Samstag, 8. Januar 2011

Forbidden Planet (Alarm im Weltall - 1956)

Ein weiterer Science Fiction Blockbuster aus den 50ern und wieder in damals revolutionärer Farbfassung! Kein Invasionsfilm, sondern ein waschechtes Weltraumabenteuer mit viel Utopie, kreativen Einfällen und nur einer einzigen weiblichen Darstellerin.
Aber was über allem thront, ist der intellektuelle Hintergrund der Geschichte, der sich in den Bereichen der Tiefenpsychologie, speziell der Psychoanalyse, bewegt.
Daher wird in dieser Besprechung das Ende, weil es gar nicht anders geht und sonst die Großartigkeit nicht vermittelt werden könnte, gespoilert.
Aber all das wusste ich zu Beginn des relativ unspektakulär startenden Films noch nicht.
Wir verfolgen eine Raumschiffcrew, die in einer fliegenden Untertasse einen entlegenen Planeten ansteuert, auf dem ein Herr Morbius mit Crew vor langer Zeit gelandet ist.
Wie es das Schicksal will, ist der ältere Mann immer noch auf dem Planeten zugegen und schickt sein selbstgebasteltes Empfangscommittee in Form des putzigen Roboters "Robby" zum Schiff.
Von der Crew, die ursprünglich den Planeten besucht hat, ist nur noch Morbius übrig. Seine Frau starb als letzte Überlebende und hinterließ ihm die Tochter Altaira (gesprochen: alter!).
Das neue Raumschiff unter der Kommandatur von John Adams will eigentlich nur nach dem Rechten sehen und dann wieder die Biege machen.
Die Jungs sind allerdings ziemlich aus dem Häuschen, als Morbius ihnen von den Fähigkeiten des Roboters erzählt. Der kann nämlich ziemlich viel Zeug selber herstellen und ist auch sonst sehr nützlich. Außerdem gehen die Typen ziemlich auf dem Zahnfleisch. Keine Frau seit über einem Jahr gesehen und Alter (die Tochter) trägt auch noch Miniröcke. Die Männer liegen ihr also zu Füßen und nutzen es aus, dass Morbius seine Tochter kein bisschen aufgeklärt hat. Da wird behauptet, dass Küssen gesund macht und ganz normal ist. So wird die junge Alter zur Chefhure des Planete, ohne es selbst zu wissen. Doch zum Glück macht Commander John Adams dem bald einen Strich durch die Rechnung.
Wenn man sich diesen Typen so ansieht, dann kommt er einem merkwürdig bekannt vor. Aber irgendwie will man nicht auf einen Namen kommen. Aber dann trifft den Verstand ein Blitz! Der leider erst kürzlich verstorbene Leslie Nielsen! Wow!
Das kommt davon, wenn man beim Vorspann nicht aufpasst und sich das Cover auch nicht näher ansieht.
Nachdem das nun geklärt sein dürfte, will der Einsiedler Morbius die Jungs auch wieder schnell vom Planeten runter haben, weil er die Menschen und deren Zivilisation für barbarisch hält. Die ursprünglich auf dem Planeten lebende Intelligenz hatte schließlich alle Probleme, Krankheiten und Konflikte überwunden. Der absolute Frieden und trotzdem waren sie irgendwann spurlos verschwunden.
Nicht jedoch, ohne ihre grenzenlos weit entwickelte Technologie dort zu lassen. Morbius, eigentlich Philologe, studiert deshalb auch die fremde Sprache und erschließt mehr und mehr von der fortschrittlichen Technologie.
Sein Fehler ist, dass er einen Teil der Gäste am Wissen teilhaben lässt und diese sofort der Meinung sind, dass man die Informationen nicht der Allgemeinheit vorenthalten dürfe.
Schlimm wird es, weil zur gleichen Zeit ein ziemlich fieses Ungeheuer umgeht und recht erfolgreich versucht, die Schiffscrew Stück für Stück zu dezimieren.
Das absolute Knallerende mit der spektakulären Auflösung erhellt den ratlosen Zuschauer. Das Monster war das unterdrückte Unterbewusstsein von Morbius selbst. An dieser Stelle macht "Forbidden Planet" (1956) dann auch direkt einen Abstecher in die Psychoanalyse des Sigmund Freud oder die Traumdeutung von Carl Gustav Jung.
Wem also Begriffe wie "Ich", "Über-Ich" oder "Es" geläufig sind, der wird an den Überlegungen seinen Spaß haben. Ein solch durchdachtes und semiwissenschaftliches Ende hätte ich von einem Streifen dieser Art nicht erwartet. Obwohl schon Filme wie "The Incredible Shrinking Man" (1957) nicht vor existenzphilosphischen Fragen zurückschreckten.
Wirklich, ganz großes Kino.
Wenn man dann noch die Umsetzung sieht und noch mal auf das Enstehungsjahr linst, muss man schon reflexartig einen ganze Kiste Superlative auskippen.
Das animierte Monster in den Sperrzäunen ist der mit Abstand höchst verfügbare Entwicklungszustand. Keine Ahnung wie das gedreht wurde, aber es sieht beeindruckend aus. Aber auch die anderen Effekte, die phantasievoll umgesetze Technologie oder die wunderschönen Landschaftsaufnahmen auf dem fremden Planeten sind einfach umwerfend.
Es macht Spaß, den Film einfach nur zu genießen und er ist eigentlich ganz weit davon entfernt, in die Kategorie eines B-Movies zu fallen. Auch wenn ich ihn wenigstens gefühlsästhetisch auch weiterhin dort verorten möchte.
Fred Wilcox hat hier ein absolutes Meisterwerk abgeliefert, das sowohl spektakulär inszeniert, als auch intelligent geplottet wurde.
Das alles wäre schon genug, um einen Kauf zu rechtfertigen, aber die Special Edition hat noch mal einen unvergleichlichen Mehrwert zu bieten.
Leider ist die deutsche Variante anscheinend ausverkauft, weshalb ich mir die mit der deutschen Veröffentlichung identische (bis auf den Schriftzug auf dem Cover) britische DVD geholt habe.
Hier sind neben einer zeitgenössischen Episode der TV-Serie "The Thin Man" (1958), noch der zu einem späteren Zeitpunkt besprochene Streifen "The Invisible Boy" (1957), die beide den Roboter aus "Forbidden Planet" featuren.
Aber das ist immer noch nicht alles. Es gibt die wirklich gelungene Dokumentation "Watch the Skies: Science Fiction, The 1950s and Us", in der Steven Spielberg, George Lucas, Ridley Scott und James Cameron über die klassischen Science Fiction Filme der 50er Jahre palavern. Natürlich werden viele Knaller wie "Them" (1954), "The Crawling Eye" (1958), "The Monolith Monsters" (1957), Rocketship X-M (1950) und noch etliche andere Filme thematisiert. Es ist einfach großartig, wie sympathisch die meisten Regisseure
über die gute alte Zeit reden und die ein oder andere Anekdote zum besten geben.
Uneingeschränkte Kaufpflicht!
2 weitere Dokumentationen über "Forbidden Planet" selbst und den Roboter, sowie etliche Trailer und Hintergrundinformationen runden das Erlebnis auf den beiden DVDs ab. Einfach gigantisch und beeindruckend.
Und wer schon immer mal wissen wollte, ob ein Roboter Edelsteine, Schnaps und Metalle herstellen UND noch Blumen in die Vase stellen kann, wird hier die Antwort finden.

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