Sonntag, 28. November 2010

Django (ITA - 1966)

Zur Besprechung von "Django Unchained" geht es hier lang: klick.
Nanu, ein Western wird im Zombiebunker besprochen? Ist doch gar kein Horror und nach konservativer Auslegung auch kein B-Movie! Ja, aber wir reden hier von "Django" (1966)! Der Italowestern, der im Laufe der Jahre etliche mehr oder weniger hochwertige Epigonen auf den Plan rief (unter anderem "Django - sein Gesangbuch war der Colt" (1966), "Django - die Bibel ist kein Kartenspiel" (1968), "Django - die Geier stehen Schlange" (1966) oder "Django spricht kein Vaterunser" (1968)) und somit einen zelluloiden Grundstock für Freunde der raubeinigen und staubigen Unterhaltung, lieferte.
Django, das ist Franco Nero. Ein Sympathieträger, der zwar nicht in Sphären eines Clint Eastwoods vorstößt, aber sehr nahe an dessen Firmament kratzt.
Regisseur Sergio Corbucci (Italowesternregisseure müssen mit Vornamen Sergio heißen, das ist ein Qualitätsmerkmal!) war auch schon vor "Django" westernerprobt und liefert mit diesem Streifen spannende Unterhaltung für Westernliebhaber, aber auch den geneigten Zuschauer von guten Filmen. Wer gern in für ihn/sie fremden Genre wildert und eigentlich nichts von Western im Allgemeinen und Italowestern im Besonderen hält, sollte dennoch einen Blick auf dieses außergewöhnliche und aus der Masse herausragende Kleinod werfen.
Aber was macht "Django" so besonders?
Nun, sicherlich ist ein großer Faktor in Franco Neros Art zu schauspielern begründet. Charisma und Testosteron gepaart mit routiniertem Auftreten, Fingerspitzengefühl (für soziale Beziehungen und für seinen Colt) und einer Aura der Unnahbarkeit.
Die Geschichte ist an denkbar einfachen Eckpfeilern aufgezogen. Django kommt in eine fast verlassene Stadt, in der sich die Truppe von Major Jackson mit den mexikanischen Gesetzesuntreuen des General Hugo Rodriguez bekriegt.
Auf dem Weg dorthin befreit er eine hübsche Dame (Loredana Nusciak) aus den Fängen von fiesen Banditen. Sie wird im Verlauf der Handlung noch eine Schlüsselrolle im Spannungsfeld der verfeindeten Parteien einnehmen.
Der politische und ethnische Konflikt ist vorgezeichnet. Major Jackson lässt seine faschistoide und bibeltreue Bande mit roten Kapuzen durch die Wallachei reiten und Kreuze, vor ihrer Meinung nach sündigen Personen, aufstellen. In ihrer Freizeit schnappen sie sich Mexikaner, lassen sie scheinbar frei, um dann doch Zielübungen an ihnen vorzunehmen.
Auf der anderen Seite die getriebenen Mexikaner, nach denen in Mexiko gefahndet wird. Sie sind auf der Suche nach irgendeiner Möglichkeit, um wieder in ihre Heimat zurück zu kehren. So streifen sie marodierend durch Amerika, amüsieren sich und kommen mit ihrem Vorhaben nicht voran.
Und dann kommt da dieser Bursche in die Stadt, mit nichts als einem Sarg, und räumt den Laden mächtig auf.
Ein sehr ambivalenter Charakter ist Django. Er ist der Antiheld, der Outlaw und doch hat er ein Feingespür für Gerechtigkeit.
In seinem Sarg trägt er ein Geheimnis, das schon nach der zweiten Auseinandersetzung mit Major Jackson gelüftet wird. Dieser kommt nach einer herben Niederlage gegen Django mit seiner ganzen Kompanie im Schlepptau in die Geisterstadt geritten, um diesen platt zu machen.
Aber Django holt sein Maschinengewehr aus dem Sarg und hält, wie Bill Duke einst in Predator (1987), voll drauf.
Die Geschichte nimmt von hier an Fahrt auf, denn Django schmiedet mit den Mexikanern eine Allianz und stiftet sie zu einem Geldraub an, damit sie sich von der Beute auch solche schönen Knarren besorgen können. Mit diesen im Gepäck wäre es für sie ein Leichtes, nicht nur in die eigene Heimat zurück zu kehren, sondern sie direkt zu übernehmen.
Allerdings geschieht noch einiges im Verlauf der Geschichte, was an dieser Stelle nicht verraten werden soll.
Das Gewaltlevel ist wirklich hoch und gerade zum Schluss, als einer Person von Pferden die Hände zerstampft werden, geht es einem selbst durch Mark und Bein.
"Django" lebt von großartigen Szenen, tollen Settings, einem sehr stimmungsvollen Soundtrack und der wirklich, jedenfalls damals, originellen Geschichte.
Kein stumpfes Kino für Männer, sondern durchaus differenziert zu betrachten.
Wer überlegt, sein Westernklischee in Frage zu stellen und diesem Kultgenre mal eine Chance zu geben, hat mit der "Django"-Reihe eine gute Möglichkeit, dieses Vorhaben erfolgreich durchzuziehen.
Natürlich sind epische Western wie "Il buono, il brutto, il cattivo" (1966) von Sergio Leone oder "Per un pugno di dollari" (1964) von einem ganz anderen Kaliber. Aber wer sich für Western mit Überlänge nur schwerlich erwärmen kann, ist mit den knackigen 88 Minuten von "Django" gut beraten.
Momentan gibt es eine Box mit den beiden anderen Django-Streifen "Django, der Rächer" (1966) und "Djangos Rückkehr" (1987) für wirklich günstige 10 €.
Die Bildqualität ist super (es gibt ab und zu sehr schöne nostalgische Bildverunreinigungen, die nicht weiter stören), die Aufmachung in einem Digipack mit Schuber und Booklet ist vorbildlich und Extras mit Dokumentationen und Interviews gibt es auch noch.
Ganz klare Kaufempfehlung für Neulinge. Westernfans werde ich hier ja nichts Neues mehr erzählen.

Donnerstag, 25. November 2010

Morte sospetta di una Minorenne (Suspected Death Of A Minor - 1975)

Die Tage werden kürzer, das Wetter draußen ungemütlicher, also steht der zwanglosen Filmbeschau nichts mehr im Weg. Wir bleiben in Italien.
Die Nummer eins der Italian Genre Cinema Collection, damals noch von sazuma veröffentlicht, dieser Tage an Camera Obscura übergeben, soll es heute sein.
"Morte Sospetta Di Una Minorenne" (1975) ist ein bunter Strauß aus vielen Genres des italienischen Kinofilms. So haben wir unter anderem Versatzstücke des Poliziesco, aber auch des Giallos und eine Prise Komödie.
Auf dem Drehstuhl saß der gialli-erprobte Sergio Martino, der auch für großartige Streifen wie "I corpi presentano tracce di violenza carnale" (1973) oder "Lo strano vizio della Signora Wardh" (1971) verantwortlich war.
Der Film kommt allerdings ganz ohne deutsche Synchronisation aus, da er OmU (Original mit Untertitel) veröffentlicht wurde. Macht aber nix.
In der Anfangssequenz sehen wir eine hübsche, rotgelockte junge Dame, die offensichtlich versetzt wurde, gefolgt von einer tanzenden Menge Rentnern. Die sehr lebendig gedrehte Szene wirkt trotzdem reichlich bizarr (vielleicht liegt das auch an der Frau mit der hellblauen Perrücke?). Die junge Dame ist übrigens eine Prostituierte!
Sie bekommt einen Zettel zugesteckt und bemerkt einen finsteren Burschen jenseits der Tanzmeute mit lässig verspiegelter Sonnenbrille, schmeißt sich schutzsuchend dem erstbesten Mann mittleren Alters an den Hals und tanzt mit ihm eine Runde. Während die Haartolle ihres neuen Begleiters (Claudio Cassinelli) penetrant im Gesichtsfeld rumbaumelt, schleicht sich der zwielichtige Geselle wenig elegant, aber dafür stark rauchend und die Leute vollquarzend, durch die Menge.
Tja, wie soll es anders sein, der Killer schlägt zu, es beginnt eine Hatz, die in einer eindrucksvollen und expliziten Tötungsszene gipfelt. Hier kommen die eingangs erwähnten Giallozüge zum tragen, auch wenn sie verhältnismäßig rar gesät sind.
Besonders die Aufnahme des Killers nach getaner Arbeit, als er sich von seinem Opfer entfernt und in die völlige Dunkelheit taucht, ist klasse. Überhaupt wird in dem Streifen sehr viel mit Schatten und Ausleuchtung gearbeitet.
And there are mustaches everywhere!
Außerdem gibt es etliche Schlägereien (unser Protagonist wird von einer fülligen Dame mit einer Handtasche verkloppt), verruchte Prostituierte, geschmackvolle italienische Inneneinrichtungen (großartige Tapeten!) und akrobatische Verfolgungsjagden.
Claudio Cassinelli, zunächst ebenfalls zwielichtig, entpuppt sich OBACHT SPOILER selbst als ein ermittelnder Mann des Gesetzes. Im Laufe des Films bekommt sein Schießeisen viel Arbeit und am Ende wird er vor eine bedeutende Entscheidung gestellt, für die er extra in die schöne Schweiz reist.
Höhepunkte des Films sind zweifelsohne die raffinierten Mordszenen aus der Gialloecke. Aber auch die rasanten Verfolgungsjagden, die dem Zuschauer mit Slapstickeinlagen versüßt werden, zaubern ein Schmunzeln auf das Gesicht. Unser cooler Bulle bekommt einen humorigen Assistenten an die Seite gestellt, der während er mit seinem Chef in einer alten Ente (das Auto) durch die Straßen flüchtet, auf die Verfolger mit den Türen des maroden Autos wirft. Es ist ganz genauso bizarr, wie es sich anhört. Die Stunteinlagen am Rande dieser turbulenten Jagd unterstreichen dabei den Wahnwitz, der dem italienischen Kino so eigen ist.
Martino rekurriert in einer Szene sogar direkt auf sich selbst. Er lässt seine Protagonisten in einem Kino einen Film von sich höchstpersönlich schauen.
Das Ganze endet dann mit einer wilden Verfolgungsjagd auf dem Dach des Kinos, welches sich plötzlich öffnet und Cassinelli in eine zumindest unbequeme Situation versetzt. Nein, so etwas habe ich bisher noch nie gesehen. Ein Kino mit Schiebedach. Wahnsinn!
Eine weitere Szene darf ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Eine Gruppe sündenaffiner Geschäftsleute sitzt in einer Sauna. Auf den leicht adipösen Herren links vorn im Bild sollte besonders geachtet werden. Dieser reibt sich fast schon genüsslich seine Speckbrüste und kellt mit seinen Pfoten schön unter die stinkigen Achseln. Meine Güte. Was hat er sich dabei nur gedacht? Der nette Herr aus dem Film hier drunter (mit der Gummipuppe und dem Messer) hat übrigens auch einen kleinen Auftritt in "Morte Sospetta Di Una Minorenne".
Wenn das allein noch nicht überzeugt, dann habe ich nun das ultimative Argument: Audiokommentar mit Sir Christian Keßler und Mister Robert Zion. Es ist ein Fest!
Die beiden präsentieren ihr Fachwissen im Bereich des italienischen Genrefilms, lassen eine Zote nach der anderen vom Stapel, analysieren tiefenpsychologisch die Szenerie und erteilen dem Zuhörer eine Unterrichtsstunde in Sachen italienischer Geschichte.
Ich habe schreiend auf dem Boden gelegen, als Herr Keßler gegen Mitte des Films auf einen taubenschissgroßen Schmutzklumpen verweist, der, warum auch immer, im Gesicht einer unmittelbar getöteten Person landet. Herrlich.
Selbst wenn der Film nicht einmal ansatzweise so gut wäre, wie er nunmal ist, rechtfertigte der exzellente Audiokommentar einen Kauf vorbehaltlos.
Veredelt wird die Veröffentlichung durch die distinguierte Verpackung (Digipack mit Schuber, Booklet mit Essay von Christian Keßler) und einem sehenswerten ca. 26 minütigen Interview mit Regisseur Sergio Martino.
Eine klasse Veröffentlichung, die man sich noch schnell unter den Nagel reißen sollte, bevor es sie nicht mehr gibt.

Mittwoch, 24. November 2010

Nude per l'assassino (Die Nacht de blanken Messer - 1975)

Dunkelheit ist Giallozeit! Olé! Endlich wieder einen schönen italienischen Thriller vor der Nase. Durch Zufall bin ich darauf gestoßen und in einer verdammt unästhetischen Veröffentlichung hab ich das Teil erworben. Unter dem irreführenden Titel "Strip for the Killer" (manchmal auch "Strip nude for the Killer") von Cult Cinema International auf den Markt geworfen und mit dem Untertitel "Erotik-Slasher" beworben.
Dann wird auch noch auf der Rückseite mit "In bester Scream-Tradition" geklotzt. Es gibt Veröffentlichungen für Fans dieser Filme, die meistens ein nostalgisches und stilvolles Kinoplakat auf dem Cover ziert und es gibt Veröffentlichungen, die einen modernen Slasherfilm suggerieren sollen (modernes Cover, das eigentlich überhaupt nicht zum Film passt) und sich eher an eine ganz andere Käuferschicht richten. Irgendwie verstehe ich das bis heute nicht. Es gibt doch genug potentielle Käufer und Gialloliebhaber. Warum muss man mit dem Cover und Scream-Vergleichen Leute anlocken, die vermutlich gar nichts mit dieser Art von Film anfangen können? Die Fans sind unglücklich wegen der hässlichen Cover und die anderen wegen des Inhalts.
Egal, die Veröffentlichung war günstig und hat eine solide Qualität. Auf Extras muss man leider gänzlich verzichten, aber sei's drum.
Wir haben es hier mit einem ausgezeichneten Giallo aus Andrea Bianchis Feder zu tun, der 1981 noch den bekannten Italohorrorstreifen "Die Rückkehr der Zombies" drehte.
Mit dabei ist die bezaubernde Giallo-Scream-Queen Edwige Fenech, bekannt aus den Filmen "Der Killer von Wien" (1971) oder "Das Geheimnis der blutigen Lilie" (1971). Ihr Schauspiel wertet den Film ungemein auf und verleiht, trotz stellenweise absurder Synchronisation, dem gesamten Unterfangen eine gewisse Ernsthaftigkeit.
Strip for the Killer, nicht ganz. Die Damen entblößen sich nicht für den Killer, sie sind im Prinzip die ganze Zeit schon nackt oder werden es im Eifer des Gefechts.
Der Killer selbst ist in schwarze Motorradkluft gekleidet und mit einem Helm versehen, so dass uns weder Hinweise auf sein Gesicht, noch das Geschlecht gegeben werden. Zudem ist er ziemlich dürr und extrem flink.
Die Geschichte spielt im Dunstkreis eines Fotostudios. Der Starfotograf schleppt haufenweise Mädels ab (mit der "Ich bin ein Starfotograf"-Masche), bis er irgendwann bei der toughen und hier kurzhaarigen Edwige Fenech landet. Es gibt kleinere Spannungen mit der Chefin und insgesamt wird eine ganz nette Geschichte gesponnen.
Immer wieder klingt die verruchte Welt der schicken Gesellschaft durch, in der man auch gern mal mit dem Fotografen in die Kiste hopst, um einen Auftrag zu bekommen. Wenn sie dann endlich vor einer Suzuki posieren dürfen, zeigen die Fotomodelle auch noch Starallüren und das, obwohl der Fotograf doch nur minimal garstig zu ihnen war.
Ach ja, den völlig geschmacklosen Einstieg hab ich schon wieder ganz vergessen. Vermutlich bewusst verdrängt. Die Kamera hält auf einen schon lichter werdenden Hinterkopf umschlossen von 2 Frauenschenkeln. Hier ist ein Arzt am Werk, doch dummerweise verstirbt ihm die Patientin unter dem Messer, so dass er seinen Kollegen zu Hilfe rufen und sich der Toten entledigen muss. In diesem Fall, bringen die beiden die junge Dame in ihre Wohnung und überlassen sie ihrem Schicksal in der gefüllten Badewanne.
Unser Mörder hat damit irgendwas zu tun. Sein Markenzeichen, neben dem verdammt coolen Outfit, ist, dass er die Wasserhähne kurz vor der Verrichtung seiner Taten aufdreht.
Es gibt unglaublich viel nackte Haut zu sehen und herrlich bescheuerte Dialoge. Die Synchronisation schießt da wirklich den Vogel ab, was eigentlich schade ist, da der Film durchaus eine ernste und spannende Handlung hat. Kostprobe gefällig? Wir befinden uns auf dem Set vor dem vorhin erwähnten Mopped. Der Fotograf: "Stefano, du bist nicht auf einer Beerdigung, du trägst einen Pelz, der Millionen kostet! Der ist nicht aus Plastik, der ist echt und warm und weich! Das muss man sehen! Und du, schnurre wie eine Katze! Genieße Ihn!" - das Modell: "Wie denn?" - der Fotograf: "Als ob du einen Schwanz zwischen den Schenkeln hast! Magda, was ist das für ein Wischiwaschi Licht?" Der Knaller!
"Nude per l'assassino" (1975) kann also wirklich einiges. Es gibt Sex in der Sauna, aber auch im Schlafzimmer, mit dicken und mit dünnen, aber auch mit gar keinen Männern . Der Killer tötet sowohl Männer, als auch Frauen und verstümmelt auch gerne mal deren primäre oder sekundäre Geschlechtsmerkmale. Man merkt schon sehr deutlich, dass hier die Sex und Gewalt-Schiene bis zur Unerträglichkeit gefahren wird.
Manchmal werden die Schauspielerinnen einfach nur dabei gefilmt, wie sie sich ihres Oberteils entledigen, um sich etwas anderes anzuziehen. Der ein oder andere Bär stolpert dabei unvermeidbar durch das Bild, aber trotzdem ist der Film vor allem handwerklich sehr, sehr gut gemacht.
Das fängt bei Taschenspielertricks mit der Kamera an (es wird in einen Raum gefilmt und durch 2 Spiegel der nackten Darstellerin gefolgt), geht über coole Schnitte und hört bei der spannenden und durchaus überraschenden Geschichte auf.
Vielleicht noch ein paar Worte zur männlichen Hauptrolle, gespielt von Nino Castelnuovo. Dieser mimt ein absolutes Machoarschloch vor dem Herrn und das trotz Synchronisationshandicap. Obwohl, eigentlich macht der Synchronsprecher einen guten Job. Der leiht Castelnuovo nämlich eine ziemlich schnodderige Stimme.
Der Mann kommt dadurch einfach unglaublich assi rüber, hat einen sehr hohen Frauenverschleiß und lässt sich von der reizenden Edwige Fenech auch noch bedienen.
Für mich, als passionierten Tapetenfan der 70er Jahre, gibt es außerdem wieder sehr psychodelische Exemplare zu bewundern. Wer hat denn bitteschön blumengemusterte Tapeten an der Wand und an der Decke? Da bekommt man doch einen Knick in der Optik oder verliert zumindest temporär jedes Gefühl für Räumlichkeit?
Wie dem auch sei. Die Wohnungen der Models sind sehr geschmackvoll eingerichtet. Sogar das Anwesen der dekadenten Chefin weiß zu gefallen. Da stört es auch gar nicht, dass ihr übergewichter Ehegatte in Stiefeln und nur in Feinrippslip mit einer Gummipuppe in der einen und einem Messer in der anderen Hand bewaffnet, durch die Räume schleicht.
Die letzte halbe Stunde wird es richtig rasant und eine nervenzerfetzende Jagd beginnt, die mit einer würdigen Auflösung endet.
Fazit: Einer der bis dato besten Giallofilme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Überdrehte Gewaltdarstellung, angereichert mit viel nackter Haut und einer gelungenen Inszenierung. Toll!

Dienstag, 23. November 2010

Terrore nello Spazio (Planet der Vampire - 1965)

Wir sind wieder zurück in Bella Italia! Mario Bava ist am Start und JA, er kann auch Science Fiction! Der Großmeister des italienischen Genrekinos hat mit "Terrore nello Spazio" (1965) einen ordentlichen Weltraumstreifen voller toller Bilder geschaffen.
Wer allerdings, wie ich, einen Planeten mit sonderbaren Vampirwesen erwartet, wird zumindest teilweise enttäuscht werden. Aber der Reihe nach.
Eine Crew fliegt mit ihrem Raumschiff durch das All. Sie nehmen seltsame Signale von einem fremden Planeten wahr und ein befreundetes Schiff begibt sich daraufhin auf den obskuren Himmelskörper. Crew Nummer 1 folgt auf dem Fuße.
Auf dem Planeten angekommen, benehmen sich die Menschen seltsam, sie werden von einer geheimnisvollen Macht bedroht, die bar jeder Substanz zu sein scheint.
Damit hätten wir das grobe Grundgerüst der Story schon. Was den Film wirklich grandios macht, ist das Kostümdesign. Die Crew ist in schicke schwarze Lederoveralls verpackt, die Motorradkleidung nicht unähnlich sehen und auch heute noch als modern durchgehen könnten. Der Kragen ist bis über die Ohren aufgestellt und einen geilen Moppedhelm gibt es auch noch dazu. Nicht zu vergessen die Plastikgewehre, die Lichtstrahlen verschießen. Allerdings muss man schon ein wenig Geduld mitbringen, um sie beim Einsatz zu sehen (der dann auch noch weniger spektakulär aussieht).
Die Raumschiffkulisse ist absolut ok, ziemlich groß und voller blinkender Lichter in allen Farben. Zu Beginn fährt Herr Bava einmal komplett mit uns durch die Kommandozentrale und zeigt die Darsteller und wie sie auf den vielen bunten Knöpfchen drücken.
Aus heutiger Sicht natürlich mächtig antiquiert, aber wir befinden uns hier immerhin im Jahr 1965, also sollte man auch nicht zu viel verlangen. Witzig sind zum Beispiel die runden fischaugenförmigen Bildschirme, auf denen Videoübertragungen von anderen Leuten erscheinen. Ja, in der Tat stehen einfach nur Leute hinter der Kulisse und schauen durch das Glas ins Bild, aber das ist absolut ok und witzig.
Große schauspielerische Leistungen sieht man schon zu Beginn. Das Raumschiff fliegt auf den eingangs erwähnten Planeten zu und wird dadurch einer fiesen Gravitation ausgesetzt, so dass alle Leute im Schiffsinneren auf den Boden gedrückt werden. Es ist sicherlich nicht leicht, eine gefakte Schwerkraft zu spielen, aber hier sah es wirklich unglaublich putzig aus, haha.
Außerdem muss man sich schon denken: die Leute reisen mit Meteorantrieb auf fremde Planeten, aber trotzdem heften sie ihre kompletten Unterlagen auf Papier ab und verstauen sie in Schränken. Ein bisschen mehr Fantasie hätte es da schon sein können.
Der Kapitän der Mannschaft ist zudem auch kein geborener Stratege. Andauernd stellt er auf dem Planeten Leute allein ab, um einen bestimmten Punkt zu bewachen. Dass die reihenweise verschwinden, stört den Cap anscheinend nicht weiter. Den Zuschauer auch nicht wirklich, da die Personen durch die gleichen Anzüge und ihre lustigen Kapuzen alle ziemlich gleich aussehen. Sogar die beiden Miezen, die die Frauenquote hochhalten, werden unter der Haube ganz androgyn.
Na ja, die Kulissen auf dem Planeten sind jedenfalls unglaublich gut. Schön bunt und vollgepumpt mit Nebelschwaden, so, wie sich das gehört.
Die Make-Up-Effekte sind ebenfalls nicht zu verachten. Bei von Vampiren befallenen Menschen gibt es hübsche, entstellte Gesichter zu sehen. Als Bonus kehren einige begrabene Raumfahrer als Vampirzombies aus ihren Särgen zurück! Auch die Skelette der Urwesen des Planeten sind verdammt eindrucksvoll und unheimlich.
Aber was sind das jetzt für Wesen? Die alten Skelette waren ihre alte Form, aber weil sie so unglaublich weit entwickelt sind (aber trotzdem zu dumm, um von ihrem Planeten runter zu kommen), können sie auch unglaublich lange formlos auf dem Planeten umhervegetieren.
Sie befallen die gelandeten Menschen und übernehmen die Kontrolle. So richtig Vampire sind es also gar nicht. Eher Körperfresser.
Gesellschaftskritik gibt es dann obendrauf auch noch für uns Menschen, die auf ihrem Planeten, vom dem die Weltraumvampire nur träumen können, ständig Krieg spielen und alles in Schutt und Asche legen.
Ein paar nette Überraschungen und unheimliche Szenen werden auf der Zielgeraden noch geboten, so dass der Film inhaltlich, aber vor allem optisch unglaublich viel Spaß macht.
Wer mal ein etwas anderes, sehr charmantes und liebenswertes Weltraumabenteuer erleben möchte, sollte sich (wenn er nicht schon hat) diesen Streifen unbedingt mal ansehen.
Die Veröffentlichung kommt aus dem Hause Legend (gibt es das heute überhaupt noch?) und ist in einem Amaray mit schönem Schuber erschienen. Außerdem wurde ein sehr schönes 8-seitiges Booklet mit Aushangfotos beigelegt. Bild und Ton sind hervorragend und für einen Film dieses Alters beeindruckend.
Kann ich ohne schlechtes Gewissen goutieren! Also zugreifen!

Sonntag, 21. November 2010

The Crazies (USA - 2010)

Asche über mein Haupt, das Original ist mir unbekannt. Ob das jetzt ein Fluch oder ein Segen ist? Im Hinblick auf das Remake kann die Nichtkenntnis der Vorlage für eine objektive Beurteilung jedenfalls nicht schaden. Geht man doch zumeist pessimistisch an eine Neuauflage heran, vor allem dann, wenn man das Original für einen Klassiker hält.
Erwartet hatte ich also eher wenig, einen kleinen Film, der irgendwie was mit Zombies zu tun hat. Allerdings wurde ich überrascht, denn Zombies im weitesten Sinne kommen gar nicht vor. Es sind eher durch irgendeine Substanz lethargisch gewordene, gewöhnliche Menschen, die plötzlich entweder ziemlich teilnahmslos oder extrem gewalttätig werden. Ebenfalls überraschend, dass die "Monster" bzw. mutierten Menschen nicht besonders verschwenderisch gezeigt werden. Sie treten niemals in großen Horden auf, sondern machen vereinzelt Jagd, warum auch immer, auf die nichtinfizierte Bevölkerung.
In einer kleinen, amerikanischen Stadt mitten im Nirgendwo stürzt ein Flugzeug mit unbekannter Fracht in einen See. Das geladene Gut verteilt sich im Gewässer, das gleichzeitig auch als Trinkwasserreservoir für die Kleinstadt fungiert. Nach und nach benehmen sich die Menschen, die der Wasserzufuhr am nächsten wohnen, seltsam.
Gut, dass der Sherrif und sein Deputy so besonnene Kerle sind und einen klaren Kopf bei der heiklen Lage behalten. Dumm nur, dass bald eine ganze Armee über das Kaff hereinbricht und die Leute wie kontaminiertes Vieh in Buchten und Zellen pfercht.
Und hier liegt der eigentliche Horror im Streifen. Natürlich gibt es auch zahlreiche Szenen, in denen die verrückt gewordenen Bewohner auf Menschenhatz gehen und dabei vom Sherrif blutig zur Strecke gebracht werden, aber das Unerhörte in diesem Film ist viel mehr, wie Menschen mit Menschen umgehen. Wie problematisch Befehlsketten in strikt hierarchisch organisierten Menschensystemen sind und zu was der Mensch, trotz erstaunlich wenig Information über das Unbekannte, fähig ist.
Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Vorlage eben vom cineastischen Sozialkritiker Nummer 1, George A. Romero, kommt.
Das Agieren des Militärs ist zwar irgendwie auch nachvollziehbar, aber dennoch ziemlich übel und verstörend. Die Hauptpersonen müssen sich von nun an mit mutierten Menschen und rigoros vorgehenden Soldaten rumärgern. Es kommen zahlreiche sehr gute Szenen und man ist überrascht, wie erschreckend wenig Längen der Film hat. Tatsächlich war ich am Ende erstaunt, wie schnell der Streifen vorbei war, was in diesem Fall für die Qualität spricht. Alles sieht sehr stylish aus, vielleicht ein bisschen zu glatt. Es gibt tolle Landschaftsaufnahmen und die kleine Stadt ist schön in Szene gesetzt.
Es gibt ausreichend blutige Szenen, die spannend, aber auch teilweise sehr vorhersehbar inszeniert wurden. Insgesamt kann man sagen, dass die Gewalt sehr moderat ausgefallen ist und ich doch etwas mehr erwartet hätte. Allerdings stört es bei "The Crazies" (2010) auch gar nicht weiter, weil der Fokus definitiv nicht auf Gewalt gerichtet ist.
Trotzdem ein sehr cooler Film mit einer annehmbaren Story, die zwar streckenweise ziemlich vorhersehbar ist, aber spannend bleibt, guten schauspielerischen Leistungen und einem sehr, sehr gut gemachtem Ende.
Erfreulicherweise wurde, bis auf das Ende, weitestgehend auf CGI verzichtet, was dem Film wirklich gut tut.
Eine gelunge Neuverfilmung und Grund für mich, das Original endlich mal zu sichten.

Samstag, 20. November 2010

Der Frosch mit der Maske (GER - 1959)

Edgar Wallace-Filme sind ein Teil meiner Kindheit, allerdings habe ich erst auf Umwegen zu ihnen gefunden. Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an "Otto - die Serie", die um 1995 im deutschen Privatfernsehen lief. Blödelkönig und Komiker Otto Waalkes nahm darin die alten Edgar Wallace-Streifen aufs Korn und veralberte die Figuren. Seinerzeit liefen die Wallace-Filme immer donnerstags auf Kabel 1 und ich habe sie mir, aus Neugier, was es denn mit den Originalen auf sich hat, brav auf VHS aufgezeichnet, da ich nicht so lange aufbleiben durfte. Im zarten Alter von 10 Jahren hat mich diese Art von Filmen unglaublich in den Bann gezogen. Ich sah zum ersten Mal nackte Brüste ("Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1971)) aus den 70er Jahren und lernte schwarz/weiß-Filme mit Schlössern oder nebelverhangenen Wäldern in britischen Grafschaften kennen und lieben.
Nicht zu vergessen, begegneten mir die großartigen Schauspieler Joachim Fuchsberger, Eddi Arnt, Klaus Kinski, Fritz Rasp, Karin Dor, Klausjürgen Wussow oder Siegfried Schürenberg zum ersten Mal. Die Bänder nudelten nach einer Weile langsam aus oder wurden überspielt und die Filme, die auf den Literaturvorlagen von Edgar Wallace basierten (die ich bis heute noch nicht gelesen habe), gerieten über die Jahre in Vergessenheit. Bis Kinowelt im Winter 2004 (unter schlechten Vorzeichen, die sich im Nachhinein als zum Glück obsolet, aber notwendig erwiesen - manch einer wird sich daran erinnern) dann die ersten Edgar Wallace-Editionen auf den Markt brachte, die ich zur Weihnachtszeit verkonsumierte.
Der erste Streifen der erfolgreichsten Kriminalfilmreihe aller Zeiten (hört, hört!) war "Der Frosch mit der Maske" (1959). Zugleich war es auch der erste deutsche, erfolgreiche Kriminalfilm, der nach dem zweiten Weltkrieg gedreht wurde.
Was für ein starker Auftakt in die Serie und gleich mit 2 meiner absoluten Lieblingsschauspieler Blacky Fuchsberger, als reicher Privatschnüffler Richard Gordon, und Eddi Arnt in der Rolle des Buttler James.
Die Story: ein älterer Herr liegt mit seiner Gattin im Bett, schreckt mitten in der Nacht hoch und fragt sie "Megan, hörst du das nicht?", woraufhin sie entgegnet "Gewiss mein Lieber, die Frösche quaken im Teich". FALSCH!
Denn eine gerissene Bande um den drollig dreinblickenden Frosch mit der Maske raubt reiche Leute aus und das auf überaus originelle Art und Weise. Das Netzwerk ist gut organisiert und ein Merkmal, das alle Mitglieder eint, ist der eingeätzte Frosch auf dem Handgelenk. Wer dem Anführer blöd kommt (womöglich ein von der Polizei eingeschleuster Maulwurf ist), dem zeigt er schnell, wo der Frosch die Locken hat. In seinem Versteck verfügt er über eine Vielzahl hilfreichster Verteidigungsmechanismen, die auch jedes Mal wie geschmiert funktionieren.
Der Frosch ist hinter einer Familie Bennet her, die ein düsteres Geheimnis birgt, das zum Schluss für einen schönen "Aaaalter, nääää, wie krass" - Moment sorgt. Die Geschichte wird temporeich mit einem netten Charakterensemble vorgetragen und mit putzigen Faustkämpfen, betörenden Sängerinneneinlagen versetzt, sowie dem trockenen Humor von Eddi Arnt ergänzt. Nicht außer Acht gelassen werden sollte auch der hohe Gewaltanteil. Man sieht Blut und das nicht zu knapp. Der Frosch ballert später auf eine am Stuhl gefesselte Dame mit einem Maschinengewehr ein, Donnerwetter, die 16er Freigabe ist wirklich angebracht. Witzig sind vor allem die Nachtszenen im Wald, bei der anscheinend ein lokal sehr begrenzter Sturm tobt. Die Bäume neben Ella Bennet schwanken nämlich bedrohlich, während das Gebüsch schon 5 Meter hinter ihr sich kein bisschen bewegen will. Aber das potenziert nur den Charme der deutsch-dänischen Produktion.
Die Musik sollte ebenfalls lobend Erwähnung finden, einfach herrlich zeitgenössisch und wohldosiert eingesetzt.
Eine tolle Mischung, die sehr spannend ist und auch heute noch zu gefallen weiß. Ja, "Der Frosch mit der Maske" ist schon ein Klassiker, der auch nach heutigen Maßstäben noch gut mithalten kann. Nachtklubs, zwielichtige Gestalten, schnelle Autos, Schlösser, Schlägereien, Schießereien und schöne Naturaufnahmen - der Film hat sie alle!
Großartig, dass der Film in einer adäquat hochwertigen Form veröffentlicht wurde. Ein dickes Booklet mit unglaublich viel Hintergrundinfo, sowie allen Trailern, ein toller Audiokommentar mit Joachim Kramp (Verfasser zweier Bücher über die Kinofilmreihe) und ein animiertes Menü schmücken die Auswertung. Zudem gibt es für 4 Filme einen stabilden Schuber und jeder DVD liegt ein Blättchen mit den Kapiteln bei.
Das gestochen scharfe Bild und der klare Ton zeigen, dass hier wirklich großartige Restaurationsarbeit geleistet wurde.
Der Film ist für jeden, der in diese ganz eigene Welt eintauchen möchte, eine klare Empfehlung.

Freitag, 19. November 2010

Machete (USA - 2010)

Weiter geht es mit dem modernen Grindhousekino aus Robert Rodriguez' Feder. Um mich gleich vorweg zu outen, ich bin ein unglaublich großer Fanboy dieser Franchise. "Planet Terror" (2007) ist meiner Meinung nach der beste Genrefilm, der nach 2000 gedreht wurde. Die Faketrailer damals waren eine Wonne, auch Machete. Als dann die ersten Gerüchte aufkamen, dass dieser verfilmt werden soll, hatte ich so meine Bedenken. War der Stoff doch ziemlich konstruiert und ließ nicht wirklich auf einen 90 Minuten füllenden Kinofilm hoffen. "Thanksgiving" oder "Don't" wären da sicherlich bessere Kandidaten gewesen....und dann noch die Unkenrufe aus den ersten Sneaks und Premieren. "Limitierte Schauspielerleistung, null Story etc. pp". Völlig entmutigt stand ich also da mit meiner Kinokarte und hatte mich fast schon geärgert, aber eben nur fast.
Schon bei der Auftaktszene verschießt Rodriguez einiges an Pulver und lässt Machete sich durch eine Horde von Bösewichten schlitzen, bis er von der nackten Mayra Leal aufgehalten wird. Herrlich überdreht nimmt sich der Film nur in den seltensten Momenten ernst. Steven Seagal als Drogenbaron wirkt gegen Trejo in seinem Schauspiel wesentlich limitierter, aber man hatte trotzdem das Gefühl, dass er dabei eine Menge Spaß hatte.
Überhaupt ist die Besetzung unglaublich groß. Jessica Alba kommt als tougher Cop sehr sexy rüber, Jeff Fahey als schmierig korrupter Machtmensch ist sowieso die coolste Sau und Cheech Marin als Pater, brilliant.
Ebenfalls hoch anrechnen muss man Robert De Niro sein Mitwirken. Dass diese Legende sich auf seine alten Tage für so einen Quatsch nicht zu schade ist, zeugt entweder von einem leeren Bankkonto (was ich mir nicht vorstellen kann) oder von wirklicher Größe!
Die Geschichte selbst kennen wir schon aus dem Faketrailer. Machete wird für ein Attentat angeheuert, gelinkt und ist dadurch mächtig am Arsch. Irgendwie schlägt er sich trotzdem durch und versucht, Rache für das Unrecht, das ihm widerfahren ist, zu üben. Das war es und es wäre ziemlich wenig, wenn, ja wenn da nicht noch die brisante Komponente der Einwanderungsproblematik mit in den Streifen aufgenommen worden wäre. Es ist schon fast verwunderlich, dass sich ein Genrefilm dieser Art mit einem politischen Thema auseinandersetzt. So ein Actionklopper kratzt da meist nur sehr unreflektiert an der Oberfläche. Bei Machete ist das allerdings nicht so. Natürlich sollte man keine ausdifferenzierten und sozialwissenschaftlichen Argumente erwarten, aber die Thematik wird doch sehr authentisch und mit Bedacht, wenn auch überzeichnet, dargestellt.
Trotzdem steht der Spaß im Vordergrund und da im Besonderen der der Marke "Birne aus". Übertriebene Gewalt, viel nackte Haut und politisch unkorrekte Witze im Minutentakt lockern die eigentlich ernste Stimmung auf.
Da wird über die Länge von menschlichen Därmen fabuliert und anschließend einem Praxistext unterzogen, Priester gekreuzigt oder Autos in bester A-Team (die alten!) Manier aufgemotzt.
Wenig Überraschungen gibt es, bis auf eine Totgeglaubte und deren Auftritt hat es wirklich in sich. Auch wenn mir Michelle Rodriguez optisch weniger liegt, ist die Aufnahme vor dem Krankenwagen unglaublich sexy!
Der mexikanisch angehauchte Soundtrack, der schon in "Planet Terror" zu gefallen wusste, schafft das auch in diesem Filmwerk. Die Geschichte, die nie langweilig wird, zieht sich durch staubige Straßen und verschwitzte Anwesen, um schließlich in einem fulminanten Overkill, der mit skurilen Szenen geradezu überhäuft wurde, zu münden.
Ganz großes Kino und genau dort sollte er auch gesehen werden. Kommt zwar nicht an seine Grindhousegeschwister ran, aber eine ganz klare Empfehlung von mir und ich hoffe inständig, dass der Film ebenfalls eine Blechbüchsenverpackung spendiert bekommt. Und zwar auch für das sterbende DVD-Medium, dessen Konsumenten durch bescheuerte Politik von Labels immer mehr zum Kauf von BluRays bedrängt werden. Da gibt es eben nur noch die Extras auf der blauen Scheibe oder die tolle Verpackung. Also, schmälert diesen schönen Gesamteindruck nicht durch eine miserable DVD-Auswertung!
Rodrigez hat Danny Trejo mit "Machete" schließlich ein Denkmal gebaut. Das muss man auch entsprechend würdigen!

Donnerstag, 18. November 2010

Astro Zombies - Roboter des Grauens (USA - 1969) The Grindhouse Collection

Sie sind gelandet, endlich. Wie sehr hab ich mich auf diesen Moment gefreut. Der erste Teil der Grindhouse Collection hat das Licht der Welt erblickt. Ein stabiler und unglaublich liebevoll gestalteter Schuber schmückt die ebenfalls toll aufgemachte erste Veröffentlichung in der Reihe - "Astro Zombies" (1969).
Die große Frage ist, kann die unglaublich hohe Erwartungshaltung, die sich über die Monate kontinuierlich aufgebaut hat, gehalten werden? Ich meine doch, scheiße ja!
Sobald die DVD im Schlitz verschwunden ist, taucht man ab in eine längst vergessene Welt des schlechten Geschmacks. Das Subkulturlogo rotiert hypnotisch über den Schirm und es offenbart sich das wundervoll zerschlissene DVD-Menü.
Wir werden vor die Wahl gestellt, ob wir den Film mit seinen Extras möchten, oder das Grindhouse-Erlebnis. Letzteres bitte. Klick.
Eine furiose Trailershow, formvollendet in Szene gesetzt, beginnt. Pornografie in Dänemark begleitet von dudeligen Hammondorgelklängen, Alien- und Frankensteinsplattereinlagen, sowie selbst produzierte Werbung (und auch Fakewerbung - köstlich!) und ein völlig überdrehter Actionklopper. Und über allem thronen unfreiwillig komische Knallersynchronisationen. Ich will hier nicht mehr weg, aber nach 13 1/2 Minuten gehen die Lichter aus. Was für ein stimmungsvoller Einstieg in die Welt des Grindhousekinos.
Also nehmen wir uns die Extras vor. Neben einer Bildergalerie mit Behind the Scene - Fotos, gibt es einen exklusiven Bongotrack von Ted V. Mikels himself. Sehr funky und psychodelisch, teilweise etwas aus dem Rhythmus, aber trotzdem eine geniale Dreingabe für den Filmfreund. Klasse!
Auch die Radio Spots, bei denen man denken möchte, dass der Sprecher persönlich von Astro Zombies bedroht wurde, damit er so viel aufgeblasenen und irrwitzigen Blödsinn von sich gibt, fügen sich nahtlos in das Gesamtkunstwerk ein und versetzen den Zuschauer in die vergangene Epoche. Die Menschen, die damals Kinofilmwerbung verfasst haben, müssen wirklich auf unglaublich psychoaktiven Drogen gewesen sein. Herrlich! "Watch it and die a thousand deaths!"
Weiter geht es mit einem 6-minütigen Interview mit dem Meister Ted V. Mikels, der gut gelaunt aus dem Nähkästchen plaudert und uns über Titel und Entstehung des Streifens aufklärt. Sehr sympathischer Mann.
Was haben wir noch? Einen Trailer zur Dokumentation namens "American Grindhouse" (2010), die extrem vielversprechend aussieht und definitiv von mir noch gesichtet werden muss. Außerdem haben wir noch den Original- sowie den deutschen Trailer und eine weitere Bildergalerie.
Zum Film. Im Vorfeld hörte man ja viel Schlimmes. Das hier ist mein erster Mikels und ich ging von daher ganz blauäugig und offen an die Sache ran, nachdem mich der Trailer sehr überzeugt hatte.
Zuerst, stempelt man den Film als Schalftablette ab, tut man ihm großes Unrecht. Man sollte allerdings auch keinen actiongeladenen Monsterklopper erwarten.
Man ist sicherlich gut beraten, wenn man die Erwartungen genau auf Null schraubt, denn dann macht er richtig viel Spaß!
Die Story: ein verrückter Professor bastelt an Roboterzombies, die sich autark versorgen können. Der Clou: sie haben einen eingebauten Solarchip, der ihre mechanischen Organe mit Energie versorgt. In einer Szene wird des Astro Zombies Energiepack entwendet und er muss sich andauernd eine Taschenlampe vor die Solarzelle halten, was habe ich gelacht. Das Problem: der Astro Zombie war mal ein irrer Psychopath und bringt daher alle um. Außerdem hat er die Angewohnheit seinen Opfern (Frauen) die Kleider dabei zu zerstören. Aber der Doc hat schon bald neues Rohmaterial aus einem Autounfall für seine wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung.
Ok, da ist also dieser mad scientist und sein Lakai Ephraim. Der ist stumm, sieht aus wie ein Schmierlappen und blickt sich alle 2 Minuten konspirativ nach allen Seiten um.
Außerdem gibt es noch andere Wissenschaftler, die mit dem CIA zusammenarbeiten und eine Gruppe Gangster, die von Tura Satana (bekannt aus "Faster, Pussycatt! Kill! Kill!" (1965)) angeführt wird.
Die Gangster versuchen, an das Know How des Professors zu kommen, die guten Jungs versuchen ihn zu stoppen.
Im Prinzip ist das die ganze Handlung, die wie ein Kaugummi gedehnt wird.
Es ist wirklich absurd, wie lange manche Szenen hinausgezögert werden, um Screentime zu schinden. Auch ist es auffällig, was für ein niedriges Budget vorhanden war, obwohl das den Streifen eher aufwertet. Man bleibt in jeden Fall am Ball und genießt das Dargebotene.
Was hätten wir da auf der Habenseite?
Eine Lady fährt gemütlich durch einen Vorort und wird auf spektakuläre Weise von einem Astro Zombie platt gemacht. Überhaupt sehen wir von der kleinen Stadt einiges und dazu schöne alte Amischlitten.
Tura Satana rockt in ihrer Rolle ungemein. Sie hat zwar etwas mit ihrer unvorteilhaften Frisur zu kämpfen, aber dafür wechselt sie ständig ihre Klamotten. Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird von ihr gnadenlos in die ewigen Jagdgründe geschickt (oder wie im Film Zitat "ab mit dir in die ewige Hundehütte" - aber zur Synchro später mehr).
Es gibt eine verflucht gute Show einer ganzkörperbemalten Tänzerin und eine süße rothaarige Laborassistentin.
Außerdem haufenweise Quatsch, Trinkspiele mit Besteck, depperte Dialoge und unlogische Stellen (Stromausfall). Als Krönung dann das fulminante und dieses Mal sogar actiongeladene Finale.
Nicht zu vergessen die deutsche Kinosynchronisation.
Sogar die Stimme von Prof. Dr. Dr. Dr. August van Dusen ist mit dabei und es wimmelt nur so von markigen Sprüchen. Genial ist z.B. die Szene, in der sich Satana und ihr Komplize mit einem Typen im Nachtclub treffen: "...deswegen brauche auch ich mehr Bares, schönes gelbes Kind" - "Nimm deine Flossen aus der Tasche, sonst sehe ich mir deine Speiseröhre von innen an". Herrlich. Oder ein wenig später, Satana zu ihrem Vollstrecker "Bring ihn um" und er völlig überrascht "Wieso denn?"
An einigen Stellen setzt der deutsche Ton aus und es gibt OmU (Original mit Untertitel), das ist allerdings nicht weiter tragisch, bedenkt man die aufwändigen Restaurationsarbeiten, die notwendig waren (um einen Eindruck davon zu bekommen - hier im Interview verrät Subkultur Entertainment ein wenig zum Prozess).
Das Bild ist großartig, ab und zu gibt es ein paar Streifen und Flecken, aber das gehört einfach dazu. Ich hatte mich auf eine wesentlich schlechtere Qualität eingestellt und war deshalb sehr überrascht.
Unterm Strich ein unglaublich unterhaltsamer Film mit vielen denkwürdigen Passagen, den man sich in geselliger Runde sicherlich gut ansehen kann. Die lang gezogenen Szenen laden dazu ein, auch kurz mal während des Films zu plauschen, ohne dass man irgendwas verpasst.
Insgesamt ist es eine wirklich großartige Veröffentlichung, die den Geist des alten Bahnhofskino atmet und versprüht. Da hat Subkultur Entertainment einen erstklassigen Einstand hingelegt. Es steckt viel Arbeit drin und das sieht man auch!
Verpackung, Ausstattung, Film, alles so, wie man es sich wünscht.
Ich bin gespannt, wie es weiter geht mit dieser Reihe!

Mittwoch, 17. November 2010

Welcome To Hoxford - Ben Templesmith

Ben Templesmith, einer der ganz großen Künstler in der Comicbranche. Mit der Verfilmung seiner Comicserie "30 Days Of Night" wurde er auch über den Comicnerd-Tellerrand hinaus bekannt. Sein eigenwilliges und künstlerisches Artwork lässt sich unter Tausenden wieder erkennen und nicht nur das, er ist auch noch ein brillianter Geschichtenerzähler.
Ein ganz besonderes Comicbuch, das ich heute besprechen möchte, ist sein von ihm in Personalunion erschaffenes Meisterwerk "Welcome To Hoxford".
Doch zuerst ein paar Worte zur Veröffentlichung.
Auf dem deutschen Comicmarkt ist es leider bis heute immer noch nicht gelandet, aber dank der Globalisierung gibt es für kleines Geld das wirklich schön aufgemachte Trade von IDW Publishing. Stabil, so dass es auch nach mehrmaligem Lesen noch unverbraucht aussieht und mit einer ganzen Ladung an Extras ausgestattet.
Denn neben der Covergalerie sind noch sehr viele Probezeichnungen und Sketche im Anhang enthalten.
Ok, worum geht es?
Ein ziemlich irrer Typ, der eine schlimme Kindheit hatte und dem der Krieg nicht wirklich gut getan hat, sitzt im Kittchen ein und hat ein großes Problem mit Mithälftlingen. Befindet sich eine andere Person außer ihm selbst in der Zelle, muss er diese einfach platt machen. Ach ja, und da ist noch diese andere Sache. Er hält sich für Cronos, den Gott. Außerdem plaudert er gerne mit Mäusen, die er für seine Mutter hält und hat generell eine sehr spezielle Wahrnehmung der Realität. Ein hoffnungsloser Fall, vollgepumpt mit Psychopharmaka, damit es irgendwie besser wird.
Als er einem weiteren Insassen die Lichter ausknipst, wird er allerdings abgeschoben in einen Knast, der von einer russischen Organisation geleitet wird, Hoxford.
Andere Typen, die mit ihm unterwegs gen Hoxford sind: ein pädophiler Christ, ein Vergewaltiger, eine Nekrophiler und ein Kannibale. Kurz, der Abschaum der Gesellschaft.
Man möchte denken, die Leiter des Gefängnisses haben alle Hände voll zu tun und verdienen Mitleid. Aber: ihr seht doch diesen Werwolf auf dem Cover da oben? Tja, der ist auch in diesem Knast und eins sei noch verraten, er ist kein Häftling.
Ich hoffe, ich habe nicht zu viel gespoilert, aber es erwartet den Leser eine rasante, düstere und blutrünstige Achterbahnfahrt.
Der unglaublich großartige Zeichenstil von Templesmith passt perfekt zur inszenierten Stimmung. Manchmal ist es etwas unübersichtlich und man muss kurz innehalten, allerdings ist eigentlich jedes einzelne Panel ein Kunstwerk für sich. Obwohl das Comicbuch wirklich ungemein brutal ist und schwer auf den Magen schlägt, lässt die offensichtliche Geisteskrankheit des Protagonisten und die daraus resultierenden Sprüche ständig urkomische Situationen entstehen.
Jetzt möchte man sich eigentlich fragen, wie Templesmith auf ein derart bizarres Szenario gekommen ist. Tja, Pate war, wie so oft, ein stückweit die Realität. Denn für einen Teil seiner "30 Days Of Night" Reihe bekam er ein paar Probleme mit dem Verleger. Grund, sein Comic spielt zum Teil im zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Da lässt es sich nicht vermeiden, Russen gegen Nazis kämpfen zu lassen, jedoch stieß das einigen etwas sauer auf. Sie waren der Meinung, das Comic würde "promoting hatred between nationalities". Der gute Ben hat sich also im Zuge dessen mit den Gefängnissen auf diesem Planeten befasst und so Inspiration für sein Werk erhalten.
Eine eigene Promowebseite bekam "Welcome To Hoxford" auch noch spendiert. Man kann sie hier finden.
Unbedingt lesen, wie alles von Templesmith (Singularity 7, Choke, Fell, Wormwood)
Wer sich noch nicht sicher ist, kann hier in das erste Heft kostenlos reinlesen.

American Vampire (Stephen King, Scott Snyder, Rafael Albuquerque)

Wir alle sind etwas müde von den romantischen und zartbesaiteten Vampiren, die zusammen mit Werwölfen durch Wälder rennen und kleine Mädchen zum Kreischen bringen.
Umso schöner ist es, dass eine ambitionierte Comicserie namenhafter Autoren es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Vampiren wieder das zurück zu geben, was ihnen derzeit in den Lichtspielhäusern genommen wurde: das Furchteinflößende.
Der erste Sammelband umfasst 5 Hefte der Serie auf 200 Seiten in einem großartig aufgemachten Hardcover. In jedem Heft teilen sich Scott Snyder und Stephen King, der hier sein Comicdebut gibt, die Seiten und erzählen in unterschiedlichen Zeitebenen eine Geschichte die von 1880 bis ins Jahr 1925 reicht. Auch wenn Albuquerque beide Autoren zeichnet, wird durch die unterschiedlichen Kolorierungen beim jeweiligen Schreiber der Effekt erzeugt, man hätte es mit 2 verschiedenen Zeichnern zu tun. Bei Snyders Part gibt es einen eher sterilen und klaren Stil, bei King wirken die Zeichnungen dagegen malerischer.
Inhaltlich geht es um Vampire, die aus dem alten Europa in die neue Welt aufbrachen und diese sukzessive unterwandert haben. Durch einen dummen Zufall erschaffen diese jedoch eine neue Abart von Vampiren, die in ihren Eigenschaften stark von den herkömmlichen Blutsaugern abweichen: die amerikanischen Vampire.
American Vampire ist episch, sexy, western, blutrünstig und sehr künstlerisch.
Mehr muss über den Inhalt auch gar nicht verraten werden. Zudem bietet der Band eine relativ abgeschlossenen Handlung, die mit einigen Twists und Plotpoints garniert ist, so dass durchaus Spannung aufkommt.
Fällt es anfänglich noch schwer, dem Geschehen zu folgen und bleibt die Geschichte noch relativ zahm und langatmig, gewinnt sie im Verlauf des Bandes stetig an Fahrt und Spannung.
Leider kommen die einzelnen Personen etwas kurz. Eine klare Hauptfigur gibt es nicht, dies ist jedoch auch dadurch bedingt, dass die Handlung auf unterschiedliche Erzählstränge verteilt ist.
Insgesamt ist es aber eine absolut runde Sache kurzweiliger Unterhaltung. Dank des großartigen Artworks wird der Band sicher einer der wenigen sein, zu dem man noch ab und zu wieder greifen wird.
Da wir erst am Anfang einer Reihe stehen, bin ich mir sicher, dass das Kreativteam noch einiges in petto hat und wir uns auf weitere spannende Geschichten im jungen Amerika freuen können.
Erschienen ist die Serie bei Vertigo, dem Imprint für Erwachsene bei DC. Wer auf eine deutsche Übersetzung verzichten kann, sollte definitiv zu der momentan sehr günstigen englischen Ausgabe greifen. Hier sind nämlich noch einige Seiten an Skizzen, Variantcovern und Skriptauszügen als Bonus dabei.
Die deutsche Ausgabe von Panini erschien Ende Oktober im Hardcover und wird am 23. November als broschiertes Trade noch mal aufgelegt.
Definitiv was zum ins Regal stellen und toll finden.

Samstag, 13. November 2010

"Blut für Dracula" (1966) kommt im Dezember als Special Edition von Anolis

Lange hat es gedauert bis der Hammer Klassiker "Dracula: Prince of Darkness" (1966) nun eine Neuauflage in schicker Verpackung und mit umfangreichem Bonusmaterial von Anolis spendiert bekam.
Der Film wurde neu abgetastet und wird mit einem Audiokommentar von Christopher Lee persönlich + Barbara Shelley + Francis Matthews, sowie einem weiteren Kommentar von Rolf Giesen und Trailern veröffentlicht.
Auf einer zweiten DVD befinden sich die beiden Hammer Dokumentationen "The Undead" und "Christopher Lee", eine Featurette und die Super 8-Fassung des Streifens.
Außerdem haut Anolis ein 20 Seitiges Booklet mit Texten von Uwe Huber und Uwe Sommerlad raus.
Die edle Edition wird am 8. Dezember erscheinen und auf 1500 Exemplare limitiert sein. Für 25,99€ könnt ihr euch diese Perle in den Nikolausstiefel quetschen oder unter den Weihnachtsbaum legen.
Hier das schlichte, aber eindrucksvolle Cover:

Freitag, 12. November 2010

Kennen Sie den Darkside Park?

Ich hab' ja eigentlich Probleme mit Hörbüchern. Das liegt vor allem daran, dass ich Vorgelesenes immer mit Schlafen verbinde und sofern ich ein Hörbuch an habe, sofort wegratze. Aus diesem Grund lese ich Bücher und höre Hörspiele. Obwohl es auch da oft genug passiert, dass man dabei mal schnell wegnickt.
Egal, jetzt hatte ich also dieses Hörbuch vor der Nase und bin immer noch ziemlich begeistert.
Worum geht es?
Lost trifft auf Akte X trifft auf Lovecraft Horror.
Das ist so ziemlich die Quintessenz aus dem Darkside Park.
Es handelt sich um eine großangelegte Geschichte aus der Feder von Ivar Leon Menger (Plan B, der Prinzessin), die wie eine TV-Serie in Folgen und Staffeln gegliedert ist und von verschiedenen Synchronsprechern gelesen wird. Eine Folge umfasst meist eine Geschichte, die ungefähr eine Stunde andauert.
Die einzelnen Folgen haben zunächst keinen Zusammenhang und scheinen wie lose Erzählfäden parallel zu laufen. Ihnen allen ist gemein, dass sie in der kleinen Stadt Porterville spielen, die einen mysteriösen Park hinter ihren Stadtmauern versteckt hält, den man besser nicht aufsuchen sollte.
Schon nach kurzer Zeit verdichten sich die Erzählfäden zu einem dichten Netz und man kann schon nach der ersten Staffel erkennen, dass es hier eine großes Geheimnis gibt.
Wirklich großartig inszeniert sind Begegnungen zwischen Personen, die später aus anderen Sichtweisen wieder aufgenommen werden. Jedes Detail, und davon gibt es viele, scheint wichtig im großen Puzzle um den rätselhaften Park zu sein. Daher wird vor allem der belohnt, der aufmerksam und genau den phantastischen Geschichten lauscht.
An dieser Stelle findet man einen wirklich gelungenen Trailer, der einen kleinen Einblick in die Komplexität der Geschichte und die Qualität der Sprecher gibt.
Darkside Park ist erfrischend anderes und bringt ein, so abgedroschen das jetzt auch klingen mag, völlig neues Hörerlebnis.
Zumindest mir ist noch nichts Vergleichbares vor die Ohren gekommen. Jep, ich bin schwer begeistert und das, obwohl ich wirklich kein Freund von Hörbüchern bin.
Wer neugierig geworden ist, mehr über verlassene Sanatorien, mysteriöse Versandhauskataloge mit unheimlichen Standuhren und zwielichtige Lebensretter wissen möchte, aber noch nicht so richtig weiß, was er von der ganzen Geschichte halten soll, für den kommt jetzt die Knallernachricht.
Auf www.darksidepark.de kann man in die komplette erste Staffel kostenlos hören!
Man bekommt sie aber auch für 1,95€ bei ITunes oder 0,99€ bei Audible. Für einen derart lächerlichen Preis wäre es nahezu unverschämt, nicht in dieses Kleinod zu hören. Traditionalisten und Freunde von physikalischen Datenträgern können zur CD Box für 19,95€ greifen. Die erste Geschichte ist zwar auch die schwächste, aber schon ab Folge 2 nimmt die Story stark an Fahrt auf und man wird faktisch dazu genötigt, die Nacht durchzumachen, um zu erfahren, wie die Schicksale der Protagonisten weiter verlaufen.
Ich werde jedenfalls zu den weiteren Staffeln greifen und bin in freudiger Erwartung, wie es weiter geht.

Donnerstag, 11. November 2010

"Die gnadenlosen Killer" (1960) und "Der 4-D Mann" (1959) als Drive-In Classics

Freunde des amerikanischen Kinos der 50er Jahre aufgepasst! Es gibt gute Nachrichten!
Soeben hat Subkultur Entertainment die Titel 2 und 3 der in Kürze startenden Drive-In Classics Reihe bekannt gegeben.
Als Nummer 2 wird im Januar 2011 der amerikanische Gangsterthriller aus dem Jahre 1960 "Die gnadenlosen Killer" von Bill Karn veröffentlicht. Erstmals ungeschnittne und mit der original Kinosynchroniastion. Ein Booklet mit Hintergrundinformationen sowie Bonusmaterial wird es außerdem geben. Die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen.
Hier das schicke Cover mit der betagten, aber gnadenlosen, Lady Kate Barker.
Für Februar ist die Veröffentlichung von "Der 4-D Mann" (1959) in der Reihe geplant. Regie führte übrigens Irvin S. Yeaworth Jr., der ein Jahr zuvor den großartigen "The Blob" (1958) gedreht hatte. Die SciFi-Perle kommt mit reichlich Bonusmaterial daher, darunter ein Interview mit Produzent Jack H. Harris und ein informatives Booklet.
Wir freuen uns auf die Titel und erwarten sehnsüchtig den ersten Teil "Gesandter des Grauens" (1957) Mitte Dezember.

Dienstag, 2. November 2010

Hörspielherbst - Professor Van Dusen (Folgenreich), Sherlock Holmes & Co (Romantruhe)

Schon mal ein Hörspiel aus den 70ern gehört? Nein? Ich auch nicht. Jedenfalls bis vor kurzem. Da fiel mir nämlich die neue Hörspielreihe "Professor Dr. Dr. Dr. Augustus Van Dusen - Die Denkmaschine" in die Hände. Allerdings ist diese Serie gar nicht mehr so neu. Genau genommen entstand sie zwischen den Jahren 1978 und 1999, ist damit also schon relativ alt und bringt es auf stolze 77 Hörspiele. Ursprünglich als Radiohörspiel von RIAS (später Deutschlandradio) produziert, bekommt die Reihe nun nach langen Rechteverhandlungen eine CD-Veröffentlichung bei Folgenreich. Vorerst erscheinen allerdings nur vier Fälle des Professors.
Erdacht wurde die Hauptfigur vom amerikanischen Schriftsteller mit dem sehr unamerikanischen Namen Jacques Futrelle. Allerdings ereilte ihn ein sehr bedauernswertes Schicksal, als er 1912 ein Luxusschiff betrat, welches später mit einem Eisberg kollidierte.
Michael Koser, Krimifan und für den Hörfunk tätig, hob die Hörspielreihe aus der Taufe und nachdem ihm die literarischen Vorlagen für die Radiohörspiele ausgingen, erfand er kurzerhand eigene Geschichten.
Diese spielen in der Zeit der Jahrhundertwende vom 19. ins 20., als Straßen noch aus Kopfsteinpflaster waren und von Droschken befahren wurden, man noch zu verschiedenen Personen drahtete und die Nachrichtenzeitung noch zweimal am Tag erschien.
Allerdings ermittelt Van Dusen nicht wie sein britischer Kollege Holmes in London, sondern in New York, wo er an einer Universität als sprichwörtlicher Universalgelehrter wirkt und nach Belieben interessante Fälle aufklärt.
Von diesen hat er nun 4 Stück auf CD zu bewältigen. Da wird eine Unze Radium auf mysteriöse Weise gestohlen, ein Gefängnisausbruch geplant, ein Mord in einem Hotel aufgeklärt oder einem unbekannten Mann bei der Gedächtnissuche geholfen.
Die Hörspiele erzeugen durch die weit zurück liegende Epoche - kombiniert mit dem frühen Entstehungsdatum der Hörspiele - eine wunderbar altmodische Atmosphäre. In der Tat lassen sich die Fälle zu den sogenannten "cozy" Krimis zählen, wie etwa die des Sir Arthur Conan Doyle, Anne Perry oder Agatha Christie. Alles ist sehr heimelich und entspannt.
Die Hörspiele sind sehr gut umgesetzt worden, zumal sie für die CD-Veröffentlichung noch einmal remastert wurden. Allerdings sind die ersten beiden Fälle doch recht kurz gehalten. Wobei der Erste insgesamt noch recht unspektakulär und simpel daher kommt. Wer also wirklich ausgefuchste Rätsel, wie die eines Arthur Conan Doyle gewöhnt ist, sollte zumindest bei dem ersten Hörspiel mit etwas herunter geschraubten Erwartungen an die Sache gehen. Allerdings wird schon bei den Hörspielen 3 und 4 klar, dass die Laufzeit länger und die Fälle komplexer werden. Für die geringe Spielzeit der ersten beiden Hörspiele entschädigt jedoch das Bonusmaterial, das bei allen CDs an Board ist. Autor Michael Koser und Regisseur Rainer Clute berichten aus den Anfängen der Serie. Genau so etwas braucht es in Hörspielen. Nicht nur das reine Hörspiel, sondern Zusatzmaterial, das Hintergründe erklärt. Von daher ist auch die Bookletgestaltung sehr löblich. Hier werden dem Hörspielhörenden kleine Essays geboten. Sehr gut.
Die Verkaufszahlen der ersten 4 Teile sollen dann auch den Ausschlag für weitere Hörspiele geben. Von daher wäre es wünschenswert, wenn dieses mir bisher unbekannte Radiohörspiel aus den 70ern einen ordentlichen Verkaufsstart hinlegen würde, damit man auch noch in den Genuss von weiteren Fällen kommen darf. Für mehr Informationen lohnt sich ein Blick auf die Fan- bzw. die offizielle Internetpräsenz des Doktors.

Kommen wir nun zu einer wirklich neuen Hörspielreihe aus dem Hause Romantruhe, das uns regelmäßig mit den grandiosen Geister-Schockern, die mittlerweile die Jubiläumsfolge 10 überschritten haben, versorgt.
"Sherlock Holmes & Co" heißt sie und wurde an anderer Stelle in diesem Blog bereits vorgestellt. Nun habe ich endlich die erste Nummer "Das Geisterhaus" erhalten und mit Freude gehört.
Die Stimmen von Dr. Watson und Sherlock sind die selben, wie es auch bei dem aktuellen Kinofilm mit Robert Downey Jr. und Jude Law der Fall ist. Zu dem neuen Kinofilm kann man unterschiedlicher Meinung sein, mit dem Hörspiel hat es nur sehr bedingt zu tun. Denn das hält sich erfreulicherweise sehr genau an die Romanvorlage von Sir Arthur Conan Doyle. Zwar ist es schon etwas länger her, dass ich die Bücher vom Meisterdetektiv verschlang, aber die schicksalhafte Begegnung von Holmes und Watson ist mir noch sehr genau im Gedächtnis geblieben. Ausgehend von der Vorlage wird jedoch, was die Geschichte betrifft, variiert. Nicht "Eine Studie in Scharlachrot" wird der erste Fall der beiden, sondern der Gutsherr Harold Stern, in dessen Anwesen es bisweilen zu spuken scheint. Die Geschichte stammt vom neuseeländischen Schriftsteller James A. Brett und wurde von Markus Winter bearbeitet und umgesetzt.
Technisch und auch von den Sprecherleistungen her ein wirklich großartiges Hörspiel, das eine uneingeschränkte Empfehlung verdient. Dichte Atmosphäre, die in etwa so vorstellbar ist, als schlendere man nach Mitternacht durch die kopfsteingepflasterten Straßen von London Hammersmith, während der Nebel dick durch die Straßen wabert und nur der Schein der Gaslaternen schemenhafte Umrisse von anderen Spaziergängern offenbart.
Mit 72 Minuten gibt es zudem eine ordentliche Spielzeit und die von Romantruhe gewohnte liebevolle Gestaltung des Booklets mit Essays zu Holmesromanen und -medien, sowie dem Autor und den Sprechern.
Außerdem wird auch die Denkmaschine Van Dusen mit neuen Geschichten erscheinen, sowie Lord Percy. Bei der Romantruhe heißt Van Dusen jedoch aus rechtlichen Gründen Thinking Machine. Das stört allerdings nicht weiter. Auch sind die beiden Hörspielreihen keine Konkurrenz, zumindest aus meiner Sicht. Sie ergänzen sich sinnvoll und sind für den Hörspielfreund eine willkommene Ergänzung!