Freitag, 19. Februar 2010

Jack Brooks Monsterslayer (2007)

Nanu? Was macht ein so neuer Film hier? Dann muss er ja verdammt gut sein, damit er hier besprochen wird, oder was? Abwarten!

Der Titel (Trailer) ist schon seit längerer Zeit auf dem hiesigen Markt und ich habe mich bis dato aufgrund von schlechten Kritiken immer davor gedrückt, ihn zu erwerben.
Zum Glück sind der momentane Preisverfall und mein temporäres, finanzielles Glück auf einen Zeitpunkt gefallen, so dass ich für 8€ einfach zuschlagen musste.
Im Vorfeld wurde dem Film vorgeworfen, dass er billig , langweilig und schlecht sei.
Wollen wir diese völlig unzutreffende Kritik mal Stück für Stück dekonstruieren.

Der Film ist billig.
Nein, nicht wirklich. Man hat mit Robert Englund (Freddy Krüger) eine Slasherikone dabei und auch die Sets sehen in keinster Weise auch nur irgendwie billig aus.
Die Monster sind alle, zum Glück, handgemacht. Es gibt keinen einzigen Computereffekt! Schon allein deshalb kann der Film gar nicht billig sein!
Das riesige Tentakelvieh sieht so großartig aus, es ist eine Freude, dass man sowas überhaupt noch erleben kann!
Der Film ist langweilig.
Bidde? Der Film hat keine einzige Länge! In den letzten 20 Minuten herrscht nonstop Action, fast schon zu viel. Die Story wird richtig schön aufgebaut. Der Film ist weder bierernst gemeint, noch eine reine Persiflage. Wer Monsterfilme kennt und mag, erkennt etliche Motive, die auf den Arm genommen werden, aber trotzdem gleitet er nie in Blödelkomik ab. Eine reife Leistung, denn genau das schaffen 90% aller Monsterhorrorfilme nicht!
Im Vergleich zum etwa zeitgleich erschienenen "My Name is Bruce" hat Jack Brooks eine wesentlich rundere Story. Ja, man ertappt sich sogar, bei diesem kleinen Filmchen Spannung zu vernehmen. Außerdem gibt es eine auf ganz wenige Szenen limitierte Liebesgeschichte. Endlich wird dieses Thema nicht bis zum Erbrechen ausgewalzt!
Der Film ist schlecht.
Nein! Man! Guck doch mal hin!
Die Darsteller beherrschen alle blendend das Overacting. Kein bisschen des Films ist unfreiwillig komisch, obwohl es einige extrem komische Szenen gibt.
Das einzige, was an diesem Film schlecht ist, ist die deutsche Synchronisation. Die geht einem so dermaßen auf die Eier, dass man schon nach wenigen Sekunden auf O-Ton umschaltet. Kommt sowieso viel besser, da Dave Englund nur im Original so rüberkommt.
So, und jetzt noch kurz was zur total hanebüchenen, aber dafür sehr charmanten Handlung.
Jack hat Probleme, seine Aggressionen unter Kontrolle zu bringen, seit ein fieses Dschungelmonster seine Familie bei einem Campingtrip verspeist hat. Er ist Klempner und geht zur Abendschule. Sein Lehrer wird wenig später von einem in seinem Garten vergrabenen Herzen angefallen und mutiert zum fiesen Riesententakulus, der Teile der Klasse in Monster verwandelt. Jack Brooks kämpft sich aber bravourös mit Pümpel und Zange durch die Horden.
Total ausgefuchst und wirklich absolut maßgeschneidert.
Bitte gerne mehr von diesen tollen Creaturefilmen in der Zukunft! Unbedingt kaufen, damit uns vielleicht noch ein zweiter Teil beschert wird.

Montag, 15. Februar 2010

I´m on a (S)choppingspree
















Es gibt wieder Fortschritte bei der Suche nach den letzten Filmen der Anolis Hammer Edition.
Die ist leider mittlerweile "out of print" und es werden Mondpreise dafür verlangt. Bei meiner Jagd durch das Internet habe ich endlich wieder 3 Neue zu einem günstigen Preis entdecken können.
Zum einen konnte ich Die Bestien lauern vor Caracas (The Lost Continent 1968),
Frankenstein schuf ein Weib (Frankenstein Created Woman 1967) und Trommelwirbel:

Yeti, der Schneemensch (The Abominable Snowman 1957) ergattern. Ich hoffe, dass die Perlen bald eintreffen und mir die Winterabende versüßen.
"A small band of men on a perilous search for the man beast of Tibet. The Abominable Snowman of the Himalayas. You've heard of him, haven't you? The World's most shocking monster. No-one's ever lived who's seen him. Be on your guard. He's coming to this theatre. The Abominable Snowman dares you. We dare you ~ dare you to see the Abominable Snowman of the Himalayas. Warning! Only those with stout nerves and strong hearts should risk seeing the Abominable Snowman of the Himalayas"
Bleibt zu hoffen, dass Koch Media ihre Hammer Reihe fortsetzen wird. Seit einem halben Jahr ist da leider nach 9 veröffentlichten Filmen Funkstille eingekehrt. Hier noch eine Auflistung der 20 bei Anolis erschienenen Hammertitel:

  • 01 - Frankenstein schuf ein Weib
  • 02 - Das schwarze Reptil
  • 03 - The Venegance of SHE
  • 04 - Yeti der Schneemensch
  • 05 - Robin Hood - der rote Rächer
  • 06 - Blut für Dracula
  • 07 - Schock
  • 08 - The Witches
  • 09 - Robin Hood - der Freiheitsheld
  • 10 - Nächte des Grauens
  • 11 - Königin der Wikinger
  • 12 - Captain Kronos, Vampirjäger
  • 13 - Der Fluch der Mumie
  • 14 - Der Sklave der Amazonen
  • 15 - The Devil rides out
  • 16 - Frankensteins Höllenmonster
  • 17 - Rasputin, der wahnsinnige Mönch
  • 18 - Bestien lauern vor Caracas
  • 19 - Feinde aus dem Nichts
  • 20 - Das grüne Blut der Dämonen

Rakete 510 (First Man Into Space) geht langsam aus.

ICatcher meldet, dass sich die Bestände des 6. Teils der Galerie des Grauens langsam lichten.
Also schnell noch ein Exemplar sichern, bevor sie für über 50€ bei Ebay und co verkauft werden.
Der Film ist großartig und sehr an die Quatermassfilmreihe angelehnt. Meinungsbilder zum Filmen (und Nummer 5 Fiend Without A Face) werden dann hoffentlich auch demnächst folgen. Hier noch kurz der Trailer zu "First Man Into Space" (1959).

Außerdem kann man mittlerweile Das Ungeheuer von Loch Ness (The Giant Behemoth Trailer 1958), ein Stop-Motion-Film in bester Ray Harryhausent-Tradition, vorbestellen. Dieser wird wohl eine zweite DVD mit Bonus enthalten und kommt im März raus. Das unglaublich hübsche Retrocover kann man nachfolgend sehen. Anolis Grafiker haben sich da mal wieder mächtig ins Zeug gelegt.
Außerdem noch ganz kurz für alle Podcasthörer. Hört euch mal den B-Movie-Cast an. Der erscheint ungefähr alle 2 Wochen und darin wird u.a. über Hammerfilme aber auch andere Horror / SciFi / Exploitation Filme gefachsimpelt.

Samstag, 13. Februar 2010

It Came From Beneath The Sea (Das Grauen aus der Tiefe - 1955)

Ray Harryhausen die Zweite. TENTAKELPOWER! Dieses Mal ist die Gefahr irdischer, genau genommen pelagischer Natur. Ein mutierter Riesenkraken treibt vor der Küste von San Francisco sein Unwesen. Warum? Wegen der Wasserstoffbombentests natürlich! Aber der Reihe nach.
Wir verfolgen die Geschichte des 55 Millionen Dollar teuren, ersten Atom U-Bootes, das von einem auf dem Radar als Amöbe erkennbarem Etwas angegriffen wird. Der Anfang zieht sich tatsächlich etwas, aber immerhin gibt es ein kleines Streitgespräch über die Auswahl der Musik an Board. Andere Gesprächsthemen sind die mögliche Wirkung von radioaktiven Strahlen auf die Potenz der Crew.

Zum Glück bleibt ein bisschen Schleim von dem Etwas an der Schiffsschraube, so dass die Forscher es in ihrem Labor (in dem selbstverständlich geraucht wird!) analysieren können. Die Forscher bestehen aus der lasziv drein blickenden Professorin Joyce (gespielt von Faith Domergue), ihrem Kollegen und einem Navytypen - die so genannten O-Ton Film "Führungskapazitäten der Vereinigen Staaten".
Zwischen den 3en entwickelt sich eine knisternde Erotik, da anscheinend beide das Weib begehren. Wie dem auch sei, an dieser Stelle habe ich die furchtbare deutsche Synchronisation abgestellt. Diese Mörderdialoge sind ganz scharf an der Grenze zur Selbstparodie.
Wirken wie aus einem Pornofilm aus den 80ern. Schlimm!
Jedenfalls finden die Forscher heraus, dass es sich um einen Kraken handelt und dieser durch Radioaktivität nicht mehr seine Beute konsumieren kann und jetzt auf Menschenjagd geht (klingt doch logisch, nicht wahr?). Diese plausible Theorie wird anhand eines Oktopoden im Aquarium verdeutlicht, aber niemand glaubt ihnen (zu Recht).

Derweil wird ein Schiff vom Riesenkraken angegriffen und der sexy Professorin gelingt es, weil sie einfach ein Fuchs ist, durch einen Trick, die Militärs von der Existenz des Kraken zu überzeugen.
Ok, der Anfang ist wirklich nicht so dolle und es überwiegt die lustig schlechte Synchro mit markigen Sprüchen und ziemlich monotone Handlungsorte.
Aber jetzt geht es auf Monsterjagd und die Schauplätze verlagern sich nach draußen.
Nessi wird erstmal mit Minen gejagt, die ins Wasser geworfen werden. Das macht ihm gar nichts aus und er spaziert eine Runde am Strand entlang. Jedenfalls zerstört er im Verlauf des Films noch eindrucksvoll die Golden Gate Bridge und wird dann durch einen Taucher und einen U-Boot-Torpedo gekillt.
Die Effekte sind wieder mal superb und die optionale Farbfassung der Zuckerguss auf dem leckeren Zelluloidkuchen. Die obligatorische Bonusdvd gibt es natürlich auch.
Beginnt schwach und hört aber gaaaaanz stark auf!

Freitag, 12. Februar 2010

20 Million Miles to Earth (Die Bestie aus dem Weltraum -1957)

Es ist schon sehr ungewöhnlich, wenn eine Filmbox veröffentlich wird und zwar nicht unter dem Banner eines Regisseurs, sondern des Special Effects Mannes. So geschehen bei der Ray Harryhausen Box. Die Filme sind teilweise nicht in Deutschland erschienen, aber die Box von den britischen Inseln enthält ebenfalls eine deutsche Tonspur.
So günstig wie momentan das Pfund ist, bekommt man die 3 Filme (hier "20 million miles to earth", "It came from beneath the sea" und "Earth vs. the flying saucers") vermutlich nie wieder.

Der Film selbst beginnt mit einem Raketenabsturz vor der Küste von Sizilien. Ein kleiner Junge findet ein Behältnis, in dem sich der Weltraumglibber (wieso ist jede Form von extraterretrischem Leben eigentlich immer ein Haufen Blubberschlabber?) befindet und bringt es dem forschenden Biologen, der mit seiner hübschen Assistentin in einem Trailer die lokale Flora und Fauna untersucht. Als Belohnung erhält der kleine Italiener ein paar Lire und kann sich davon den lang ersehnten Cowboyhut besorgen. So ein Trottel. Tausche Cowboyhut gegen Alien? Hört sich für mich nach einem schlechten Deal an. Egal.
Der Glibber verwandelt sich in ein Monster, hört nicht mehr auf zu wachsen und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Meine Güte sind die Spezialeffekte großartig für die Zeit. Selbst heute würde man sie als relativ modern bezeichnen. Auf jeden Fall immer noch 3 Nasenlängen vor Godzillaproduktionen, wenn ihr mich fragt!
Das Monster ist eigentlich ganz friedlich und möchte nur vom leckeren Schwefel naschen. Dieser katalysiert sein Wachstum, aber eigentlich ist es komplett egal. Das Ding wächst sowieso.

Nachdem es in einen Viehstall gejagt (als es noch die Größe einer Parkuhr hatte) und mit Heugabeln massakriert wird, platzt der Kreatur dann aber doch der Kragen und es zermosht einen Hund. Bemerkenswert an dieser Szene ist, dass man sieht, wie ungefähr 6-8 Hühner vom linken Bildrand auf das Monster geworfen werden. Klasse!

Die Monsterhatz führt uns anschließend in das alte Rom (wo das Monster einen Elefanten platt macht) und der Film mündet in einem formidablen Showdown im Kolosseum.
Für einen Monsterfilm ziemlich spannend, die Dummheit der Menschen wird löblicherweise ausreichend aufgezeigt und die obligatorische Liebesgeschichte ist ebenfalls vorhanden. Bisweilen kommt sogar richtig Sommerstimmung auf, was mir bisher bei einem Schwarz-Weiß-Film noch nie passierte.
Der Knaller kommt aber noch: auf der Dvd sind sowohl die SW- als auch die Farbversion zu sehen! Man kann mit der Angletaste einfach im Film hin und her wechseln. Großartig! Außerdem hält die britische Version eine komplette Dvd mit Bonusmaterial bereit, das sich wirklich lohnt!
Runde Sache und dringend zu empfehlen!

Retro, 90er - Parker Lewis

Kennt noch jemand Parker Lewis? Parker Lewis, der Coole von der Schule. Uhrenvergleich? Beim Zuknallen zerscheppernde Scheibe des Direktorinnenzimmers? Das war die Serie der 90er Jahre!
Leider lief sie nur ein einziges Mal im deutschen Fernsehen.
Man ist es ja gewohnt, dass TV-Serien bis zum Erbrechen wiederholt werden, aber bei genau dieser Serie tat man es nicht. Es ist eben kein A-Team, kein Colt Seavers, kein Alf. Vielleicht lag auch genau hier der Vorteil?
Seitdem ich die Serie sah, sind also gut 17 Jahre verstrichen und ich hatte sie fast völlig vergessen. Umso schöner, dass das deutsche Filmlabel Turbine Medien sich dieser Perle annahm und sie adäquat auf dem Medium DVD veröffentlichte.

Worum geht es?
Die thematischen Eckpfeiler sind: Ray Bans, Hawaiihemden, weiße Turnschuhe (ja, damals hießen Sneaker noch Turnschuhe!), Schulterpolster, die Entdeckung von Computern und Videokameras (plus die Verwendung von abgefahrenen Technovideofiltern und -effekten), Hornbrillen, Rockabillytolle und der Highschoolteenageralltag von 3 amerikanischen Vorstadtkids.
Parker, Mikey und Jerry sind die verschworene Gemeinschaft, die die Highschool durch wirtschaftliches Gespür und technisches Equipment in der Hand haben. Sie foppen (das Wort ist einfach so 90er) ihre Direktorin Grace Musso, wo es nur geht und bedienen sich bei Unglück der Miss-Musso-Ausreden-Kartei.
Außerdem gibt es noch den Chefstresser mit Permanentkohldampf Larry Kubiac, der gerne für ihre Zwecke manipuliert wird.
Die Serie ist einfach großartig naiv und für damalige Zeiten fast schon visionär!
Relativ vorsichtig habe ich mir dann die Dvd besorgt. Ich meine, 17 Jahre können schon ein ziemlich verklärtes Bild einer vielleicht nur mittelmäßigen Serie zeichnen, aber das Nostalgiegefühl stellte sich schon nach der ersten Folge ein.
Das ist sicherlich auch das Besondere an der Serie. Wer sie Anfang der 90er im TV geschaut hat, verbindet damit etwas ganz anderes. Es ist durchaus vorstellbar, dass jemand, dem die Gnade der verhältnismäßig frühen Geburt vergönnt war, mit dieser Serie komplett gar nichts anfangen kann. Denn in Zeiten von Hochglanzfernsehen wirkt eine Serie, die nur in guter VHS (das sind die alten Riesenkassetten Kids!) über die Mattscheibe flimmert, vielleicht altbacken und uninteressant.
Ich für meinen Teil bin voll darin aufgegangen und freue mich schon auf die Veröffentlichung der zweiten Staffel.
Die 90er sind völlig zu Recht und auch heute noch: cool!
This is so much awesome!

Donnerstag, 11. Februar 2010

The Wolfman (2010)

Nach 69 Jahren versucht Joe Johnston, einen meiner absoluten Lieblingsfilme des letzten Jahrtausends neu aufzulegen. Remakes haben ja immer den faden Beigeschmack, das Original einfach nur zu kopieren oder mit diesem gar keinen Zusammenhang mehr zu haben.
Dem entsprechend skeptisch habe ich mich ins Provinzkino gesetzt. Gerade einmal eine handvoll Gäste wollte den Film dann auch tatsächlich sehen.
Die Story spar ich mir, da man sie überall nachlesen kann und wer den Film noch schauen will, sie sowieso nicht vorher lesen will.
Die wichtigste Frage ist also: versagt der Film auf ganzer Linie?
Die Antwort lautet: nein, auf keinen Fall.
Hier wird weder wiedergekäut, noch komplett von der Vorlage abgewichen. Johnston schafft den Spagat, den Film neu zu interpretieren, aber an etlichen Stellen auf das Original zu rekurieren, so dass Fans des alten Films im Minutentakt auf ihre Kosten kommen.
Der Film ist herrlich oldschool und modern zugleich.
Allein der exorbitant eingesetzte Nebel und die zauberhaften Ländereien von englischen Grafschaften bilden einen perfekten Rahmen für die erweiterte und dramaturgisch stringent erzählte Handlung.
Mit Benicio Del Toro und Anthony Hopkins hat man sich 2 perfekte Besetzungen für den Film eingekauft. Und hey, Del Toro sieht Sir Lon Chaney Jr. verblüffend ähnlich.
Der mit Abstand größte Pluspunkt und zugleich auch meine größte Sorge war die Wolfsmenschengestalt.
Zum Glück hat man nur die Metamorphose am Computer animiert und vereinzelte Ausritte auf den Dächern des viktorianischen London. Ansonsten regiert die sympathische und dem Original nachempfundene (OBACHT!) Make-Up- Maske.
Auch die Tötungsszenen fallen bisweilen sehr blutig aus, sind aber zu keinem Zeitpunkt selbstzweckhaft eingesetzt.
Die Qualen und die innere Zerrissenheit des Hauptcharakters werden hier nicht durch die schmerzhafte Verwandlung des Lycanthropen, sondern vielmehr durch die im Verlauf des Filmes stattfindenden Folterszenen ausgedrückt und das zwiespältige Verhältnis von Lawrence Talbot zu seinem Vater. Eine nette Variante des alten Motives.
Einziger Minuspunkt ist die Darstellerin der Maleva. Sie kann Maria Ouspenskaya nicht das Wasser reichen.
Der Film ist temporeich, hat aber auch seine ruhigen Momente mit großartigen Landschaftsaufnahmen, wechselt den Handlungsort und vermischt so die Geschichten der älteren Filme. Wer einen Horrorfilm erwartet, liegt falsch. Wer einen Actionfilm erwartet, liegt falsch. The Wolfman hält erstaunlich gut die Balance und zeigt sich als vollständig ausgegorenes Stück Zelluloid.
Von mir gibt es eine volle Empfehlung. Sowohl Popcornkinoschauer als auch alte Hase werden nicht enttäuscht werden.
Ich bin beeindruckt und glücklich, dass es endlich mal ein Remake, wobei ich hier lieber von Neuinterpretation sprechen möchte, geschafft hat, den hohen Ansprüche zu genügen.
Phantastisch!


Tolle Musik Teil 2


Zuerst sei die großartige Greifswalder Band Pazifika hervor gehoben. Leider gibt es noch nichts auf Schellack Gebanntes (oder doch?) und auch nur sehr selten Konzerte.
Dafür aber ein sehr professionelles Video! Vom Stil her geht es sehr in Richtung Pelican oder Isis. Ein Spritzer Stoner Rock, aber auch Versatzstücke von Tool und eine sehr variierte Songstruktur machen die Lieder sehr eigenständig. Tatsächlich assoziiert man die laut-leise-Kontraste mit der stürmischen See, vor allem dann, wenn es mal etwas hektisch verkopft wird. Die Musik kommt dabei wunderbar ohne Gesang aus. Bei der Nummer mit weiblichem Gesang, empfindet man diesen auch eher als störend.
Live geht genau diese Sorte von Musik unter die Haut und ist, wenn sie wie in diesem Fall technisch souverän vorgetragen, absolut einzigartig.
Da hofft man, dass es in Zukunft mehr Konzerte geben wird und vielleicht auch eine Langrille, denn das Potential ist definitiv da.
Einzige physische Veröffentlichung ist meines Wissen ein Song auf dem klein Stadt GROSS Sampler, der ebenfalls empfehlenswert ist und eine kleine Vinyl?


Mittwoch, 10. Februar 2010

Post - Rock/Hardcore/Metal

Weil immer Auf-die-Fresse-Musik auf Dauer anstrengend und bisweilen sogar agressiv macht, was bei diesem monoton-schlechten Wetter ohnehin schon der Fall ist, hier mal ein paar Musikempfehlungen aus der Sparte POST/Ambiente!

Post-Metal:
Neurosis - eine Dekade unterwegs, als finstere Hardcore Punk Band gestartet und dann in Richtung Sludge und Drone verändert. Heute klingen sie progressiv und aufgeräumt. Tausendsassa Scott Kelly ist mittlerweile solo unterwegs, aber auch bei der Allstar Band Shrinebuilder (die ebenfalls sehr gut ist).
Die letzten beiden Alben "The Eye Of Every Storm" und "Given To The Rising" sind Monolithen im Spektrum der Gitarrenmusik und gehören in jede Plattensammlung. Vor allem auch deshalb, weil man eigens einen Mann für´s Visuelle im Boot hat.
Der Mann heißt Josh Graham und ist nicht nur für die Gestaltung der Alben, sondern auch für Videoclips bei Liveshows verantwortlich. Wie das aussieht, sieht man hier.
Bei Neurosis zelebriert man das große Ganze, bei dem die Musik zwar einen großer Teil ausmacht, aber eben doch durch wichtige Elemente ergänzt wird. Kann man eigentlich immer hören, sollte es aber schon am Stück tun, weil man so doch viel mehr entdeckt. Einfach genaus wie mit der Crack The Skye von Mastodon umgehen! Die wächst bei mir immer noch, wahnsinn!

Post-Hardcore:
In Deutschland gibt es ein Kollektiv, das sich ebenfalls über die Zeit selbst gezähmt hat. Die Rede ist von der Band The Ocean aus Berlin.

Ist die Konzeptplatte Fluxion (Thema Wasser) noch recht robust, krude und metal drauf, regiert auf Aeolian (Thema Luft) noch immer der Prügel, aber es schleichen sich schon ein paar facettenreichere Instrumente in den Sound ein. Fluxion hat man vor Kurzem auch direkt mal neu aufgenommen. Vorteil: viel mehr Druck und der neue Sänger passt auch etwas besser.
2007 geht dann aber mit dem Album Precambrian ein absolutes Mammutprojekt an den Start. Leute, wer versucht sich denn schon an der Vertonung der Erdentstehung? Jeder erdgeschichtlichen Epoche ist ein Song gewidmet. Insgesamt sind das 14 Lieder auf 2 CDs in einem schmucken Digipack. Die erste Hälfte ist natürlich reichlich heftig und roh, aber im Statherium wird es dann richtig entspannt. Da kommen dann etliche Streichinstrumente, Klavier etc. zum Einsatz. Ganz großartiger Stoff, der einem idR Metalfan (überfordern dürfte) da vor den Latz geknallt wird. Da bölkt ja auch niemand mehr in´s Mikro, sondern "singt" tatsächlich. Mensch, Mensch!

Im März kommt das neue Album, natürlich ebenfalls ein Konzeptalbum, "Heliocentric". Neues Thema ist das Heliozentrische Weltbild und seine Wirkung auf das christliche Abendland. Zur Platte gibt es eine Trailerseite mit kurzen Songanspielern. Noch mehr Gastmusiker sind dabei und von Gitarre oder Metal ist nicht mehr viel übrig. Trotzdem sehr entspanntes Zeug und in Kombination mit Artwork und Texten sicherlich wieder was ganz feines.
Sollte das noch nicht genug sein? Nö, sagt das Ocean Collectiv und haun im Oktober direkt noch eine Platte raus. "Anthropocentric" wird es heißen und sich um Kreationismus und modernem religiösem Fundamentalismus drehen.
Geil 2010!

Zeitdiebe

Zu jeder Prüfungsperiode ist die Ablenkung von selbiger schon fast obligatorisch. Hier mal ein kleiner Überblick der effektivsten meiner Zeitdiebe:

Nach ewiger Abstinenz habe ich mal wieder ein paar Comics aus dem
Schrank geholt und bin bei ausführlicher Recherche im Internet über ein paar sehr nette Serien gestolpert.
Invincible von Image Comics:
Die Superheldenserie läuft in den USA ziemlich erfolgreich, ist allerdings bis dato noch nicht auf deutsch erschienen.
Macht aber gar nix, weil es wirklich verdammt edle Hardcover Ausgaben gibt, die im Schnitt 12 Ausgaben abdecken und massiven Bonus für kleines Geld (unter 30€) bieten.
Die erste Ausgabe kann man hier (unten rechts) kostenlos online lesen. Vom spartanischen Zeichenstil sollte man sich gar nicht abschrecken lassen. Der wird noch wesentlich filigraner in den späteren Ausgaben. Für eine mit Twists gespickte Story sorgt Altmeister Robert Kirkman, der z.B. auch den Zombieepos "The Walking Dead" schreibt.
Wer kein Bock auf viel Superheldenuniverumstamtam und einfach mal eine entspannte Geschichte mit etlichen Seitenhieben und viel Humor lesen möchte, ist mit Invincible gut beraten!

Wer dagegen gar kein Bock auf Superheldencomics hat, der sollte schleunigst den Splitter Verlag ins Visier nehmen. Der ist zwar schon ziemlich alt und auch einmal pleite gegangen, wurde aber von komplett anderen Leuten neu gegründet und bringt jetzt feinste franko-belgische Comickunst nach Deutschland. Alben im Überformat im edlen Hardcover für absolut unschlagbare Preise.
Besonders die Serie "Prophet" vom Franzosen Xavier Dorison ist schwerstens zu empfehlen. Das lovecrafteske Endzeitepos ist bildgewaltig von Mathieu Lauffrey gezeichnet worden. Die Geschichte ist auf 4 Bände angelegt, wobei der Dritte jüngst bei uns über Splitter erschienen ist.


Außerdem ist eine neue Gruselhörspielserie an den Start gegangen, Nachtmahr:
Vor allem die Gestaltung des Booklets hebt die Serie von der Stangenware ab. Bei den beiden bis jetzt erschienenen Hörspielen liegt sogar eine kleine, gefaltete und auf alt gemachte Landkarte der Handlungsorte bei. Warum das noch kein anderer aufgegriffen hat, ist mir wirklich schleierhaft. Beim Lauschen etwas in der Hand zu halten und sich orientieren zu können, ist wirklich eine Qualitätssteigerung!
Das Hörspiel an sich ist handwerklich super gemacht. Die Story von Teil 1 "Der Skarabäus" ist vom britischen Autor Richard Marsh und spielt im viktorianischen London. Sehr ruhig und atmosphärisch. Im zweitel Teil darf man dann die Geschichte "Das Grauen von Dunwich" von H.P. Lovecraft himself genießen. Jeder, der den Cthulhu-Mythos kennt und mag, kommt voll auf seine Kosten. Dialoglastig, aber trotzdem spannend und vor allem eins: beängstigend.
Die beiden lohnen sich also auf jeden Fall, da sie endlich frisches Blut in das stark limitierte Hörspielgenre bringen.
Der dritte Teil erscheint im März und wird die Geschichte "Verlorene Herzen" von M. R. James enthalten. Man ist gespannt.

Zum Schluss sei noch "The Fall" von Tarsem Singh jedem Ästheten ans Herz gelegt. Der Film erzählt eine faszinierende Geschichte zwischen einem kleinen Mädchen und einem Stuntman zu Zeiten des Slapstick-Stummfilmkinos. Innerhalb der Geschichte verwebt sich Realität mit Fiktionen und saugt einen immer tiefer in die Geschehnisse hinein.
Man drehte in 18 Ländern und es wurden, auch wenn man es kaum glauben kann, keinerlei Computeranimationen verwendet. Man darf also ruhig mal in den Trailer schauen und sich anschließend bei Gefallen die großartige Collectors Edition mit Blu-Ray von Capelight ordern. Der Film ist rührend, stellenweise schon fast elegisch, imposant, farbenfroh und sehr beeindruckend.

Ach ja, und außerdem ist da ja noch die 6. und letzte Loststaffel jeden Mittwoch!