Mittwoch, 12. Januar 2011

Night Creatures (Die Bande des Captain Clegg - 1962)

Arr, arr. Ein Piratenfilm von Hammer? Nicht ganz, aber trotzdem irgendwie. Ein Geisterfilm? Nicht wirklich, aber es gibt doch ein paar schaurige Momente. "Night Creatures" (1962) ist eine bunte Mischung und bietet für alle etwas. Vor allem aber fühlt sich der Film erfrischend anders an. Mit Peter Cushing hat man wieder eine Hammerikone in einer Hauptrolle und auch einige andere Schauspieler kennen wir schon aus anderen Hammerproduktionen. Es bleibt also alles in der Familie!
Die Geschichte handelt von dem bösartigen Piratenkapitän Clegg. Dieser befördert einen bulligen Burschen seiner Crew, nachdem er ihn verraten hat, auf eine einsame Insel, um ihn für den Verrat büßen zu lassen. Wir befinden uns im 18 Jahrhundert und die Jahre ziehen ins Land, bis uns der Grabstein des fiesen Freibeuters präsentiert wird. Der gemeine Schurke ist also dahingeschieden, gehenkt und im Dorf geht es den Menschen dank der illegalen Schmuggelgeschäfte verhältnismäßig gut. Andernorts, wo die Dörfer und deren wirtschaftliche Aktivitäten streng den königlichen Wünschen und Besteuerungen unterworfen sind, leiden die Leute großen Hunger.
Drum freut man sich, dass die königlichen Truppen dem lukrativen Alkoholschmuggel nicht auf die Schliche gekommen sind. Bis, ja bis, mehrere Boote mit unsympathischen Soldaten das Festland erreichen und das Dorf ordentlich aufmischen. Wen haben sie dabei mit im Schlepptau? Richtig, den bulligen Burschen, den sie kurz nach seiner Piratenstrafe auf der Insel aufgelesen und zum Schnüffelhund für Schnaps ausgebildet haben.
Im Verlauf der Geschichte gibt es viele spannende Wendungen und man fiebert mit den Schicksalen der Dorfbürger mit. Die Auflösung ist durchaus plausibel und wirklich überraschend. Zum Glück, denn leider erahnt man häufig in Filmen dieser Zeit den Plottwist schon sehr früh. Herrliche Kulissen, sowie schöne Außenaufnahmen und saubere Darstellerleistungen sorgen für die nötige Authentizität.
Dann gibt es als Bonus auch noch eine düstere Legende aus dem Moor.
Dort spukt es nämlich gar gruselig. Knöcherne Geister reiten umher, erschrecken den ein oder anderen zu Tode und leuchten durch die Nebelschwaden hindurch.
Hier hat man sich wirklich etwas einfallen lassen und die Aufnahmen überzeugend in den Kasten bekommen. Es dauert schon ein paar Einstellungen, bis man erkennt, dass Ross und Reiter in schneidige schwarz skelettierte Kutten gekleidet sind. Aber wer steckt hinter dieser Bande? Man weiß es nicht.
Peter Cushing sieht als Pastor mit seiner Silberlocke zuerst etwas ulkig aus, blüht aber schon innerhalb kürzester Zeit völlig auf und mimt den Geistlichen mit einem dunklen Geheimnis überragend. Da dürfen, wie in vielen anderen seiner Filme, auch die halsbrecherischen Actionszenen nicht fehlen.
Für den Ornithologen gibt es außerdem tolle Aufnahmen von Höckerschwänen, Säbelschnäblern und Haubentauchern.
Regisseur Peter Graham Scott zaubert mit "Night Creatures" ein erschreckendes und nur stellenweise romantisiertes Bild der frühen Moderne zur Zeit der französischen Revolution.
Zudem hat er mit Yvonne Romain eine bezaubernde weibliche Hauptdarstellerin an Board, der sämtliche Männer im Film zu Füßen liegen würden. Wenn sie nicht so ungehobelte Spacken wären und sich generell das nehmen würden, was sie haben wollen.
Fazit: ein ungewöhnlicher Streifen aus der Hammerfilmschmiede, der durch viele Eigenarten und seine spannende Atmosphäre zu begeistern weiß. Die großartige Aufmachung der Koch Media Hammer Reihe, in der er als Nummer 9 und somit der vorletzten Veröffentlichung erschien, ist der perfekte Rahmen und passt wunderbar.
Die ausführlichen Notizen im Booklet über den Produktionsprozess, die Romanvorlage und das Quasiwettrennen mit Disney sind sehr interessant. Deutscher und amerikanischer Trailer, sowie eine Bildergalerie mit vielen Plakatmotiven und Aushangfotos runden das Filmerlebnis wunderbar ab.
Ein wirklich empfehlenswerter Hammer, der auch nicht B-film-affine Menschen begeistern wird!

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