Freitag, 11. Juni 2010

Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer? (Das Geheimnis der blutigen Lilie - 1971)

Italienische Wochen auf dem Zombiebunker? Könnte man so sagen, denn es verschlägt uns wieder mal nach Italien und wieder haben wir es mit einem maskierten Killer zu tun, der schönen Frauen ans Leder will. Manch einem wird der Film vielleicht auch unter dem Titel "Der Satan mit dem Skalpell" oder "The Case of the Bloody Iris" bekannt sein.
Die Geschichte fängt relativ banal, aber dafür mit schönen Bildern, an.
In einem Hochhauskomplex wird eine junge Blondine im Fahrstuhl ermordet, kurze Zeit später trifft eine farbige Stripperin das gleiche Schicksal. Die beiden Fotomodelle Jennifer (Edwige Fenech) und Marilyn (Paola Quattrini) ziehen nach dem Tod der Stripperin in ihr Appartment und geraten so ebenfalls in das Visier des skrupellosen Mörders.
Das ist eigentlich auch schon die ganze Geschichte, allerdings wird sie spannend erzählt und enthält überraschende Wendungen. Die Figurenkonstellation sorgt außerdem für die nötige Abwechslung (ein verrückter Fotograph, ein noch verrückterer Exfreund, ein slapstickhafter Polizeigehilfe und eine Kampfstripperin etc.). Wem das noch nicht reicht, dem sei hier ein weiteres schlagendes Argument präsentiert: es gibt 70er Jahre Bodypainting! Das sieht ziemlich nostalgisch aus und weicht deutlich von heutigen Möglichkeiten ab. Trotzdem sieht Edwige mit Perücke und aufgemaltem Hemd sehr interessant und mal ganz anders aus.
Die Kameraführung fällt bisweilen regelrecht psychodelisch aus. Oft kippt die Kamera das Bild und löst beim Betrachten wegen der unnatürlichen Perspektive leichte Übelkeitsgefühle aus. Dieses Stilmittel wird direkt an mehreren Stellen eingesetzt. Aber auch das Spiel mit den Farben und Nahaufnahmen, ist ein integraler Bestandteil von Giuliano Carnimeos Film. Fast schon zu oft zoomt er in allen möglichen Szenen durch Regale oder Autotüren auf die Augenpartien der Protagonisten.
Auf den zweiten Mord, der in regelrechter Dunkelheit vollzogen wird, folgt eine komplett grellweiße Szene. Der Zuschauer wird aus der Schwärze gerissen und in das fast schon sterile kalte Weiß des beleuchteten Badezimmers gestoßen. Überhaupt wirkt die Wohnung sehr puppenstubenhaft und irgendwie unheilvoll.
Die Musik wird sehr dezent eingesetzt, passt allerdings durch die markante Melodie gut zum Film.
Edwige Fenech spielt sehr souverän und auch ihrem Gegenpart George Hilton merkt man die Professionalität an. Die anderen Darsteller stechen zwar nicht so sehr heraus, machen ihre Sache allerdings alle sehr gut.
Dass es auch hin und wieder nackte Haut zu sehen gibt, dürfte bei dieser Art von Film keine Überraschung sein. In der Tat wird Jennifer (Edwige Fenech) gleich 2 mal die Kleidung im Eifer des Gefechts vom Leib gerissen. Aber richtig abgefahren wird es, wenn der episodenhafte Einschub in ihre Vergangenheit gezeigt wird. Sie hat sich dummerweise einem Mann versprochen, der auch gleichzeitig in einer Gruppensexsekte zu Werke ging. Dieser stalkt ihr jetzt zu allem Überfluss auch noch hinterher, oder ist er sogar selbst der Killer? Man weiß es nicht. Der Täter geht allerdings ziemlich perfide zu Werke und nimmt sich auch schon mal Zeit für sein Opfer. Die Morde selbst werden zwar explizit, aber nicht übermaßig zweckhaft dargestellt, so dass sich eigentlich jeder den Film anschauen kann, ohne große Splatterorgien erwarten zu müssen.
Die mit Abstand seltsamste Szene im ganzen Film, ist allerdings gleich zu Anfang in einem Nachtklub, in dem das zweite Opfer strippt. Denn eigentlich strippt sie gar nicht. In diesem Männerclub stellt sie sich vielmehr einer Art sexueller Tracht Prügel. Wer jetzt denkt, dass die gute Frau verkloppt wird, der irrt sich. Der Hase läuft hier nämlich ganz anders: sie fordert die Männer heraus und lässt sie an sich ran, um ihnen dann richtig gepfeffert in die Testikel zu treten. Wer es 3 Minuten mit ihr ohne Aufgabe übersteht, bekommt den Jackpot Baby!
Der Film ist mit solchen kleinen Abstrusitäten durchzogen und vor allem der zur Observation abgestellte Polizist übt seinen Job dümmlich/witzig in besser Eddie Arndt-Manier aus, so dass er die eigentlich sehr ernste Szenerie angenehm auflockert.
Insgesamt hat mich der Film sehr gut unterhalten, da er wenig Längen hat und durch seine interessante Auflösung einen schönen Eindruck hinterlässt. Wer hier viel Trash erwartet, wird allerdings enttäuscht werden.
Das Bild ist wirklich super, nur gibt es leider keinen deutschen Ton. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn die englische Synchronisation nicht mit unausblendbaren Untertiteln versehen wäre. Dies gilt übrigens auch für die italienische Originalsprachfassung, welche sich ebenfalls auf der DVD befindet.
Mein Exemplar des Films erschien in der "The X-Italo Giallo Series" als Nummer 16 bei X-Rated, hat ein wirklich bezauberndes Retrocover (Cover B) und wird in einer großen Hardbox (VHS-Hüllen nachempfundene Umverpackung) aufbewahrt. Allerdings existieren auch noch weitere deutsche Veröffentlichungen (Variantcover), sogar eine mit deutschem Ton im Double Feature mit "Der Schwanz des Skorpions"!
Wer gerne tiefer in die italienischen Filmwelt eintauchen möchte, sollte auf jeden Fall zu diesem gelungen Streifen greifen.
Länge: 91 min.

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