Samstag, 4. Dezember 2010

E tu vivrai nel terrore - L'aldilà (Geisterstadt der Zombies - 1981)

Wer kennt ihn nicht? Lucio Fulci. Nun, ich nicht. Jedenfalls sehr lange. In meiner Jugend war der Name immer ein Phantom. Ohne Internet wussten wir damals nur, dass er Zombiefilme machte und dabei mit reichlich viel Blut zu Werke ging. Es gab sogar Gerüchte, dass er mit echten Leichen drehte! Die Indizierung der meisten seiner Filme führte auch dazu, dass es sehr lange dauern sollte, bis wir den Film tatsächlich mal zu Gesicht bekamen. Ähnliches galt auch für Evil Dead, der ebenfalls lange Zeit eine Unbekannte darstellte.
Zum Glück wurde mir über die Jahre die Ehre zuteil, mehrere filmische Werke vom italienischen Meister des Zombiehorrors sichten zu können.
Heute geht es um "E tu vivrai nel terrore - L'aldià" (1981), auch unter dem Titel "The Beyond" bekannt.
Der Film versprüht eine unglaublich dichte Atmosphäre und haut uns deftiges Gekröse vor den Latz.
Eine blonde Dame, Catriona MacColl, die durch den geheimnisvollen Filmclub Buio Omega eine späte, aber verdiente, Ehrung erhielt (Video Teil 1, Video Teil 2), übernimmt ein Hotel im Sumpfgebiet von Louisiana. Die Umgebung sieht schon ziemlich siffig und ungastlich aus, aber in dem Gebäude des Hotels wurden 1927 auch noch sämtliche Bewohner umgebracht und zwar auf nicht sehr nette Weise. Das Haus ist also irgendwie verflucht.
Und irgendwie ist es jetzt auch eines der Tore zur Hölle. Wie, das mag nicht logisch erscheinen? Ganz egal, der Film packt dich trotzdem bei den Testikeln und schleift dich durch ätzende Brühe.
Und mit ätzender Brühe werden hier ebenfalls die Splattereffekte serviert, auf die man den Streifen aber keinesfalls reduzieren sollte.
In erster Linie steht der subtile Horror im Vordergrund, der vor allem durch die beklemmenden Gemäuer des Gebäudes transportiert wird. Es ist also keinesfalls ein reinrassiger Zombiehorrorfilm, sondern über weite Strecken ein lupenreiner "haunted house"- Streifen.
Die weißen Kontaktlinsen einiger Geister, Untoter oder Halblebendiger (man weiß das nicht so genau), jagen dem Betrachter an vielen Stellen einen wohligen Schauer über den Rücken.
Wenn geschpläddert wird, dann geht es schon ziemlich deftig zur Sache. Eigentlicht tut es das sogar verhältnismäßig oft! Natürlich sieht es aus heutiger Sicht sehr einfach und eher amüsant aus. Man erkennt, wenn Puppen zum Einsatz kommen, aber es wirkt trotzdem nicht billig. Von daher wäre es auch mehr als angebracht, den Titel endlich mal vom Index zu streichen. Eine rot/gelb/grüne Pampe blubbert den Opfern und Zombies ständig irgendwo raus und wenn sie mal verwundet werden sollten, dann klatscht die ganze Jauche fontänenartig durch die Bude. Kein schöner Anblick, aber durchaus effektiv. Man ekelt sich und das nicht zu knapp. Erwünschter Effekt erzielt.
Ach ja, für wen Spinnen eher zu den unliebsamen Genossen, mit denen man sich diesen Planeten teilt, gehören, der sollte zumindest bei einer Szene seine Auge ganz, ganz lange schließen. Ein ganzes Kampfgeschwader von Achtbeinern fällt über das paralysierte Opfer her und mampft sich einmal durch das Gesicht. Da darf es auch nicht fehlen, dass eine besonders fette Tarantel seinen Hinterleib mal eben in der Zunge des Humanoiden versenkt. Wirklich widerlich und ziemlich explizit dargestellt.
Die deutsche Synchronisation bietet an der ein oder anderen Stelle Grund für einige Lacher, trotzdem ist sie über weite Strecken sehr ernst und gelungen gehalten.
Nicht immer logisch ist auch die Handlung. Die Motivation der Charaktere leuchtet nicht immer ein und man ärgert sich am Schluss regelrecht. Dieser deppenhafte Amateurzombiekiller hat eine Lernkurve, die steil nach unten geht. Selbst nachdem er mehr als ein Dutzend Zombies umgenietet hat, bemerkt er nicht, dass er auf den verdammten Kopf zielen muss! Stattdessen verballert er völlig nachlässig sein Magazin. Aber gut, seine Knarre lädt sich auf wundersame Weise sowieso von selbst auf, daher kann er wohl auch verschwenderischer damit rumfeuern.
Auch wenn es nicht den Anschein erwecken mag, der Streifen ist bierernst. Man bekommt zwar die ein oder andere ulkige Situation, aber schon im nächsten Moment setzt der Film zu einem üblen Tiefschlag an.
Tierhorrorfreunde kommen mit fiesen Spinnen und durchgedrehten Schäferhunden ebenfalls auf ihre Kosten. Ein wilder Genremix, der, ob Auftragsarbeit hin oder her, zu gefallen weiß! Handwerklich durch sehr coole Kameraeinstellungen, die tollen Kulissen und eine temporeich erzählte Handlung ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Großartig!
Für Horror- und Italofreunde ist das kleine Meisterwerk definitiv Pflicht und vermutlich sowieso schon längst fester Bestandteil der Sammlung.
Beim Kauf sollte man jedoch darauf achten, dass man nicht ein geschnittenes Exemplar erwischt. Davon geistern wenigstens 2 in DVD-Form rum.

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