Mittwoch, 17. November 2010

Welcome To Hoxford - Ben Templesmith

Ben Templesmith, einer der ganz großen Künstler in der Comicbranche. Mit der Verfilmung seiner Comicserie "30 Days Of Night" wurde er auch über den Comicnerd-Tellerrand hinaus bekannt. Sein eigenwilliges und künstlerisches Artwork lässt sich unter Tausenden wieder erkennen und nicht nur das, er ist auch noch ein brillianter Geschichtenerzähler.
Ein ganz besonderes Comicbuch, das ich heute besprechen möchte, ist sein von ihm in Personalunion erschaffenes Meisterwerk "Welcome To Hoxford".
Doch zuerst ein paar Worte zur Veröffentlichung.
Auf dem deutschen Comicmarkt ist es leider bis heute immer noch nicht gelandet, aber dank der Globalisierung gibt es für kleines Geld das wirklich schön aufgemachte Trade von IDW Publishing. Stabil, so dass es auch nach mehrmaligem Lesen noch unverbraucht aussieht und mit einer ganzen Ladung an Extras ausgestattet.
Denn neben der Covergalerie sind noch sehr viele Probezeichnungen und Sketche im Anhang enthalten.
Ok, worum geht es?
Ein ziemlich irrer Typ, der eine schlimme Kindheit hatte und dem der Krieg nicht wirklich gut getan hat, sitzt im Kittchen ein und hat ein großes Problem mit Mithälftlingen. Befindet sich eine andere Person außer ihm selbst in der Zelle, muss er diese einfach platt machen. Ach ja, und da ist noch diese andere Sache. Er hält sich für Cronos, den Gott. Außerdem plaudert er gerne mit Mäusen, die er für seine Mutter hält und hat generell eine sehr spezielle Wahrnehmung der Realität. Ein hoffnungsloser Fall, vollgepumpt mit Psychopharmaka, damit es irgendwie besser wird.
Als er einem weiteren Insassen die Lichter ausknipst, wird er allerdings abgeschoben in einen Knast, der von einer russischen Organisation geleitet wird, Hoxford.
Andere Typen, die mit ihm unterwegs gen Hoxford sind: ein pädophiler Christ, ein Vergewaltiger, eine Nekrophiler und ein Kannibale. Kurz, der Abschaum der Gesellschaft.
Man möchte denken, die Leiter des Gefängnisses haben alle Hände voll zu tun und verdienen Mitleid. Aber: ihr seht doch diesen Werwolf auf dem Cover da oben? Tja, der ist auch in diesem Knast und eins sei noch verraten, er ist kein Häftling.
Ich hoffe, ich habe nicht zu viel gespoilert, aber es erwartet den Leser eine rasante, düstere und blutrünstige Achterbahnfahrt.
Der unglaublich großartige Zeichenstil von Templesmith passt perfekt zur inszenierten Stimmung. Manchmal ist es etwas unübersichtlich und man muss kurz innehalten, allerdings ist eigentlich jedes einzelne Panel ein Kunstwerk für sich. Obwohl das Comicbuch wirklich ungemein brutal ist und schwer auf den Magen schlägt, lässt die offensichtliche Geisteskrankheit des Protagonisten und die daraus resultierenden Sprüche ständig urkomische Situationen entstehen.
Jetzt möchte man sich eigentlich fragen, wie Templesmith auf ein derart bizarres Szenario gekommen ist. Tja, Pate war, wie so oft, ein stückweit die Realität. Denn für einen Teil seiner "30 Days Of Night" Reihe bekam er ein paar Probleme mit dem Verleger. Grund, sein Comic spielt zum Teil im zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Da lässt es sich nicht vermeiden, Russen gegen Nazis kämpfen zu lassen, jedoch stieß das einigen etwas sauer auf. Sie waren der Meinung, das Comic würde "promoting hatred between nationalities". Der gute Ben hat sich also im Zuge dessen mit den Gefängnissen auf diesem Planeten befasst und so Inspiration für sein Werk erhalten.
Eine eigene Promowebseite bekam "Welcome To Hoxford" auch noch spendiert. Man kann sie hier finden.
Unbedingt lesen, wie alles von Templesmith (Singularity 7, Choke, Fell, Wormwood)
Wer sich noch nicht sicher ist, kann hier in das erste Heft kostenlos reinlesen.

1 Kommentar:

  1. Fett! Das sieht echt klasse aus, klingt auch nach ner abgefahrenen Story. Danke für den Bericht:-))
    Werde mir das Comic holen, sobald es auf Deutsch draußen ist.

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