Samstag, 1. Januar 2011

Earth Vs. Flying Saucers (Fliegende Untertassen greifen an - 1956)


Wow, was für ein spektakulärer Film. Wenn man das Entstehungsjahr beachtet und die Tricktechnik sieht, schlackert man schon mächtig mit den Ohren. Und warum? Der Meister der Stop-Motion-Technik Ray Harryhausen hat hier absolut großartige Arbeit abgeliefert. Wenn nicht das schon ausschlaggebend genug wäre, dann sei hier noch schnell die Thematik hinterher geworfen: UFO INVASION! Damit hat man zumindest mich direkt am Haken. Der Film hat eine derart üppige Ausstattung, dass es einem beim Sehen schon fast Freudentränen in die Augen jagt. Dass dann die Geschichte auch noch spannend und völlig überzeugend ist, macht mich einfach fertig.
Klar, wir reden hier des öfteren über Filme, die dramaturgisch gelegentlich evidente Schwächen aufweisen, aber durch ihren nostalgischen Charme jegliche Schwächen ausbalancieren können. Wenn mal ein Streifen dabei ist, der auch aus heutiger Sicht noch großartige narrative Momente hat und schlicht begeistert, ist es noch viel schöner, ein verkappter Filmnerd mit Präferenz für die guten alten SciFi Klassiker der schwarz/weiß - Epoche zu sein.

"Earth Vs. Flying Saucers" (1954) beginnt mit dem frischvermählten Ehepaar Marvin, das durch die Wüste fährt und unerwartete Bekanntschaft mit einem unbekannten Flugobjekt macht. Russ Marvin, der hauptberuflich Raketen mit Satelliten in den Orbit ballert, um mehr über den Kosmos zu erfahren, nimmt grade seine neuesten Erkenntnisse auf ein Magnettonband auf. Zum Glück, denn so kann er das seltsame Geräusch, das die Untertasse von sich gibt, für die Nachwelt aufzeichnen.
Es stellt sich heraus, dass es kein Zufall war, dass ausgerechnet er ausgesucht wurde.
Seit Jahren hat seine Abteilung schon Signale ins All gesendet, um fremde Zivilisationen zu begrüßen. Die Invasoren nehmen Kontakt zu dem Wissenschaftler auf und verlangen von ihm, die großen Regierungschefs der Welt an einen runden Tisch zu setzen, damit sie sich alle den Weltraumjungs unterwerfen. Die sind ja nicht blöd und versuchen es erstmal auf dem diplomatischen Weg.

Dummerweise wurde diese Nachricht erst nach ihrem ersten offiziellen Besuch entschlüsselt. Dort reagierten die Menschen nämlich ziemlich dünnhäutig und schossen die Untertassen mal eben über den Haufen. Die erste Begegnung fällt also ziemlich unterkühlt und suboptimal aus.
Das wird leider auch nicht besser, so dass die Erdlinge gezwungen sind, eine effektive Waffe gegen die Angreifer aus dem Weltall zu bauen.
Ja, das hört sich schon alles extrem gut an. Ist es auch, aber dann kommt das Finale und meine Güte, das ist unfassbar actionreich und genial.
Harryhausen scheint einen absoluten Faible dafür zu haben, bedeutende Bauwerke von der jeweiligen Bedrohung zerkloppen zu lassen. Hier ist es das Kapitol in Washington, auf dessen Dach eine Untertasse eine nichtplanmäßige Landung hinlegt und dabei die ganze Kuppel verwüstet.
Gemischt werden Archivaufnahmen von explodierenden Flugzeugen oder Gebäuden, und das sieht wirklich spektakulär aus mit der guten alten Stop-Motion-Technik. Es funktioniert wunderbar und ergänzt sich. Die Sets sind wahnsinnig ausgestattet, es gibt unglaublich viele verschiedene Aufnahmen in Basen, Kleinstädten, der Wüste, Laboratorien etc.

Der Film wirkt für damalige Verhältnisse entsprechend teuer und hochwertig. Die Außerirdischen selbt sieht man auch. Normalerweise tragen sie lustige Metallanzüge, die sie im Stil der augmented reality unterstützen, da sie selbst ziemlich runzelig und weniger scharfsinnig sind.
Der Streifen ist durch den Knallershowdown spannend bis zur letzten Minute. Na ja, nicht ganz. Die letzte Szene ist irgendwie sehr bizarr und auch nur im englischen Originalton enthalten. Das Ehepaar sitzt am Strand, während er ihre Füße im Sand einbuddelt. Zum Abschluss laufen die beiden händchenhaltend in das glitzernde Meer. Etwas weniger Pathos hätte hier gut getan, aber das ist auch wirklich die einzige Stelle, an der man den Rotstift ansetzen müsste.
Unterm Strich bleibt es ein erstklassiger Invasionsfilm, der temporeich erzählt wird und spektakulär inszeniert ist.
Natürlich muss man hier eine adäquate Umsetzung auf DVD erwarten. Da der Streifen von einem Major-Label kommt, das sich grundsätzlich dadurch auszeichnet, alten Perlen eine völlig lieblose Veröffentlichung zuteil werden zu lassen, war ich doch angenehm überrascht.

Die Bildqualität ist vorbildlich und auch das Vorhandensein des O-Ton-Schlusses ist nicht selbstverständlich. Erfreulicherweise kann man den Film auch noch im 16:9 Breitbildformat genießen. Das Menü hätte man natürlich auch etwas schöner gestalten können, aber vor allem beim Bonusmaterial kann "Earth Vs. Flying Saucers" punkten. Eine wirklich sehenswerte einstündige Dokumentation über Ray Harryhausen und sein Schaffen wird da geboten, außerdem noch ein knapp 10-minütiges Interview mit dem Meister über den Streifen selbst (ok, der Interviewer fällt Harry ab und zu ärgerlicherweise ins Wort, aber der Informationsgehalt ist trotzdem sehr hoch) und ein kleiner Einspieler mit Material aus den anderen Filmen mit Harryhausens Beteiligung.
Und das war nur die deutsche Veröffentlichung. Greift man zur britischen Collection, hat man gleich 2 DVDs vor der Nase. Dort gibt es dann die optionale Farbfassung (kann man auch mal gesehen haben) und etliche Features über die Filmmusik, den Comic, ein Interview mit Schauspieler Joan Taylor, sogar ein Gespräch von Tim Burton mit Harry und etliche weitere interessant gefüllte Minuten.
Also auch für diese Variante eine uneingeschränkte Empfehlung! Am besten beide kaufen! Damit kann man gut in das neue Jahr starten.

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