Mittwoch, 24. November 2010

Nude per l'assassino (Die Nacht de blanken Messer - 1975)

Dunkelheit ist Giallozeit! Olé! Endlich wieder einen schönen italienischen Thriller vor der Nase. Durch Zufall bin ich darauf gestoßen und in einer verdammt unästhetischen Veröffentlichung hab ich das Teil erworben. Unter dem irreführenden Titel "Strip for the Killer" (manchmal auch "Strip nude for the Killer") von Cult Cinema International auf den Markt geworfen und mit dem Untertitel "Erotik-Slasher" beworben.
Dann wird auch noch auf der Rückseite mit "In bester Scream-Tradition" geklotzt. Es gibt Veröffentlichungen für Fans dieser Filme, die meistens ein nostalgisches und stilvolles Kinoplakat auf dem Cover ziert und es gibt Veröffentlichungen, die einen modernen Slasherfilm suggerieren sollen (modernes Cover, das eigentlich überhaupt nicht zum Film passt) und sich eher an eine ganz andere Käuferschicht richten. Irgendwie verstehe ich das bis heute nicht. Es gibt doch genug potentielle Käufer und Gialloliebhaber. Warum muss man mit dem Cover und Scream-Vergleichen Leute anlocken, die vermutlich gar nichts mit dieser Art von Film anfangen können? Die Fans sind unglücklich wegen der hässlichen Cover und die anderen wegen des Inhalts.
Egal, die Veröffentlichung war günstig und hat eine solide Qualität. Auf Extras muss man leider gänzlich verzichten, aber sei's drum.
Wir haben es hier mit einem ausgezeichneten Giallo aus Andrea Bianchis Feder zu tun, der 1981 noch den bekannten Italohorrorstreifen "Die Rückkehr der Zombies" drehte.
Mit dabei ist die bezaubernde Giallo-Scream-Queen Edwige Fenech, bekannt aus den Filmen "Der Killer von Wien" (1971) oder "Das Geheimnis der blutigen Lilie" (1971). Ihr Schauspiel wertet den Film ungemein auf und verleiht, trotz stellenweise absurder Synchronisation, dem gesamten Unterfangen eine gewisse Ernsthaftigkeit.
Strip for the Killer, nicht ganz. Die Damen entblößen sich nicht für den Killer, sie sind im Prinzip die ganze Zeit schon nackt oder werden es im Eifer des Gefechts.
Der Killer selbst ist in schwarze Motorradkluft gekleidet und mit einem Helm versehen, so dass uns weder Hinweise auf sein Gesicht, noch das Geschlecht gegeben werden. Zudem ist er ziemlich dürr und extrem flink.
Die Geschichte spielt im Dunstkreis eines Fotostudios. Der Starfotograf schleppt haufenweise Mädels ab (mit der "Ich bin ein Starfotograf"-Masche), bis er irgendwann bei der toughen und hier kurzhaarigen Edwige Fenech landet. Es gibt kleinere Spannungen mit der Chefin und insgesamt wird eine ganz nette Geschichte gesponnen.
Immer wieder klingt die verruchte Welt der schicken Gesellschaft durch, in der man auch gern mal mit dem Fotografen in die Kiste hopst, um einen Auftrag zu bekommen. Wenn sie dann endlich vor einer Suzuki posieren dürfen, zeigen die Fotomodelle auch noch Starallüren und das, obwohl der Fotograf doch nur minimal garstig zu ihnen war.
Ach ja, den völlig geschmacklosen Einstieg hab ich schon wieder ganz vergessen. Vermutlich bewusst verdrängt. Die Kamera hält auf einen schon lichter werdenden Hinterkopf umschlossen von 2 Frauenschenkeln. Hier ist ein Arzt am Werk, doch dummerweise verstirbt ihm die Patientin unter dem Messer, so dass er seinen Kollegen zu Hilfe rufen und sich der Toten entledigen muss. In diesem Fall, bringen die beiden die junge Dame in ihre Wohnung und überlassen sie ihrem Schicksal in der gefüllten Badewanne.
Unser Mörder hat damit irgendwas zu tun. Sein Markenzeichen, neben dem verdammt coolen Outfit, ist, dass er die Wasserhähne kurz vor der Verrichtung seiner Taten aufdreht.
Es gibt unglaublich viel nackte Haut zu sehen und herrlich bescheuerte Dialoge. Die Synchronisation schießt da wirklich den Vogel ab, was eigentlich schade ist, da der Film durchaus eine ernste und spannende Handlung hat. Kostprobe gefällig? Wir befinden uns auf dem Set vor dem vorhin erwähnten Mopped. Der Fotograf: "Stefano, du bist nicht auf einer Beerdigung, du trägst einen Pelz, der Millionen kostet! Der ist nicht aus Plastik, der ist echt und warm und weich! Das muss man sehen! Und du, schnurre wie eine Katze! Genieße Ihn!" - das Modell: "Wie denn?" - der Fotograf: "Als ob du einen Schwanz zwischen den Schenkeln hast! Magda, was ist das für ein Wischiwaschi Licht?" Der Knaller!
"Nude per l'assassino" (1975) kann also wirklich einiges. Es gibt Sex in der Sauna, aber auch im Schlafzimmer, mit dicken und mit dünnen, aber auch mit gar keinen Männern . Der Killer tötet sowohl Männer, als auch Frauen und verstümmelt auch gerne mal deren primäre oder sekundäre Geschlechtsmerkmale. Man merkt schon sehr deutlich, dass hier die Sex und Gewalt-Schiene bis zur Unerträglichkeit gefahren wird.
Manchmal werden die Schauspielerinnen einfach nur dabei gefilmt, wie sie sich ihres Oberteils entledigen, um sich etwas anderes anzuziehen. Der ein oder andere Bär stolpert dabei unvermeidbar durch das Bild, aber trotzdem ist der Film vor allem handwerklich sehr, sehr gut gemacht.
Das fängt bei Taschenspielertricks mit der Kamera an (es wird in einen Raum gefilmt und durch 2 Spiegel der nackten Darstellerin gefolgt), geht über coole Schnitte und hört bei der spannenden und durchaus überraschenden Geschichte auf.
Vielleicht noch ein paar Worte zur männlichen Hauptrolle, gespielt von Nino Castelnuovo. Dieser mimt ein absolutes Machoarschloch vor dem Herrn und das trotz Synchronisationshandicap. Obwohl, eigentlich macht der Synchronsprecher einen guten Job. Der leiht Castelnuovo nämlich eine ziemlich schnodderige Stimme.
Der Mann kommt dadurch einfach unglaublich assi rüber, hat einen sehr hohen Frauenverschleiß und lässt sich von der reizenden Edwige Fenech auch noch bedienen.
Für mich, als passionierten Tapetenfan der 70er Jahre, gibt es außerdem wieder sehr psychodelische Exemplare zu bewundern. Wer hat denn bitteschön blumengemusterte Tapeten an der Wand und an der Decke? Da bekommt man doch einen Knick in der Optik oder verliert zumindest temporär jedes Gefühl für Räumlichkeit?
Wie dem auch sei. Die Wohnungen der Models sind sehr geschmackvoll eingerichtet. Sogar das Anwesen der dekadenten Chefin weiß zu gefallen. Da stört es auch gar nicht, dass ihr übergewichter Ehegatte in Stiefeln und nur in Feinrippslip mit einer Gummipuppe in der einen und einem Messer in der anderen Hand bewaffnet, durch die Räume schleicht.
Die letzte halbe Stunde wird es richtig rasant und eine nervenzerfetzende Jagd beginnt, die mit einer würdigen Auflösung endet.
Fazit: Einer der bis dato besten Giallofilme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Überdrehte Gewaltdarstellung, angereichert mit viel nackter Haut und einer gelungenen Inszenierung. Toll!

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