Dienstag, 27. April 2010

Perry Rhodan

Hurra, hurra. Ich habe den Schritt gewagt und mich in die größte Science-Fiction-Serie eingeklinkt. Allerdings reichlich spät. Bevor ich begann, hat man bereits 2537 Hefte seit 1961 veröffentlicht. Viele werden die Serie kennen und dürfen daher an dieser Stelle bereits aufhören zu lesen. Allen anderen sei das Konzept kurz erläutert.
In groben Zügen lässt sich die Thematik als übergroßes opernhaftes und actiongeladenes Weltraumabenteuer beschreiben. Jede Woche erscheint ein ca. 60 Seiten starkes Romanheftchen am Kiosk, das eine fortlaufende Geschichte erzählt. Hat man 50 bzw. 100 Hefte einer Storyline veröffentlicht, wird dem Leser gerne etwas Neues geboten und es beginnt ein sogenannter Zyklus. Wobei mehrere Zyklen zu einem Großzyklus zusammengefasst werden. Der aktuelle Großzyklus heißt beispielsweise "Friedensfahrer" und der Zyklus "Stardust". Es klingt verworrener, als es letzten Endes ist. Ich selbst habe noch relativ viel zu bewältigen. Wer gerne die Ursprünge der Handlung ergründen möchte und keine Lust auf kleine dünnblättrige Heftchen hat, der kann sich auch zusammengefasste Geschichte (die von Nebengeschichten entledigt sind) mit der Silberband-Edition als Hardcover Buch ins Haus holen. Da sind dann zwischen 5 und 11 Hefte gebündelt und man kann sie entspannt weglesen. Mittlerweile ist man bei 109 Bänden angekommen.
Außerdem gibt es die meisten Abenteuer auch als Hörbuch sowohl zum Download, als auch als MP3 CD.
Wer denkt, dass die mediale Ausbreitung hier schon ihr Ende nimmt, dem sei gesagt, dass es außerdem noch mehrere Hörspielserien gibt, Sonderhefte, Fanzines, abgeschlossene Romane und sogar EBooks mit einer eigenen App für das IPhone.
Am Kiosk kann man außerdem die 5. Auflage erwerben. Hier erscheinen wöchentlich 2 Geschichten in einem Heftchen, die die Hefte von vor 1000 Ausgaben momentan abdecken und kontinuierlich wiederveröffentlicht werden.

Man kann also direkt in der Gegenwart und Vergangenheit ansetzen.
In die Geschichte kommt man relativ schnell rein, wenn man einige Ausdrücke, Gegenstände und Personen erstmal außer Acht lässt. Diese kann man später in dem offiziellen Perry Rhodan Wiki, dem Perrypedia, nachschlagen und so seine Wissenslücken füllen. Analog dazu kann man sich auch die Handreichung des Verlags für Neu- und Wiedereinsteiger zu Gemüte führen und fühlt sich sofort etwas illuminierter.
Geschrieben wird dieses seit fast 50 Jahren jede Woche erscheinende Epos von einem Autorenteam. Unter anderem wirkte der von mir sehr geschätzte Geschichtenerzähler H.G. Francis mit. Momentan gibt es 10 Autoren, die sich untereinander abwechseln und außerdem noch 6 Zeichner. Vor allem die schönen und oft auch retro-esken Coverbilder runden die Geschichten ab. Wenn man nach der Lektüre dann noch Lust hat zu erfahren, was andere Mitstreiter darüber denken, kann man sich darüber im Perry Rhodan Forum auslassen. Hier erfährt man auch schon zeitnah, wie die nächsten Geschichten heißen und wie die neuen Frontbilder aussehen.

Eine Spin-Off-Serie namens Atlan gibt es auch noch. Man sieht also, dass das Perry Rhodan Universum eine schier unerschöpfliche Fülle an Informationen und Geschichten bietet, die vermutlich jeden in den Bann ziehen wird, der sich näher damit beschäftigt. Man sollte sich allerdings gar nicht von der Komplexität abschrecken lassen, da die meisten Geschichten so geschrieben sind, dass man sie auch als Neuleser gut verstehen kann. Wer jetzt Lust bekommen haben sollte, dem sei geraten, einfach in die aktuelle Serie einzusteigen, am Freitag zum Kiosk zu wandern und dem Erlebnis des die Woche über ersehnten Heftkaufes beizuwohnen. 60 Seiten plus den Kult für gerade mal 1,85€ sind ein absolut feine Sache.
Man kann sich dann nach und nach die Hefte ab 2500 besorgen und so immer tiefer in die erfreulicherweise unkitschige und von Schundliteratur weit entfernte Welt eintauchen.

Freitag, 23. April 2010

The Grindhouse Collection von Subkultur Entertainment

Freunde des B-Filmes dürfen sich ab jetzt auf eine neue Box freuen. Im Geiste der Galerie des Grauens von Anolis bringt das Label Subkultur Entertainment nun eine neue Reihe alter Filmchen unter dem Banner einer Grindhouse Collection raus. Los gehen soll es bereits im Mai/Juni (falls alles klappt) mit der ersten DVD und im Anschluss soll jeden Monat ein Film veröffentlicht werden. Für Sammler gibt es ebenfalls einen, wie ich finde, sehr schicken Schuber, in den insgesamt 8 Filme passen werden.
Einige Titel sollen zudem im Double Feature daher kommen, also 2 Filme, die durch eine Trailershow getrennt werden.
Großes Augenmerk legt Subkultur Entertainment anscheinend auf die Ausstattung der Filme. Das Bonusmaterial soll sowohl umfangreich als auch exklusiv ausfallen.
Der erste Film der Reihe ist "Beast of Blood" von 1970 (dt. Titel "Drakapa, das Monster mit der Krallenhand") und man hat mit Jörg Buttgereit (Nekromantik, Captain Berlin vs. Hitler) eine Ikone des deutschen Horrorfilms für einen Audiokommentar verpflichten können. Super! Ein zweiter Film ist ebenfalls bekannt geworden, dabei handelt es sich um den dänischen "Dvaergen" von 1973 (das Haus der verlorenen Mädchen).
Das hört sich alles sehr vielversprechend and und wir hoffen, dass die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt sind. Labelmenschen kann man im Dirty Pictures Forum treffen und befragen.
Über weitere Informationen werde ich euch, liebe Leser, selbstverständlich auf dem Laufenden halten.


+++Update+++
+++Update 10. Januar 2011+++
Achtung: bei Ebay wird die Box momentan günstig angeboten: klick

Donnerstag, 22. April 2010

Science Fiction Buchtipp: Sinobara von Thomas K. Reich

Dem Nostalgiekurs auf ganzer Linie folgend, habe ich in diversen Bücherkisten auf Flohmärkten und in Second Hand-Läden gekramt und ein gar zauberhaftes Kleinod entdeckt, das ich an dieser Stelle vorstellen möchte. Eine SciFi-Novelle aus der Deutschen Demokratischen Republik! Obacht! Wer hätte das gedacht? Ich zugegebenermaßen nicht. Das knapp 200 Seiten umfassende Büchlein ist allerdings auch nicht so unglaublich alt, wie man denken könnte. Bereits 1986 brachte der Verlag "Das neue Berlin" die utopische Erzählung als Taschenbuch heraus.
Die Geschichte ist relativ simpel gestrickt, aber verspricht schon zu Beginn sehr viel. Der Planet Sinobara soll von den Menschen erschlossen werden. Aus diesem Grund errichtete man die Basisstation Terra 3, die sich zukünftig autark versorgen soll. Man vermutet auf Sinobara Kohlevorkommen (sic!) und entsendet einen Trupp unterschiedlichster Forscher, um danach zu suchen. Der fremde Planet ist in 3 Klimazonen unterteilt, die es so auch auf der Erde gibt. Zum einen findet man dort eine Eiswüste, aber auch Sandwüsten und einen (300km breiten) modderigen Urwald. Der erste Expeditionstrupp verschwindet auf mysteriöse Weise in Letzterem spurlos. Eine zweite Mannschaft macht sich ein Jahr später auf den Weg und entdeckt in der Waldregion bei einer Bohrung vorzügliche Kohle. Aber was geht dann ab????

Gespickt ist die Erzählung mit zahlreichen ulkigen Dialogen und bisweilen ganz brauchbaren Landschaftsbeschreibungen. Für Spannung und etwas Überraschung ist ebenfalls gesorgt.
Im Prinzip ist es das perfekte Sommerurlaubsbuch. Einfach den Liegestuhl auf den Rasen rausgestellt, ein kühles (Dosen) Bier an die Seite gelehnt und bei strahlendem Sonnenschein in diesem wenig anstrengenden und kurzweiligen Schmöker versinken.
Das Buch bekommt man bei den üblichen Verdächtigen (Amazon, Booklooker) für´n Appel und´n Ei, so dass man nicht viel falsch machen kann.
Zu viel sollte man von dem Büchlein allerdings auch nicht erwarten. Eine schöne, zeitgenössische SciFi-Novelle. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Sonntag, 18. April 2010

Vorstellung: B.P.R.D. - die etwas andere Comicserie

Jeder kennt Hellboy. Spätestens nach den zwei sehr erfolgreichen Kinofilmen mit Ron Pearlman sollte jedem der bärbeißige Hüne geläufig sein.
Weniger bekannt ist der eigentliche Ursprung dieser Figur. Dabei ist die Comicserie von Mike Mignola, die unzählige Kurz- und Langgeschichten hervor gebracht hat, unglaublich gut und in Amerika auch sehr erfolgreich!
Seit fast 13 Jahren existiert die Figur und sie wurde schlussendlich in Deutschland durch den Comic Verlag Cross Cult, nach nur partieller Veröffentlichung durch EEE, etabliert.
Die Zeichnungen sind sehr spartanisch und in schwarz/weiß (außer die Neueren) gehalten, erzeugen damit aber maximale Atmosphäre.
Aber über Hellboy wollen wir gar nicht sprechen, denn es soll die Organisation, in der er tätig war, vorgestellt werden. Im englischen Bureau for Paranormal Research and Defense, bei uns dann als B.U.A.P. erschienen. Seit 2004 haut Dark Horse regelmäßige Miniserien der Truppe raus. Gezeichnet werden diese im Gegensatz zu Hellboy vom unglaublich talentierten Amerikaner Guy Davis. Außerdem sind sie koloriert.
Die Geschichte kreist vor allem um das Amphibienwesen Abe Sapien, den Humunculus Roger, die Pyrokinetikerin Liz, den deutschen Geist Johan Kraus und ihren Kampf gegen den drohenden Untergang der Welt.
Angesiedelt im Hellboykosmos und stark beeinflusst durch H.P. Lovecraft (Cthulhumythos) nimmt die Geschichte über die 8 bisher in Deutschland erschienen Bände Fahrt auf. Wer auf Monsterfilme steht und was für viktorianische Taucheranzüge oder unheimliche/abgefahrene Szenarien übrig hat, ist mit dieser bemerkenswerten Comicserie bestens beraten.
Leider gibt es viel zu wenig Leser, weshalb die Herausgabe seit den letzten Bänden etwas ins Stocken geraten ist, obwohl sowohl Geschichten, als auch Zeichnungen auf höchstem Niveau sind.
Die deutschen Ausgaben kommen als edel gebundene A5 Hardcover Bücher daher, umfassen im Schnitt 150 Seiten und kosten 20€. Leseproben zu allen Bänden finden sich auf der jeweiligen Seite der Verlage (Dark Horse und Cross Cult - siehe oben).

Donnerstag, 15. April 2010

District 9 (2009)

Wir sprechen hier von dem wohl innovativsten und außergewöhnlichsten Film des letzten Jahres. Unter den Fittichen von Peter Jackson präsentiert, erfuhr er im Vorfeld einen ziemlich großen Hype, so dass ich schon aus Protest den Kinogang verweigerte.
Nach einiger Bedenkzeit und positiven Besprechungen von für mich bedeutendenden Verfassern habe ich mich in der Bringschuld gesehen und mir den Film ins Haus geholt.
Ich muss sagen, noch nie war ein Alienfilm politischer.
Gerade in den letzten Jahren hatte ich oft Schwierigkeiten, mich mit Filmen, die abseits des Horrorgenre lagen, zu identifizieren bzw. sie als gelungen einzuordnen. Die meisten ließen mich ob ihrer haarsträubenden Inszenierung oder völlig unglaubwürdigen Charaktere komplett kalt. Bei District 9 ist das anders. Vermutlich hängt dies auch nicht unerheblich mit dem jüngst veröffentlichten Video über das wahre Gesicht von Soldaten in Kampfeinsätzen zusammen. Als naiver Mensch, der an das Gute glaubt, quillt dieser Film nur so vor Klischees über. Vor dem Hintergrund der Realität sieht die Sache jedoch ganz anders aus. Tatsächlich sind zwischen Klischee und Realität kaum noch bemerkenswerte Unterschiede zu verzeichnen.
Der Film hält den Spiegel vor das Antlitz der Menschheit und zeigt uns unsere hässliche Fratze.
Zeigt uns, zu was Menschen fähig sind, bar jeder Vernunft. Wie fokussiert man auf Profitmaximierung, Machtgewinn und Sadismus sein kann.
Rassenideologien und Vorurteile werden auf intelligente Weise umgelenkt, auf eine Art von dritten Subjekten projiziert und ermöglichen so noch ein Quäntchen mehr Abstand, ein µ mehr Objektivität.
Über den Inhalt möchte ich mich gar nicht weiter auslassen, da man sich den Film unbedingt anschauen und dieses im Optimalfall völlig ohne Vorkenntnisse über den Film tun sollte.
Falls man doch nicht ganz ohne die Eckpfeiler in das Geschehen einsteigen will: Ein Raumschiff voller Außerirdischer schwebt über Johannesburg. Die Außerirdischen werden von den Menschen gerettet und in Ghettos untergebracht. Das Unglück nimmt seinen Lauf.
Handwerklich ist der Film absolutes Obermaß und sieht deutlich teurer aus, als er gewesen sein dürfte. Die CGI-Effekte sind auf Transformers-Niveau, ohne so dermaßen überladen zu sein. In der Tat wirken die Animationen sehr homogen und überhaupt nicht unecht oder ins Bild kopiert. Das Aliendesign ist absolut großartig (an Garnelen mit Gliedmaßen angelehnt) und lässt zusätzlich die Möglichkeit, Emotionen auszudrücken.
Die Kameraführung ist etwas undurchsichtig, da sie teilweise dokumentarischen Charakter annimmt, allerdings auch immer wieder wie ein ganz normaler Spielfilm wirkt. Man weiß nie genau, ob man diese unterschiedliche Handhabung 100% überzeugend finden soll oder nicht. Allerdings tut dieser kleine Dissenz im Geiste dem Film in Sachen Athmosphäre nicht den geringsten Abbruch.
Überhaupt kommt der Film sehr nachdenklich und humanistisch (ausgeweitet auf mitfühlende Lebewesen) daher, ohne dass man dazu gezwungen wird, zu viel darüber nachzudenken. Man kann es sehr wohl auch als Popcornkino mit ausgeschaltetem Gehirn und herunter gefahrener Empathie schauen.
So funktioniert der Film auf zwei Ebenen. Zum einen kann man ihn als optisch imposanten, actionlastigen Genrefilm mit abgefahrenen Aliens sehen, zum anderen als sozialkritischen Beitrag zum Thema Gewalt, Fremdenhass und Vorurteile.
Blutig geht es her und es verwundert mich doch stark, dass unsere Freiwillige Selbstkontrolle den Film mit einer 16ner Freigabe eingestuft hat. Das freut uns natürlich, denn obschon die absolute Willkür in unserem Quasi-Zensurorgan herrscht, fällt diese auch manchmal Entscheidungen zu Gunsten der Kunst.
Von Kunst und einem hehren Anliegen der Autoren kann man in diesem Fall definitiv sprechen und ich bereue es sogar, den Film nicht auf der großen Kinoleinwand gesehen zu haben.
Wer also einen actionlastigen Film mit intelligenter Story sehen möchte, ist mit District 9 bestens beraten. Der Spagat zwischen Unterhaltung und Anspruch ist bestens geglückt und lässt für die Zukunft auf weitere Nachahmer hoffen.

Mittwoch, 14. April 2010

Anolis bringt britische Zombie-TV-Serie "Dead Set" nach Deutschland

Freude, Freude für alle Zombiefreunde!
Anolis hat die Rechte an der britischen Serie "Dead Set" (2008) erworben und wird sie möglicherweise noch im Herbst diesen Jahres veröffentlichen (Post im DVD Forum.at). Das Bonusmaterial der UK DVD wird zur Verfügung gestellt und die Option auf eine Blu-Ray Auswertung besteht ebenfalls.
Dead Set ist eine 5-teilige TV-Serie, in der ein Haus, welches konzeptionell an "Big Brother" angelehnt ist, im Mittelpunkt einer Zombieepidemie steht.
Auf eine Veröffentlichung hierzulande hat man schon seit einiger Zeit gewartet.
Über mögliche Schnittauflagen kann derzeit noch nichts gesagt werden, hoffen wir, dass wir eine unzensierte Box bekommen.
Einen Trailer findet man hier. Außerdem kann man sich auf der Myspaceseite der Miniserie noch einiges mehr anschauen.

Donnerstag, 8. April 2010

Der große Zombie-Rundumschlag, ein Versuch

Heute möchte ich euch, liebe Leser, einen kleinen, aber feinen medialen Überblick über die Königsdisziplin der Unterhaltung geben: Zombies. Getreu dem Motto "crossing all boundaries" wird dabei quer durch ALLE Medien gewildert und nur Sahnehappen des Genres eine Kurzvorstellung gestattet. Der von mir willkürlich gesetzte Anfang datiert sich auf das Jahr 1932, als Bela Lugosi in der Rolle des Legendre im Film "White Zombie" das Genre des wieder auferstandenen Toten zum Leben erweckte. Von diesem Pionierfilm existieren mehrere brauchbare DVD Fassungen. Ein weniger glückliches Schicksal trifft den 11 Jahre später erschienenen Streifen "I Walked With A Zombie" von Jacques Tourneur. Hier gibt es lediglich eine VHS Auswertung. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert, wenn sich ein Label dieses viel rezipierten Filmes annehmen würde. Das Horrorpunk Solo Projekt Wednesday 13 hat übrigens einen gleichnamigen Schunkelpunksong mit einem angenehmen Video produziert. Wir machen nun einen Sprung in das Jahr 1966 und wenden uns dem hier im Blog bereits thematisierten "Plague of Zombies" zu, der, wie auch schon White Zombie, die Entstehung von Zombies durch Voodookulte bzw. Magie erklärt. Ein großartiger Film, der neue Blickwinkel eröffnet und sicherlich wegbereitend für den Meilenstein im Zombiegenre, der 2 Jahre später folgen sollte, war.
Die Rede ist von George A. Romeros Klassiker "Night Of The Living Dead"! "They´re coming to get you Barbara!"- nahezu jedem sind diese Worte geläufig und sie wurden nicht zuletzt in etliche Musikstücke eingeflochten. Der Film selbst setzt auf die bedrohliche Wirkung der überwältigenden Zombiemassen und ist noch weit entfernt von den modernen, schnellen Zombies. Die Protagonisten verschanzen sich in einem Haus vor der Horde Untoter und wehren sich in bester A-Team Manier. Genau 10 Jahre später folgte der zweite Film der Reihe "Dawn Of the Dead" (1978). In Deutschland ist dieser Film leider, genauso wie sein Nachfolger "Day of The Dead" (1985), beschlagnahmt und somit nicht mehr erhältlich. Allerdings sind andere EU Länder deutlich liberaler eingestellt und differenzierter in Bezug auf visuelle, fiktive Gewalt und bieten die Filme völlig legal zum Kauf an. Dass diese Art von Filmen Jugendlichen vorenthalten werden sollte, ist selbstverständlich Konsens. Aber dass dies auch für mündige, erwachsene Bürger der Fall ist, jedoch mehr als fraglich. Romero machte mit seinen Zombiefilmen immer wieder ein sozialkritisches Statement gegen die Konsumgesellschaft. Die eingesperrte Gruppe Menschen in einer amerikanischen Mall illustriert das Dilemma unserer Gesellschaft punktgenau.
Aber nicht nur britische und amerikanische Zombiefilmproduktionen machten seiner Zeit auf sich aufmerksam.
Auch im kleinen Italien schickte sich ein bebrillter Kauz namens Lucio Fulci an, das Zombiegenre zu revolutionieren. Mit seinem Genreklassiker "Ein Zombie hing am Glockenseil" (1980) setzte er deutlich mehr auf Spannungseffekte und weniger auf die Gewaltdarstellungen. Zu seiner Popularität hatte sicherlich auch geführt, dass damals das makabre Gerücht die Runde machte, Fulci würde mit echten Leichen drehen.
In den glorreichen 80ern beeinflusste das bis dato im Wesentlichen auf das Medium Film limitierte Zombiegenre eine Gruppe von Jugendlichen, die diese Einflüsse schon bald in musikalischer Form verarbeiten sollten.
Gelangweilt vom hochgestylten Thrash Metal der frühen 80er Jahre gründeten sich vor allem in Schweden viele Death Metal Bands, die in ihren Artworks und Texten immer wieder auf das Motiv der Untoten rekurrierten. Ob Flyer, Fanzines oder CD Booklets, die Seiten waren voll von zumeist selbstgezeichneten Kunstwerken aus der Horror- und größtenteils Zombieecke. 2 heute noch aktive Bands aus diesem Genre des Retro-Death Metals sind Death Breath und Tribulation. Beide Bands kommen aus Schweden und lassen die 80er Jahre wieder auferstehen. Es lohnt sich auf jeden Fall für Metalfreunde oder tolerante Musikliebhaber, ein Ohr zu riskieren.
Verlassen wir die Dekade und wenden uns den 90er Jahren zu. Man muss konstatieren, dass in der Zeit von Grunge und Hip Hop das Zombiegenre relativ stark stagnierte. Lediglich Peter Jacksons Meisterwerk "Braindead" (1992) sorgte damals für Aufsehen. Lange Zeit meiner Kindheit eine Legende, bis wir irgendwann eine schäbige Kopie des Filmes auf VHS bekamen und von der Bildgewalt schier erschlagen wurden. Für mich war das damals der Einstieg in die Welt der Zombies. Vor allem das Konzept der Endzeitstimmung und die vielen Möglichkeiten der Szenarien faszinierten mich sofort. Dabei war es vollkommen egal, ob die Filme einen humoristischen Einschlag hatten oder wirklich sehr ernst vorgetragen wurden. Amateursplatterfilme wie "Premutos" (1997) von Olaf Ittenbach, die ebenfalls das Motiv des Zombies in sich trugen, zogen schließlich auch ihre Kreise und richteten den Fokus vor allem auf die Splattereffekte.
Ein sehr erfolgreiches Computerspiel der 90er, welches primär Zombies thematisierte, war Resident Evil. Allein in diesem düsteren Haus mit einer absolut bescheuerten Steuerung und der ständigen Angst im Nacken, sorgte es für viele horrordurchtränkte Nächte vor der Konsole. Zahlreiche qualitativ schwankende Titel folgten und auch die Verfilmungen hielten sich im Vergleich zum Anspruch doch sehr in Grenzen.
2002 erschien mit "28 Days Later" ein britischer Film, der die Zombieplage auf einen Virus zurückführte und zum ersten Mal auf schnelle Zombies setzte. Die postapokalyptische Endzeitstimmung und das völlig leere London wirkten damals so bedrohlich, dass der Film schnell den Status einer Blaupause für spätere Werke werden sollte. Mit "28 Weeks Later" (2007) versuchte man sich an einer Fortsetzung, die ebenfalls sehr gelungen war. Der richtige Zombieboom sollte allerdings erst 2004 mit Zack Snyders Remake von "Dawn Of the Dead" kommen. Der bis dato Musikclips drehende Regisseur lieferte mit dieser Neuauflage ein imposantes Werk ab und setzte ebenfalls auf schnelle Zombies.
Im selben Jahr wurde das Subgenre der Zombedie, der lustigen Zombiefilme, mit Ed Wrights Meilenstein "Shaun Of The Dead" geboren. Obwohl die Ursprünge bei Filmen wie Braindead lagen, wurde hier mit der Einführung des rabenschwarzen britischen Humors ein Niveau erreicht, das bis heute unerreicht geblieben ist.
Altmeister George A. Romero ließ es sich nicht nehmen, auf den wieder
in Fahrt kommenden Zombiezug aufzuspringen und lieferte mit "Land of The Dead" eine konsequente Fortsetzung ab, die das Segment der intelligenten Zombies zum Zombiekosmos hinzufügte. Es folgte nun eine Flut von neuen Zombiefilmen, worunter jedoch nur wenig Brauchbares zu finden war. Der low Budget Streifen "Dead & Breakfast" (2004) war doch noch einer der besseren Titel, der vor allem durch seine witzigen Ideen punktete. Aber auch der das Thema des Zombies in der Gesellschaft aufgreifende Film "Fido" (2006) sollte in dieser Auflistung Erwähnung finden. Eine Firma, die Zombies mit Halsbändern an die normale Familie verkauft, damit sie niedere Arbeiten verrichten können. Das Ganze visuell super umgesetzt und in einem 50er Jahre Setting angesiedelt, überzeugt auf voller Länge. Carrie-Anne Moss (spielte Trinity) ohne die schreckliche Matrixfrisur zu sehen, ist ebenfalls einen Blick wert.
Romeros "Diary Of The Dead" (2007) erzählt die Geschichte der Ausbreitung der Zombies weiter, tut dies auf die Amateurcam-hafte Weise und kann damit nur bedingt überzeugen. Der Film ist dennoch gelungen, wenn man ihn als eigenständigen Beitrag und nicht in der "...of the Dead" Reihe betrachtet. Der Film ist sicherlich Romeros sozialkritischster, allerdings durch die Stilbrüche nicht immer stringent erzählt. Dadurch wird man an manchen Stellen einfach aus dem Film geworfen. Besser macht es da der spanische Film "Rec" (2007) bzw. sein amerikanisches Remake "Quarantine" (2008). Wobei das Original den Stoff wesentlich besser umsetzt.
Das von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez reinkarnierte Grindhousekino hat mit seinem Film "Planet Terror" (2007) den meiner Meinung nach besten Horrorfilm des neuen Jahrtausends produziert. Volle Härte, schwitzendes Zelluloid, maximaler Spaß, eine großartige Besetzung und etliche Anspielungen auf alte Horrorstreifen. Die Veröffentlichung von Senator in einer schicken Blechbox mit zahlreichen Goodies und viel Bonusmaterial muss ebenfalls erwähnt werden.
Ein weiterer lohnenswerter Film der jüngeren Jahre ist "Dance Of The Dead" (2008), bei dem es um einen von Zombies heimgesuchten Abschlussball geht (inklusive Zombiefrosch und -liebespaar). Locker und leicht kommt der Film daher, zeigt allerdings weniger Neues und bietet somit solide Zombiekost.
Verlassen wir nun den Film und wenden uns dem Bindeglied zwischen selbigem und dem Buch zu. Die Rede ist vom Comic.
Robert Kirkman schaffte bereits 2003 mit seinem Zombie Endzeitepos The Walking Dead ein in schwarz/weiß gehaltenes Meisterwerk, das es mittlerweile auf stolze 70 Ausgaben bringt. Erzählt wird die Reise von Rick Grimes durch die von Zombies bevölkerte Welt im Stil einer Seifenoper. Sehr zu empfehlen und seit einiger Zeit auch auf Deutsch in kleinen gebundenen A5 Büchern bei Cross Cult erhältlich.
Ein weiterer Comic, der unbedingt gelesen werden sollte, ist "Les Zombies Qui Ont Mangé Le Monde" - "Als die Zombies die Welt auffrassen". Von Guy Davis unglaublich toll gezeichnet und in einem 160 Seitigen Album erschienen. Außerdem wird demnächst beim deutschen Independent Comic Verlag Zwerchfell eine neue Reihe "die Toten" erscheinen, die schon jetzt Lust auf mehr macht. Ein kleine Previewseite findet man auf dem Facebookaccount des Verlages. Pünktlich zum Comic Salon in Erlangen im Juni soll der erste Band fertig sein. Wer Näheres wissen möchte, sollte sich den verlagseigenen Zettgeist Podcast darüber anhören. Ich bin wirklich gespannt und werde die Sache weiter beobachten!
Die Zombies haben es, man mag es kaum glauben, sogar in die Welt der Brettspiele geschafft. Ob dies allerdings was taugt, sei mal dahingestellt.
In die Buchhandlungsregale hat es vor allem der "Zombie Survival Guide" von Max Brooks geschafft. Weniger ein Roman als eine Anleitung zum Überleben, falls der Fall eintritt, dass die Zombies eines Tages die Erde überrennen. Kurzweiliger Lesespaß.
Hörspiele mit Beteiligung von Zombies können wir ebenfalls verzeichnen. In H. G. Francis´ Gruselserie gibt es die wirklich gelungene Folge "Die Insel der Zombies". Heute sogar auf Compact Disc erhältlich und das zu einem angemessenen Preis.
In Zeiten der Spaßgesellschaft und Sozialkritik werden auch gerne Zombie Walks veranstaltet. Das heißt, Menschen verabreden sich für einen bestimmten Zeitpunkt, kostümieren sich als Untote und wandern durch die Straßen. Ein Video eines Zombie Walks in Berlin findet man hier.
Wie man sieht, hat die Idee der lebenden Toten tatsächlich einige Perlen für uns hervorgebracht und wird dies in Zukunft auch hoffentlich weiterhin tun. Mit Zombieland (2009), Dead Air (2009), Dead Snow (2009) und Pontypool (2008) sind noch einige Filme mit Potential in den Startlöchern. Außerdem hat Romero auch schon wieder mit "Survival of the Dead" (2009) nachgelegt.
Sicherlich wurde hier und da etwas vergessen, aber ich erhebe schließlich auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr sollte dieser kleine Überblick als Orientierung im Jungle der Veröffentlichungen dienen und aufzeigen, wie vielfältig das eigentlich so banale Thema umgesetzt wurde.
In diesem Sinne, when there´s no more room in hell, then the dead will walk the earth.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Dienstag, 6. April 2010

Neues zur Galerie des Grauens

Der 8. Titel der Galerie des Grauens "Frankensteins Tochter" (1958) wird in der ersten Maiwoche erscheinen. Vorbestellungen werden frühestens ab nächster Woche (ab 12. April) bei ICatcher möglich sein. Details zur Ausstattung wurden bei Wicked Vision schon verraten:

Titel: Frankensteins Tochter
Originaltitel: Frankenstein’s Daughter
Land/Jahr: USA/1958

Best-Nr. 3631018
EAN-Code: 404 1036 31018 9
FSK: 12
Bildformat: 1:1,33
Tonformat: Deutsch DD2.0 Mono
Englisch DD2.0 Mono
Untertitel: Deutsch (ausblendbar)

EXTRAS:
Audiokommentar von Christian Kessler und Ingo Strecker,
Trailer, Super 8 Fassung, Normal 8 Fassung, Bildergalerie

Man darf sich also wieder auf eine tolle Veröffentlichung freuen. Das dynamische Duo, Strecker und Kessler, ist ebenfalls mit einem Audiokommentar vertreten.
Ein Vorschlag von mir an alle, die sehnsüchtig die Tage bis zur nächsten Veröffentlichung zählen: schaut in das Ungeheuer von Loch Ness genau rein. Anolis hat dort ein paar nette Ostereier verschickt!

Comicempfehlung: Haunt (US-2010), Kirkman, McFarlane, Ottley

Heute flatterte mir das brandneue Trade Paperback der ersten 5 Hefte der neuen Image Comics Serie "Haunt" ins Haus. Ja, Kinderquatsch etc. ich weiß, aber dieser Band lohnt sich wirklich. Mittlerweile muss ich sagen, dass ich tatsächlich lieber gebündelte Geschichten lese als einzelne Comichefte, weil die Lagerung irgendwann einfach nicht mehr funktioniert. Außerdem kommt es auch wesentlich billiger, Sammelbände zu kaufen und dank Amazon kann man diese auch ohne Versandkosten direkt aus den US of A ordern. Aktuell schlendert der Preis für 160 Seiten Comicspaß um 7,10€ herum. Ein absolut großartiges Preis-Leistungsverhältnis, denn hier gibt es hochwertiges Papier und generell haptische Qualität.
Zum Comic selbst: Hier geben sich die Imagegrößen die Klinke in die Hand. Niemand geringeres als Spawnschöpfer Todd McFarlane und u.a. The Walking Dead Schreiber Robert Kirkman haben uns diese tolle Geschichte erdacht. Gezeichnet wird das Ganze von Ryan Ottley (u.a. Invincible) und die Zeichnungen haben es wirklich in sich.
Aber um was geht es überhaupt? Das Cover lässt auf einen Spawn-Spiderman-Hybriden schließen, was dann doch ziemlich langweilig und nur ein lauwarmer Aufguss alter Ideen wäre. Ganz so ist es aber nicht, der "Haunt" ist eine Mischung aus Mensch und Geist. Allerdings wird an dieser Stelle auch nicht mehr verraten, da das Comic sehr von seinen Überraschungsmomenten lebt und die Figur des "Haunt" noch nicht von Anfang an eine Rolle spielt. Die Rahmenhandlung ist wirklich gelungen und die Zeichnungen in Kombination mit der Colorierung sind wunderbar!
Im Wesentlichen dreht sich das Comicbuch um einen Agenten und seinen Bruder, der Priester ist. Wir erleben viele Actionssequenzen mit teilweise blutigen Kämpfen, aber auch sehr viele Dialoge, die die Figurenkonfigurationen vertiefen und der Geschichte erst richtig Leben einhauchen. Man muss relativ oft aufmerksam lesen, um wirklich alles mitzubekommen. Beziehungsdramen sind ebenso wichtig, wie die Möglichkeiten der im Comic erschaffenen alternativen Realität. Außerdem werden einige Handlungsstränge geöffnet, deren Fortführung sehr spannend sein dürfte.
In den USA wurden die einzelnen Hefte mit unterschiedlichen Covern veröffentlicht (vor allem was für die Sammler) und erzielten in kürzester Zeit Rekordverkäufe.
Das erste Heft des Comics kann man hier völlig legal, kostenlos und komplett online lesen.
Image Comics führt die Philosophie der sogenannten Creator Owned Comics fort. Anders als Marvel und DC behalten die Autoren bei Image die Rechte an ihren Figuren. Dies war vor allem deshalb möglich, weil der Verlag selbst von 7 Comiczeichnern gegründet wurde.
Heft 6 ist letzten Monat erschienen, also darf man sich auf weitere Veröffentlichung dieser vielversprechenden Serie freuen!