Samstag, 21. August 2010

Zwerchfell. Die Toten. 2010. Das erste deutsche Zombieepos

Endlich halte ich mein ganz persönliches, veredeltes Exemplar von "Die Toten" aus dem Hause Zwerchfell in den Händen. Mit ein wenig Verspätung, aber dafür mit Widmung und Zeichnung von Boris Kiselicki und Ingo Römling. Perfekt!
Hoch waren die Erwartungen, die Previews versprachen einiges. Konnte das gehalten werden? Ja, ja und nochmals JA!.
Es verschlägt uns auf eine Autobahn nebst Kirche, einen beschaulichen süddeutschen Bauernhof und in eine Opiumhöhle voller Junkies.
"Die Toten" glänzt vor allem durch den sehr heterogenen Zeichenstil und auch die unterschiedlichen Herangehensweisen. Trotzdem werden die 3 Geschichten durch einen roten Faden zusammen gehalten und erscheinen dadurch einer großen Geschichte zugehörig. Eines noch vorweg, inhaltlich werde ich mich komplett bedeckt halten, damit ich potentiellen Lesern nicht den Spaß und Genuß an dem 72 Seiten dicken Hardcover Band nehme!
Den Anfang macht die von Yann Krehl geschriebene, Michael Vogt gezeichnete und Sven Strangmeyer kolorierte Geschichte "Autobahn A5 bei Baden-Baden". In der kurzen Zeit der Einführung wird den Figuren Leben eingehaucht und gruppendynamische Konflikte heraufbeschworen. Die Autobahnkirche gleicht optisch einem Konsumtempel und so lassen sich einige Parallalen zur Kaufhauszombieblaupause "Dawn of the Dead" erkennen. Sehr schön! Dazu die wirklich gelungenen Zeichnungen, die perfekt zur dargebotenen Handlung passen. Die nötige Menge an Blut gibt es natürlich oben drauf. Ein wirklich starker Einstieg in den Band!
Direkt darauf folgt die in Personalunion von Boris Kiselicki erschaffene Story "München". Herrlich locker vorgetragen und gewürzt mit scharfsinnigem Humor. Die Stärke ist hier ganz klar das Zusammenspiel der beiden Bauernbrüder und die daraus entstehenden, teilweise absurden Dialoge. Ich habe mich wirklich herzhaft amüsiert. Die Geschichte kommt komplett in schwarz/weiß daher. Dies verwundert vielleicht und der Zeichenstil mag dadurch etwas reduziert erscheinen, aber es passt trotzdem wie die Faust auf's Auge. Was Herr Kiselicki da für abgefahrene Ideen auffährt (die Kühe!), ich ziehe vor der sprudelnden Fantasie, die kontextuell genial eingebunden ist, meinen Hut!
Zu guter Letzt kommt dann ein Rauschmeißer aus "Frankfurt am Main", der mächtig Arsch tritt! Ingo Römlings überragender Zeichenstil gepaart mit der derben Geschichte von Christopher Tauber zeigen, wo der Hammer hängt. Man wird von der optischen Opulenz förmlich umgeblasen und sitzt umgeben von "What the Fucks" vor dem Comicbuch und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Die düster gehaltene Geschichte ist reichlich abgefahren und versetzt mit hartem Tobak.
Ganz großes Kino meine Damen und Herren!
Und dann ist es leider auch schon am Ende. Viel lieber hätte ich noch im zombieverseuchten Deutschland verweilt.
Was Zwerchfell uns geschenkt hat, ist herrlich regional gefärbte Comickunst, die zwar Schwächen haben mag, diese aber durch individuelle Stärken der Involvierten mehr als kompensieren kann. Ich bin, trotz hoher Erwartungen, positiv überrascht und kann beim besten Willen kein Haar in der Suppe finden.
Daumen hoch und eine klare Empfehlung für alle Neugierigen! Ich werde das Buch sicher noch einige Male zur Hand nehmen, bis es wieder Nachschlag gibt.

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