Mittwoch, 28. Juli 2010

Faster, Pussycat! Kill! Kill! (Die Satansweiber von Tittfield - 1965)

Du hast noch nie einen Russ Meyer Film gesehen? Wirklich nicht? Niemals? Nein?
Das ist nicht schlimm! Trotzdem solltest du, falls du den Drang verspürst, diese Wissenslücke zu füllen, über bestimmte Dinge aufgeklärt werden.
In Russ Meyer Filmen kann es zu einer latenten Reizüberflutung kommen. Dies ist vor allem darin begründet, dass der gute Mann eine ausgeprägte Affinität zu großen Brüsten hat.
Bei dem heutigen Besprechungsexemplar fällt diese Macke zwar auch mit ins Gewicht, ist allerdings nicht in dem Maße dominant, wie es in anderen Werken der Fall ist.
Außerdem präsentiert uns der Meister vergleichsweise wenig nackte Haut.
Was vielleicht noch in einer Russ Meyer Handreichung stehen sollte ist, dass er gerne Filme in Wüsten dreht, gerne Frauen in Autos durch selbige fahren lässt und insgesamt wenig wert auf finanziell aufgeblähte Produktionen legt.
Die Geschichte ist schnell erzählt. 3 Frauen kurven mit ihren Schlitten durch die Wüste, bis ein junges Pärchen auftaucht. Die 3 Teufelsweiber fordern den Gatten zu einem Rennen heraus und kidnappen die Dame, um Lösegeld zu erpressen. Sie fahren mit ihr in das nächste Wüstenkaff, wo sie schließlich bei einer Familie, bestehend aus Vater, Sohn und Sohn hängen bleiben.
Das war im Prinzip die gesamte Handlung, allerdings wird diese mit großartigen schwarz/weiß Wüstenaufnahmen und den derben Sprüchen der Mädels garniert, so dass keine Langeweile aufkommt. Außerdem werden uns waschechte Hillbyllies gezeigt, etliche Kämpfe und ein Showdown, der seinen Namen verdient!Ja, "Faster, Pussycat! Kill! Kill!" kann als Frühwerk der Emanzipation gesehen werden. Die 3 Mädels sind schon längst in der Männerwelt angekommen, haben es sich gemütlich gemacht und genießen das wilde und gesetzlose Leben.
Der Film wirkte noch lange nach und stellt einen überragenden Beitrag im Exploitationkino der 60er Jahre dar. Man könnte sogar sagen, dass er mittlerweile Kultstatus, durch die ungwöhnlich brutal agierenden weiblichen Hauptdarsteller, genießt. Seinerzeit war dies jedoch nicht der Fall. Mitte der 60er Jahre war der aufkommende Farbfilm in Mode und Meyers Film somit eher uninteressant. Außerdem waren die rüden Sprüche in Kombination mit der weiblichen Gewalt selbst für das damalige männliche Publikum etwas zu viel.
In gewisser Weise ist "Faster, Pussycat! Kill! Kill!" das weibliche Äquivalent zu "Motor Psycho" aus dem gleichen Jahr. Hier waren es 3 Rebellen einer Motorradgang, die die zivile Gesellschaft mit ihrer Gewalt terrorisierten.Aus heutiger Sicht wirkt der Film allerdings sehr viel nüchterner, billiger und auch lächerlicher.
Die Geschichte ist sehr comichaft erzählt, was sich vor allem in den Dialogen niederschlägt. Trotzdem gehört er sicherlich zu den Filmen, die man einmal in seinem Leben gesehen haben sollte. Nicht zuletzt auch wegen der unglaublich großartigen Rock´n Roll Musik, die bei Meyers Filmen eine große Rolle spielt.
Wer auf den Geschmack gekommen ist, dem sei angeraten, sich die Russ Meyer Collection aus dem Vereinten Königreich zu besorgen. Die kostet um die 40€ und enthält auf 12 DVDs ganze 18 Filme! Bei einigen Filmen, wie bei diesem, sind sogar noch nette Extras enthalten! Neben einem Audiokommentar von Meyer, findet sich auch noch ein weiterer mit den 3 Pussycats! Als Sahnehäubchen gibt es ein 25-minütiges Interview mit den Hauptdarstellerinnen und ihren Erinnerungen an den Streifen.
Trailer
Tura Satana starb am 4. Februar 2011. Rest in Peace!

Kommentare:

  1. Wollte schon immer mal loswerden, dass ich diesen Blog sehr zu schätzen weiß.
    Inwieweit die Frauen tatsächlich emanzipiert sind oder ob sie vielleicht einfach nur klassisch männliche Verhaltensschemata reproduzieren, kann erst nach der Rezeption des Streifens entschieden werden. Ich bin gespannt, denn mein Herz schlägt fürs kleine Produktionsbudget und die Rezension ist vielversprechend, gerade mit deinem Gender-Ausflug!

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  2. Vielen Dank für die Blumen.
    Ja, das ist bei diesem Streifen sicherlich eine zweischneidige Sache. Vielleicht sollte man von präemanzipatorischen Elementen sprechen, denn die Frauen werden in dem Streifen zumindest optisch in alten Fahrwassern präsentiert. Allerdings lässt sich in der Rethorik und dem Auftreten der Damen, vielleicht nicht bei allen, ganz klar ein selbstverständliches Selbstbewusstsein finden, welches ich, wenn man das Entstehungsjahr berücksichtigt, bemerkenswert finde!

    Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass Russ Meyer dazu neigt Frauen in seinen Filmen eindimensional zu zeigen und sie auf ihre sexuellen Attribute reduziert, ABER und das ist eine bloße Vermutung, durch diesen Fokus auf die Frau, tritt sie auch immer wieder in für sie unspezifischen Geschlechterrollen auf und durchbricht so, die herkömmliche Erwartungshaltung.
    Trotzdem herrscht in den Filmen der Zeitgeist allgegenwärtig!

    Vielleicht macht auch gerade diese Spannung innerhalb der Filme, sie so faszinierend.

    Es wäre generell interessant Filme aus dieser Zeit bezüglich der Genderproblematik abzuklopfen. Dass Frauen in vielen Filmen eine dominante Rolle übernehmen, ist jedenfalls keine Seltenheit.
    Bei "Der Sklave der Amazonen" oder "Attack of the 50 Foot Woman" ist dies z.B. der Fall.

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