Montag, 13. Dezember 2010

Devils of Darkness (Die Gruft der toten Frauen - 1965)

Die Briten haben es in Sachen okkultiger Atmosphäre und sinistren Satansritualen einfach drauf.
Ein weiterer Beweis für die morbide Vormachtstellung auf diesem Sektor markiert der Gruselschocker "Devils of Darkness" aus dem Jahre 1965. Die ollen Vampirgeschichten im viktorianischen England waren den Machern anscheinend zu öde und so entschied man sich, das ausgelutschte Blutsaugerthema mit gepflegter Teufelsanbetung (inklusive Tieropfern) in die (damalige) Gegenwart zu holen. Was soll ich sagen, es funktioniert prächtig.
Zu Beginn bekommen wir eine virtuos vorgeführte Tanzeinlage einer bezaubernden Zigeunerin dargeboten. Offenbar handelt es sich um eine Art Hochzeitstanz, denn die flippige Dame umbuhlt einen weniger gutaussehenden und mit einer furchtbaren Frisur gestraften Gentleman. Nebenan erwacht eine Plastikfledermaus aus einem Steinsarg und hat es natürlich auf die schöne Braut abgesehen. Sie wird gebissen, das Volk verteilt sich im Wald und zack sind wieder einige Jahre ins Land gegangen.
So viel zum Vorspiel. Die eigentliche Geschichte beginnt. Der Graf Sinistre und seine geklaute Braut suchen den Ort heim, an dem derzeit ein Schriftsteller und eine Kunsthändlerin gastieren. Der Graf selbst sieht aus, als hätte er grade dutzende Faceliftings hinter sich. Ob diese übertriebene Schminke seine Jugend verkörpern soll oder der Schauspieler tatsächlich der eitlen Natur angehört, bleibt ungewiss.
Ach ja, eine Höhlenexpedition wird auch noch unternommen, die irgendwie mit der Erweckung zusammen hängt, aber die Handlung ist bei diesem Film sowieso nur sekundär, aber dennoch spannend! Viel schöner sind da schon die Kulissen anzuschauen. Das Hotel ist wirklich ein Augenschmaus und es gibt eine ganze Bandbreite an phantastischen Tapetenmustern zu bewundern!
Außerdem ist die vollgestellte Villa mit den vielen sich darin befindenden Schätzen sehr schön in Szene gesetzt. Die Rituale selbst wirken ebenfalls imposant und begeistern.
Der Schriftsteller schnappt sich aus der örtlichen Bibliothek erstmal fundierte Lektüre über die ihm seltsam erscheinenden Geschehnisse, nachdem es die Leute in seinem Umfeld reihenweise dahingerafft hat. "Magie und das Übernatürliche", "Hexerei und Schwarze Magie", "Schizophrenie" und "Die Enzyklopädie der Hexerei und Dämonologie" drückt ihm der Bibliothekar in die Hand und natürlich findet er darin Aufschlussreiches über den fiesen Halsknabbermeister.
Als kleines Bonbon bekommen wir außerdem noch eine kleine Künstlerparty zu sehen, bei der die Anwesenden im Sekundentakt übereinander herfallen. Allerdings geht es dabei noch relativ gesittet zu Werke. Zwar betrinkt man sich nicht zu knapp, doch lässt man weitestgehend die Hüllen nicht fallen.
Ein Rotschopf begibt sich derweil in die Fänge des Grafen Sinistre, der sich als Aktzeichner beweisen möchte und die Schönheit auf Leinwand bannen will.
Dummerweise wird seine Vampirbraut eifersüchtig, blöd gelaufen.
Das Ganze wird in herrlichen Farben und wie schon oben erwähnten tollen Settings präsentiert. Es gibt eine unheimliche Gruft, noch mehr virtuose Tänze und seeehr coole satanische Initiationsriten mit delilierendem Sprechgesang. Aber was mich wirklich beeindruckt hat, der Film ist wirklich anschaubar und zwar nicht nur auf der nostalgieästhetischen Ebene, sondern auch ganz objektiv. Die Handlung, auch wenn sie nicht wirklich innovativ ist, packt und fesselt, so dass man dem Ende entgegen fiebert. Bild und Ton der EMS DVD sind vorbildlich. Mit Schuber und informativem Booklet in der leider eingestellten "Phantastischen Film" Reihe erschienen, hält der Titel auch Alternativszenen und den Originaltrailer parat.
So erfährt man aus den Informationen zum Film, dass einige Szenen in den Pinewood-Studios gedreht wurden, während Sean Connery in einer angrenzenden Halle des Studios "Goldfinger" drehte. So klein kann England sein.
Kurzum eine tolle Veröffentlichung eines unerwartet guten Films. Zuschlagen, solange ihr noch die schöne Erstauflage im Schuber bekommt!

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