Dienstag, 14. Dezember 2010

The Vampire Lovers (Gruft der Vampire - 1970)

Endlich mal wieder eine Hammer Produktion im Player. Im Gegensatz zu den eher zahmen und nur erotisch angehauchten Vorgängern des hammerschen Gothic Horrors, besticht "The Vampire Lovers" (1970) durch ein wenig mehr Freizügigkeit und explitzite Tötungsszenen. Allzu leicht kam man damit jedoch nicht durch die damaligen Zensurbehörden von England oder den USA. Kaum zu glauben, aber dieser wirklich harmlose Film wurde erst 2000 in seiner ursprünglichen Form veröffentlicht und selbst dort fehlte noch eine Szene, in der sich Ingrid Pitt nackt aus einer Wanne erhebt (welche in dieser Fassung natürlich enthalten ist).
Tatsächlich handelt es sich bei diesem Streifen um eine Literaturadaption, die ein wenig vom üblichen Draculastoff abweicht. Durch die höher gesteckten Ziele, was sexuelle Darstellung anbelangt, um das abgebrühter werdende Publikum noch schocken zu können, konnte man mit dieser frauendominierten Rolle der Vampirin vor allem lesbische Liebesspiele auf die Leinwand bringen. Wer jetzt allerdings Sleaze erwartet, der sollte sich zunächst noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass wir es hier mit einem britischen Film zu tun haben. Die knisternde Erotik der sich bezirzenden Schönheiten hält sich also stark in Grenzen und wirkt aus heutiger Sicht dezent und geschmackvoll eingesetzt.
Mit Peter Cushing als General von Spielsdorf hat man zudem einen bekannten Darsteller aus dem Hause Hammer im Boot und mit Ingrid Pitt eine vollbusige junge, aufstrebende Aktrice, die durch die mit Bravour gespielte Rolle noch weitere tolle Angebote bekommen sollte. Zum Beispiel als blutverschmierte und sich stets im Kampf gegen das Alter befindliche "Countess Dracula" (1971) in einem nicht weniger freizügigen Streifen (in dieser Charge sogar als delikate Büste verewigt).
Ok, aber kommen wir zur Handlung der Geschichte.
Ein alter Baron klaut einer aus einem Dampfkesselsarg entfleuchten Vampirbraut den Schleier. Diese begibt sich derweil in das nächste Dorf um den glubschäugigen Typen zu verspeisen, der so feist gegen die Hauswand strullert. Als das in Umhänge gehüllte Wesen zum Baron zurückkehrt (halbnackt) und diesen versucht, mit ihrem offenherzigen Dekolleté zu verführen, schlägt er ihr, kühn wie er ist, einfach den Kopf mit seinem langen Schwert ab.
Schnitt.
Wir befinden uns nun am Hofe von General von Spielsdorf und verfolgen eine Gesellschaft, die sich im Tanz erquickt, bis eine unheimliche Gräfin mit ihrer bildschönen Tochter Marcilla (gespielt von Ingrid Pitt) aufkreuzt und die Bubenschar zum Kollektivsabbern bringt. Kurz danach flattert noch ein kreidebleicher Mann mit Zylinder, ganz in schwarze und rote Kleidung gehüllt (seine Rolle im Film bleibt ein Geheimnis), durch den Saal und veranlasst, dass Marcilla bei General von Spielsdorf vorerst in Obhut bleibt. Schnell freundet sie sich mit der Tochter des Hauses, Laura, an und begehrt sie anscheinend auch. Zumindest küssen sie sich ständig. Dumm ist, dass Laura von da an ziemlich seltsame Träume hat (in schwarz/weiß!) und von riesigen flauschigen Teppichen attackiert wird, die sie später als, Obacht, Riesenkatzen identifizieren will. Jedenfalls kann das Mädel verdammt gut schreien und hat für ihre ersten 10 Sekunden definitiv eine Chance, in die Ruhmeshallen der B-Movie Scream Queens einzuziehen.
Danach ist Laura todkrank und Marcilla pilgert zur nächsten Familie, um deren vollbusige Tochter anzuknabbern.
Mehr wird nun auch nicht verraten.
Die Sets des Filmes sind wirklich toll, da stört es auch gar nicht, dass ein Teil aus "Taste The Blood Of Dracula" (1970) recycelt wurde. "The Vampire Lovers" wirkt unglaublich liebevoll ausgestattet und kann sogar mit einigen Außenaufnahmen in der Natur aufwarten. Man kann also zusammenfassen, dass der Film sehr wohl etwas fürs Auge ist, in zweierlei Hinsicht.
Etwas nervend ist das zweite hübsche Mädel, das in die Fänge von Marcilla gerät. Völlig doof überzeichnet mimt sie die Naivität in Person. Sie stellt sich weder clever beim Französischunterricht an, noch merkt sie, dass Marcilla ihr an die Wäsche will. Tja, und was soll ich sagen, auch Emma hat Träume in schwarz/weiß und sieht Riesenkatzen!
Die Geschichte entwickelt sich recht dynamisch und man fiebert tatsächlich mit den holden Damen in ihren Nachthemden mit. Aber auch für die schöne Ingrid Pitt hat der Zuschauer Sympathie übrig. Es schimmert immer wieder die innere Qual ihres Daseins in einer Geschichte voller Romantik, Intrigen, Freundschaft und Verzweiflung durch. Sogar psychologische Aspekte beleuchtet "The Vampire Lovers" und kann mit einem spannenden Ende punkten.
Wem spinnwebenverhangene Grufträumlichkeiten, nebelüberzogene Friedhöfe, schöne Frauen und eine gute wirklich gelungen umgesetzte Handlung etwas wert sind, sollte sich diesen Film unbedingt zu Gemüte führen. Es wäre grundverkehrt, ihn auf die damalig explizite Nudität und die Schockeffekte zu reduzieren. Die liebevolle deutsche Synchronisation erhöht den Nostalgiefaktor noch einmal deutlich und es ist auch nicht weiter schlimm, dass Cushings Rolle doch relativ klein ausfällt (hauptsächlich in den ersten und letzten 15 Minuten ist er am Start).
"The Vampire Lovers" ist, und daran gibt es keinen Zweifel, ein kleines Juwel in der Schatzkiste des Hammerhauses. Die vorbildliche Veröffentlichung von Kochmedia im Schuber mit Prägedruck und einem ausführlichen und informativen Booklet rundet das Erlebnis ab. Grandios!
Ingrid Pitt verstarb 2 Tage nach ihrem 73. Geburtstag am 23. November 2010 in London.

1 Kommentar:

  1. Tja, so richtig hab' ich mich mit dem Streifen nie anfreunden können, obwohl man ihm durchaus gelungene, wunderschöne Momente attestieren muß. (allein schon der traumhafte Anfang verspricht ja einiges, was der ganze Film in meinen Augen letztlich aber nicht hält) Ingrid Pitt ist hervorragend in ihrer Rolle, Peter Cushing dagegen...nun ja, hat ja eigentlich in seiner "General von Spielsdorf" Rolle eher schon Gastauftrittscharakter. Und leider auch keinen, dem ich besonders viel abgewinnen konnte, was die Rolle ein bißchen beliebig für mich gemacht hat. Schade, denn wie gesagt, absolut total gelungene und sehr stimmungsvolle Momente, wie man sie von Hammer kennt, aber sonst :( und die allzu oft fehlende Musik tut ein übrigens für meinen Geschmack.

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