Donnerstag, 17. Februar 2011

Arkham Horror - Cthulhu für das Wohnzimmer

Spielt hier jemand Brettspiele? In Deutschland sind solche Spiele in Gesellschaft ja durchaus etabliert und weit verbreitet. Man könnte sogar von einer Tradition sprechen. Zwar geht es meistens nicht über "Mensch ärger' dich nicht" oder "Die Siedler" hinaus, aber man ist dem Medium zumindest nicht abgeneigt. Auf der Suche nach einer gescheiten Variante, die Horrorthemen mit einbezieht und dabei trotzdem etwas komplexer als die normalen Vertreter ist, bin ich auf ein bemerkenswertes Brettspiel mit dem Titel "Arkham Horror" gestoßen.
Arkham, die kleine fiktive Stadt in Massachusetts, ist uns vermutlich allen bekannt. In H.P. Lovecrafts Erzählungen "Das Grauen von Dunwich", "Herbert West - Reanimator" oder "Das Unnennbare" aber auch vielen anderen taucht der Ort immer wieder auf. Hier ist zugleich der Sitz der mythenumwobenen Miskatonic University.
Ja, und dann ist da noch den Cthulhumythos. Ich liebe die Erzählungen und den subtilen Horror, den der seltsame Zeitgenosse Anfang des 20. Jahrhunderts erdacht hat. Auch wenn die Texte vom literaturwissenschaftlichen Standpunk (Todorov, Brittnacher etc.) aus nicht dem Genre der Phantastik angehören, sondern eher dem "Unheimlichen" zuzuordnen sind, wird dieser Überbegriff oft verwendet.
Ganz egal wie man die Texte Schubladisieren und Kategorisieren möchte, sie sind in ihrer Art einzigartig und brilliant.
Der von Lovecraft erschaffene Mythos um die großen Alten und das Necronomicon haben sich bis heute in die Popkultur und Rollenspielszene fortgepflanzt. Kein Wunder. Tentakelmonster sind mit Abstand die coolsten Monster, die man für eine übermächtige ältere Rasse verwenden kann.
Seit den 80ern gibt es das Rollenspiel "Call Of Cthulhu". Da ich von solchen Zeitvertreiben grundsätzlich keine Ahnung habe, verweise ich auf das Wiki für Interessierte.
Aber bevor ich mein eigentliches Anliegen vollständig aus den Augen verliere: zum Brettspiel.
Ursprünglich kommt es aus den US of A und wird seit einigen Jahren von einem deutsche Verlag vertrieben. Vor wenigen Wochen wurde die zweite Auflage auf den Markt geschmissen und ich konnte mir endlich mein Exemplar für rund 40€ sichern.
Das ist viel Kohle und deshalb fragt man sich zu recht, was "Arkham Horror" denn so zu bieten hat.
In dem schweren Karton mit stilvollem Gruselartwork befindet sich unter anderem ein riesiges Spielbrett mit dem Stadtplan von Arkham. Außerdem liegen etliche Bögen mit kleinen Spielsteinen, Ermittlern und vielen, vielen Karten bei. Insgesamt bringt das Spiel einen stattlichen Umfang von 927 Teilen mit. Wie funktioniert jetzt eigentlich das Spielprinzip?
Jeder Spieler schnappt sich einen Ermittler. Davon gibt es 16, die mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Utensilien ausgestattet sind. Auf den Rückseiten der Ermittlerbögen sind zudem kleine Geschichten über sie verfasst. Absolut stimmungsvoll. Die Aufgabe der Ermittler ist es nun die Monster, die über die Stadt durch Dimensionstore hereinbrechen zu bekämpfen und die Toren zu schließen oder zu versiegeln. Sind ab einen bestimmten Zeitpunkt zu viele Tore offen, erwacht der große Alte und man muss den Endkampf antreten.
Das hört sich alles noch recht überschaubar an, aber wirft man einen Blick auf die, zugegeben didaktisch nicht optimal gelöste, Anleitung, wird schnell klar, dass man es hier mit einen Spiel zu tun hat, bei dem man gute 1 1/2 Stunden die Regeln studieren muss, um ein Spiel zu beginnen.
Durch Karten, die das Geschehen beeinflussen, Begegnungen die man an Orten hat und die anderen Dimensionen, ergeben sich unendlich viele Szenarien, so dass sich kein Spiel gleicht. Ein wenig Sitzfleisch sollte man für eine Partie ebenfalls mitbringen, denn es ist durchaus möglich, dass ein Abend mehr als 3 Stunden in Anspruch nimmt.
Was mich aber vor allem begeistert, ist die Detailverliebtheit des Stadtplans, der Karten, der Figuren und Gegenstände. Aber auch die Anekdoten auf den Karten bringen immer wieder Querverweise zu bestimmten lovecraftschen Erzählungen.
Wer mit dem Basisspiel nicht genug hat, der kann sich außerdem noch etliche Erweiterungen besorgen. Die reichen von neuen Karten und Ermittlern bis hin zu komplett neuen Spielbrettern (z.B. Dunwich).
Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis der angenehmen Sorte und bringt ein wenig Leben in das angestaubte Genre der Gesellschaftsspiele (klar, es hat sich mittlerweile einiges auf diesem Sektor getan).
Außerdem verspürt man nach jeder Partie das Bedürfnis mal wieder in ein Lovecraftbuch zu schmökern.
Demnächst erscheint in Amerika dann auch ein komplett neues Spiel namens "Mansions of Madness", das ein neues Spielprinzip bietet, sich aber von stil her in den Bahnen von "Arkham Horror" bewegt. Man darf gespannt sein.

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