Freitag, 31. Dezember 2010

Monster On The Campus (Der Schrecken schleicht durch die Nacht - 1958)

Zur Feier des Tages gibt es heute wieder mal einen Klassiker von den Universal Studios. Kein geringerer als Jack Arnold ("Creature From The Black Lagoon" (1954), "Tarantula" (1955), "Revenge Of The Creature" (1955), The Incredible Shrinking Man (1957)) saß damals auf dem Regiesessel und hat uns diesen, vermutlich ersten, Monsterfilm, der auf einen Collegegelände spielt, beschert.
Schon zu Beginn des Films merkt man deutliche Unterschiede zu anderen Genrefilmen weniger liquider Filmstudios seinerzeit. Die Filmwelt wirkt üppiger, die Drehorte sehr gut ausgestattet und das, obwohl auch hier vergleichsweise wenig Geld für die Realisierung zur Verfügung stand. Außerdem ist Arnold ein Meister des Faches und ist, was Monsterhorror anbelangt, sowieso der ungekrönte König!
Mit "Monster On The Campus" (1958) hat er zugleich seinen letzten Monsterfilm auf die Zuschauerschaft losgelassen und sich danach TV-Serien wie "Gilligans Insel" oder "Immer wenn er Pillen nahm" gewidmet.
Es ist also ein ganz besonderer Streifen und Arnolds sozialkritischer Unterton klingt auch in diesem Werk wieder subtil mit.
Der Biologe Dr. Donald Blake bestellt sich ein uraltes Fischfossil in sein Labor, um es zu untersuchen und durch die so entstehende Medienaufmerksamkeit mehr Geld für sein Institut zu aquirieren. Das Fossil sieht verdammt gut aus und ist einem Quastenflosser nicht ganz unähnlich. Das gute Stück ist tiefgefroren, schmilzt aber, auch weil die Herren nicht von der schnellen Sorte sind, die ganze Zeit so vor sich hin. Der Schäferhund eines Studenten sabbelt schließlich an der Schmelzwasserlache, benimmt sich anschließend ziemlich merkwürdig und mutiert binnen kürzester Zeit zu einem garstigen, langzähnigen Aggrohund. Allerdings kühlt sein Gemüt schon nach wenigen Stunden merklich ab und er ist wieder die herzensgute Tierseele, die er vorher war.
Außerdem referiert uns der Chefbiologe, wie wichtig es ist, dass sich der Mensch evolutionsbiologisch weiterentwickelt hat und nicht mehr im instinktgeschwängerten Neandertal verweilt. Nicht so cool ist, dass der Gute, als er das stachelige Fischvieh hochwuchten will, die Hand in dessen Maul stopft und sich so eine Wunde zuzieht. Als er dann die Kiste aus dem Labor schaffen will, langt er mit der verletzten Pfote natürlich voll in das Schmelzwasser rein.
Nach kurzer Zeit mutiert auch er zum prähistorischen Affenmenschen mit einem lustigen, aber trotzdem atmosphärischen Kostüm (das dem Zuschauer allerdings erst sehr viel später in voller Pracht kredenzt wird) und fängt an, sich an den Leuten aus der Stadt zu vergehen. Die restliche Geschichte dreht sich dann im Prinzip darum, das Monster zu fangen, wobei sich natürlich gewisse Schwierigkeiten ergeben, da der Doktor auf jeden Fall unschuldig ist.
Das liest sich jetzt vielleicht gar nicht so spannend, aber der Film lebt vor allem von seiner Collegecampusatmosphäre. Natürlich sehen die Studenten schon alle wie Anfang 30 aus, aber die heimelige Nostalgiestimmung hüllt den begeisterten Zuschauer binnen weniger Minuten ein. Das Finale ist durchaus temporeich, natürlich wenig überraschend, aber äußerst charmant inszeniert. Die vielen Außenaufnahmen und Drehorte tun dem Streifen sehr gut und unterstreichen die offen empfundene Filmwelt.
"Monster On The Campus" ist ein Monsterfilm, wie er im Buche steht und sollte unbedingt einmal gesehen werden. Die Darstellerinnen sind entzückend, die Männer gar nicht mal so archetypisch machohaft und es gibt als ganz besonderen Bonus eine Monsterlibelle! Klar hätte man gern noch andere Viecher in ihrer prähistorischen Form gesehen, aber dafür war das Budget dann wohl doch zu klein.
Ich habe mich prächtig amüsiert und werde mir, wie bei jedem Arnoldfilm eigentlich, den Streifen noch einige Male ansehen.
Bei der Wahl der Veröffentlichung sollte man unbedingt zur Jack Arnold Monster Collection von Koch Media greifen. Neben "Monster on The Campus" ist dort nämlich auch noch das "Creature From The Black Lagoon" - Sequel "Revenge Of The Creature" enthalten und der, wenn auch nicht mehr von Jack Arnold gedrehte (von daher auch der etwas irreführende Titel "Jack Arnold Collection"), dritte Teil "The Creature Walks Among Us" (1956). Die Box kostet zwar etwas mehr, aber dafür gibt es einen sehr massiven Schuber und die Filme in schicken Digipacks mit großformatigen Kinofilmplakaten über das gesamte Cover. Außerdem ist die Bildqualität wirklich großartig geworden! Als Bonusmaterial sind auf dieser DVD eine Bildergalerie mit etlichen Plakaten und Aushangfotos, sowie der Original US-Kinotrailer und ein ausführliches Interview mit Arnold über seine Ambition, als B-Filmregisseur aufzusteigen.
Eine kleine Anekdote noch zum Schluss. Dr. Blake nimmt am Anfang des Films einen Gesichtsabdruck von einer Blondine, da er an seiner Wand eine ganze Galerie von Gesichtern der Menschenvorfahren hängen hat. Mit der Dame will er nun die Sammlung mit dem modernen Menschen komplettieren.
Eine der Masken in der Reihe ist der sogenannte Piltdown Mensch, der 1912 im Dorf Piltdown gefunden wurde. Schon 1953 fanden Wissenschaftler heraus, dass es sich hierbei um eine Fälschung handelte. In diesem 5 Jahre später entstandenen Film schaffte es der Piltdown Mensch dennoch.

Kommentare:

  1. He Zombiebunker,

    sind in in der Box eigentlich diese Filme mit den schönen alten Covermotiven ? Ich mag das, wenn so alte Sachen nicht aufgemotzt, sondern mit dem damaligem, entsprechendem Werbematerial ausgestattet sind.

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  2. UFF, falsch geklickt :( Oder wieso erscheint hier nur "URL" ..

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  3. Seltsam :)
    Jep, sind die alten! Auf den letzten Bild im Beitrag sind die 3 DVDs ausgeklappt zu sehen :)

    Cheers

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  4. Seeehr schön ! Allein sowas kann einen ja schon in Versuchung bringen : - )

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