Donnerstag, 18. November 2010

Astro Zombies - Roboter des Grauens (USA - 1969) The Grindhouse Collection

Sie sind gelandet, endlich. Wie sehr hab ich mich auf diesen Moment gefreut. Der erste Teil der Grindhouse Collection hat das Licht der Welt erblickt. Ein stabiler und unglaublich liebevoll gestalteter Schuber schmückt die ebenfalls toll aufgemachte erste Veröffentlichung in der Reihe - "Astro Zombies" (1969).
Die große Frage ist, kann die unglaublich hohe Erwartungshaltung, die sich über die Monate kontinuierlich aufgebaut hat, gehalten werden? Ich meine doch, scheiße ja!
Sobald die DVD im Schlitz verschwunden ist, taucht man ab in eine längst vergessene Welt des schlechten Geschmacks. Das Subkulturlogo rotiert hypnotisch über den Schirm und es offenbart sich das wundervoll zerschlissene DVD-Menü.
Wir werden vor die Wahl gestellt, ob wir den Film mit seinen Extras möchten, oder das Grindhouse-Erlebnis. Letzteres bitte. Klick.
Eine furiose Trailershow, formvollendet in Szene gesetzt, beginnt. Pornografie in Dänemark begleitet von dudeligen Hammondorgelklängen, Alien- und Frankensteinsplattereinlagen, sowie selbst produzierte Werbung (und auch Fakewerbung - köstlich!) und ein völlig überdrehter Actionklopper. Und über allem thronen unfreiwillig komische Knallersynchronisationen. Ich will hier nicht mehr weg, aber nach 13 1/2 Minuten gehen die Lichter aus. Was für ein stimmungsvoller Einstieg in die Welt des Grindhousekinos.
Also nehmen wir uns die Extras vor. Neben einer Bildergalerie mit Behind the Scene - Fotos, gibt es einen exklusiven Bongotrack von Ted V. Mikels himself. Sehr funky und psychodelisch, teilweise etwas aus dem Rhythmus, aber trotzdem eine geniale Dreingabe für den Filmfreund. Klasse!
Auch die Radio Spots, bei denen man denken möchte, dass der Sprecher persönlich von Astro Zombies bedroht wurde, damit er so viel aufgeblasenen und irrwitzigen Blödsinn von sich gibt, fügen sich nahtlos in das Gesamtkunstwerk ein und versetzen den Zuschauer in die vergangene Epoche. Die Menschen, die damals Kinofilmwerbung verfasst haben, müssen wirklich auf unglaublich psychoaktiven Drogen gewesen sein. Herrlich! "Watch it and die a thousand deaths!"
Weiter geht es mit einem 6-minütigen Interview mit dem Meister Ted V. Mikels, der gut gelaunt aus dem Nähkästchen plaudert und uns über Titel und Entstehung des Streifens aufklärt. Sehr sympathischer Mann.
Was haben wir noch? Einen Trailer zur Dokumentation namens "American Grindhouse" (2010), die extrem vielversprechend aussieht und definitiv von mir noch gesichtet werden muss. Außerdem haben wir noch den Original- sowie den deutschen Trailer und eine weitere Bildergalerie.
Zum Film. Im Vorfeld hörte man ja viel Schlimmes. Das hier ist mein erster Mikels und ich ging von daher ganz blauäugig und offen an die Sache ran, nachdem mich der Trailer sehr überzeugt hatte.
Zuerst, stempelt man den Film als Schalftablette ab, tut man ihm großes Unrecht. Man sollte allerdings auch keinen actiongeladenen Monsterklopper erwarten.
Man ist sicherlich gut beraten, wenn man die Erwartungen genau auf Null schraubt, denn dann macht er richtig viel Spaß!
Die Story: ein verrückter Professor bastelt an Roboterzombies, die sich autark versorgen können. Der Clou: sie haben einen eingebauten Solarchip, der ihre mechanischen Organe mit Energie versorgt. In einer Szene wird des Astro Zombies Energiepack entwendet und er muss sich andauernd eine Taschenlampe vor die Solarzelle halten, was habe ich gelacht. Das Problem: der Astro Zombie war mal ein irrer Psychopath und bringt daher alle um. Außerdem hat er die Angewohnheit seinen Opfern (Frauen) die Kleider dabei zu zerstören. Aber der Doc hat schon bald neues Rohmaterial aus einem Autounfall für seine wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung.
Ok, da ist also dieser mad scientist und sein Lakai Ephraim. Der ist stumm, sieht aus wie ein Schmierlappen und blickt sich alle 2 Minuten konspirativ nach allen Seiten um.
Außerdem gibt es noch andere Wissenschaftler, die mit dem CIA zusammenarbeiten und eine Gruppe Gangster, die von Tura Satana (bekannt aus "Faster, Pussycatt! Kill! Kill!" (1965)) angeführt wird.
Die Gangster versuchen, an das Know How des Professors zu kommen, die guten Jungs versuchen ihn zu stoppen.
Im Prinzip ist das die ganze Handlung, die wie ein Kaugummi gedehnt wird.
Es ist wirklich absurd, wie lange manche Szenen hinausgezögert werden, um Screentime zu schinden. Auch ist es auffällig, was für ein niedriges Budget vorhanden war, obwohl das den Streifen eher aufwertet. Man bleibt in jeden Fall am Ball und genießt das Dargebotene.
Was hätten wir da auf der Habenseite?
Eine Lady fährt gemütlich durch einen Vorort und wird auf spektakuläre Weise von einem Astro Zombie platt gemacht. Überhaupt sehen wir von der kleinen Stadt einiges und dazu schöne alte Amischlitten.
Tura Satana rockt in ihrer Rolle ungemein. Sie hat zwar etwas mit ihrer unvorteilhaften Frisur zu kämpfen, aber dafür wechselt sie ständig ihre Klamotten. Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird von ihr gnadenlos in die ewigen Jagdgründe geschickt (oder wie im Film Zitat "ab mit dir in die ewige Hundehütte" - aber zur Synchro später mehr).
Es gibt eine verflucht gute Show einer ganzkörperbemalten Tänzerin und eine süße rothaarige Laborassistentin.
Außerdem haufenweise Quatsch, Trinkspiele mit Besteck, depperte Dialoge und unlogische Stellen (Stromausfall). Als Krönung dann das fulminante und dieses Mal sogar actiongeladene Finale.
Nicht zu vergessen die deutsche Kinosynchronisation.
Sogar die Stimme von Prof. Dr. Dr. Dr. August van Dusen ist mit dabei und es wimmelt nur so von markigen Sprüchen. Genial ist z.B. die Szene, in der sich Satana und ihr Komplize mit einem Typen im Nachtclub treffen: "...deswegen brauche auch ich mehr Bares, schönes gelbes Kind" - "Nimm deine Flossen aus der Tasche, sonst sehe ich mir deine Speiseröhre von innen an". Herrlich. Oder ein wenig später, Satana zu ihrem Vollstrecker "Bring ihn um" und er völlig überrascht "Wieso denn?"
An einigen Stellen setzt der deutsche Ton aus und es gibt OmU (Original mit Untertitel), das ist allerdings nicht weiter tragisch, bedenkt man die aufwändigen Restaurationsarbeiten, die notwendig waren (um einen Eindruck davon zu bekommen - hier im Interview verrät Subkultur Entertainment ein wenig zum Prozess).
Das Bild ist großartig, ab und zu gibt es ein paar Streifen und Flecken, aber das gehört einfach dazu. Ich hatte mich auf eine wesentlich schlechtere Qualität eingestellt und war deshalb sehr überrascht.
Unterm Strich ein unglaublich unterhaltsamer Film mit vielen denkwürdigen Passagen, den man sich in geselliger Runde sicherlich gut ansehen kann. Die lang gezogenen Szenen laden dazu ein, auch kurz mal während des Films zu plauschen, ohne dass man irgendwas verpasst.
Insgesamt ist es eine wirklich großartige Veröffentlichung, die den Geist des alten Bahnhofskino atmet und versprüht. Da hat Subkultur Entertainment einen erstklassigen Einstand hingelegt. Es steckt viel Arbeit drin und das sieht man auch!
Verpackung, Ausstattung, Film, alles so, wie man es sich wünscht.
Ich bin gespannt, wie es weiter geht mit dieser Reihe!

Kommentare:

  1. Du scheinst da ja echt steil drauf zu gehen.^^

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  2. Haha, ja! ;)
    Durch eure vernichtenden Kritiken war ich ja auf das Schlimmste gefasst.
    Es gibt aber generell wenig Filme, denen ich nicht irgendwas abgewinnen kann.
    Astro Zombies hat aber auf jeden Fall seine speziellen Momente, für die man ihn lieben muss.

    P.S. Der Affe hat ja einen Blog, ich stöbere dort gleich mal und füge ihn zur Linkliste hinzu :)

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  3. Ich befürchte ja, durch die Kritik nur Anti-Werbung zu erzeugen, was zu einem Anti-Film aber ja auch irgendwie passt.^^

    Ja, der Blog geisterte mir schon lange im Kopf rum, aber jetzt mach ichs halt, irgendwie. Danke für den Link!

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