Dienstag, 11. Januar 2011

Black Dynamite (2009)

Dynamite, Dynamite!
Zugegeben, ich bin wenig bewandert im Subgenre namens Blaxploitation und habe bis auf "Foxy Brown" (1974) oder "Shaft" (1971) nur sehr wenige Filme aus diesem Sektor bewundern dürfen. Das wird sich aber hoffentlich bald ändern. Daran ist nicht zuletzt auch diese kleine, liebevolle Hommage Schuld.
Kennzeichnend für Blaxploitation sind schwarze Hauptdarsteller mit gigantischen Afros und noch größeren Knarren. Meistens dreht es sich um Kriminalfilme mit einer ordentlichen Ladung Action, dafür aber umso weniger Handlung. Trash ist Trumpf, can you dig it?
Bei "Back Dynamite" (2009) DYNAMITE! hat Scott Sanders all diese zum Teil schrottigen Filme mit ihren liebenswürdigen Schönheitsfehlern in einen Topf geworfen und daraus die ultimative Remineszenz der Neuzeit gebrutzelt. Häufig ist so etwas schon in die Hose gegangen, aber auch dank des unglaublich coolen und arschtighten Hauptdarstellers Michael Jai White als Black Dynamite DYNAMITE! funktioniert hier einfach alles.
Derbe Sprüche und geniale Musik unterfüttern die dünne, aber auch dämliche Handlung.
Viele Frauen, auch mal in aufreizenden Posen, schmücken das Zelluloid und Black Dynamites DYNAMITE! Schlafzimmer.
Der Bruder von Black Dynamite DYNAMITE! wurde erschossen und ein skrupelloser Dealer vertickt Smack an die Kinder des Waisenhauses. All das bringt den Ex- CIA Bullen Black Dynamite DYNAMITE! auf die Palme. Er kurvt durch seine Hood, besucht seine Mamas und kommt der ganzen Sache langsam auf die Spur. Can you dig it?
Außerdem wird auch noch ein Ausflug nach Fernost gemacht, um die geheimen Zutat eines Penis schrumpfenden Bieres herauszufinden.
Die Handlung spielt allerdings keine große Rolle, denn eigentlich wird sie nur benötigt, um eine schräge Szene an die nächste zu reihen.
Man hat sich wirklich Gedanken gemacht und jedes Klischee würdevoll persifliert. Da wird Overacting im großen Stil betrieben, das Mikrofon entspannt ins Bild gehalten, aber auch mal der Schauspieler mitten im Kampf gut sichtbar durch einen Stuntman ersetzt. Szenen doppeln sich, Autos ändern die Farbe, wenn sie von Klippen stürzen und es werden die absurdesten Assoziationsketten angestellt.
Schwarze Mamas zeigen ihren Rythmus, wackeln mit ihren Afros, doch Black Dynamite DYNAMITE! wird mit ihnen allen fertig.
Mit Kung Fu oder herben Handkantenschlägen verkloppt er seine Gegner, egal ob Gangster oder Dealer, can you dig it?
Die Atmosphäre wird maßgeblich durch die großartige Sprache geprägt und mit Hilfe der 70er Jahre Ausstattung noch verstärkt. Holzvertäfelung, die mit Abstand geilsten Tapetenmuster, flauschige Teppiche und bunte Perlen, dieser Streifen hat sie alle!
Apropos Sprache. Hier wird es natürlich schwierig. Sie beeinflusst natürlich maßgeblich das Feeling des Films. Der derbe Slang kommt eben nur mit besonders tiefen Stimme richtig gut rüber. "Black Dynamite" DYNAMITE! macht vor allem im O-Ton Spaß, aber ich habe auch mal in die deutsche Synchronisation reingehört und war wirklich positiv überrascht. Die Stimmen passten gut und auch der Wortwitz wurde, wo es ging, intelligent in die deutsche Sprache transportiert. Von daher ein Lob an das Synchonisationsstudio!
Aber auch beim Soundtrack wurde wirklich etwas Großartiges vollbracht. Mit Adrian Younge hat man sich einen absolut fähigen Komponisten ins Boot geholt, der ein ganzes Spektrum an Stilen von Funk bis Soul abdeckt. Sämtliche Instrumente wurden von ihm eingespielt und er hat außerdem einen großen Teil der Texte verfasst. Daher sollte man sich direkt überlegen, ob man sich dieses Stück nostalgisch verzaubernder Musikkunst nicht auch gleich mit ins Haus holt. Can you dig it?
Es gibt eine wirklich wunderbar gemachte Platte zum Score. Schweres 180 Gramm Vinyl mit Lyricsheet und 2 Lobbycards inklusive. Limitiert ist die Platte auf 2000 Einheiten und bei Waxpoetics erschienen. Wer dann immer noch nicht genug hat, kann sich auch noch den Soundtrack mit von David Hollander ausgewählten Stücken zum Film gönnen.
Ein fettes Programm, das ich jedem, der der Musik etwas abgewinnen kann, wärmstens ans Herz lege. Can you dig it???

Kommentare:

  1. Hab ich auch gesehen, 2x!! Fand es echt ne gelungene Homage!

    Weiter so ;-)

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  2. Definitiv. Der Streifen schreit ja förmlich danach weiterere Male gesehen zu werden.
    Den Soundtrack lege ich auch in schöner Regelmäßigkeit auf, einfach klasse!

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