Montag, 28. Februar 2011

A Scream In The Streets (Der Schlächter - 1973) von Subkultur Entertainment

Sie haben es wieder getan. Die zweite Veröffentlichung aus der Grindhouse Collection ist an alle Lieberhaber des schlechten Geschmacks gegangen. Die Schonfrist für das junge Label Subkultur ist nach zwei Erstlingswerken vorbei. Ab jetzt wird scharf geschossen! Auch ich habe nun eine Hälfte des Double Features gesichtet und möchte mit meinen Gedanken nicht länger hinterm Berg halten. In "A Scream In The Streets" (1973) wird uns unschuldigen Zuschauern ein Konzentrat aus schlechtem Geschmack, billigem Sleaze und einer völlig absurden Handlung aufgetischt.
Die bisweilen explizite Mischung mag dem ein oder anderen nicht unbedingt bekommen, aber verkörpert zweifelsohne die Quintessenz dessen, was das Grindhousekino ausmacht. Hier werden die niederen Instinkte angesprochen, der Fan von Schund kommt auf seine Kosten und der Intellektuelle kann ganz distanziert von seiner Metaebene auf das Spektakel herabschauen und es als Fallstudie für ein frauenverachtendes, brutales und korruptes Weltbild sezieren. "A Scream In The Streets" ist nichts anderes als eine ungeschönte Milieustudie übelster Sorte oder eine Spaßgranate für Menschen mit der Fähigkeit zu Abstraktion und Reflektion.
Im Vorfeld bekam die Zuschauerschar einen vielversprechenden und anteasenden Trailer aus dem Hause Subkultur via Youtube kredenzt. "A Scream In The Streets" versprach ein lustiger Slasher mit einer noch lustigeren deutschen Synchronisation und ganz viel Prilblumen zu werden. 2 Dinge daran waren allerdings falsch, ja geradzu irreführend!
Doch bevor hier jemand mit erhobenem Finger in großem Stil Kritik austeilen kann, muss das natürlich relativiert werden.
Wir haben hier keinen waschechten Slasherfilm. Viel eher bekommen wir einen Film, der prototypische Slasherelemente verwendet und diese mit anderen vermischt. Auch gibt es keine Prilblumen. Nein.
Ich denke, unter meinen Lesern ist niemand mit dem Klammersack gepudert und der Streifen ist sowieso nichts für Jugendliche. "A Scream In The Streets" enthält Sexszenen und zwar nicht zu knapp. Genau genommen enthält er sogar doppelt so viele Sexszenen, wie der Transvestit Frauen slashen kann! Hört, hört!
Von perversen Bordellbesuchern, die gerne mal Frauen schlagen, über unseren Superbullen bis hin zu zwei völlig eigenständigen Charakteren, die bis auf ihre lesbische Liebesszene überhaupt nichts mit dem Film zu tun haben, gibt es Sexszenen am laufenden Band. Auch wenn für einige Zuschauer diese Szenen von primärer Bedeutung sind, kann man sie ebenso als nettes Beiwerk abtun und sich dem Hauptwerk widmen: der Kriminalgeschichte.
Ok, sie ist zugegebenermaßen nicht 100% vorhanden, aber immerhin tauchen wir partiell in die Polizeiarbeit ein. Ich glaube übrigens, dass nicht ein einziges Mal der Terminus Polizist auftaucht. In den 70ern hat man den Ordnungshüter in Blau langläufig als "Bullen" bezeichnet und wenn man überfallen wurde und bei der Staatsmacht anrief, meldete man sich auch mit "Hallo Bullen (...)!" Wenn die dann eintreffen und das Geschäft im Bordellsektor verorten, wehrt man sich mit markigen Sprüchen wie "Das ist hier kein Fickladen!" Was uns zu Punkt 3 bringt und dieser Eindruck aus dem Trailer bewahrheitet sich definitiv!
Die deutsche Synchronisation ist ein Feuerwerk. Hier werden schlechte Kalauer, miese Zoten und abwegige Sprüche in hoher Frequenz geklopft, dass es nur so kracht. Das kann zwar nicht über die konfuse und undurchsichtige Handlung hinwegtäuschen, potenziert den Unterhaltungswert jedoch beachtlich.
Versuchen wir trotzdem, ein wenig Struktur in diese Besprechung hinein zu bringen.
Wir haben einen Transvestiten, der gerne Frauen mit einem Messer umbringt und sie auch gern mal anfasst. Warum er das macht, sagt er uns selbst "Ich hasse alle Frauen, weil mich meine Mutter immer geschlagen hat" und dann noch irgendwas von Schweinehälften in der Schlachterei. Der Junge hat ernsthafte Probleme und diese zeigen sich nicht dadurch, dass er Frauenkleider und eine Perücke trägt. Aber auch das ist nur ein kleiner Bestandteil des Streifens. Eigentlich wird die sonstige Polizeiarbeit der beiden Protagonistencops verfolgt. Der alte Hase bekommt einen Schnauzbartträger aus dem Innendienst an die Seite gestellt. Der Frischling kann sich nicht immer im Zaum halten und verkloppt die Bösewichte nach Strich und Faden. Dealer, Diebe und Spanner stehen auf ihrer Abschussliste.
Die darstellerischen Leistungen sind natürlich unter aller Sau und wer das Drehbuch verzapft hat, dem gehört der Codex Gigas um die Ohren geschlagen. Eine Frechheit. Aber genau das ist Exploitationkino und genau das erwartet einen, wenn auf dem Cover in Großbuchstaben der Schriftzug "Grindhouse" prangt. Dazu gehört auch, dass Mikrofonständer im Bild zu sehen sind, wilde Verfolgungsjadgen gezeigt werden, ein Shootout und die frauenverachtenden Männer so viel Gefühl für das vermeintlich schwache Geschlecht übrig haben, wie ein Amputierter für seinen Stumpen. Außerdem räkeln sich hier keine durchtrainierten und abgemagerten Modelle, sondern es herrscht Orangenhaut und Naturbehaarung. So war das in den 70ern!
Diesen ganzen Schund kann man als Hartgesottener natürlich prima vertragen, aber die bereits erwähnte Synchronisation haut dann noch mal ein ganzes Stück raus. Wenn Leute reden, ohne den Mund zu bewegen, bleibt eine unfreiwillige Komik natürlich nicht aus und ich möchte den Menschen sehen, der bei Sprüchen wie "Du bist glatt 'ne Frau, die mich ins Eheloch ziehen könnte" oder "warum lässt du dich nicht scheiden? - Ich bin doch nicht wahnsinnig, dann müsste ich ja arbeiten gehen!" nicht unterm Tisch liegt. Welcher Polizist würde heute noch zu einer Frau sagen, kurz nachdem sich ein Mann an ihr vergangen hat, "Hör auf zu flennen"? Ja, wir sind hier im emanzipatorischen Neandertal und das spürt man an allen Ecken und Enden.
Diese offen zur Schau gestellte Frauenfeindlichkeit ist aus heutiger, aufgeklärter Perspektive natürlich völlig inakzeptabel, aber die Absurdität der Kommentare lässt einen trotzdem nur schwer nach Luft japsen. Entweder der Film ist ein frauenverachtender, billiger Sexfilm oder eine nostalgische Realitätsspiegelung, ein Blick durch ein Fernrohr in den Abgrund.
"A Scream In The Streets" ist sicherlich kein Film für jeden, aber wer sich darauf einlässt und wer sich allen abschreckenden Parametern bewusst ist, der kann, mit der nötigen Distanz, eine Menge Spaß haben! Die Bildqualität ist super, es gibt einige stimmungsvolle Schlieren und die Kamera wackelt an einigen Stellen sympathisch.
Daher will ich auch gar nicht viel mehr Worte verlieren und empfehle diesen Streifen wärmstens allen erwachsenen Lesern. Wem bereits "Astro Zombies" (1969) gefiel, der wird auch hier auf seine Kosten kommen.
Zur Ausstattung der Subkultur DVD und dem zweiten Film (der eigentlich der erste Teil des Double Features ist) "Blackout" (1978) dann morgen mehr.

Kommentare:

  1. Mal eine Frage, wie heisst der Schauspieler auf dem dritten Bild (Der Lockenkopf-Typ mit der Krawatte). Der kommt mir irgendwie bekannt vor (ggf. aus irgendeinen unsäglichen Umberto Lenzi Film) - allerdings find ich bei imdb nichts...
    Könnte aber auch sein, dass der einfach wie der durchschnittliche 70iger Jahre Bulle aussieht und nur deshalb Ähnlichkeit mit jemanden hat.
    Ansonsten hört sich der Film auf jedenfall an als ob er mir gefallen könnte :D

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  2. Howdy!
    Vielen Dank für den Kommentar :)
    Also genau weiß ich es auch nicht, aber es müsste entweder Frank Bannon oder John Kirkpatric sein. Die Jungs waren anscheinend über den Streifen hinaus nicht besonders erfolgreich.
    Der Streifen lohnt allein deshalb, weil er als Double Feature mit dem relativ ernsten Blackout kommt.
    Cheers!

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  3. Hatte tatsächlich bei einem medienversand aus at, noch einen Posten für die Grindhouse Collection 2 gefunden. Nach 2 Wochen Wartezeit kam gestern die enttäuschende Nachricht: Titel nicht mehr lieferbar. Schade. :-( Wenn jmd. seine Version loswerden möchte, dann melde er sich bei xplizitnoize@gmx.de. Würde mich freuen die Box noch zu komplettieren. Hatte tatsächlich bei einem medienversand aus at, noch einen Posten für die Grindhouse Collection 2 gefunden. Nach 2 Wochen Wartezeit kam gestern die enttäuschende Nachricht: Titel nicht mehr lieferbar. Schade. :-( Wenn jmd. seine Version loswerden möchte, dann melde er sich bei xplizitnoize@gmx.de. Würde mich freuen die Box noch zu komplettieren.

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  4. Sex 'n Crime without Crime. Eine waschechte Sleaze-Bombe und deshalb in der Grindhouse-Collection absolut gerechtfertigt. Insgesamt aber nicht mein Fall. Die Synchro find ich im Gegensatz zum Inhalt genial.:-)

    Viel mehr gibt es meinerseits nicht zu sagen.

    Der Xpli

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  5. Die Syncro ist der König. Muss mir den Film mal wieder ansehen. Ich konnte mich wegen der Inhaltsleere so herrlich beeimern :)

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