Mittwoch, 19. Januar 2011

Død Snø (NOR - 2009)

Der erste norwegische Flick, der hier besprochen wird und dann gleich einer mit Zombies!
Die Skandinavier sind ein verrücktes Volk und genauso verrückt ist auch dieser absolut liebenswerte Nerdfilm.
Warum Nerdfilm? Es ist ganz offensichtlich, dass er eine bestimmte Klientel ansprechen soll. Man könnte ihn auch als Fanfilm bezeichnen. Das ist immer eine verdammt schwierige Sache und einige sind daran schon kläglich gescheiert. Exemplarisch sei das absolut vermurkste "Bitch Slap" (2009) erwähnt. Das war einfach scheiße. Lieblos, nutzlos und belanglos. Das sage ich, der eigentlich allen Filmen, mögen sie noch so schlecht sein, etwas Positives abgewinnen kann.
Bei Zombies gebe ich dann gerne noch einen Bonus, aber auch dort kann es ganz schnell passieren, dass die Atmosphäre in die Hose rutscht. Vor allem dann, wenn man einen lustigen Zombiefilm alá "Shaun Of The Dead" (2004) oder "Braindead" (1992) basteln will.
"Død Snø" begibt sich also mit dem Versuch, einen lustigen Zombiestreifen mit allerlei Namedropping und Klischees zu drehen, auf sehr dünnes Eis.
Die Zombiemythologie wird etwas auf den Kopf gestellt. So ist es hier unüblich, dass sich Gebissene ebenfalls in Zombies verwandeln und die ollen Gammelnazis können sogar rennen!
Glücklicherweise ist "Død Snø" auch hier einer der wenigen Kandidaten, die überzeugen, obwohl sie schnelle Zombies präsentieren.
Der Anfang ist solide, macht aber stellenweise keine gute Figur und man möchte schon fast Schlimmeres befürchten, aber zum Glück bekommt man dann die Kurve.
Worum geht es. Eine Gruppe von drei Schnitten und vier Kerlen begibt sich mitten in einem menschenleeren Winterurlaubsparadies zu einer einsamen Hütte. Die vierte Dame ist bereits dort oder kommt nach (man weiß es nicht so genau, ist aber auch egal), auch wenn sie von Zombies ziemlich zerkloppt wurde. Ja, richtig gelesen. In "Død Snø" kloppen die Zombies noch mit Fäusten auf die Opfer, bevor sie von ihnen naschen.
Ok, die Zombies haben eine Besonderheit, sie sind Nazizombies aus dem zweiten Weltkrieg und irgendwie verflucht, weil sie einen goldenen Schatz suchen oder bewachen, warum auch immer. Das spielt hier sowieso keine Rolle, weil die Motivation völlig egal ist und man sich einfach auf das hirnlose Gemetzel einlässt.
Nazizombies? Da klingelt es sicherlich bei einigen. Es gab da mal diesen lustigen französisch/spanischen Film Anfang der 80er names "Le Lac Des Morts Vivants" (Zombie Lake - 1981). Vor Jahren, als man noch die Schule besuchte und ein Kumpel eine Vollmacht für 18er Filme hatte, hatten wir schon viel Spaß mit diesem völlig abwegigen von Logik- und Filmfehler nur so strotzenden Film. Aber wir schweifen ab.
Die Medizinstudenten sind also auf dem Weg zur Hütte. Da hätten wir den langhaarigen Fahrer, der sich Sorgen um seine mittlerweile schon zerfleischte Freundin macht, einen bodenständigen Akademiker mit Brille, einen entweder absolut scheiße schauspielernden oder brilliant overactenden anderen Typen und den fetten Filmnerd, der mit Braindeadshirt rumläuft. Und da sind wir auch schon wieder beim Fanfaktor.
Ausgrechnet der dicke Mops bekommt die heiße Schnitte, die zufälligerweise auch auf Horrorfilme steht, ab. Haha. Außerdem gibt es eine heiße Sexszene auf dem Donnerbalken (der sich natürlich draußen befindet) und sie darf sogar in die Abgründe der Kloake absteigen. Neben der Schnitte gibt es noch das dreadgelockte Alternativgirl und eine Blondine.
Alles ist ganz ok, es gibt witzige Dialoge, großartige Naturaufnahmen und die Hütte verbreitet ein bisschen Evil Dead-Flair. Als die Zombies dann loslegen, geht der Film in die Vollen und begeistert, während er absolut alles richtig macht. Komische Szenen, auf andere Streifen rekurrierende Sequenzen und bekloppte Einfälle machen "Død Snø" zu einem skandinavischen Highlight und bringt endlich wieder Licht in das zuletzt in Richtung Exploitation abdriftende Zombiesubgenre. Es ist also noch möglich, neben all den mittelmäßigen Zombieepigonen etwas halbwegs Neues zu erzählen und dabei die guten alten Trademarks zu bedienen. Kurzum, alle sind zufrieden.
Mit einem derart hohen Schplädderlevel hätte ich auch im Leben nicht gerechnet. Tendenziell waren die letzten neueren Filme eher blutarm und daher hatte ich mich von vornherein auf einen unspektakulären und eher moderaten Film eingestellt.
Umso großartiger war dann natürlich der Eindruck, nachdem das ganze Feuerwerk abgebrannt wurde.
Die Zombies haben ein spektakuläres Make-Up und auch ihre Anzahl ist beeindruckend. Mit toten Vögeln, Motorsäge, Snowmobil und Machete wird den Zombies an den Kragen gegangen, bis das Blut nur so durch die weiße Landschaft schießt.
Wenn man dann noch den tollen Soundtrack beachtet, der sich zum größten Teil an Eigengewächsen in norwegischer Sprache ausrichtet, kommt man aus dem Loben gar nicht mehr heraus.
Das Teil könnte ein Klassiker werden, kommt eben drauf an, wie schnell er sich abnutzt, aber ich bin immer noch völlig begeistert.
Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an die Jungs von Dirty Pictures (und speziell Diabolik!), deren Gewinnspiel ich es zu verdanken habe, dass ich diese kleine Perle bewundern durfte.
Es gäbe noch einiges zu erzählen, aber diesen Streifen sollte man am besten für sich selbst reden lassen und ihn einfach in einer gemütlichen Runde, wahlweise mit einem kühlen Bier, genießen.
Uneingeschränkte Empfehlung für Zombieliebhaber und Horrorfreunde!

Kommentare:

  1. Au ja, den wollte ich auch immer noch mal gucken. Hast du den auf DVD da, oder bekommt man den in HGW geliehen?
    Danke für den Artikel.

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  2. Kein Problem!
    Jep, hab die DVD hier. Ob er noch in der Videothek zu finden ist, weiß ich nicht. Das Leihfenster ist allerdings schon ziemlich lange vorüber.

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