Mittwoch, 5. Januar 2011

The Lost Continent (Bestien lauern vor Caracas - 1968)

Und ich dachte schon, der Film wäre schlecht. Vor einiger Zeit wurde mir nämlich zugetragen, der Film sei im wahrsten Sinne des Wortes Schrott. Also hab ich ihn eine Weile liegen lassen, meinen Geschmack mit ein paar Trashperlen geschult und ihn endlich gesichtet. Es scheint geholfen zu haben. Denn hier rotierte grade ein absolut genialer Abenteuerstreifen im Player.
Erschienen ist das Teil in der Hammer Edition von Anolis und demzufolge ein kostbares Juwel aus der britischen Filmschmiede. Mit Hildegard Knef hat man zudem sogar einen Star in der Besetzungsliste aufzubieten, auch wenn sie ordentlich abgewrackt rüberkommt.
"The Lost Continent" (1968) schmeichelt schon zu Beginn dem Ohr. Ein wirklich gelungener Titelsong dudelt im Hintergrund, während die Kamera mit uns durch eine gelbstichige, vernebelte Postkartenlandschaft fährt und bis zum Ende der eigentlichen Geschichte bringt. Solche geschickten narrativen Kniffe hätte ich einem Film dieser Kategorie gar nicht zugetraut und erst recht nicht den coolen Twist zum Schluss. Aber der Reihe nach.
Wir befinden uns auf einem alten Frachtschiff, das schon ziemlich im Eimer ist. Neben dubiosen Passagieren hat der Kapitän auch noch hochexplosive Fracht mit an Board, von der allerdings niemand etwas weiß.
Alle wollen nach Caracas, jeder hat irgendwie Dreck am Stecken und dann ist da auch noch dieser fiese Sturm, der in seiner Konsequenz einen Teil der Crew meutern lässt und die restlichen Gäste zu einem Ausflug mit einem kleinen Ruderboot zwingt.
Während die ersten 40 Minuten ganz gemütlich sind, die Charaktere vorgestellt werden und die Hammondorgel völlig gechillt dudelt, ist das letzte Drittel komplett turbulent und außerordentlich ungewöhnlich. Wir haben eine reizende Blondine auf dem Schiff, die in einer Szene, nachdem sie völlig durchnässt Fässer geschleppt hat, lasziv ihr Minikleid lupfend selbiges auswringt. Aber auch sonst schmeißt sie sich genug Männern an den Hals. Ja, wir sind im Hause Hammer und die Erotik wird dezent und nicht schmierig angedeutet. Ok, später erleben wir eine Attacke eines wirklich schleimigen Tentakelungeheuers, in dessen Folge unsere Schönheit in grünen Glibber gehüllt wird, aber ansonsten bleibt alles ganz anständig.
Neben dem ollen Tentakelvieh gibt es aber auch noch mordlüsterne Haie (jedenfalls deren Rückenflosse), eine Monsterkrabbe, die mit einem Monsterskorpion kämpft, und ein Falltürmonster. Kurz: Monster satt.
Die Effekte sind zum Teil wirklich spektakulär. Da wird eine Leuchtrakete in den Bauch eines Matrosen geballert, ein ganzes Schiff in Brand gesteckt oder mit den hochexplosiven Fässern auf einem Katapult Marke Eigenbau durch die blubberige Brühe geschossen. Wahnsinn!
Auch wenn sich die erste Hälfte etwas zieht, wird man mit dem darauf folgenden Showdown-Schluss reichlich belohnt.
Außerdem hat "The Lost Continent" noch einiges mehr zu bieten, nämlich einige skurrile Momente. Aus der Ferne tauchen nämlich plötzlich seltsame Eingeborene auf, die über den Schultern zwei riesige Ballons hängen haben und viel zu große Skischuhe tragen. So richtig wird uns auch nicht erklärt, was es damit auf sich hat, aber sie haben vermutlich monsterpräventive Funktionen.
Unter diesen Eingeborenen ist dann auch eine rothaarige, vollbusige und offendekolletierte Frau, die sich der Mannschaft anschließt. Die Eingeborenen sehen insgesamt ein wenig feudal aus. Mit Helmen und Rüstungen leben sie schon sehr lange dort. Es gibt sogar einen König unter ihnen. Ein kleiner, aber größenwahnsinniger Bengel, der Sprüche wie "wenn du mich unterbrichst, unterbrichst du Gott" bringt.
Da haben wir dann auch den kleinen Arschtritt in Richtung Religion. Du nimmst den ältesten, hässlichsten, mit den verfaultesten Zähnen gesegneten Unsympathen, lässt ihn eine für ihn vorteilhafte Religion ausdenken, packst noch ein paar Oberdeppen, die noch dämlicher sind und den Mist auch noch glauben dazu, dieser tyrannisiere den Rest und du hast eine kulturell anerkannte Volksreligion, unter deren Deckmäntelchen du alle Schweinereien und Beklopptheiten vertuschen und praktizieren kannst. Aber wir schweifen ab.
Daher weiter mit der Habenseite: tolle Schiffskaperungsversuche, die leider ob der dicken Nebelsuppe nicht immer so scharf zu sehen sind, einen Mönch, der eine riiiiieeesige Zipfelmütze trägt und viele Explosionen.
Um es noch einmal zusammenzufassen, dieser Film rockt die Scheiße fett und zwar so richtig. Natürlich nur, wenn man ein Herz für diese Art von Filmen hat.
Die Fassung auf der DVD ist von durchwachsener Qualität. Die meiste Zeit ist das Bild sehr gut, wenn auch wie schon erwähnt etwas gelbstichig, allerdings scheint dies ein Stilmittel des Films zu sein. Einige Szenen konnten offenbar nicht mehr gerettet werden und sind in etwas schlechterer Qualität und ohne deutschen Ton auf der DVD. Nichtsdestotrotz fällt das kaum ins Gewicht und stört auch nicht wirklich, obwohl die deutsche Synchronisation wirklich gelungen ist. Es knarzt sogar ganz leise im Hintergrund (zumindest, wenn man über Kopfhörer schaut).
Lange Rede, kurzer Sinn. Absoluter Pflichtkauf einer leider verschollen gehenden Filmreihe. Also ranhalten, sobald ihr den Film noch auf diversen Verkaufsplattformen findet und nicht teuer Geld ausgeben wollt.

Kommentare:

  1. Uuuuuiii...den fand ich vor etlichen Jahren, als ich ihn zzuletzt gesehen hab', echt DEN Hammer, will sagen grottenschlecht ! Vor allem die "Monster"..:) aber ich würde ihn heute doch gerne nochmal sehen, ist eben sehr lange her und manchmal ändert man ja doch seine Meinung.

    Gruß,

    Fynn

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  2. Die Monster haben mich etwas an "Attack Of The Crab Monsters" (1957) erinnert.

    Bisher habe ich immer noch keinen schlechten Hammer gesehen. Ich warte ja immer noch darauf ;)

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  3. Das ist wohl wahr. Obwohl der Trash Faktor des Monsters im "schwarzen Reptil" ja auch nicht zu verachten war...:))

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  4. Ich habe meine "Caracas" DVD inzwischen wieder abgestoßen, fand den Film, - insbesondere die Monster, deren Sinn und Zweck ja auch gar nicht klar wird, - einfach im wahrsten Sinne...GRAUENhaft g ! Die Kulissen und das Ganze Durmrum ist schon ungewöhnlich für einen Hammer Film, geht aber total in Ordnung, auch wenn's mal kein Gothic Horror ist. Die Figuren passen auch (bis auf Hildchen Knef, die will's wieder rote Rosen regnen lassen) und ansonsten, tja, ansonsten, waren für mich die Frauen der Hingucker, (nein, nicht Hilde !)da waren schon ein paar Bomben dabei ! Aber das war dann für mich auch schon alles und daher - wech damit !

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  5. Ach die Krabbenschaumstoffmonster waren doch toll! Und diese Ballons.
    Herrlich bekloppt :D

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  6. Oh ja, den hatte ich vor über 25 Jahren als Kind im Spätprogramm im deutschen Fernsehen gesehen (gab damals nur 3. Programme und die holländischen^^). Aber der Film hatte auf mich einen großen Eindruck hinterlassen. Vor allem die Sache mit den Ballons... meine Güte... ein echter Klassiker... Großartig!

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