Freitag, 19. November 2010

Machete (USA - 2010)

Weiter geht es mit dem modernen Grindhousekino aus Robert Rodriguez' Feder. Um mich gleich vorweg zu outen, ich bin ein unglaublich großer Fanboy dieser Franchise. "Planet Terror" (2007) ist meiner Meinung nach der beste Genrefilm, der nach 2000 gedreht wurde. Die Faketrailer damals waren eine Wonne, auch Machete. Als dann die ersten Gerüchte aufkamen, dass dieser verfilmt werden soll, hatte ich so meine Bedenken. War der Stoff doch ziemlich konstruiert und ließ nicht wirklich auf einen 90 Minuten füllenden Kinofilm hoffen. "Thanksgiving" oder "Don't" wären da sicherlich bessere Kandidaten gewesen....und dann noch die Unkenrufe aus den ersten Sneaks und Premieren. "Limitierte Schauspielerleistung, null Story etc. pp". Völlig entmutigt stand ich also da mit meiner Kinokarte und hatte mich fast schon geärgert, aber eben nur fast.
Schon bei der Auftaktszene verschießt Rodriguez einiges an Pulver und lässt Machete sich durch eine Horde von Bösewichten schlitzen, bis er von der nackten Mayra Leal aufgehalten wird. Herrlich überdreht nimmt sich der Film nur in den seltensten Momenten ernst. Steven Seagal als Drogenbaron wirkt gegen Trejo in seinem Schauspiel wesentlich limitierter, aber man hatte trotzdem das Gefühl, dass er dabei eine Menge Spaß hatte.
Überhaupt ist die Besetzung unglaublich groß. Jessica Alba kommt als tougher Cop sehr sexy rüber, Jeff Fahey als schmierig korrupter Machtmensch ist sowieso die coolste Sau und Cheech Marin als Pater, brilliant.
Ebenfalls hoch anrechnen muss man Robert De Niro sein Mitwirken. Dass diese Legende sich auf seine alten Tage für so einen Quatsch nicht zu schade ist, zeugt entweder von einem leeren Bankkonto (was ich mir nicht vorstellen kann) oder von wirklicher Größe!
Die Geschichte selbst kennen wir schon aus dem Faketrailer. Machete wird für ein Attentat angeheuert, gelinkt und ist dadurch mächtig am Arsch. Irgendwie schlägt er sich trotzdem durch und versucht, Rache für das Unrecht, das ihm widerfahren ist, zu üben. Das war es und es wäre ziemlich wenig, wenn, ja wenn da nicht noch die brisante Komponente der Einwanderungsproblematik mit in den Streifen aufgenommen worden wäre. Es ist schon fast verwunderlich, dass sich ein Genrefilm dieser Art mit einem politischen Thema auseinandersetzt. So ein Actionklopper kratzt da meist nur sehr unreflektiert an der Oberfläche. Bei Machete ist das allerdings nicht so. Natürlich sollte man keine ausdifferenzierten und sozialwissenschaftlichen Argumente erwarten, aber die Thematik wird doch sehr authentisch und mit Bedacht, wenn auch überzeichnet, dargestellt.
Trotzdem steht der Spaß im Vordergrund und da im Besonderen der der Marke "Birne aus". Übertriebene Gewalt, viel nackte Haut und politisch unkorrekte Witze im Minutentakt lockern die eigentlich ernste Stimmung auf.
Da wird über die Länge von menschlichen Därmen fabuliert und anschließend einem Praxistext unterzogen, Priester gekreuzigt oder Autos in bester A-Team (die alten!) Manier aufgemotzt.
Wenig Überraschungen gibt es, bis auf eine Totgeglaubte und deren Auftritt hat es wirklich in sich. Auch wenn mir Michelle Rodriguez optisch weniger liegt, ist die Aufnahme vor dem Krankenwagen unglaublich sexy!
Der mexikanisch angehauchte Soundtrack, der schon in "Planet Terror" zu gefallen wusste, schafft das auch in diesem Filmwerk. Die Geschichte, die nie langweilig wird, zieht sich durch staubige Straßen und verschwitzte Anwesen, um schließlich in einem fulminanten Overkill, der mit skurilen Szenen geradezu überhäuft wurde, zu münden.
Ganz großes Kino und genau dort sollte er auch gesehen werden. Kommt zwar nicht an seine Grindhousegeschwister ran, aber eine ganz klare Empfehlung von mir und ich hoffe inständig, dass der Film ebenfalls eine Blechbüchsenverpackung spendiert bekommt. Und zwar auch für das sterbende DVD-Medium, dessen Konsumenten durch bescheuerte Politik von Labels immer mehr zum Kauf von BluRays bedrängt werden. Da gibt es eben nur noch die Extras auf der blauen Scheibe oder die tolle Verpackung. Also, schmälert diesen schönen Gesamteindruck nicht durch eine miserable DVD-Auswertung!
Rodrigez hat Danny Trejo mit "Machete" schließlich ein Denkmal gebaut. Das muss man auch entsprechend würdigen!

Kommentare:

  1. Kein Hammer, aber ein Hammerfilm ! Danny Trejo, angeblich ja schon stolze 67, macht hier eine phantastische Figur und läßt die Schwarte kräfig krachen ! Die Story, na ja, okay, nicht grad was neues, oder besonders *originelles*, hat man alles schon gesehen und sicher auch schon besser. Aber die Brutalität, mit der "Machete" sich hier durch die Reihen der Schurken wurschtelt, das ist schon toll und hat zumindest mir mächtig Spaß gemacht. Schauspielerrisch wird nichts großartiges geboten, (wobei auch ? ) Drehbuch ebenfalls nicht, wobei die Kamera manchmal ganz interessante Blickwinkel hat. Ein Top Film, der in den 70igern sicher zum A-Titel geworden wäre, heute aber wohl bewußt gewählten B-Status hat, - was auch gut so ist !

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  2. Robert Rodriguez ist Fachmann für blutige Vergeltung und (Alt-)Männerphantasien. Insofern ist “Machete” eine doppelte Überraschung. Zum einen war eine solch mitreißende Revolutionspropaganda, die auch noch auf ein ganz konkretes, aktuelles politisches Szenario - den elenden und blutigen Irrsinn des “War on Drugs” und des Grenzregimes zwischen Mexico und den USA - abzielt, seit langem nicht mehr im Kino zu sehen. Zum andern verwendet Rodriguez seine überdrehten classless Action- und Macho-Bilder offenbar eher aus Versehen als Verpackung für eine von einer Frau organisierte revolutionäre proletarische Bewegung...

    Machete - die Waffe in deiner Hand.

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  3. Die Altmännerphantasien möchte ich aber heftigst bestreiten!
    Ich bin gespannt, ob die Grindhousefaketrailerverfilmung noch mehr Nachzügler für uns bereit halten wird!

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