Sonntag, 21. November 2010

The Crazies (USA - 2010)

Asche über mein Haupt, das Original ist mir unbekannt. Ob das jetzt ein Fluch oder ein Segen ist? Im Hinblick auf das Remake kann die Nichtkenntnis der Vorlage für eine objektive Beurteilung jedenfalls nicht schaden. Geht man doch zumeist pessimistisch an eine Neuauflage heran, vor allem dann, wenn man das Original für einen Klassiker hält.
Erwartet hatte ich also eher wenig, einen kleinen Film, der irgendwie was mit Zombies zu tun hat. Allerdings wurde ich überrascht, denn Zombies im weitesten Sinne kommen gar nicht vor. Es sind eher durch irgendeine Substanz lethargisch gewordene, gewöhnliche Menschen, die plötzlich entweder ziemlich teilnahmslos oder extrem gewalttätig werden. Ebenfalls überraschend, dass die "Monster" bzw. mutierten Menschen nicht besonders verschwenderisch gezeigt werden. Sie treten niemals in großen Horden auf, sondern machen vereinzelt Jagd, warum auch immer, auf die nichtinfizierte Bevölkerung.
In einer kleinen, amerikanischen Stadt mitten im Nirgendwo stürzt ein Flugzeug mit unbekannter Fracht in einen See. Das geladene Gut verteilt sich im Gewässer, das gleichzeitig auch als Trinkwasserreservoir für die Kleinstadt fungiert. Nach und nach benehmen sich die Menschen, die der Wasserzufuhr am nächsten wohnen, seltsam.
Gut, dass der Sherrif und sein Deputy so besonnene Kerle sind und einen klaren Kopf bei der heiklen Lage behalten. Dumm nur, dass bald eine ganze Armee über das Kaff hereinbricht und die Leute wie kontaminiertes Vieh in Buchten und Zellen pfercht.
Und hier liegt der eigentliche Horror im Streifen. Natürlich gibt es auch zahlreiche Szenen, in denen die verrückt gewordenen Bewohner auf Menschenhatz gehen und dabei vom Sherrif blutig zur Strecke gebracht werden, aber das Unerhörte in diesem Film ist viel mehr, wie Menschen mit Menschen umgehen. Wie problematisch Befehlsketten in strikt hierarchisch organisierten Menschensystemen sind und zu was der Mensch, trotz erstaunlich wenig Information über das Unbekannte, fähig ist.
Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Vorlage eben vom cineastischen Sozialkritiker Nummer 1, George A. Romero, kommt.
Das Agieren des Militärs ist zwar irgendwie auch nachvollziehbar, aber dennoch ziemlich übel und verstörend. Die Hauptpersonen müssen sich von nun an mit mutierten Menschen und rigoros vorgehenden Soldaten rumärgern. Es kommen zahlreiche sehr gute Szenen und man ist überrascht, wie erschreckend wenig Längen der Film hat. Tatsächlich war ich am Ende erstaunt, wie schnell der Streifen vorbei war, was in diesem Fall für die Qualität spricht. Alles sieht sehr stylish aus, vielleicht ein bisschen zu glatt. Es gibt tolle Landschaftsaufnahmen und die kleine Stadt ist schön in Szene gesetzt.
Es gibt ausreichend blutige Szenen, die spannend, aber auch teilweise sehr vorhersehbar inszeniert wurden. Insgesamt kann man sagen, dass die Gewalt sehr moderat ausgefallen ist und ich doch etwas mehr erwartet hätte. Allerdings stört es bei "The Crazies" (2010) auch gar nicht weiter, weil der Fokus definitiv nicht auf Gewalt gerichtet ist.
Trotzdem ein sehr cooler Film mit einer annehmbaren Story, die zwar streckenweise ziemlich vorhersehbar ist, aber spannend bleibt, guten schauspielerischen Leistungen und einem sehr, sehr gut gemachtem Ende.
Erfreulicherweise wurde, bis auf das Ende, weitestgehend auf CGI verzichtet, was dem Film wirklich gut tut.
Eine gelunge Neuverfilmung und Grund für mich, das Original endlich mal zu sichten.

Kommentare:

  1. Einer der wenigen Filme bei denen ich sagen würde, das das Remake um Längen besser ist als das Original. Romero's Film fand ich eher schlecht.

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  2. Das Remake rockt auf jeden Fall. Ich muss ihn mir demnächst nochmal ansehen. Die Besprechung ist ja auch wieder etwas länger her. Mal sehen, wie die Wirkung bei der zweiten Sichtung so ist!

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  3. Es gibt davon ein Original? Das wusste ich gar nicht...
    Der neue ist ja wirklich ganz unterhaltsam - aber würde den Original auch wenn er schlecht ist mal ansehen...

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  4. Immerhin ist es ein Romero und der machte, jedenfalls im letzten Jahrtausend, keine schlechten Filme :)

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