Mittwoch, 14. Juli 2010

Mio caro assassino (My Dear Killer - 1971)

Lange war Funkstille im Bunker, aber jetzt konnte ich die spärlich dosierte freie Zeit endlich nutzen und mir wieder einen italienischen Film zu Gemüte führen.
Dieses Mal traf es den teilweise blutrünstigen Giallo von Tonino Valerii.
Ein Mädchen und der nach ihr suchende Vater verschwinden spurlos und werden später verhungert in einem Bunker aufgefunden. Die gut situierte Familie, aus der die beiden stammen, umtreibt finstere Machenschaften und es scheint, dass niemand mit sich selbst im Reinen ist.
Eines muss man dem Streifen lassen, er gibt sich Mühe, eine durchdachte Geschichte zu entfalten und weiß den Zuschauer durchaus zu fesseln. Auch wenn dies nicht über die komplette Länge des Films gelingt.
Bei der Anfangssequenz möchte man noch gar nicht daran glauben, dass ein wirklich guter Film folgt.
Ein Mann steht vor einem Teich, hinter ihm ein Bagger samt Fahrer. Ersterer instruiert Letzteren, wie er das schwere Gerät zu positionieren hat und hält derweil mit dem Rücken zum Bagger stehend Ausschau. Wie auf Samtpfoten scheint sich dann das tonnenschwere giftgrüne Monstrum anzuschleichen und enthauptet Person Nummer 1.
Die Darstellung ist relativ explizit geraten und als der zappelnde Mann in die Luft gehoben wird, sieht es glaubhafter aus, als die Situation es als solche wäre. Mal im Ernst, wer bekommt es nicht mit, wenn sich schwere Stahlteile einen halben Meter über dem Kopf öffnen und tiefer kommen. Aber bei dieser Art von Filmen darf man eben auch nicht so ganz genau hinschauen.
Im Laufe der Zeit finden dann auch noch andere Personen auf unterschiedlichste Art und Weise den Tod. Der Kommissar, selbst von privaten Problemen geläutert, begibt sich in eine mörderische Ermittlungsarbeit, bei der er in der finalen Szene einen Lehrbuchvortrag vor versammelter Mannschaft über die Arbeit von Kriminalbeamten hält.
Sehr, sehr schön. Außerdem gibt es noch einen verrückten Redneck, eine verrückte Redneckess und diverse nackte Brüste.
"Mio caro assassino" gehört sicherlich zu den, für mich, weniger vorhersehbaren Streifen in letzter Zeit. Die Geschichte enthält interessante Entwicklungen, spannende Momente und stilistisch ansprechende Tötungsszenen. Außerdem sehr vorzügliche Tapetenmuster!
Mein Exemplar ist bei X-Rated Italo-Giallo-Series in einer großen Hardbox erschienen. Leider befindet sich auf der DVD keine deutsche Synchronisation, dafür ist die englische sehr gut und es gibt auch noch deutsche Untertitel. Bild ist in Ordnung, hat etwas mit der Bewegungsunschärfe zu tun, aber ist völlig zufriedenstellend.
Wer einen sehr sympathisch ermittelnden Kommissar und eine verschlungene Geschichte erzählt bekommen möchte, sollte hier zugreifen.

1 Kommentar:

  1. ja, den mag ich auch! ich glaube, ich habe noch eine alte vhs mit deutscher tonspur davon ´rumliegen.

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