Samstag, 20. November 2010

Der Frosch mit der Maske (GER - 1959)

Edgar Wallace-Filme sind ein Teil meiner Kindheit, allerdings habe ich erst auf Umwegen zu ihnen gefunden. Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an "Otto - die Serie", die um 1995 im deutschen Privatfernsehen lief. Blödelkönig und Komiker Otto Waalkes nahm darin die alten Edgar Wallace-Streifen aufs Korn und veralberte die Figuren. Seinerzeit liefen die Wallace-Filme immer donnerstags auf Kabel 1 und ich habe sie mir, aus Neugier, was es denn mit den Originalen auf sich hat, brav auf VHS aufgezeichnet, da ich nicht so lange aufbleiben durfte. Im zarten Alter von 10 Jahren hat mich diese Art von Filmen unglaublich in den Bann gezogen. Ich sah zum ersten Mal nackte Brüste ("Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1971)) aus den 70er Jahren und lernte schwarz/weiß-Filme mit Schlössern oder nebelverhangenen Wäldern in britischen Grafschaften kennen und lieben.
Nicht zu vergessen, begegneten mir die großartigen Schauspieler Joachim Fuchsberger, Eddi Arnt, Klaus Kinski, Fritz Rasp, Karin Dor, Klausjürgen Wussow oder Siegfried Schürenberg zum ersten Mal. Die Bänder nudelten nach einer Weile langsam aus oder wurden überspielt und die Filme, die auf den Literaturvorlagen von Edgar Wallace basierten (die ich bis heute noch nicht gelesen habe), gerieten über die Jahre in Vergessenheit. Bis Kinowelt im Winter 2004 (unter schlechten Vorzeichen, die sich im Nachhinein als zum Glück obsolet, aber notwendig erwiesen - manch einer wird sich daran erinnern) dann die ersten Edgar Wallace-Editionen auf den Markt brachte, die ich zur Weihnachtszeit verkonsumierte.
Der erste Streifen der erfolgreichsten Kriminalfilmreihe aller Zeiten (hört, hört!) war "Der Frosch mit der Maske" (1959). Zugleich war es auch der erste deutsche, erfolgreiche Kriminalfilm, der nach dem zweiten Weltkrieg gedreht wurde.
Was für ein starker Auftakt in die Serie und gleich mit 2 meiner absoluten Lieblingsschauspieler Blacky Fuchsberger, als reicher Privatschnüffler Richard Gordon, und Eddi Arnt in der Rolle des Buttler James.
Die Story: ein älterer Herr liegt mit seiner Gattin im Bett, schreckt mitten in der Nacht hoch und fragt sie "Megan, hörst du das nicht?", woraufhin sie entgegnet "Gewiss mein Lieber, die Frösche quaken im Teich". FALSCH!
Denn eine gerissene Bande um den drollig dreinblickenden Frosch mit der Maske raubt reiche Leute aus und das auf überaus originelle Art und Weise. Das Netzwerk ist gut organisiert und ein Merkmal, das alle Mitglieder eint, ist der eingeätzte Frosch auf dem Handgelenk. Wer dem Anführer blöd kommt (womöglich ein von der Polizei eingeschleuster Maulwurf ist), dem zeigt er schnell, wo der Frosch die Locken hat. In seinem Versteck verfügt er über eine Vielzahl hilfreichster Verteidigungsmechanismen, die auch jedes Mal wie geschmiert funktionieren.
Der Frosch ist hinter einer Familie Bennet her, die ein düsteres Geheimnis birgt, das zum Schluss für einen schönen "Aaaalter, nääää, wie krass" - Moment sorgt. Die Geschichte wird temporeich mit einem netten Charakterensemble vorgetragen und mit putzigen Faustkämpfen, betörenden Sängerinneneinlagen versetzt, sowie dem trockenen Humor von Eddi Arnt ergänzt. Nicht außer Acht gelassen werden sollte auch der hohe Gewaltanteil. Man sieht Blut und das nicht zu knapp. Der Frosch ballert später auf eine am Stuhl gefesselte Dame mit einem Maschinengewehr ein, Donnerwetter, die 16er Freigabe ist wirklich angebracht. Witzig sind vor allem die Nachtszenen im Wald, bei der anscheinend ein lokal sehr begrenzter Sturm tobt. Die Bäume neben Ella Bennet schwanken nämlich bedrohlich, während das Gebüsch schon 5 Meter hinter ihr sich kein bisschen bewegen will. Aber das potenziert nur den Charme der deutsch-dänischen Produktion.
Die Musik sollte ebenfalls lobend Erwähnung finden, einfach herrlich zeitgenössisch und wohldosiert eingesetzt.
Eine tolle Mischung, die sehr spannend ist und auch heute noch zu gefallen weiß. Ja, "Der Frosch mit der Maske" ist schon ein Klassiker, der auch nach heutigen Maßstäben noch gut mithalten kann. Nachtklubs, zwielichtige Gestalten, schnelle Autos, Schlösser, Schlägereien, Schießereien und schöne Naturaufnahmen - der Film hat sie alle!
Großartig, dass der Film in einer adäquat hochwertigen Form veröffentlicht wurde. Ein dickes Booklet mit unglaublich viel Hintergrundinfo, sowie allen Trailern, ein toller Audiokommentar mit Joachim Kramp (Verfasser zweier Bücher über die Kinofilmreihe) und ein animiertes Menü schmücken die Auswertung. Zudem gibt es für 4 Filme einen stabilden Schuber und jeder DVD liegt ein Blättchen mit den Kapiteln bei.
Das gestochen scharfe Bild und der klare Ton zeigen, dass hier wirklich großartige Restaurationsarbeit geleistet wurde.
Der Film ist für jeden, der in diese ganz eigene Welt eintauchen möchte, eine klare Empfehlung.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen