Sonntag, 28. November 2010

Django (ITA - 1966)

Zur Besprechung von "Django Unchained" geht es hier lang: klick.
Nanu, ein Western wird im Zombiebunker besprochen? Ist doch gar kein Horror und nach konservativer Auslegung auch kein B-Movie! Ja, aber wir reden hier von "Django" (1966)! Der Italowestern, der im Laufe der Jahre etliche mehr oder weniger hochwertige Epigonen auf den Plan rief (unter anderem "Django - sein Gesangbuch war der Colt" (1966), "Django - die Bibel ist kein Kartenspiel" (1968), "Django - die Geier stehen Schlange" (1966) oder "Django spricht kein Vaterunser" (1968)) und somit einen zelluloiden Grundstock für Freunde der raubeinigen und staubigen Unterhaltung, lieferte.
Django, das ist Franco Nero. Ein Sympathieträger, der zwar nicht in Sphären eines Clint Eastwoods vorstößt, aber sehr nahe an dessen Firmament kratzt.
Regisseur Sergio Corbucci (Italowesternregisseure müssen mit Vornamen Sergio heißen, das ist ein Qualitätsmerkmal!) war auch schon vor "Django" westernerprobt und liefert mit diesem Streifen spannende Unterhaltung für Westernliebhaber, aber auch den geneigten Zuschauer von guten Filmen. Wer gern in für ihn/sie fremden Genre wildert und eigentlich nichts von Western im Allgemeinen und Italowestern im Besonderen hält, sollte dennoch einen Blick auf dieses außergewöhnliche und aus der Masse herausragende Kleinod werfen.
Aber was macht "Django" so besonders?
Nun, sicherlich ist ein großer Faktor in Franco Neros Art zu schauspielern begründet. Charisma und Testosteron gepaart mit routiniertem Auftreten, Fingerspitzengefühl (für soziale Beziehungen und für seinen Colt) und einer Aura der Unnahbarkeit.
Die Geschichte ist an denkbar einfachen Eckpfeilern aufgezogen. Django kommt in eine fast verlassene Stadt, in der sich die Truppe von Major Jackson mit den mexikanischen Gesetzesuntreuen des General Hugo Rodriguez bekriegt.
Auf dem Weg dorthin befreit er eine hübsche Dame (Loredana Nusciak) aus den Fängen von fiesen Banditen. Sie wird im Verlauf der Handlung noch eine Schlüsselrolle im Spannungsfeld der verfeindeten Parteien einnehmen.
Der politische und ethnische Konflikt ist vorgezeichnet. Major Jackson lässt seine faschistoide und bibeltreue Bande mit roten Kapuzen durch die Wallachei reiten und Kreuze, vor ihrer Meinung nach sündigen Personen, aufstellen. In ihrer Freizeit schnappen sie sich Mexikaner, lassen sie scheinbar frei, um dann doch Zielübungen an ihnen vorzunehmen.
Auf der anderen Seite die getriebenen Mexikaner, nach denen in Mexiko gefahndet wird. Sie sind auf der Suche nach irgendeiner Möglichkeit, um wieder in ihre Heimat zurück zu kehren. So streifen sie marodierend durch Amerika, amüsieren sich und kommen mit ihrem Vorhaben nicht voran.
Und dann kommt da dieser Bursche in die Stadt, mit nichts als einem Sarg, und räumt den Laden mächtig auf.
Ein sehr ambivalenter Charakter ist Django. Er ist der Antiheld, der Outlaw und doch hat er ein Feingespür für Gerechtigkeit.
In seinem Sarg trägt er ein Geheimnis, das schon nach der zweiten Auseinandersetzung mit Major Jackson gelüftet wird. Dieser kommt nach einer herben Niederlage gegen Django mit seiner ganzen Kompanie im Schlepptau in die Geisterstadt geritten, um diesen platt zu machen.
Aber Django holt sein Maschinengewehr aus dem Sarg und hält, wie Bill Duke einst in Predator (1987), voll drauf.
Die Geschichte nimmt von hier an Fahrt auf, denn Django schmiedet mit den Mexikanern eine Allianz und stiftet sie zu einem Geldraub an, damit sie sich von der Beute auch solche schönen Knarren besorgen können. Mit diesen im Gepäck wäre es für sie ein Leichtes, nicht nur in die eigene Heimat zurück zu kehren, sondern sie direkt zu übernehmen.
Allerdings geschieht noch einiges im Verlauf der Geschichte, was an dieser Stelle nicht verraten werden soll.
Das Gewaltlevel ist wirklich hoch und gerade zum Schluss, als einer Person von Pferden die Hände zerstampft werden, geht es einem selbst durch Mark und Bein.
"Django" lebt von großartigen Szenen, tollen Settings, einem sehr stimmungsvollen Soundtrack und der wirklich, jedenfalls damals, originellen Geschichte.
Kein stumpfes Kino für Männer, sondern durchaus differenziert zu betrachten.
Wer überlegt, sein Westernklischee in Frage zu stellen und diesem Kultgenre mal eine Chance zu geben, hat mit der "Django"-Reihe eine gute Möglichkeit, dieses Vorhaben erfolgreich durchzuziehen.
Natürlich sind epische Western wie "Il buono, il brutto, il cattivo" (1966) von Sergio Leone oder "Per un pugno di dollari" (1964) von einem ganz anderen Kaliber. Aber wer sich für Western mit Überlänge nur schwerlich erwärmen kann, ist mit den knackigen 88 Minuten von "Django" gut beraten.
Momentan gibt es eine Box mit den beiden anderen Django-Streifen "Django, der Rächer" (1966) und "Djangos Rückkehr" (1987) für wirklich günstige 10 €.
Die Bildqualität ist super (es gibt ab und zu sehr schöne nostalgische Bildverunreinigungen, die nicht weiter stören), die Aufmachung in einem Digipack mit Schuber und Booklet ist vorbildlich und Extras mit Dokumentationen und Interviews gibt es auch noch.
Ganz klare Kaufempfehlung für Neulinge. Westernfans werde ich hier ja nichts Neues mehr erzählen.

1 Kommentar:

  1. Mein persönlicher Lieblingstitel in Sachen Italo Western ist immer noch:
    SATANA - NOCH WARM UND SCHON SAND DRAUF

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