Montag, 9. August 2010

Day The World Ended (Die letzten Sieben - 1955)

Meine Damen und Herren, soeben erreichte mich das letzte ICatcher Paket! Ungeduldig öffnete ich es, fand zu meiner Überraschung einen Galerie des Grauens Kugelschreiber und die beiden letzten langersehnten Filme der Reihe vor.
Da hieß es: nicht lange fackeln, die Prüfungsvorbereitung ganz ohne Prokrastination sein gelassen, die Schüssel Müsli in die Ecke gepfeffert und den ersten Film in das Laufwerk gedrückt.
Wie schön, nach so langer Zeit endlich wieder die vertrauten "Amelia"-Rufe ertönen zu hören und in voller Gänze dem Monsterhorror der 50er Jahre zu erliegen.
Dass dies gewährleistet wird, garantiert der Name auf der Verpackung "Regie: Roger Corman" ("A Bucket of Blood" (1959) oder "Attack of the Crab Monsters" (1957)).
Kaum zu glauben, dass dieser zukunftskritische Filmbeitrag grade mal mit 96'000$ zu Buche schlug. Ok, man sieht schon, dass er billig war, immerhin gibt es sehr begrenzte Schauplätze und nur wenige Darsteller, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch. Von der Spannung her und dem Handlungsverlauf, ist "Day The World Ended" sogar noch ein bisschen ausgereifter als die Crab Monsters.
Worum geht es?
In der Eingangssequenz sehen wir verstörende Bilder einer Atombombenexplosionen, gefolgt von einem bizarren Flug der Filmcredits durch Atomwolken. Warum nicht?
Die Kamera schwenkt in eine zerstörte Stadt, über eine endlose Wüste, Nebel wabert durch die Luft. Es herrscht Endzeitstimmung. Irgendwo in der Wüste von Amerika sind Jim und seine Tochter Louise in ihrem Haus und messen die radioaktive Strahlung. Lange sind sie nicht mehr alleine, denn nach und nach treffen Überlebende ein und suchen Unterschlupf bei ihnen.
Da hätten wir ein Pärchen, bestehend aus der Blondine Ruby und dem Schmierlappen und Unsympathen vor dem Herrn: Tony. Außerdem bringt der Geologe Rick einen verstrahlten Mann namens Radek (cooles Sternstaubmake-up, das an Quatermass erinnert) mit und ein alter Kerl (Pete) mit seinem Esel (Diabolo) machen abschließend die Runde komplett. Da haben wir die letzten Sieben! Ein bunter Haufen.
Es kommt zunehmend eine sehr beklemmende und dystopische Stimmung auf, denn die meiste Zeit befinden sich die Leute im Haus. Draußen herrscht Strahlung, die zwar abnimmt, aber es könnte jederzeit ein Wolkenbruch mit Atomregen eintreten! Ach ja, und dann sehen wir noch Petes Esel, wie er durch die Atomwolken trabt. Klasse.
Dem Hausherren Jim haben die Überlebenden diesen Zufluchtsort zu verdanken. Der gute Mann hat nämlich mitgedacht. Rationiertes Essen, ein hauseigener Geigerzähler, ein eigenes Elektrizitätswerk, das autarke Wassersystem, sogar Saatgut und die absolut brilliante Lage (im Tal, das durch die edelmetallhaltigen Gebirge abgeschirmt wird!) schützen die heterogene Gesellschaft und potenzieren die Überlebenschancen. Seit 10 Jahren beschäftigte er sich bereits mit den Vorkehrungsmaßnahmen.
Markige Sprüche wie "Der arme Teufel macht's nicht mehr lange!" oder "Ich bin ein Mann, der gut aussieht und Sie sind wie geschaffen für mich." dürfen nicht fehlen und sorgen für die nötigen Schmunzler.
Der verstrahlte Radek geht des Nächtens um und jagt sich draußen den ein oder anderen Hasen.
Aber irgend etwas ist dort noch!
Das Monster lässt sich ziemlich lange Zeit und hat dann auch einen eher bescheidenen Auftritt. Dafür ist die Kostümgestaltung ganz amüsant.
Lustige Bommelhörnchen an Kopf und Schultern und ein tollpatschiger Gang. Aber der Film lebt eigentlich von der wirklich solide inszenierten Handlung, die sich innerhalb der Gruppe entspinnt. Die absolute Extremsituation wirkt auf alle anders. Die einen brennen Schnaps, die anderen tanzen, wieder andere spielen Karten und Hausherr Jim gibt gerne seine Bibelstunde.
Insgesamt kommt eine schöne Atmosphäre auf, die ich dem Film eingangs gar nicht zugetraut hätte. Primär habe ich einen Monsterfilm, der durch die Optik besticht, erwartet. Eine willkommene Abwechslung also.
Auch die gesellschaftskritische Haltung zur Atomenergie fällt deutlich auf. "Ist es eine Frage der Selbsterhaltung?" fragt Jim "Nein, der Menschlichkeit!" entgegnet ihm seine naive blonde Tochter. Sie hört übrigens Stimmen, aber als dumme Frau hört ihr ja eh keiner zu.
Als kleines Bonbon enthält "Day The World Ended" noch eine Badeszene mit den 2 letzten Damen der Welt, in feschen 50er Jahre Bikinis und kunstvoll hochgestecktem Haar. Ich war begeistert!
Die deutsche Synchronisation ist absolut klasse, das Bild leider sehr unstet. Von absolut scharf, bis schwer erkennbar ist alles dabei. Dies liegt vor allem daran, dass in den Nachtszenen durch die Grobkörnigkeit viele Konturen verwischen. Allerdings stört das auch gar nicht weiter.
Die Veröffentlichung von Anolis ist wie immer vorbildlich.
Beim Audiokommentar ist wieder der ebenfalls großartige Herr Zion an der Seite von Christian Keßler. Die beiden machen ihre Sache wie gewohnt hervorragend und werten die Veröffentlichung noch einmal ungemein auf. Geballte Fachexpertise trifft auf einen ausgeprägten Sinn für geistreichen Humor. Dieses Mal mit geschichtspolitischen Hintergründen zu den internationalen Beziehungen und dem kalten Krieg im Besonderen. Für mich als Politikwissenschaftler, ist das natürlich eine schöne Sache! Klasse!
Des Weiteren fällt das Booklet dieses Mal wieder etwas dicker aus, da zahlreiche Promotionbilder abgedruckt sind und auch ein sehr informativer Text von Sir Ingojira dabei ist.
Ein absolut gelungener Titel der Reihe, den es sich lohnt anzuschauen!

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