Dienstag, 26. Oktober 2010

Sunn O))) - Dømkirke (2008)

Für Menschen, die Sunn O))) noch niemals zu Gehör bekamen, kommt der erste Kontakt sicherlich einem Kulturschock gleich.
Walzende, endlos tief gestimmte Gitarren donnern über den Hörer herein. Langsam, zäh und massiv.
In Schubladenbezeichnungen schimpft sich diese Art von "Musik" Drone Doom. Dröhnen ist auch eine der Primärassoziationen, die einem in den Sinn kommt, sobald Sunn O))) ertönen.
Ok, wir haben hier also 2 amerikanische Freigeister, die sich gerne mal eine schwarze Kutten umschmeißen und dann langsam und meistens immer wieder die selben Töne wiederholend, auf ihre Instrumente einhämmern. Lauscht man den Klängen, wird schnell klar, weshalb sich die beiden nach dem Verstärkerhersteller Sunn benannt haben.
Das Projekt von Steve O'Malley und Greg Anderson stammt noch aus dem alten Jahrtausend und seit dem haben sie schon einige Klangteppiche in Form von Alben, Splits und Livescheiben auf den Weg gebracht.
Dømkirke markiert neben "Monoliths & Dimensions" (2009) eine der neuesten Veröffentlichungen. Auch hier kolaborierte man mit dem ungarischen Vokalist Attila Csihar, der sich durch seine bizarren Sangeskünste perfekt in den sakralen Sound der Szenerie einfügt.
Die Liveplatte entstand in der um 1150 erbauten romanischen Basilika in Bergen, Norwegen. Die Akkustik und Ästhetik kulminiert bereits im ersten Song "Why dost thou hide thyself in clouds". Attilas Gesang nebst klerikaler Orgel erschafft eine seltsam dichte und bisweilen unheimliche Stimmung. Grade durch den variiert eingesetzten Gesang, der sich zwischen tief brummenden und kraftvoll hohen bis in's hysterische abdriftenden Tönen bewegt, fühlt man sich direkt in eine dunkle, mittelalterliche Zeit versetzt. Aber auch Trompeten und die hintergründigen Gitarrenwände kommen zum Einsatz.
Musik, Optik, Ort und Veröffentlichung gehen einem streng durchdachten Konzept einher. Überhaupt erscheinen die Schöpfungen der Band sehr stark im künstlerischen Bereich verhaftet. Nicht zuletzt verstärkt sich der Eindruck, wenn man einen Blick auf das düster und nebulös gehaltene Frontcover der norwegischen Künstlerin Tania Stene wirft.
Das Tonwerk ist ausschließlich auf Vinyl erschienen und umfasst insgesamt 4 Songs, die jeweils auf eine Seite einer Platte gepresst wurden. Verpackt in einer dick kartonierten Gatefoldverpackung, macht die Platte auf jeden Fall einiges her.
Die Musik ist sicherlich gewöhnunsbedürftig und es bedarf unbedingt einer gewissen Zeit, um Zugang zu ihr zu finden. Auch würde ich nicht behauptet, dass sie in jeder Lebenlage und -stimmung konsumierbar ist. Man sollte sich Zeit nehmen, idealerweise die Augen schließen und sich komplett in den Klangkollagen verlieren. Ist man dann erst einmal drin, wird schnell bewusst, dass hier nicht planlos atonales Kuddelmuddel zelebriert wird, sondern Stimmungen transportiert und die Eingangs erwähnten Klangteppiche erzeugt werden.
Ab dem dritten oder vierten Durchgang des gesamten Konzertes, bekommen die Lieder, ja man konnte fast sagen etwas Heiliges.
Wer sich gerne auf eine unglaublich intensive Reise begeben möchte und Fremdem gegenüber aufgeschlossen ist, sollte sich zumindest einmal einen Ausschnitt der Scheibe auf Youtube anhören.

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