vortäuscht, angestochen worden zu sein.
Es verschlägt die 3 in ein verlassenes Theater auf einer Seebrücke. Dort treffen sie auf weitere junge Menschen und sollen fleißig Improvisation im gemütlichen Kreis üben. Als die Meute das Theater entert, entdecken sie ein bewegungsloses Pärchen im Vorführsaal. Die Frau ist natürlich nackt!
Nein sie sind nicht tot, sie haben dort nur geschlafen (hey, wer schläft denn nicht barbusig quer über die Theatersitze ausgestreckt ein?).
Spätestens jetzt merkt man, dass Regisseur Peter Walker eigentlich aus dem Erotikfilm kommt und irgendwie hat es uns der Titel ja auch suggeriert, dass es hier reichlich Fleischbeschauung geben wird. Überhaupt scheint es in der Welt von Walker täglich zu passieren, einfach mal nackt vor einem fremden Menschen zu stehen. Um es gleich vorweg zu nehmen, jede weibliche Darstellerin darf mal ihre Hupen in die Kamera halten. Vom Blut ist allerdings eher wenig zu sehen, was aber bei den frühen Slasherfilmen generell der Fall war.
Stört aber auch überhaupt nicht, da der Film durch die düstere Atmosphäre auf dem Pier und die verwinkelten Gänge im Theater reichlich Spannung bietet. Ok, er hat auch ein paar Längen, aber grundsätzlich unterhält der Film sehr gut.
Man versucht natürlich, die Schauspielergruppe nach allen Regeln des Slasherfilmes zu dezimieren, was auch ganz gut klappt. Allerdings sind diese die meiste Zeit damit beschäftigt, sich an- bzw. auszuziehen oder rumzumachen.
Ein Knaller ist der Film allerdings vor allem, weil hier echte Haircrimes am Start sind. Jeder männliche Darsteller ist durch seine Frisur unglaublich entstellt und ich weiß endlich, woher Noel Gallagher die Inspiration für seine grauenhaften Haarschnitte hat. Der Film hat jedoch auch eine tiefere Botschaft, die, wie ich finde, mit sehr viel Nachdruck transportiert wird. Oberflächlich mag "The Flesh and Blood Show" wie ein billiger Grusel-Schmuddel-Streifen aus dem Bahnhofskino wirken (und als dieser funktioniert er beim Genrepublikum auch wunderbar), aber sieht man genauer hin, bemerkt man, welche gesellschaftsimmanten Konfliktlinien gezogen werden.
Hier herrscht Krieg. Krieg zwischen der jungen, sexuell-emmanzipierten Jugend und der konservativen und durch die Weltkriege geprägten Eltern-/Großelterngeneration.
Vor allem durch die Rückblende und direkte Verweise wird uns dieses Anliegen des Regisseurs noch stärker verdeutlicht.
Man darf sicherlich keine soziologische Gesellschaftsstudie erwarten, aber ein bisschen Anspruch scheint doch versteckt zu sein.
Die Umsetzung ist solide, schließt ein paar amüsante aber liebenswerte Logikfehler ein (das erste Opfer wird praktisch überhaupt nicht vermisst) und macht die meiste Zeit richtig Spaß. Allein für Dialoge wie "Hast du den Schrei auch gehört?" - "Das war sicher nur eine Möwe!" lohnt es sich.
Sicherlich kein Highlight des Genres, aber Liebhaber dieser Kost werden definitiv ihr Vergnügen mit diesem mal ernst, mal weniger ernsten Machwerk haben. Die Ausstattung ist leider etwas dürftig, aber dafür ist das Bild super. Die Erstauflage bekam übrigens einen schicken Schuber und ein Booklet spendiert. Den Schuber gibt es seit der Neuauflage leider nicht mehr. Aber selbst wenn ihr die Erstauflage nicht mehr bekommt, für 3,99€ (aktueller Amazonpreis) macht ihr definitiv nichts falsch! Wer immer noch nicht überzeugt ist, kann sich ja noch den Trailer zu Gemüte führen.
Allen anderen: wohl bekomm's.

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