Mittwoch, 30. Juni 2010

Il Gatto a nove code (Die neunschwänzige Katze - 1971)

Kein geringerer als Dario Argento führte bei diesem Kollaborationsfilm zwischen den Nationen Italien, Frankreich und Deutschland Regie. Und das tut er äußerst überzeugend, obwohl "Il gatto a nove code" eines seiner Frühwerke darstellt.
Den Stoff für die Verfilmung steuerte Bryan Edgar Wallace bei. Wer? Der Edgar Wallace? Frosch mit der Maske, Die toten Augen von London, Der Mönch mit der Peitsche? Nee, bzw. jein, Edgar Wallace hatte nämlich einen Sohn, Bryan, der sich ebenfalls als Kriminalschriftsteller betätigte. Allerdings unterschied sich sein Stil wesentlich von dem des Vaters. Während Senior bekanntlich waschechte Kriminalromane und "who done it"‘s verfasste, begnügte sich der Junior vor allem mit Spionage- und Verschwörungsgeschichten. Demzufolge hat er eigentlich eher wenig mit dem vorliegenden Film zu tun. Allerdings angetrieben durch den Edgar Wallace Boom der Rialto Filme, bediente man sich gern des Namens und strickte zusätzlich eine Krimistory. Some kind of Etikettenschwindel. (Sollte ich wieder mehr Zeit finden, werde ich mir wenigstens die ersten 16 Edgar Wallace Streifen in Besprechungsform zur Brust nehmen, freut euch drauf!).
Die Geschichte dreht sich um einen blinden, ehemaligen Journalisten (gespielt vom großartigen und leider letztes Jahr verstorbenen Karl Malden), der ein kleines Mädchen aufgenommen hat, und einen Mord, der sich in ihrem Umfeld ereignet. Ihnen zur Seite steht ein ambitionierter und idealistischer Schreiberling, da sich die Polizei wesentlich unkooperativer zeigt.
Der Killer schlägt zunächst einen Pförtner bewusstlos (im Klappentext wird ihm leider fälscherlicherweise unterstellt, er sei gänzlich tot) und stößt im Anschluss einen Wissenschaftler vor einen Zug. Dieser arbeitete an einem geheimen Projekt, welches sich mit dem Nachweis über die Existenz eines Killergens beschäftigte. Die Geschichte ist relativ komplex und bietet eine sehr ausgereifte Entwicklung. Trotzdem gibt es ein paar Längen, aber auch gerade in der letzten Viertelstunde sehr viel Spannung.
Was den Film jedoch so außergewöhnlich macht, ist die Egoperspektive, aus denen die Morde bzw. das Vorgehen des Killers, dem Zuschauer präsentiert werden. Permanent durchbrochen von schnell hineingeschnittenen Direktaufnahmen vom Auge des Killers. Und das wirkt verdammt irre und wild!
Außerdem gibt es mal wieder grenzwertige Sprüche über Homosexuelle. Der Schwule ist in diesem Fall ein Deutscher (blonder Hüne), der auf den Namen "Herr Braun" hört und dem Schreiberling schöne Augen macht. Wir werden sogar in ein Etablissement geführt, in dem es nur so vor 70er Jahre Transsexuellen wimmelt. Mutig! In dem Club hat dann auch noch ein bekanntes Gesicht einen kurzen Auftritt. Der Österreicher Werner Pochath aus "La Ragazza del vagone letto" (1980) spielt Manuel, den eifersüchtigen Freund von Herrn Braun.
Ein paar Schenkelklopferszenen gibt es also neben der ansonsten ernsten Handlung auch noch. Als Bonus bekommen wir dann noch einen tiefen Einblick in die sozialen Schemata italienischer Erwachsener.
Sie lacht laut, so dass Er zu Ihr geht. Sie gibt sich streit- und angriffslustig und fordert Ihn indirekt zum Duell. Dies vollzieht sich dergestalt, dass Sie sich zusammen mit Ihm Seinen Boliden schnappt und mit völlig unanständigem Tempo durch die Straßen heizt (verfolgt durch die Polizei). Das war sozusagen das Vorspiel.
Später besucht Sie Ihn, sie halten ein kurzes Palaver ab, bevor beide beschließen, miteinander Sex zu haben und Sie noch vor dem ersten Kuss Ihre Hüllen fallen lässt.
Wer hätte von aufgeklärten Italienern denn auch nur irgendwas anderes erwartet?
Es wird jedenfalls noch ziemlich spannend und das Ende ist für den Zuschauer dann auch sehr befriedigend, nachdem er doch sehr arg auf die Folter gespannt und mit einer Unerhörtheit konfrontiert wurde.
Insgesamt kommt der Film weniger bunt rüber, als z.B. "Sei donne per l‘assassino" (1964).
Außerdem sind es diesmal nicht die Frauen, die dran glauben müssen, sondern das vermeintlich starke Geschlecht.
Die DVD Veröffentlichung von Starlight Film in der Deluxe Special Edition ist vorbildlich. Auf 2 DVDs werden unterschiedliche Fassungen angeboten. Zum einen die längere Originalfassung und die deutsche Kinofassung. Zu Ersterer gab es kein vollständig synchronisiertes Ausgangsmaterial, so dass an einigen Stellen englischer Ton aus den Boxen kommt oder nur mittelmäßige VHS Bildqualität wiedergegeben wird (aber das nur ganz selten). Schade ist allerdings, dass das Bild eine gewisse Bewegungsunschärfe aufweist und daher bei hohem Tempo konturlos erscheint.
Die Edition kommt glücklicherweise im schmucken Digipack, welches in einem edlen Schuber steckt, daher. So, wie sich das auch gehört!
Ach ja, es gibt wieder sehr obskure Tapetenmuster (oder hat dort ein Baby mit Hochdruck Erbsensuppe erbrochen?). Man, die 70er...die müssen echt ne Gaudi gewesen sein!

Dienstag, 29. Juni 2010

Lang lebe Ray Harryhausen

Heute wird der König der Stop-Motion-Technik stolze 90 Jahre alt!
Der Zombiebunker gratuliert recht herzlich und dankt für so großartige Streifen wie "Earth vs. the flying Saucers" (1956), "Mysterious Island" (1961) oder "Clash of the Titans" (1981).
Es ist schon bemerkenswert, dass Filme mit dem Namen eines Trickspezialisten beworben wurden und die Effekte auch heute noch beeindrucken können. Der mit etlichen Auszeichnungen und Preisen überhäufte Harryhausen, der sogar seinen eigenen Stern auf dem Walk of Fame hat, lebt heute mit seiner Frau in London.
Ich ziehe voller Ehrfurcht meinen Hut. Für mich wird Stop-Motion immer als Kunstform meilenweit über den unsäglichen Computeranimationen stehen.
Cheers!

Sonntag, 27. Juni 2010

Rivelazioni di un maniaco sessuale al capo della squadra mobile (Schön, Nackt und Liebestoll - 1972)

Es ist wieder Zeit für einen Italothriller, es ist wieder Zeit für einen Giallo!
Und, wie sollte es auch anders sein, stammt er aus der grandiosen Italian Genre Cinema Collection vom Filmliebhaberlabel Camera Obscura!
Im Gegensatz zum letzten Besprechungsexemplar ("Horror-Sex im Nachtexpress") ist dieses Meisterwerk auch als solches für jederman leicht erkennbar. Von Schund und unfreiwilliger Komik kann hier keine Rede sein. Dieses kann man allerhöchstens der zu Beginn sehr amüsant anmutenden Deutschsynchronisation attestieren. Was sich vor allem in den kernigen Sprüchen des Homosexuellen auf dem Polizeirevier manifestiert. Kleine Kostprobe gefällig? "Ich steh‘ einfach nich‘ auf Weiber und hab‘ seit meiner Entbindung keine Titte mehr angefasst." oder "Ich bin der Meinung, alle Menschen auf der Welt sollten Brüder werden und zwar warme."
Wie Herr Keßler den Inhalt so vortrefflich im am Weltfrauentag aufgenommenen Audiokommentar mit Marcus Stiglegger zusammenfasst, geht es um schöne Frauen, um schöne und nackte Frauen...um schöne, nackte und sexualisiert - liebestolle Frauen.
Dieser Kategorisierung eilt sogleich ein normatives Weltbild nach, dem sich der Killer mit Leib und Seele verschreibt. Der dunkel mit Hut, Maske und Handschuhen bekleidete selbsternannte Justiziar der Monogamie, hat es sich zum Lebensziel gemacht, Frauen, die ihre Männer betrügen, zu bestrafen.
Weil ihm keine angemessenere Strafe als der Tod einfällt, versucht er diesen möglichst kunstvoll und poetisch zu verpacken. Er hat also eine chronologisch einstudierte Abfolge von Messerstichen, die seine Opfer zu Quasikunstwerken seines krankhaften Gerechtigkeitstriebes werden lassen. Als Markenzeichen hinterlässt er bei seinen Opfern Fotografien, auf denen das Opfer selbst beim Akt des Betrugs zu sehen ist. Allerdings sind die Köpfe der Männer ausgeschnitten. Seiner eigenen Zunft gegenüber verhält er sich also sehr diskret. Man könnte fast von einer Doppelmoral sprechen, wenn nicht sogar Heuchelei!
Der Stoff ist also im hohen Maße schockierend, polarisierend und erzkonservativ! Genau genommen haben wir es hier mit einer Art Blaupause für die klassischen Slasher der späten 70er und frühen 80er Jahre amerikanischer Schule zu tun.
Die Morde werden dementsprechend explizit dargestellt, damit sich der Zuschauer der brenzligen Lage auch bewusst ist und die dargebotene Ernsthaftigkeit verinnerlicht. Man darf sich also auf eine geballte Ladung nackter Haut gefasst machen, was aber nie wirklich billig wirkt. Die Frauen bewegen sich anmutig und selbstbewusst. Ja, man möchte fast denken, dass den Taten des Killers eine gewisse restriktive und prophylaktisch werteetablierende Komponente inne wohnt. Das Bild der Frau darf sich unter gar keinen Umständen ändern!
Erstaunlicherweise setzt man uns auch relativ viele Morde vor. Normalerweise beschränkt man sich ja auf den Eingangsmord, dann einen zweiten und eventuell noch einen Abschlussmord, bei dem die Szenerie aufgelöst wird.
Der Film steigert sich bis zu einem mörderischen Katz und Maus - Spiel zwischen Killer und Kommissar. Dabei wendet der Streifen alle Kunstkniffe der Narration an und präsentiert uns die nervenaufreibende Geschichte in wunderschönen Bildern. Exemplarisch sei die großartige Szene angeführt, in der das vermeindliche Opfer im Bademantel vor einem beschlagenen Spiegel steht und der Killer plötzlich aus ihrer Silhouette hervor tritt, um zur Tat zu schreiten. Unglaublich atmosphärisch!
Von kunstvoll ausgeleuchteten, geschmacklos eingerichteten Wohnzimmern mit unfassbar hässlichen Stehlampen, bis hin zu harmonischen Szenenbildern mit 2 Schwänen in einem Swimmingpool, die subtil die Botschaft der Monogamie unterstreichen, ist alles dabei.
Ja, wenn man diese Achterbahnfahrt durchlitten hat, weiß man, was uns der Autor sagen will. Liebe Hausfrauen der 70er Jahre, vögelt euch nicht durch die Weltgeschichte!
Kritiker mögen diesem Machwerk eine gewisse Eindimensionalität unterstellen, da das Gezeigte für Männer konzipiert wurde und somit die eigentliche Moral invertiert. Dabei sollte man aber dennoch bedenken, dass wir uns hier in den wilden 70er Jahren befinden, in denen sich Rollenbilder noch stark verkrustet bzw. traditionell zeigten und erst langsam anfingen, sich zu emanzipieren. "Schön, nackt und liebestoll" ist also durchaus als innerer Kampf mit der Moderne und der ihr immanenten Novitäten interpretierbar.
Aber genau das macht ihn gleichzeitig so ungewöhnlich untrivial. Auch wenn man es auf den ersten Blick gar nicht erkennen mag, schwingt dieser hintergründige Konflikt mit jedem Mord mit. Der Akt als solcher ist nicht nur cineastisches Unterhaltungsmittel, sondern integraler Bestandteil und Transportmittel der Geschichte.
Ich selbst bin immer noch schwer beeindruckt und ziehe meinen Hut vor Regisseur Roberto Bianchi Montero. Der Film bietet jede Minute Spannung und kann diese auch über die gesamte Länge aufrecht erhalten. Bei einer Spieldauer von über 96 Minuten eine beachtliche Leistung!
Umso erfreulicher, dass dieses Meisterwerk eine angemessene Veröffentlichung bekam. Die Detailverliebtheit von Camera Obscura ist einfach sensationell! Wie immer wurde auch bei dieser Perle versucht, das Bestmögliche heraus zu holen. Deshalb sind 2 Szenen nur mit italienischem Ton und eine kurze Sequenz etwas verrauscht. Die restliche Zeit ist das Bild nahezu gestochen scharf. Bravo!
Des Weiteren gibt es tolle Extras und die edle Aufmachung im Digipack mit Schuber.
Bevor ich aber weiter schwärme: Kaufbefehl! Das hier ist die Quintessenz eines intelligenten italienischen Thrillers!
Wen ich jetzt noch immer nicht überzeugen konnte, dem sei gesagt, dass keine einzige Frau in diesem Film einen BH trägt und es wirklich bezaubernde Tapetenmuster zu bestaunen gibt. Ach ja, der Soundtrack passt ebenfalls perfekt zum Film. Episch und majestätisch!

Samstag, 26. Juni 2010

Doghouse (UK - 2009)

Hach ja, die Leute von der Insel haben es immer noch drauf. Nach Genreklassikern wie "Shaun Of The Dead" (2004), "Severance" (2006) oder "Lesbian Vampire Killers" (2009), legt ein bekannter Name nach und schenkt uns eine spritzige Horrorkomödie nach feinster britischer Art.
Jake West hat erneut auf dem Regiestuhl Platz genommen und nach seinem großartigen Low-Budget-Streifen "Evil Aliens" (2005) diese Ode an die Männerfreundschaft gedreht.
Die Exposition fällt wenig überraschend knapp aus, da der Film generell wenig Handlung benötigt, um in Fahrt zu kommen. Dadurch ist er zwar sehr kurzweilig, aber dafür niemals langweilig.
Eine Bande mehr oder weniger domestizierter Männer versucht Vince, einen aus ihrer Mitte, nach seiner Scheidung aufzuheitern. Mikeys Oma ist auf einer Kreuzfahrt und so beschließen die Jungs, in Omas kleines Dörfchen Moodley einzuchecken und richtig einen drauf zu machen.
In dem verschlafenen Kaff, wie sollte es anders sein, läuft allerdings irgend etwas verdammt schief. Nirgendwo sind andere Exemplare der Gattung Mann zu sehen. Vom weiblichen Geschlecht dagegen scheint es schon nach kurzer Zeit zu wimmeln, nur haben diese leicht kannibalistische und anarchistische Züge.
Dumm für die Männer, also bewaffnen sie sich mit Golfschlägern (und Golfbällen) und gehen auf die Horde wildgewordener Frauen los. Hört sich natürlich alles sehr platt an, ist es auch, aber diese Art von Film muss eben auch genauso sein!
Was dieses Werk also auszeichnet, sind keineswegs die Story oder irgendwelche Innovationen. West ist Traditionalist, kennt das altehrwürdige Rezept für einen guten B-Movie Horrorstreifen mit viel Humor und verfeinert ihn mit einer Detailverliebtheit, die schon fast obsessiv wirkt. An jeder Ecke baut er erfrischende und wirklich komische Ideen ein, so dass der Genrefan innerliche Luftsprünge macht. Wo bekommt man denn bitteschön zu Flammenwerfern umgerüstete Supersoaker Wassserpistolen zu sehen oder ein ferngesteuertes Auto mit einem abgetrennten Kopf als Ablenkungsmanöver geboten?
Zuletzt habe ich dieses Phänomen bei den beiden Grindhousefilmen "Planet Terror" (2007) und "Death Proof" (2007) erlebt. An etlichen Stellen wird auf Horrorikonen rekurriert, werden Versatzstücke alter Klassiker modern interpretiert und extrem amüsante Sprüche geklopft. Dazu kommt die absolut erhabene Inszenierung, die ein wunderschönes Set im kleinen englischen Dörfchen Moodley hat. Außerdem sind die Make Up Effekte großartig umgesetzt. Die zu Zombies gewordenen Frauen sehen nicht nur äußerst gelungen unappetitlich aus, auch die bloße Anzahl und deren detailiertes Make Up beeindrucken ungemein. Vor allem, wie kreativ dort kleine Rollen (die korpulente Redneckfrau, die Frau mit den Scherenhänden, die Schlachterin, die Zombieomi mit ihrer Gehhilfe) erarbeitet wurden. Einfach erfrischend für den von schlechten Horrorkomödien gelangweilten Genrefreund.
Die "Kills", ein zentrales Element, werden routiniert in den Film integriert und mit netten Einfällen gespickt. Sie sind blutig, aber nicht zu sehr in den Fokus gerückt, so dass der Film nicht zu einer bloßen Splatterorgie verkommt. West macht alles richtig, kratzt am Thron von "Shaun Of The Dead"und platziert sich knapp darunter.
Wie auch schon bei "Evil Aliens" schafft West perfekt, die Balance zwischen Komik und Horror zu wahren. Der markante schwarze Humor sorgt also für genügend Arbeit der Lachmuskeln! "Doghouse" bietet sich zudem für einen Filmabend in geselliger Runde regelrecht an.
Wer gerne absolut solide Genrekost mit grandiosen Einfällen und dem verrückten Danny Dyer sieht, kann problemlos zugreifen. Fans werden ohnehin im hochfrequenten Takt belohnt!
Bleibt an dieser Stelle zu hoffen, dass er dem Genre treu bleibt und noch fleißig weiter arbeiten wird, denn diese Frische und Liebe zum Detail tun der etwas angestaubten Horrorkomödie sehr gut.

Freitag, 25. Juni 2010

The Incredible Shrinking Man (Die unglaubliche Geschichte des Mr. C - 1957)

Ein leicht chauvinistischer Mann sitzt mit seiner Braut auf einer Yacht und wird plötzlich in güldenes Glitter gehüllt.
Nein, wir befinden uns in keinem US-amerikanischen Hip Hop Video, sondern in Jack Arnolds tollem SciFi Klassiker "The Incredible Shrinking Man".
Bei Mister C verursacht der dubiose Staub ein Problem. Er schrumpft. Das wird schnell zur Belastung für seine Beziehung, der eigenen Psyche und er freundet sich mit einer kleinwüchsigen Künstlerin an.
Leider plagt Mister C. das Problem weiterhin und auch die Ärzte finden keine überzeugende Lösung. Man kann den Schrumpfprozess zwar temporär anhalten, aber eine langfristige Heilung ist in absehbarer Zeit nicht greifbar.
Schon bald ist der Protagonist nicht mehr viel größer als ein Streichholz, wohnt in einem Puppenhaus und die abenteuerhafte Geschichte startet richtig durch.
Teilweise entwickelt sich der Film zu einer waschechten Robinsonade. Wir beobachten Mister C dabei, wie er sich der Umgebung anpasst und seinen Konflikt mit der fiesen, dicken fetten Spinne austrägt.
Die Auflösung der Geschichte bietet zudem existenzphilosophische Schlagseite und regt tatsächlich dazu an, über die Bedeutung des eigenen Daseins im unendlichen Kosmos zu reflektieren.
Ist der Streifen noch zu Beginn sehr dialoglastig, wird es schon bald sehr still und man lauscht nur noch den verzweifelten inneren Monologen von Mister C.
Die Umsetzung ist episch und technisch für die Zeit geradzu revolutionär. Selbst heute möchte man noch mit den Ohren schlackern und ungläubig Herrn Arnold befragen, wie um alles in der Welt er ohne Computer so überzeugende Effekte realisieren konnte?
Von überdimensionierten Nachbauten, bis hin zu Bildmanipulationen ist alles dabei, aber es wirkt immer 100% authentisch und überzeugt. Dieses Meisterwerk hinterlässt ob seiner technischen Umsetzung reihenweise offene Münder und setzt mit der spannenden Geschichte noch einen drauf. Dazu kommt die absolut großartige Kameraarbeit, die komplett auf Perspektive fixiert ist und den Zuschauer Teil der Geschichte werden lässt. Viel trägt dazu aber auch die fantastische Schauspielleistung von Grant Williams bei. Diesem nimmt man die hoffnungslose Situation sofort ab und man sieht ihm ständig an, wie ausgemergelt und erschöpft er sich durch die neue Welt kämpft.
Es stimmt einfach absolut alles, deshalb muss nicht viel mehr über diesen Klassiker gesagt werden. Pflichtprogramm für jeden, der Freude an Science Fiction Filmen hat, aber auch der unbedarfte Kinogänger darf einen Blick riskieren und sich von der Qualität dieses Films überzeugen.
Interessanter wird es dann, wenn man sich die Auswertungen anschaut. Zwar bekommt man ihn in Deutschland auch schon zu einem sehr günstigen Preis, trotzdem möchte ich an dieser Stelle auf die britische Fassung verweisen. Die ist nämlich in einer schönen Box erschienen, welche noch 6 weitere Titel enthält.
Wer jetzt sagt "Ok, aber ich will den Film in deutscher Sprache sehen!" der sei darauf hingewiesen, dass sich neben dem O-Ton auch noch die deutsche Synchronisation auf dem Datenträger befindet.
Wer jetzt noch sagt "Ok, aber 7 Filme...das ist doch viel zu teuer, ich will den Rest sowieso nicht sehen!" dem sei gesagt, dass die Box mit 7 Filmen für schlappe 15€ inklusive Versand zu haben ist! Man kann also absolut nichts falsch machen und bekommt für eine absolut lächerliche Summe Geld einen ganzen Sack voller Science Fiction Klassiker dazu! Dabei sind z.B. "This Island Earth" (1955), "Invasion Of The Body Snatchers" (1956) oder der ebenfalls von Jack Arnold geschaffene "Tarantula" (1955).

Mittwoch, 16. Juni 2010

La Ragazza del vagone letto (Horror-Sex im Nachtexpress 1980)

Wir sind wieder in Italien und meine Güte, ist das ein schmuddeliger Schundfilm. Nach dem Begutachten fühlt man sich schmutzig, verschwitzt und schäbig. Bahnhofskino! Nichts anderes darf man von einem Film mit dem Titel "Horror-Sex im Nachtexpress" erwarten.
Es handelt sich hier offensichtlich um einen italienischen Streifen schlimmster Sorte. Die Handlung ist schnell erzählt. Ein Nachtzug reist durch die Lande und eine Gruppe von rowdyhaften "Jugendlichen" terrorisiert die Gäste, bis sie schließlich die Kontrolle übernehmen und so gut wie alle Frauen im Zug zum Beischlaf zwingen.
Das hört sich allerdings alles viel schlimmer an, als es ist. Denn den Film kann man zu keiner, aber auch wirklich absolut gar keiner Zeit ernst nehmen. Speziell die Schauspieler des Terrortrios wirken so überdreht und unfreiwillig komisch, dass man sich eher rollend auf dem Fußboden vor Klamauk wieder findet, als schockiert in der Ecke.
Sprüche wie "Lass doch den Affen, Torte, der gehört auf die Bäume", "...immer am Telefon. Sie ruft bestimmt ihren Westentaschenplayboy an" oder "Jetzt reicht‘s mir. Komm‘ her du stinkender alter Sack. Du Schmalzfliege, du Aas, du Haufen Scheiße!" setzen dem schlechten Scherz von einem Film die Krone auf.
Trotzdem versteht er es zu unterhalten. Auch wenn man Spannung vermisst, ist man dennoch interessiert, welche abstrusen Wendungen die hanebüchene Geschichte noch nehmen wird. Wie abgedreht diese ist, lässt sich an folgenden Beispielen verdeutlichen. Der als einziger wirklich jugendlich aussehende, aber vollständig ergraute, Schaffner vermittelt Fahrgäste an die zugeigene Prostituierte. Der Vater der großbürgerlichen Familie steht auf seine Tochter und einer der "Jugendlichen" lässt beim Sex ständig seinen meterlangen Zungenlappen raushängen.
Die Figuren im Film agieren auf völlig unverständliche Weise und man möchte im Minutentakt die Hände über dem Kopf zusammen schlagen.
Auch wenn der Film wirklich schlecht ist, hat er dennoch seine Berechtigung. Irgendwo versucht Regisseur Ferdinando Baldi die hedonistische und rebellenhafte Jugend überspitzt als Rüpel und Monster darzustellen, setzt ihnen aber pervers-polygame, heuchlerische und uncouragierte Bürger entgegen. Im Prinzip sind in diesem Film alle Schweine, außer vielleicht der politische Gefangene. Sogar die Tochter, die plötzlich und spontan Lust auf den Lockenkopf, der das Anrecht auf den Beischlaf mit ihr beim Würfeln mit den Jungs gewann, bekommt.
Aber genug vom Film.
Genrefans kommen sicher auf ihre Kosten und können dem Film unterhaltsame Facetten abringen. Freunden des Terrorkinos dürfte der Film allerdings zu harmlos sein und der Normalkinogänger wird mit Sicherheit den Saal verlassen, sollte ihm diese Art von Sleazefilm vorgesetzt werden.
Die Veröffentlichung als solche stellt den besonders berichtenswerten Aspekt dieser Besprechung dar.
Für diese zeigt sich das junge Kölner Label Camera Obscura verantwortlich. Liebevoll übernahm man die Gestaltung der von Sazuma begonnenen "Italian Genre Cinema Collection" und geizt auch nicht mit Aufwand für das Produkt. Neben dem tollen Bild des Films, das ganz vereinzelt durch mäßig erhaltene Sequenzen durchbrochen wird, hat man eine eigene Featurette mit ehemaligen Darstellern und dem Drehbuchautoren produziert. Hier reden die involvierten Personen in erfrischender Ehrlichkeit Tacheles. Zora Kerova fällt in ihrer sich erklärenden Art besonders heraus. Auch das animierte Menu ist bestens auf den Film abgestimmt und fügt sich nahtlos in die Optik der Spätsiebziger ein. Außerdem wurde der witzige und informative Booklettext bilingual von Sir Christian Kessler verfasst.
Die Verpackung ist ebenfalls ein Hingucker. Neben dem herrlichen Covermotiv ist der Schuber um das Digipack geschmackvoll und einheitlich gestaltet. Man merkt an jeder Kante, dass die Leute von Camera Obscura detailverliebte Filmfreaks sind.
Eine so wertvoll und haptisch ansprechende Auswertung steht dem Film vielleicht nicht zu, aber spiegelt die Ambivalenz, die dem Film immanent ist, in eindrucksvoller Weise wider. Er ist so ambivalent, dass nicht mal die Sonne sich entscheiden kann, ob sie aufgehen will oder nicht.
"La Ragazza del vagone letto" muss man nicht gesehen haben, aber er unterhält, amüsiert und lädt zum drüber schwadronieren ein. Ein Partykracher ist es allemal.

Chicks from the Past Vol. 3 - Joi Lansing

This one's a classic!
Joi Lansing tanzte in ihrer Karriere auf sprichwörtlich mehreren Hochzeiten und bewies wie flexibel eine Frau seinerzeit sein konnte. Dass sie neben der Schauspielerei als Modell arbeitete, war sicherlich keine Seltenheit und wurde auch von vielen als Einstieg in das Showbuisness genutzt, aber dass sie auch noch als Sängerin in Nachtclubs auftrat, Musik veröffentlichte und in Musicals mitwirkte, kam auch damals nicht allzu häufig vor.
Geboren wurde Joi am 6. April 1929 in Salt Lake City und begann schon mit 14 erste Arbeiten als Modell anzunehmen, bis sie schließlich von Metro-Goldwyn-Mayer unter Vertrag genommen wurde. Sie spielte u. a. im MGM Film "Singin' in the Rain" (1952) mit, hatte allerdings auch schon ab 1947 kleinere Rollen übernommen.
Im Science Fiction Klassiker "Queen from outer Space" (1958) war sie neben Gza Gza Gabor als Freundin eines Astronauten zu sehen. Das deutsche Publikum wird sie vermutlich aus der Reihe Galerie des Grauens kennen, wo sie in "The Atomic Submarine" (1959) die zauberhafte Julie spielt. Während dieser Zeit war sie außerdem noch in Musicals und Fernsehserien zu sehen. Ein Auschnitt aus dem Musicalsong "Web of Love" kann man hier bestaunen und die Füße im Takt mitwippen. Später, in den 60er Jahren, sang sie in Nachtclubs, wie dem Fiesta Room in Las Vegas und brachte sogar eine eigene LP heraus.
Dem Horrorgenre blieb sie allerdings noch für 2 weitere Filme treu. "Hillbillys in Haunted House" (1967) und "Bigfoot" (1970) gehörten leider auch zu ihren letzten Filmen. Joi Lansing starb am 7. August 1972 an Brustkrebs.
Obwohl sie als leichtbekleidetes Bikinimodell arbeitete, lies sie sich niemals zu Nacktaufnahmen verleiten. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass sie Mormonin war.

Dienstag, 15. Juni 2010

Attack of the Crab Monsters (USA-1957)

Kann man einen genial-absurden Monsterfilm auf einer einsamen Insel in nur 60 Minuten erzählen? Wenn man Roger Corman heißt, muss die Antwort eindeutig JA lauten!
Der Film ist der absolute Knaller, ein Trashfeuerwerk mit völlig abwegigen Ideen und einem phänomenalen Monsterdesign!
Für Monsterfilmliebhaber also eine absolute Perle, für den modernen Kinogänger sicherlich primitivste und lächerlichste Zelluloidverschwendung.
Ich habe mich sowohl prächtig amüsiert, als auch bestens unterhalten gefühlt. Durch die kurze und knackige Laufzeit gibt es überhaupt keine Längen. Corman fackelt auch nicht lange und lässt die bestenfalls rudimentär vorhandene Story binnen weniger Minuten erklären.
Ein Wissenschaftlerteam macht sich auf die Reise zu einer geheimnisvollen Insel. Das vormals dort stationierte Team ist spurlos verschwunden und niemand kann sich erklären, weshalb.
Ach ja, die Insel liegt mitten im Atombombentestgebiet! Der routinierte Monsterfilmfreund nickt zum ersten Mal wissend gen TV-Gerät und denkt sich "weiß bescheid".
Das Forscherteam besteht aus einer internationalen Besetzung. Der etwas korpulente Franzose macht einem dergestalt Angst, dass man denkt, sein Hemdknopf könnte einem wegen des immensen Drucks jeden Moment entgegen springen.
Die Meeresbiologin sieht tatsächlich eher wie eine Wissenschaftlerin, als ein Modell aus (schade) und der Kopf der Bande ist ein seltsamer Bursche mit einer zwielichtigen Sonnenbrille.
Die Insel ist jedenfalls völlig verlassen, auch keine Tiere sind darauf zu finden. Ok, ein paar Möwen und Krabben streifen umher, aber ansonsten sieht es schlecht aus mit der Fauna und es wird Wert darauf gelegt, dass die Insel unbelebt ist.
Außerdem wird das Gebiet ständig von Erdbeben heimgesucht (die Kamera wackelt und ein paar Pappsteine kullern herum). Bei einem dieser Erdbeben verliert unsere Protagonistin übrigens auf sehr charmante Art und Weise ihr Bewusstsein. Vor ihr hat sich ein großes Loch aufgetan und ihr neugieriger Kollege steigt hinab, um sich die Sache etwas genauer anzuschauen.
Seine Spitzhacke versenkt er dafür im Boden in einer völlig ungefährlichen Position. Das Fräulein hockt also über dem Loch unmittelbar neben der Spitzhacke. Plötzlich fängt es wieder an zu beben und sie fällt (im Sitzen!) gegen die Hacke und bleibt bewebungslos liegen! Das ist unter anderem einer dieser großen Momente im Film, bei dem ich lachend vom Sofa fiel!
Aber auch die Riesenkrabben regen zum Schmunzeln an und man fragt sich, ob es wirklich jemanden gab, der sich 1957 vor diesem Riesenpappvieh gefürchtet hat?
Egal, weiter geht es mit der Story. Die Leute sind also auf der Insel, es bebt und ab und zu hören wir merkwürdige Knacklaute. Damit nicht genug, schallt auch noch die Stimme eines der verschollenen Crewmitglieder durch die weite Flur und ruft die Neuankömmlinge zu Hilfe. Unser Fräulein, naiv wie Frauen in den 50ern nunmal waren (bzw. es uns suggeriert wird), macht sich sofort mitten in der Nacht auf den Weg nach draußen.
In den Höhlen entdecken wir dann die riiiieeeeesigen Monsterkrabben, die unserem smarten Franzosen die Hand abschnappen und ihn später dann ganz verspeisen. Ihre Scheren werden übrigens von gut sichtbaren Seilen gehalten!
Jetzt kommt der absolute Hammer: die offensichtlich radioaktiv-mutierten Monsterkrabben assimilieren die Gehirne der Menschen, die sie gefressen haben und können fortan deren Stimme benutzen, um mit den Menschen zu kommunizieren und sie heimtückisch zu sich zu locken. Die Krabben behalten dann auch den großartigen französischen Akzent über den Rest des Filmes. "fulisch, werie fulisch!"
Wer denkt sich denn bitte so etwas aus? Noch verrückter wird es dann, als es den Monstern ans Leder geht. Handgranaten fliegen zwar in rauen Mengen auf das Krustenvieh, aber durch den urangehärteten Chitinpanzer kommt einfach nichts durch!
Die Biester sind allerdings durch die radioaktive Strahlung negativ aufgeladen und sobald sie mit positiver Energie bestrahlt werden, zerfallen sie unmittelbar zu Staub.
Ich hab mich wirklich schlapp gelacht.
Insgesamt ist der Film neben dem hohen Trashfaktor aber sehr gut in Szene gesetzt. Corman versteht sein Handwerk und es ist sehr erfreulich, dass die meisten Szenen im Freien gedreht wurden. Irgendwie kommt dadurch richtiges Abenteuerfeeling auf, auch wenn man immer wieder über z.B. die dümmlichen Matrosenjungs grinsen muss.
Den Film muss man einfach gesehen haben, allein schon wegen der herrlich absurden Ideen und der köstlichen Krabben.
So trashig der Film auch sein mag und so sehr man sich auch über ihn lustig macht, er ist immer noch tausend Mal besser, als die meisten Filme, die heute in den riesigen Kinotempeln laufen. Die billigsten Monsterpuppen sind mir immer noch tausend Mal lieber, als irgendwelche computeranimierten Poligonungeheuer.
Leider gibt es keine deutsche Veröffentlichung des Titels und man muss auf die britische Fassung zurück greifen. Die ist als Nummer 8 in der Roger Corman Collection erschienen und grade für wenig Geld zu haben. Das Bild ist gut, allerdings gibt es absolut keine Extras. Nichtmal ein DVD Menu.
Ist aber gar nicht schlimm wegen des maximalen Spaßfaktors!
Länge: 60 min.

Montag, 14. Juni 2010

Rückkehr der Galerie des Grauens/The Grindhouse Collection/Italien Genre Cinema Collection

Lange war es ruhig um die beiden neu angekündigten B-Film Reihen von Anolis und Subkultur Entertainment.
Mittlerweile sind wieder ein paar Filme durchgesickert, so dass es höchste Zeit wurde, den Stand der Dinge zu überprüfen.
Fangen wir mit der Grindhouse Collection an. Was wissen wir? Die Filme werden auf 1000 Stück limitiert sein und mit dem ersten Teil wird die schicke Box ausgeliefert. Die Titel "Beast of Blood" (1970) und der dänische "Dværgen" (1973) sind als sichere Kandidaten gesetzt. Allerdings bereitet die Suche nach der deutschen Synchronisation bei "Dværgen" den Machern noch Kopfzerbrechen, weswegen er vorläufig nach hinten verschoben wird. Für alle anderen Filme hat man bereits eine deutsche Tonspur auftreiben können und es sich zur Maßgabe gemacht, jeden Film mit dieser zu bringen.
Einige Perlen werden im Double Feature erscheinen.
Die erste DVD der Reihe steht ebenfalls fest. Dabei handelt es sich um ein Double Feature mit 2 noch unbekannten Filmen. Die Ankündigung soll in den nächsten Wochen erfolgen. Insgesamt wird die Box 8 Titel enthalten.
Außerdem gibt es immer wieder Hinweise von Subkultur Entertainment und zügige Fragenbeantwortungen in ihrem eigenen Label Forum bei Dirty Pictures.

Auch bei der Rückkehr der Galerie des Grauens tut sich einiges.
Nach dem Highlight der Box "The Monolith Monsters" (USA-1957) und dem Fortsetzungsfilm "War of the Colossal Beast" (USA-1958), ist nun auch der Streifen "Earth vs. the Spider" (USA-1958) bekannt gegeben worden. Außerdem könnte ein weiterer Titel der amerikanische "The Land Unknown" von 1957 sein.
***Update***
In der Galerie wird "How To Make A Monster" (1958) erscheinen!

Außerdem möchte ich an dieser Stelle noch allen Lesern, die etwas für seltsame und bizarre Filme übrig haben, die Italian Genre Cinema Collection ans Herz legen. Bisher sind in dieser Reihe 4 verschiedene Titel von 2 unterschiedlichen Labels veröffentlicht worden.
Ursprünglich gestartet wurde die Reihe vom österreichischen Kleinstlabel Sazuma. Die Filme "Suspected Death of a Minor" (ITA-1975) und "Verflucht zum Töten" (ITA-1978) wurden in sehr hochwertigen Digipacks mit vielen Extras und einem Booklet mit Informationen von Christian Kessler veröffentlicht. Danach war eine ganze Weile Funkstille, bis sich das deutsche Label Camera Obscura der Reihe annahm, das Layout adaptierte und 2 weitere Filme veröffentlichte. Zu diesen zählen die obskuren Italostreifen "Schön, nackt und liebestoll" (ITA-1972) und "Horror-Sex im Nachtexpress" (ITA-1980).
Letzterer trägt allerdings die Rückennummer 5 in der Reihe, da Nr. 4 mit dem Titel "La Orca" (ITA-1976) erstmal verschoben wurde. Weitere Titel, die für die Collection angekündigt wurden, sind: "Inferno unter heißer Sonne" (ITA-1972) und "Wild Beasts" (ITA-1982). Ein nettes Gimick der Reihe: unterschiedliche Genres werden durch unterschiedliche Farbgebung des Digipacks präsentiert (Gialli selbstverständlich in gelb :) ).
Außerdem hat Camera Obscura als nächstes die Veröffentlichung von einer ziemlich kruden deutsch/chinesischen Coproduktion aus dem Jahre 1974 "Karate, Küsse, blonde Katzen" geplant. Wer wollte nicht schon immer nackte Frauen Ninjas verkloppen sehen? Ich werde jedenfalls versuchen, demnächst ein paar Titel der IGCC zu besprechen und die tollen Extras vorzustellen.

The Brides of Dracula (Dracula und seine Bräute - 1960)

Heute geht es mal wieder zurück auf die Insel, zu einem weiteren Draculafilm aus der britischen Hammer Studio Filmschmiede. Man darf sich also auf tolle Kulissen, gotisches Ambiente, knallige Farben und Peter Cushing freuen!
Warum fällt mir momentan gerade dieser Film in die Hände? Nun, er ist aus der großartigen Koch Media Hammer Reihe! Allen Filmen wurde ein sehr schöner Schuber und ein informatives Booklet spendiert, so dass die Veröffentlichungen sehr edel und hochwertig erscheinen. Die graphische Gestaltung lässt keine Wünsche offen und auch die digital aufbereitete Bildqualität sucht seinesgleichen. Gestochen scharf und sehr authentisch.
Leider gehen die 10 veröffentlichten Titel bei den Händlern langsam zu Neige und die Neuauflage wird nur in normalen Amarays ohne Booklet verkauft. Wer also noch nicht diese tolle Reihe besitzt, sollte sich jetzt langsam beeilen, sie zu vervollständigen, bevor sie im Preis deutlich steigen bzw. barebone ohne die tolle Aufmachung verkauft werden. Denn großartige Titel hat sie allemal zu bieten! Auf den ersten Blick gibt es keinen einzigen Ausfall und eine sehr homogene Auswahl (bis auf Captain Clegg). Ich habe mich jedenfalls an diesen klugen Ratschlag gehalten und mir jüngst die fehlenden Teile, unter herben finanziellen Einbußen, gesichert.
In diesem Zusammenhang hab ich es dann auch endlich geschafft, den ersten Film der Reihe, der sich bereits in meinem Besitz befand, aus dem übervollen Regal zu ziehen und ihn mir pünktlich zur Geisterstunde anzusehen.
Der Beginn ist dann auch gleich sehr hammertypisch. Neblige Wälder, stimmungsvolle musikalische Begleitung und eine düstere Dorfkulisse führen uns in die dramatische Geschichte ein.
Marianne, gespielt von Yvonne Monlaur, möchte zu einem Mädcheninternat, um dort als Sprachlektorin zu arbeiten. Dummerweise ereignen sich auf ihrem Weg von Paris ein paar unvorteilhafte Zufälle, die sie an ihrer Weiterreise hindern. Sie ist gezwungen, im heimeligen und wundervoll ausstaffierten Dorfkrug zu nächtigen. Allerdings erscheint dort schon kurz nach ihrem Eintreffen eine alte Baroness, die sie zu sich auf ihr Schloss einlädt. Einer alten einsamen Dame kann man so einen Wunsch wohl kaum abschlagen, also nimmt Marianne die Einladung an.
Das Schloss ist unglaublich liebevoll ausgestattet und man merkt mal wieder, wie viel Mühe man sich beim Entwerfen der Umgebung gegeben hat. Es spiegelt perfekt die Dekadenz der Aristokraten wider und verstärkt das Dilemma, in dem sich die Familie befindet.
Die sehr interessante Geschichte um die alte Baroness und ihren geheimnisvollen Sohn beginnt sich zu entspinnen, so dass schließlich Peter Cushing als Doktor Van Helsing vom örtlichen Geistlichen auf den Plan gerufen wird und der Teufelsbrut ein Ende setzen soll.
Der Blick ins Begleitheftchen verrät, dass Cristopher Lee nur magere 6 Leinwandminuten beim Vorgängerfilm vorzuweisen hat. Baron Meinster dürfte allerdings auf wesentlich mehr kommen. Wie dem auch sei, der Film wird durch das schauspielerische Talent von Peter Cushing ungemein aufgewertet.
Cushing ist für sein Alter erstaunlich gut unterwegs, immerhin ist er beim Dreh schon 47. Er springt über Treppengeländer und stürzt sich wagemütig in die Kämpfe oder hält sich an Windmühlenblättern fest. Respekt!
Von den Kämpfen gibt es bis zum Schluss auch einige, die weniger hölzern dargestellt wurden, als es sonst üblich war.
Der Gruselfaktor ist allerdings nicht sonderlich hoch. Vermutlich liegt das auch an der etwas komischen Vampirfigur des Baron Meinsters. Christopher Lee kann man da auch einfach nicht adäquat beerben. Einen so stechenden und auch heute noch angsteinflößenden Blick hat man, oder eben nicht.
Trotzdem weiß der Film zu gefallen, fängt sehr ruhig und auf die Geschichte fixiert an, um schließlich sehr stark an Tempo zuzulegen.
Die Story ist eine Variation vom bekannten Draculastoff, so dass wir mal keinen Makler haben, der nach Transsilvanien reisen muss, um Dracula ein Anwesen zu verkaufen. Auch wenn der neue Plot sehr frisch rüberkommt, ist er aus heutiger Sicht ziemlich vorhersehbar. Es ist allerdings sehr bemerkenswert, dass Hammer als offizielles Sequel zu "Dracula" (1958) auf dessen Präsenz komplett verzichtete. Um seinen Namen im Titel zu erwähnen, kam man jedoch nicht drum herum, immerhin wurden seiner Zeit sämtliche Filme mit dem Namen Dracula versehen, auch wenn sie schlussendlich gar nichts mit dem Grafen zu tun und nicht mal die Figur eines Vampir im Repertoir hatten.
Der Showdown ist ein absoluter Knaller! Pyrotechnik und sogar sehr coole Make-Up-Effekte kommen zum Einsatz!
Insgesamt ist "The Brides of Dracula" ein sehr stimmungsvoller Film mit einer originellen Geschichte und absolut toller Kulisse. Wer noch nicht allzu satt vom Genre ist, sollte ihm auf jeden Fall eine Chance geben, denn der gesamte Produktionsstab von "Dracula" ist mit an Board und das garantiert eigentlich schon Qualität.
Ein sehr interessanter Beitrag zur Draculafilmgeschichte und ein würdiger erster Titel für die Hammer Reihe von Koch Media.
Länge: 82 Min.

Freitag, 11. Juni 2010

Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer? (Das Geheimnis der blutigen Lilie - 1971)

Italienische Wochen auf dem Zombiebunker? Könnte man so sagen, denn es verschlägt uns wieder mal nach Italien und wieder haben wir es mit einem maskierten Killer zu tun, der schönen Frauen ans Leder will. Manch einem wird der Film vielleicht auch unter dem Titel "Der Satan mit dem Skalpell" oder "The Case of the Bloody Iris" bekannt sein.
Die Geschichte fängt relativ banal, aber dafür mit schönen Bildern, an.
In einem Hochhauskomplex wird eine junge Blondine im Fahrstuhl ermordet, kurze Zeit später trifft eine farbige Stripperin das gleiche Schicksal. Die beiden Fotomodelle Jennifer (Edwige Fenech) und Marilyn (Paola Quattrini) ziehen nach dem Tod der Stripperin in ihr Appartment und geraten so ebenfalls in das Visier des skrupellosen Mörders.
Das ist eigentlich auch schon die ganze Geschichte, allerdings wird sie spannend erzählt und enthält überraschende Wendungen. Die Figurenkonstellation sorgt außerdem für die nötige Abwechslung (ein verrückter Fotograph, ein noch verrückterer Exfreund, ein slapstickhafter Polizeigehilfe und eine Kampfstripperin etc.). Wem das noch nicht reicht, dem sei hier ein weiteres schlagendes Argument präsentiert: es gibt 70er Jahre Bodypainting! Das sieht ziemlich nostalgisch aus und weicht deutlich von heutigen Möglichkeiten ab. Trotzdem sieht Edwige mit Perücke und aufgemaltem Hemd sehr interessant und mal ganz anders aus.
Die Kameraführung fällt bisweilen regelrecht psychodelisch aus. Oft kippt die Kamera das Bild und löst beim Betrachten wegen der unnatürlichen Perspektive leichte Übelkeitsgefühle aus. Dieses Stilmittel wird direkt an mehreren Stellen eingesetzt. Aber auch das Spiel mit den Farben und Nahaufnahmen, ist ein integraler Bestandteil von Giuliano Carnimeos Film. Fast schon zu oft zoomt er in allen möglichen Szenen durch Regale oder Autotüren auf die Augenpartien der Protagonisten.
Auf den zweiten Mord, der in regelrechter Dunkelheit vollzogen wird, folgt eine komplett grellweiße Szene. Der Zuschauer wird aus der Schwärze gerissen und in das fast schon sterile kalte Weiß des beleuchteten Badezimmers gestoßen. Überhaupt wirkt die Wohnung sehr puppenstubenhaft und irgendwie unheilvoll.
Die Musik wird sehr dezent eingesetzt, passt allerdings durch die markante Melodie gut zum Film.
Edwige Fenech spielt sehr souverän und auch ihrem Gegenpart George Hilton merkt man die Professionalität an. Die anderen Darsteller stechen zwar nicht so sehr heraus, machen ihre Sache allerdings alle sehr gut.
Dass es auch hin und wieder nackte Haut zu sehen gibt, dürfte bei dieser Art von Film keine Überraschung sein. In der Tat wird Jennifer (Edwige Fenech) gleich 2 mal die Kleidung im Eifer des Gefechts vom Leib gerissen. Aber richtig abgefahren wird es, wenn der episodenhafte Einschub in ihre Vergangenheit gezeigt wird. Sie hat sich dummerweise einem Mann versprochen, der auch gleichzeitig in einer Gruppensexsekte zu Werke ging. Dieser stalkt ihr jetzt zu allem Überfluss auch noch hinterher, oder ist er sogar selbst der Killer? Man weiß es nicht. Der Täter geht allerdings ziemlich perfide zu Werke und nimmt sich auch schon mal Zeit für sein Opfer. Die Morde selbst werden zwar explizit, aber nicht übermaßig zweckhaft dargestellt, so dass sich eigentlich jeder den Film anschauen kann, ohne große Splatterorgien erwarten zu müssen.
Die mit Abstand seltsamste Szene im ganzen Film, ist allerdings gleich zu Anfang in einem Nachtklub, in dem das zweite Opfer strippt. Denn eigentlich strippt sie gar nicht. In diesem Männerclub stellt sie sich vielmehr einer Art sexueller Tracht Prügel. Wer jetzt denkt, dass die gute Frau verkloppt wird, der irrt sich. Der Hase läuft hier nämlich ganz anders: sie fordert die Männer heraus und lässt sie an sich ran, um ihnen dann richtig gepfeffert in die Testikel zu treten. Wer es 3 Minuten mit ihr ohne Aufgabe übersteht, bekommt den Jackpot Baby!
Der Film ist mit solchen kleinen Abstrusitäten durchzogen und vor allem der zur Observation abgestellte Polizist übt seinen Job dümmlich/witzig in besser Eddie Arndt-Manier aus, so dass er die eigentlich sehr ernste Szenerie angenehm auflockert.
Insgesamt hat mich der Film sehr gut unterhalten, da er wenig Längen hat und durch seine interessante Auflösung einen schönen Eindruck hinterlässt. Wer hier viel Trash erwartet, wird allerdings enttäuscht werden.
Das Bild ist wirklich super, nur gibt es leider keinen deutschen Ton. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn die englische Synchronisation nicht mit unausblendbaren Untertiteln versehen wäre. Dies gilt übrigens auch für die italienische Originalsprachfassung, welche sich ebenfalls auf der DVD befindet.
Mein Exemplar des Films erschien in der "The X-Italo Giallo Series" als Nummer 16 bei X-Rated, hat ein wirklich bezauberndes Retrocover (Cover B) und wird in einer großen Hardbox (VHS-Hüllen nachempfundene Umverpackung) aufbewahrt. Allerdings existieren auch noch weitere deutsche Veröffentlichungen (Variantcover), sogar eine mit deutschem Ton im Double Feature mit "Der Schwanz des Skorpions"!
Wer gerne tiefer in die italienischen Filmwelt eintauchen möchte, sollte auf jeden Fall zu diesem gelungen Streifen greifen.
Länge: 91 min.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Sei donne per l'assassino (Blutige Seide - 1964)

Blutige Seide gilt als einer der ersten Giallo-Filme. Giallo (Plural Gialli), was ist das? Menschen, die des Italienischen mächtig sind, werden sofort mit Inbrunst schreien "GELB!". Korrekt. Giallo ist das italienische Wort für gelb. Was hat die Farbe gelb nun mit diesem Film zu tun? Als Laie kann man lediglich die knalligen Farben, unter denen sich auch das grelle Gelb befindet, anführen. Taucht man dann etwas tiefer in die Materie ein, findet man heraus, dass frühere italienische Kriminalliteratur im Heftchenformat mit gelben Umschlägen veröffentlicht wurde. Allerdings galt diese Form der Literatur in den 30er bis 60er Jahren, aber auch darüber hinaus, als Schund.
Wir haben es also im weitesten Sinne mit einem Kriminalfilm, der auch aus der Feder von Edgar Wallace hätte stammen können, zu tun. Der Killer bringt auf blutrünstige Weise Frauen aus einem Modesalon um. Hier haben wir dann auch schon das zweite Merkmal eines Giallos. Die Morde stehen im Mittelpunkt und werden für die Zeit entsprechend explizit und gewalttätig dargestellt (how done it?). Aber im Gegensatz zu normalen Kriminalfilmen ist nicht die Frage nach dem Mörder die wichtigste (who done it?), sondern eher das Motiv (why done it?). So ist es auch in diesem Film der Fall. Obwohl der Mörder eine ziemlich coole Rorschachmaske trägt, wird das Geheimnis um seine Identität relativ früh gelüftet.
Dabei führt uns der Film durch nebelverquollene Wälder, finstere Herrenanwesen und gotische Kellergewölbe. Der Filmfreund mit Neigung zu gespenstischen Drehorten kommt also visuell vollends auf seine Kosten. Die schönen bunten Farben konstrastieren dann auch noch die Szenen und erzeugen so wunderbar individuelle Stimmungen durch die Farbkompositionen und Schattenspiele.
Im Gegensatz zu der sehr kalt wirkenden Optik von z.B. "Der Frosch mit der Maske" (1959), spielt Meisterregisseur Mario Bava mit der weichen Farbgebung. Überhaupt fällt bei "Sei donne per l‘assassino" auf, wie großartig die Narration des Mediums Film genutzt wird. Allein schon das phantastische Intro mit den stillstehenden Schauspielern nebst Modellpuppen oder die Kamerafahrt durch das abreißende Schild im Eingangsportal, beeindrucken den Zuschauer von Anfang an.
Ja, es dürfte sicherlich nicht vermessen sein, diesen italienischen Film als absolutes Meisterwerk und Wegbereiter zu sehen. Vielleicht mag man hier auf der Suche nach dem Ursprung des Slasherfilms einen Anfangspunkt markieren können. Auf die Handlung möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht weiter eingehen, da der Film trotz aller optischer Opulenz durch sie zu überzeugen weiß.
Anders als bei späteren Gialli, bei denen die Handlung auf das Nötigste reduziert und sich fast ausschließlich auf den Akt der Gewalt konzentriert wird.
Mario Bava beweist mit "Sei donne per l‘assassino" sein Gespür für tolle Optik und hinterlegt einen zum Teil sogar sozialkritischen Beitrag im Regal der Meisterwerke.
Der Film darf auf gar keinen Fall in einer Filmsammlung fehlen und ich peste mich selbst, dass ich diese Perle erst jetzt entdeckt habe. Denn es existiert eine pornöse Luxusedition von Anolis in Kollabortion mit dem geheimnisvollen Filmclub Buio Omega. Die Standardversion hat jedoch auch ein sehr gutes Bild, allerdings fehlen alle Extras, wie der Audiokommentar von Kessler und Zion, sowie geschnittene Szenen und das Interview mit Carlo Rusticelli.
Wer mir 200€ schenken möchte, darf dies gerne zweckgebunden für die seidenumzogene Luxus Edition tun!
Sehr beeindruckt und in tiefer Demut stelle ich das Meisterwerk dann auch wieder zurück ins Regal und sage "Adieu, bis zum nächsten Mal"!
Wer sich weiter zum Thema Giallo belesen möchte, dem sei die Eurocult-Liebhaber-Lounge Dirty Pictures empfohlen!

Kurzgeschichte eines Lesers - Die Madenmenschen

Vor einige Tagen erreichte mich eine Mail mit einer interessanten und sehr trashigen Kurzgeschichte. Der Absender mit dem Pseudonym "Flogwang" bat mich lediglich um meine Expertise und wies mich an, strikte Diskretion zu wahren.
Hier also die kleine Geschichte:

Tom Berger war ein extravaganter Single. Mit 25 hatte er bereits seine erste Millionen auf dem Bankkonto. Dank eines einzigen Traumes.

Im Februar 1952 um 4 Uhr wachte er in seiner spartanisch eingerichteten 1-Raum-Wohnung auf. Der bizarre Traum, der im wesentlichen aus einem kleinen blauen Werkzeug bestand, dessen Name ihm nicht mehr einfallen wollte, war ihm im Gegensatz zu sonst noch wage in Erinnerung. Er ging in die Küche, die gleichzeitig auch Schlaf- und Wohnzimmer war, macht den verchromten Kühlschrank, der einzige Luxus, den er sich gönnte, auf, schnappte sich die abgestandene Milch und versuchte, sich an den Namen zu erinnern. Er schlurfte in seinen abgenutzten Pantoffeln an die breite Fensterfront, die Blick auf einen Innenhof voller Wildwuchs und Müll bot und nahm einen Schluck aus dem Milchkarton. Er hatte das Leben satt, keinen Antrieb mehr, sich jeden Morgen aufs Neue der ignoranten Bevölkerung auszusetzen. Sie freundlich an der schäbigen Tankstelle zu bedienen, an der er angestellt war. Er wollte raus aus diesem Loch. „DULLMETTI“, der Name war ihm wieder gegenwärtig. Das kleine blaue Werkzeug hatte den Namen Dullmetti. In ihm waren mehrere Messer, sowie Kneifzangen, Dosenöffnen und andere nützliche Utensilien untergebracht. Tom beschloss, eine Skizze anzufertigen, machte ein paar Stichpunkte und legte sich wieder auf seine Couch. Am nächsten Morgen beschloss er, seinen alten Schulfreund Werner aufzusuchen. Der war handwerklich ganz gut unterwegs und könnte ihm vielleicht weiterhelfen. Er ließ Werner mit der Zeichnung, den Notizen und seinen Instruktionen allein und machte sich auf den Weg zum Patentamt. Zum Glück war es nur 3 Häuserblocks entfernt.

Die Dame am Empfang sah Tom pikiert an. Okay, er hatte noch nicht geduscht, seine Haare standen in alle Himmelsrichtungen ab, weil er es nicht abwarten konnte, Werner zu besuchen und ihm von seiner Idee zu berichten. Er war anfänglich von den Anmeldemodalitäten etwas überfordert, aber als ihm die Sachbearbeiterin zur Hilfe kam, klappte alles wie am Schnürchen und nach 10 Formularen und 20 Minuten, war er stolzer Besitzer eines Patentes.

Nach 2 Monaten fertigte Werner einen Prototypen an und Tom pilgerte damit zu ehemaligen Bekannten, die es weiter gebracht hatten als er und nun in Anzug und Krawatte in feinen Hochhäusern residierten. Seine Idee fand wenig Anklang und so sah er sich gezwungen, die eigenen Ersparnisse für das Projekt zu opfern. Was hatte er schon zu verlieren? Einen Chromkühlschrank, der aussah wie ein Ford Taunus? Tom setzte alles auf eine Karte.

Nachdem er ungefähr 100 Exemplare der Dullmetti Taschenmesser bekam, machte er sich mit einem Karton auf den Weg in die Innenstadt, um die Produkte an den Mann zu bringen. Anfänglich stellte er sich etwas ungeschickt an und er verkaufte am ersten Tag kein einziges Teil. Nach 2 Tagen stellte sich jedoch eine gewisse Routine ein und er konnte einer älteren Dame ein Taschenmesser aufschwatzen. Ja, man konnte fast sagen, dass es ihm Spaß machte.

Nach 2 Wochen hatte er fast die Hälfte seiner Messer verkauft und spielte mit dem Gedanken, neue nachproduzieren zu lassen. Allerdings hatte er irgendwie das Gefühl, heute etwas länger in der Fußgängerzone verharren zu müssen. Es war kurz nach 18Uhr und dämmerte bereits. Aus einer Seitenstraße trat ein dunkel gekleideter Mann mit einer Aktentasche hervor und kam auf ihn zu. Tom durchfuhr ein kalter Schauer, als der Unbekannte sich näherte. Er sprach Tom mit einem sehr starken Akzent an. Tom, der bei weitem nicht rumgekommen war mit seinen 25 Jahren, konnte den Dialekt der Schweiz zuordnen. Der Schweizer stellte seinen Aktenkoffer ab, sah sich das Taschenmesser an, drehte es mit seinen langen, dünnen Fingern, öffnete eine Klinge und ließ sie plötzlich auf Tom zuschnellen. Kurz vor seiner Jacke hielt er inne und begann zu lachen. „Nur ein kleiner Spaß, ich hoffe, ich habe Sie nicht sehr verschreckt. Eine sehr interessante Gerätschaft haben sie da im Angebot. Was kostet denn ein Exemplar, wenn ich fragen darf?“ Tom verkündete kleinlaut den Preis. „20 Mark? Ein Schnäppchen, wenn sie mich fragen. Sind Sie hier der einzige, der diese praktischen Gerätschaften anbietet?“ Tom antwortete: „Ja, es hört sich vielleicht verrückt an, aber mir kam die Idee von diesem Utensil im Schlaf. Ich hatte wohl irgendeine tiefere Eingebung und habe mir die Idee auch direkt patentieren lassen.“ Der Schweizer schwieg eine Weile, dann sprach er: „So, so. Hören Sie, junger Mann, ich mache Ihnen ein Angebot. Ich habe, nun ja, sagen wir, sehr solide Beziehungen zu einer gewissen Person und würde Ihnen die Geschäftsidee für 5 Millionen Mark abkaufen.“ Tom stand völlig ungläubig vor dem Unbekannten. Ihm war die Situation nicht ganz geheuer. „Fünf...Millionen? Sind Sie sicher? Ich hoffe, Sie erlauben sich keinen Scherz mit mir Herr...wie war noch gleich Ihr Name, ich muss ihn überhört haben.“ „Nein, nein. Sie erinnern sich nicht an meinen Namen, weil ich ihn noch nicht nannte. Ich heiße Martin Weng und ich meine es todernst. Ihre Idee gefällt mir sehr gut. Was sagen Sie nun dazu?“ Tom erwiderte: „Selbstverständlich, aber wie soll das vonstatten gehen?“ Der Fremde sprach: „Nun, ganz einfach. Sie überschreiben mir ihre Patenturkunde, geben mir ihre restlichen Messer, die Fertigungsunterlagen und ich überlasse ihnen diesen Koffer mit dem Geld. Hier an Ort und Stelle.“ „Entschuldigen Sie, aber ich habe die Urkunde nicht bei mir. Ich müsste zuerst zu mir nach Hause, um sie zu holen.“ Der Schweizer wurde ungeduldig. „Wie dem auch sei, folgen Sie mir. Mein Wagen parkt um die Ecke, ich kann sie schnell zu sich nach Hause fahren.“

Beide stiegen in den edlen schwarz glänzenden Wagen und fuhren zu Toms 1-Raum-Wohnung. Tom sprintete die Treppenstufen hoch, schnappte sich die Papiere und händigte sie dem mysteriösen Schweizer samt Klappmesser aus. Der Schweizer überließ ihm den Koffer, stieg wortlos in den Wagen und fuhr davon. Tom dachte, er hätte beim Abfahren des Wagens eine Lache gehört, doch seine Sinne hatten ihm wohl einen Streich gespielt. Seit 10 Stunden hatte er in der Fußgängerzone gestanden, seine Knochen waren müde und sein Geist schwach. So richtig hatte er noch gar nicht erfasst, welches Glück ihm gerade zu Teil wurde. Er drehte sich um und verließ die schummrig beleuchtete Straße.

Tom hatte es geschafft, das Geld versteuerte er brav und legte es, auf Anraten eines Freundes, in Wertpapieren an. Die folgenden Jahre genoss er, schmiss etliche Feiern in seiner neuen Behausung und lebte ein Leben, das er sich schon immer erträumt hatte. Vom Schweizer hörte er nie wieder was. Nur von seiner Idee. Die Messer wurden nun überall rot mit einem weißen Kreuz als Schweizer Armee Taschenmesser verkauft. Tom störte das nicht weiter. Er hätte nicht die nötigen Mittel aufbringen können, sich eine anständige Distribution zu leisten. Als er auf die 50 zuging, bemerkte er, wie seine Potenz unter dem ständigen Genuss von Champagner und Kokain litt. Ein schleichender Prozess der Entmannung setzte ein und er geriet schon bald, wegen der vielen Romanzen, die er innerhalb einer Woche zu haben pflegte, in Panik. Bis er von einer Wunderpille erfuhr. Klein, blau und potenzfördernd. Schon bald gehörten die Probleme der Vergangenheit an und er konnte sich erneut mit seinen 20jährigen Liebschaften vergnügen. Allerdings hatten die Pillen zur Folge, dass sein rechter Fuß anfing, sich blau zu verfärben und zu nässen. In einer verhängnisvollen Nacht im November 1985 erlitt Tom während eines Schäferstündchens mit einer vollbusigen und schmalgeistigen Blondine einen Herzinfarkt.

Da er keine weiteren Verwandten hatte, wurde er schnell unter die Erde gebracht. Zu seiner Beerdigung erschien lediglich Werner, zu dem er über die Jahre regelmäßigen Kontakt pflegte und eine handvoll junger Frauen. In derselben Nacht der Beerdigung passierte im Erdreich etwas sehr Seltsames. Tom wachte auf und schlug wie ein Wilder gegen die Innenwand des Sarges. Er schrie sich die Seele aus dem Leib. Der Deckel des Sarges gab nach und 1,82 Meter Erdlast ergossen sich über den bebenden Körper. Tom starb ein zweites Mal. Im Moment seines Todes entleerte er sich sämtlicher Körperflüssigkeiten. Sein Gemächt bäumte sich ein letztes Mal auf und ejakulierte, ob der doppelten Viagra Dosierung, postmortal. Maden hatten bereits Kurs auf seinen verfaulenden rechten Fuß genommen und bahnten sich ihren Weg durch die spermadurchtränkte Erde. Plötzlich stieß ein Blitz bis tief ins Grab und aus der samenüberzogenen Made entwuchs ein Geschwülst. Ein heftiger Regenfall setzte ein, die Erde wurde mit jeder Minute feuchter. Dann pulsierte sie und ein 3 Meter langer weißer Wurm mit scharfen Zähnen, aber ohne Augen oder Extremitäten trat hervor.

Der erste MADENMENSCH der Welt ward geboren.

Lieber Flogwang, ich hoffe du bist mir nicht böse und beglückst uns schon bald mit der Fortsetzung!

Sonntag, 6. Juni 2010

Klassischer Monster-Horror für lau

Obacht, Obacht. Auch wenn ich davon ausgehe, dass meine Leserschaft zu 99% aus schlauen Füchsen besteht, die ohnehin schon den Umstand bemerkt haben, dass sich einige alte Filme mittlerweile im öffentlichen Besitz befinden, möchte ich dennoch diese frohe Kunde verbreiten.
Der optisch eher unspektakulär wirkenden Seite archive.org sieht man ihren phantastischen Inhalt auf den ersten Blick gar nicht an. Fängt der B-Film-Freund aber erst einmal an, im Berg der veröffentlichten Filme zu graben, kann er schon innerhalb kürzester Zeit wahre Schätze in der Hand halten. Viele Filme, die es hierzulande überhaupt nicht zu einer DVD-, teilweise nicht einmal zu einer VHS-Auswertung geschafft haben, kann man endlich sehen, ohne sich teure Importe ins Haus holen zu müssen! Vorausgesetzt man ist des Englischen mächtig und kann auf störende Untertitel verzichten.
Um euch anzuspornen, selbst auf die Schatzsuche zu gehen, möchte ich euch einige Titel verraten (aber nicht alle!), die ich entdeckt habe.
Dabei schwankt die Qualität allerdings etwas. Die Filme stehen auf den Seiten auch in unterschiedlichen Formaten zum kostenlosen (und legalen) Download bereit. Außerdem ist beim Besuch das Vorhandensein einer saugkräftigen Internetleitung von Vorteil, da ein Film auch schon mal auf 3 GB kommt.
Wer sich die ein oder andere Trashgranate oder einen echten Kultklassiker geben will, greift zu. It‘s for free!