Sonntag, 6. Februar 2011

Doom Nachzügler: Electric Wizard - Black Masses / Bongripper - Satan Worshipping Doom

Vielen wird es nicht entgangen sein, dass in meinem musikalischen Jahresrückblick zwei wirklich wichtige Alben fehlten. Bongrippers "Satan Worshipping Doom" und Electric Wizards "Black Masses".
Das lag zum einen daran, dass die Electric Wizard LP sich ständig verschoben hat, so dass ich irgendwann dazu gezwungen war, mir die CD Variante zu holen (zum Glück ist die Vinyl mittlerweile eingetroffen und ist ganz famos in ihrer Ausführung geworden) und zum anderen habe ich die Bongripper Platte einfach völlig verpennt.
Ok, Bongripper. Die Amis haben sich nach vier überragenden Langrillen zwei Jahre Pause gegönnt, um nun ihren fünften Opus auf die Anhängerschaft loszulassen.
Es gibt vier Songs auf dem Album, die kreativerweise "Hail", "Satan", Worship" und "Doom" betitelt wurden. Das bunte Cover mit seinen okkultigen Figuren gibt die Marschrichtung vor.
Es wird komplett auf Gesang verzichtet, so dass sich der Hörer komplett auf die instrumentale Dampfwalze konzentrieren kann, die schon mit dem ersten Titel auf ihn zurollt. "Hail" ist ein 13-minütiger Doom Metal Song mit sich ständig wiederholenden Riffs, die von extrem rockigen und knochentrockenen Stoner Metal Passagen durchbrochen werden. Ja, es ist langsam, aber geradezu hypnotisch in seiner Wirkung. Einfach großartig.
Weiter geht es mit "Satan", das mit einem droneartigen verzerrten Ton beginnt, um mit Black Metal-eskem Drumming und flirrenden Gitarren über den Hörer herein zu brechen. Für Doomverhältnisse ist man also auf Highspeedtempo.
Der Song knarzt und sägt vor sich hin, variiert nach 4 Minuten und entzieht sich wieder dem Black Metal Part Richtung staubigem Doom Rock.
Die Melodien sind dabei, überraschenderweise, ständig catchy und bleiben sofort im Ohr hängen. Nach einer weiteren Minuten galoppieren die Riffs davon, um schließlich in extrem groovenden Rythmen eingestampft zu werden. Spektakulär!
Dann gibt es einen irren Break und es geht im Downtempo mit nackenbrechendem Groove weiter. Hier sind einfach Götter ihrer Zunft am Werk.
Dass die Songs satt und saftig produziert sind, dabei aber trotzdem staubig und trocken klingen, mag sich seltsam anhören, wird aber beim Genuss dieser Scheibe sicherlich jedem ersichtlich werden!
Gegen Ende kommen dann noch sehr klare Gitarrenmelodien durch und das Gaspedal wird (verhältnismäßig) getreten.
"Worship" beginnt mit langen Gitarrenanschlägen und es dauert, bis sich das Schlagzeug einschaltet und den hypnotischen Takt vorgibt. Die einprägsame Melodie fräst sich in den Gehörgang und wiederholt sich minutenlang mit geringer Variation. Zwischendurch wird das Songgerüst mit delikaten Klängen garniert und das Tempo wieder gedrosselt. Diesmal allerdings ohne zerschmetternde Downbeats, dafür aber immer langsamer werdend, bis der Ton fast still steht. Anschließend geht es heavy weiter und der Kopf nickt unwillkürlich im Takt, bis es leiser, rockiger wird und sich dissonante Klänge dazwischen mogeln. Der Song beschwört zwar nicht den Deibel persönlich, aber versetzt den geneigten Hörer in Verzücken.
Es passiert einfach so unwahrscheinlich viel in den Songs. Sie sind wie eine akustische Reise, bei der man ständig in sich hinein schmunzelt, weil man besonders coole Arrangements entdeckt oder von einem bestimmten Riff umgehauen wird.
Der Abschluss, "Doom", haut dann auch ordentlich auf den Kacke.
Sehr langsam stampft er los und das bleibt auch erstmal eine Weile so. Ganz fieses Downtempo mit etwas Drone Doom holzt einen sich im Wege befindlichen Baum nach dem anderen um.
"Doom" ist auch gleichzeitig der langsamste Song, der stetig seine akustischen Wellen durch die Kopfhörer wabern lässt.
Unterm Strich ein, für Genrefreunde, abwechslungsreiches Album, das durch brilliante Ideen besticht, auf den unerfahrenen Hörer jedoch verstörend und einseitig, vielleicht sogar langweilig, wirken kann.
Kommen wir nun zur etwas zugänglicheren Platte an diesem Abend.
"Black Masses" von der britischen Legende Electric Wizard. Schon nach den ersten Tönen fällt auf, dass die Produktion definitiv etwas mehr Druck hätte vertragen können. Alles klingt etwas leise und in den Hintergrund gerückt. Ok, das hört sich nicht so toll an, ABER der musikalische Aspekt überzeugt dafür umso mehr. Mit dem ersten Stück und gleichzeitig auch Titeltrack hat man einen famosen Ohrwurm der Marke "Dunwich" aufs Pakett gelegt. Unglaublich zwingend, nach vorne rockend geht das Teil los und Mastermind Oborn jault in seiner markanten Art und Weise los. Einfach herrlich. Die schwarze Messe ist also eröffnet. Nach dem sauberen Einstieg geht es weiter mit dem, meiner Meinung nach, noch besseren "Venus in Furs". Die verhallten Vocals und die dröhnenden Gitarren verzaubern mit hervorrangenden Melodiebögen. Der Song ist wirklich einer der großartigsten Doomsongs des vergangenen Jahres.
"Nightchild" beginnt mit Glockenschlägen, aber schon nach wenigen Sekunden schrammeln die Saiteninstrumente los. Auch hier hat man einen astreinen, unglaublich griffigen Refrain aus dem Ärmel geschüttelt. Zwar erreicht er nicht die Qualitäten eines Hits wie "The Chosen Few", kann aber trotzdem überzeugen. "Patterns Of Evil" setzt da noch einen drauf mit einem ausgetüftelten und stark hitverdächtigen Chorus. Oh ja. Langsam und mit viel Pedaleinsatz drückt sich dieser kapitale Hirsch durch die Lautsprechermembran.
Ein unglaublich emotionales Stück erwartet uns mit "Satyr IX". Oborns gequältes Organ windet sich durch den Song zu tiefgestimmten und unglaublich langsam gespielten Klampfenklängen. Ein absolutes Highlight auf der Platte, das von einem rauschhaften Solo begleitet wird.
"Turn Off Your Mind" hat wieder einen herrlich jauligen Refrain. "Scorpio Curse" fällt qualitativ ganz leicht ab, was aber trotzdem bedeutet, dass er 80% der Konkurenz zu Staub zerbröselt. Der drogengeschwängerte Songverlauf mit den durchsickernden Riffs und extrem rockigen Passagen veranlasst mich sogar dazu, meine Meinung über den Song zum Positiven hin zu revidieren.
Den Abschluss bildet der Song "Crypt of Drugula", eine reine Akustiknummer, die auf den Song "Satanic Rites Of Drugula" rekurriert (ein absolutes Meisterwerk). Hier wird unter heftigem Einsatz von Samples eine düstere Atmosphäre erzeugt und schon fast Drone Doom zelebriert.
Textlich bewegt man sich, wie eigentlich immer, im Bereich von nackten Hexen über den lovecraftschen Cthulhumythos, bis hin zu den titelgebenden schwarzen Messen.
Das Mädel und die Jungs aus Dorset haben sich jedenfalls wieder mächtig ins Zeug gelegt, um uns dieses halluzinogene Gebräu zu kredenzen. Leider kann es den Vorgänger "Witchcult Today" nicht übertreffen. Das war auch nahezu unmöglich. Dafür waren da einfach zu viele Hits und Meilensteine des Dooms drauf. "Black Masses" reiht sich aber knapp dahinter, auf gleicher Augenhöhe mit "Dopethrone", ein.
Die Aufmachung der Vinyl ist einfach atemberaubend. Nicht nur, dass die zwei 180 Gramm Platten stimmungsvolles schwarz/weiß Design haben, auch das Artwork mit auf Altaren aufgebahrten Fräuleins im Kerzenschein, passt perfekt zu den psychodelischen Klängen.
Diese beiden Veröffentlichungen sind schon mal eine solide Grundlage, um sich entspannt zurückzulehnen und die kommenden Doomplatten abzuwarten.
Mit Earth steht schon der nächste Aspirant und Genreveteran in den Startlöchern und wird nächste Woche mit "Angels Of Darkness, Demons Of Light" den ersten Part eines Zweiteilers auf die Massen loslassen. Das Album kann man hier völlig legal und von der Band autorisiert Probehören (nur noch bis zum 7. Februar!). Ob das Gegenstück noch dieses Jahr erscheint, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ungewiss. Das Artwort von Stacy Rozich sieht allerdings schon ziemlich gut aus.

Kommentare:

  1. zur neuen earth gibt es schon folgendes review: http://metalnews.de/?metalid=05&action=show&cdid=5434

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  2. Ui, super! Dankeschön!
    Hab mir die Platte heute mal ein bisschen angehört.
    Man, das steht einiges ins Haus :)

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