Donnerstag, 6. Januar 2011

This Island Earth (Metaluna IV antwortet nicht - 1955)


Dieser Film ist sich selbst popkulturell weit voraus. Die Weltraummonstermutanten im Film sind vermutlich jedermann bekannt, nicht zuletzt, weil sie für die lustigen Marsianer in dem unglaublich großartigen, und letzten guten, Alieninvasionsfilm, "Mars Attacks" (1996) von Tim Burton, Vorlage waren. Außerdem gibt es einen nicht minder großartigen Song der nicht minder großartigen Band The Misfits namens "This Island Earth". Bevor wir uns aber weiterhin die Superlative um die Ohren klatschen, soll das Referenzwerk genauer unter die Lupe genommen und auf Herz und Nieren geprüft werden. Denn eigentlich kennt man es ja gar nicht so richtig.
Siehe da, man kommt zu einem ambivalenten Ergebnis und ist hin und hergerissen, ob man den Streifen toll oder völlig daneben finden soll.
Die Geschichte selbst ist teilweise spannend, aber auch ziemlich dämlich und haarsträubend, was allerdings per se noch nichts schlechtes bedeuten muss, wie wir wissen.

Ein Wissenschaftler, der zugleich auch ein Fliegeras ist, wird während eines Landeanflugs von einer Art Traktorstrahl getroffen, in dessen Folge er selbst keine Kontrolle mehr über das Fluggefährt hat. Zum Glück bringt ihn die fremde Macht gütiger Weise wohl behütet auf den Erdenboden zurück. Mit der Landung einher geht ein unerträglich hochfrequenter Ton, der mindestens 1 1/2 Minuten permanent aus den Boxen fiept und unweigerlich zu einer eigenmächtigen Nachjustierung des heimischen Lautstärkepegels führt. Meine Güte, das hätte man auch wesentlich kürzer machen können, aber es eignet sich wahrscheinlich hervorragend als akkustisches Antiseptikum für das Trommelfell. Ich verspüre immer noch irreparable Tinnituserscheinungen.
Jedenfalls kommt unser Forscher zu seinem Sidekick ins Labor und wird fortan mit seltsamen Postzustellungen bombardiert. Die beiden haben die Waren zwar nicht angefordert, puzzeln aber bereitwillig die elektronischen Einzelteile zusammen, bis ein riesiges Gerät den Raum ausfüllt und ein weißhaariger Mann mit Kegelkopf per Videoübertragung in einem gleichschenkligen Dreiecksmonitor erscheint. Bizarr!

Dieser lustige Geselle instruiert unsere Wissenschaftler, sich zu einer bestimmten Zeit am Flugfeld einzufinden, danach ballert die Maschine auf ein Stück Papier, dem Wissenschaftsduo wird die Chose zu bunt und sie ziehen den Stecker. Was mag nun passieren, fragt sich der neugierige Zuschauer. Die Maschine fängt Feuer, explodiert und schmilzt zu einem kleinen Häufchen Asche zusammen. Natürlich!
Der Wissenschaftler folgt trotzdem der Anweisung und wird mit einer völlig autark fliegenden Maschine zu einer Basis gebracht, in der weitere Wissenschaftler mit den Kegelköpfen zusammenarbeiten. Sein Sidekick protestiert zumindest verbal sehr energisch, lässt sich aber schon sehr bald in die Schranken weisen und taucht auch sonst nicht mehr im Film auf. So kann es gehen.
Das ist alles weniger spektakulär und man fragt sich, warum Co-Regisseur Arnold da nicht früher eingegriffen und dem Streifen ein bisschen mehr Dynamik verliehen hat.
Zumindest treffen wir an dem unbekannten Ort unsere weibliche Hauptrolle an.

Tja, und woher kommt uns das Gesicht bekannt vor? Richtig, es ist Faith Domergue, die schon im Tentakelungeheuerspaß aus dem gleichen Jahr "It Came From Beneath The Sea" (1955) mit von der Partie war. Ja, sie hat immer noch ihren unzüchtigen und unterkühlten Blick drauf. Dieses Mal stiftet sie jedoch keine Zwietracht unter den Wissenschaftlern. Schade eigentlich. Ein wenig mehr Würze hätte diesem Segment von "This Island Earth" (1955) sicherlich gut getan.
Den Wissenschaftlern kommt die ganze Mission spanisch vor und sie wollen fliehen. Doch dann stellt sich heraus, dass ihre Auftraggeber mit der futuristischen Technologie Außerirdische von einem fremden Planeten sind. Die Nebenrollen werden um die Ecke gebracht und unser Starwissenschaftler plus Quotenfrau an seiner Seite dürfen die Reise auf den entlegenen Planet antreten. Ab diesem Punkt des zugegeben mittlerweile schon sehr fortgeschrittenen Films geht die Post ab! Endlich!
Die Effekte sind lustig, es gibt uralte Nacktscanner, bunte Kontrollleuchten- und apparaturen, Atommodelle, die im Raum rumstehen und vermutlich irgendeine wichtige Bedeutung haben, sowie Kometenraketen, die mit überlegenen Laserstrahlen zerschossen werden.
Aber wo bleiben die coolen Monster, die man kennt?
Leider tauchen sie wirklich erst ganz zum Schluss auf, aber dafür gibt es nicht nur einen Mutanten.

Die Geschichte wird zum Schluss sogar schlüssig, ergibt Sinn und vermag bisweilen zu begeistern. In Kombination mit dem Effektefeuerwerk, das abgefackelt wird, ein absolut vorzügliches Ende mit unerwarteter Wendung.
Keinesfalls eine Gurke, aber auch weit entfernt von den Größen der Science Fiction - Unterhaltung dümpelt "This Island Earth" irgendwo zwischen den Stühlen herum. Die coolen Flugzeug- und Landschaftsaufnahmen begeistern und tragen dazu bei, dass der Streifen keine Bruchlandung hinlegt. Irgendwie ist dieses Kleinod schon liebenswürdig und versprüht einen hilflosen Charme.
Der Film liegt mir in Farbe in der britischen Auswertung vor. Vielleicht hätte er aber auch in schwarz/weiß ganz gut gewirkt, obwohl die bunten Blinklichter schon einiges zur Atmosphäre beitragen. Anyway.
Abschließend kann ich aber trotzdem guten Gewissens eine klare Empfehlung für Genrefreunde aussprechen, denn der Film ist in jedem Fall ein absoluter Sonderling und genießt auch heute noch zu Recht einen Ausnahmestatus.
Kann man sich antun.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen