Dienstag, 23. November 2010

Terrore nello Spazio (Planet der Vampire - 1965)

Wir sind wieder zurück in Bella Italia! Mario Bava ist am Start und JA, er kann auch Science Fiction! Der Großmeister des italienischen Genrekinos hat mit "Terrore nello Spazio" (1965) einen ordentlichen Weltraumstreifen voller toller Bilder geschaffen.
Wer allerdings, wie ich, einen Planeten mit sonderbaren Vampirwesen erwartet, wird zumindest teilweise enttäuscht werden. Aber der Reihe nach.
Eine Crew fliegt mit ihrem Raumschiff durch das All. Sie nehmen seltsame Signale von einem fremden Planeten wahr und ein befreundetes Schiff begibt sich daraufhin auf den obskuren Himmelskörper. Crew Nummer 1 folgt auf dem Fuße.
Auf dem Planeten angekommen, benehmen sich die Menschen seltsam, sie werden von einer geheimnisvollen Macht bedroht, die bar jeder Substanz zu sein scheint.
Damit hätten wir das grobe Grundgerüst der Story schon. Was den Film wirklich grandios macht, ist das Kostümdesign. Die Crew ist in schicke schwarze Lederoveralls verpackt, die Motorradkleidung nicht unähnlich sehen und auch heute noch als modern durchgehen könnten. Der Kragen ist bis über die Ohren aufgestellt und einen geilen Moppedhelm gibt es auch noch dazu. Nicht zu vergessen die Plastikgewehre, die Lichtstrahlen verschießen. Allerdings muss man schon ein wenig Geduld mitbringen, um sie beim Einsatz zu sehen (der dann auch noch weniger spektakulär aussieht).
Die Raumschiffkulisse ist absolut ok, ziemlich groß und voller blinkender Lichter in allen Farben. Zu Beginn fährt Herr Bava einmal komplett mit uns durch die Kommandozentrale und zeigt die Darsteller und wie sie auf den vielen bunten Knöpfchen drücken.
Aus heutiger Sicht natürlich mächtig antiquiert, aber wir befinden uns hier immerhin im Jahr 1965, also sollte man auch nicht zu viel verlangen. Witzig sind zum Beispiel die runden fischaugenförmigen Bildschirme, auf denen Videoübertragungen von anderen Leuten erscheinen. Ja, in der Tat stehen einfach nur Leute hinter der Kulisse und schauen durch das Glas ins Bild, aber das ist absolut ok und witzig.
Große schauspielerische Leistungen sieht man schon zu Beginn. Das Raumschiff fliegt auf den eingangs erwähnten Planeten zu und wird dadurch einer fiesen Gravitation ausgesetzt, so dass alle Leute im Schiffsinneren auf den Boden gedrückt werden. Es ist sicherlich nicht leicht, eine gefakte Schwerkraft zu spielen, aber hier sah es wirklich unglaublich putzig aus, haha.
Außerdem muss man sich schon denken: die Leute reisen mit Meteorantrieb auf fremde Planeten, aber trotzdem heften sie ihre kompletten Unterlagen auf Papier ab und verstauen sie in Schränken. Ein bisschen mehr Fantasie hätte es da schon sein können.
Der Kapitän der Mannschaft ist zudem auch kein geborener Stratege. Andauernd stellt er auf dem Planeten Leute allein ab, um einen bestimmten Punkt zu bewachen. Dass die reihenweise verschwinden, stört den Cap anscheinend nicht weiter. Den Zuschauer auch nicht wirklich, da die Personen durch die gleichen Anzüge und ihre lustigen Kapuzen alle ziemlich gleich aussehen. Sogar die beiden Miezen, die die Frauenquote hochhalten, werden unter der Haube ganz androgyn.
Na ja, die Kulissen auf dem Planeten sind jedenfalls unglaublich gut. Schön bunt und vollgepumpt mit Nebelschwaden, so, wie sich das gehört.
Die Make-Up-Effekte sind ebenfalls nicht zu verachten. Bei von Vampiren befallenen Menschen gibt es hübsche, entstellte Gesichter zu sehen. Als Bonus kehren einige begrabene Raumfahrer als Vampirzombies aus ihren Särgen zurück! Auch die Skelette der Urwesen des Planeten sind verdammt eindrucksvoll und unheimlich.
Aber was sind das jetzt für Wesen? Die alten Skelette waren ihre alte Form, aber weil sie so unglaublich weit entwickelt sind (aber trotzdem zu dumm, um von ihrem Planeten runter zu kommen), können sie auch unglaublich lange formlos auf dem Planeten umhervegetieren.
Sie befallen die gelandeten Menschen und übernehmen die Kontrolle. So richtig Vampire sind es also gar nicht. Eher Körperfresser.
Gesellschaftskritik gibt es dann obendrauf auch noch für uns Menschen, die auf ihrem Planeten, vom dem die Weltraumvampire nur träumen können, ständig Krieg spielen und alles in Schutt und Asche legen.
Ein paar nette Überraschungen und unheimliche Szenen werden auf der Zielgeraden noch geboten, so dass der Film inhaltlich, aber vor allem optisch unglaublich viel Spaß macht.
Wer mal ein etwas anderes, sehr charmantes und liebenswertes Weltraumabenteuer erleben möchte, sollte sich (wenn er nicht schon hat) diesen Streifen unbedingt mal ansehen.
Die Veröffentlichung kommt aus dem Hause Legend (gibt es das heute überhaupt noch?) und ist in einem Amaray mit schönem Schuber erschienen. Außerdem wurde ein sehr schönes 8-seitiges Booklet mit Aushangfotos beigelegt. Bild und Ton sind hervorragend und für einen Film dieses Alters beeindruckend.
Kann ich ohne schlechtes Gewissen goutieren! Also zugreifen!

Kommentare:

  1. Einer der mit deutlichem Abstand besten Filme seiner Zeit und auch heute nach wie vor Inspirationsquelle für viele Filmemacher und Fans. Und ich selbst halte ihn auch nach wie vor für Bavas besten Film, denn nicht alles wo Bava draufsteht, ist auch Bava drin.

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  2. Besser als "La Maschere Del Demonio" oder "Sei donne per l'assassino"? Sehr gewagt, aber natürlich durchaus möglich.
    Mir fehlt bei "Terrore nello Spazio" ein wenig die Spannung. Optisch ist es auf jeden Fall mal was ganz anderes.
    Großartiger Streifen, definitiv!

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  3. Nein, "besser" würde ich jetzt auch auf keinen Fall sagen, eher "anders". Meisterwerke sind's alle drei ohne Frage. Beim "Planeten" hab' ich mich als Kind von 8 oder 10 fast in die Hose gemacht, aber ich liebe die Stimmung, die Atmosphäre des Films auch heute noch wahnsinnig. "La Mascherera" ist unheimlicher, das ist richtig und allein Barabra Steele ist da ja in absoluter Hochform und ein Geniestreich von Bava, sie dort zu besetzen. Aber ja, stimmt, so sehr ich "Blutige Seide" liebe, noch lieber ist mir da "Planet der Vampire". Aber beide sind eben völlig verschieden, auch genremäßig. Auch wenn "Planet" sicher einiges an Einflüssen aus dem Horrorbereich hat, sehe ich ihn dennoch mehr als SF Thriller. Bei "La Maschera" erübrigt sich diese Frage ja von allein. Aber Du hast recht, Geschmäcker sind verschieden !

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