Dienstag, 1. März 2011

Blackout (Die Bestien - 1978) von Subkultur Entertainment

Wie versprochen geht es heute mit dem zweiten Film der Veröffentlichung weiter. Allerdings ein paar Dinge vorweg: die zweite Scheibe führt dieses Mal ein 6seitiges Booklet mit sich. Schön zerrockt im Design legt Pelle vom Bali die Geschichte des deutschen Bahnhofskinos dar. Es ist einfach toll, wie anschaulich, mit vielen Anekdoten gewürzt, dieses spannende und längst vergessene Kapitel aufbereitet wird und Lücken schließt. Umso erfreulicher, dass in der nächsten Scheibe der Reihe der Essay fortgesetzt wird. Vor allem allen mit wenig Umgang in Bezug auf B-Filme sei der Text empfohlen, damit man perfekt in die Welt des Grindhousekinos eintaucht und sie als kleinen Anachronismus im eigenen Wohnzimmer wieder auferstehen lässt. Das Wissen, dass es sich bei den folgenden Streifen um kein eloquentes oder besonders wertvolles Kulturgut handelt, ist für den Spaß unerlässlich.
Im schlichten Amaray mit einem entzückenden Design kommt das Double Feature daher. Als Bonus bekommen wir zwischen den beiden Filmen ein Promoreel! So, wie es sich für eine Grindhousevorstellung gehört und so, wie es auch das Grindhouserevival durch das Duo Tarantino und Rodriguez vorgesehen hatte, bis der deutsche Filmverleih mit wenig Sinn für Authentizität und Kulturgeschichte das Projekt durch ein Splitting der Filme sabotierte (und in wenigen Wochen mit einer Zweitauswertung versuchte wieder gut zu machen...oder nochmal den Rubel rollen zu lassen.)
Was bedeutet, dass zwischen den beiden Hauptfilmen ein bunter Strauß an obskuren Trailern gesendet wird. Ach ja und da hätten wir noch die Fakewerbung, die schon bei den "Astro Zombies" (1969) für Schenkelklopfer sorgte. Neben einer kritischen und medizinisch-anspruchsvollen Zigarettenwerbung setzt Subkultur mit Gerstensaft, der die neurologische Herrschaft über den eigenen Körper unmöglich macht und dem Broca-Areal schwer zusetzt, nach. Hochgradig zynisch und in passender Optik wird das Schmuddelfeeling gesteigert und selbstreferentiell auf Genußmittel abseits der Leinwand verwiesen!
Die Trailer sind da natürlich das Salz in der Suppe und mit 4 Kandidaten vertreten. "Les Avaleuses" (1973), ein schmieriger Sexfilm mit absurder Story und Horrorelementen. Eine Vampirfrau muss sich von Blut und Sperma ernähren. Wohl bekomm's. "Jungle Warriors" (1984) ist dann auch wieder ein Actionklopper mit viel Haut aus der Exploitationecke und beeindruckt vor allem durch die schrammelige und ausgenudelte Optik! Danach kommt mit "Shock Waves" (1977) wieder ein bekannterer Genrevertreter, bis mit "Roma violenta" (1975) ein italienischer Poliziotteschi mit Maurizio Merli das Ende des Segments einleitet (mit unglaublich genialer Musik).
Handwerklich kratzt die Veröffentlichung also wieder am oberen Limit. Das Bild ist großartig, die deutsche Kinosynchro fast vollständig aufbereitet (bei "Der Schlächter" (1973) und "Blackout" ist in jeweils einer Szene kurz englischer Ton). Zudem gibt es umfangreiches Bildmaterial zu beiden Filmen und die Originaltrailer.
Aber kommen wir nun zur zweiten Herzkammer der Premiumveröffentlichung: Blackout (1978)!
Donnerwetter. Hatte ich mir "A Scream In The Streets" vorgezogen, weil er nach ersten Meinungen eher schlecht weg kam und durch Inhaltsleere glänzte, die durch den unendlichen Charme wieder aufgewogen wurde, kommt jetzt ein richtiger Film mit einer echten Handlung! Hört, hört!
Wir starten mit einem Helikopterrundflug über New York und lernen auch schon die Protagonisten des Streifens kennen. Ein (wie wir gelernt haben) Bulle verfolgt einen Taschendieb und rennt bei der Verfolgungsjagd in einen Kleiderständer, dumm gelaufen. Zu den weiteren Charakteren zählt ein verrückter Oppa in der Gummizelle, ein bekloppter Pyromane und noch anderes Verbrechergesocks, das mit einem Gefangenentransport unterwegs ist. Der Transporter ballert in ein kleines Häuschen, nachdem der Fahrer 2 waghalsigen Moppedfahrern ausweichen wollte, die nur am Faxen machen waren. Schon wieder dumm gelaufen.
Außerdem zieht ein übles Wetterchen über der Stadt auf und sorgt dafür, dass das Stromnetz langsam in die Knie geht.
In einem Hochhaus wird eine griechische Hochzeit gefeiert, abgehalfterte Zauberer reden mit ihren Hunden und reiche Snobs sorgen sich um ihre materiellen Güter. Der Laden wird schon bald von den entkommenen Schwerkriminellen heimgesucht und aufgemischt. Sie marodieren durch die Gänge, plündern und vergewaltigen. Auf jeder Etage treten sie ein neues Inferno los und zeigen dabei keine Skrupel.
Unser tollpatschiger Held macht sich auf den Weg zu ihnen und scheint der einzige zu sein, der sie noch stoppen kann, er....eine Ein-Mann-Armee!
Der Streifen hat unglaublich viel zu bieten. Ganz vorne: eine Handlung! Es wird ein Spannungsbogen aufgebaut, der mit einem krachenden Showdown im Parkhaus endet. Aber dazwischen passiert so unheimlich viel! Der Zuschauer wird wie ein Voyeur in die verschiedenen Apartments des Hochhauses genommen, ist begeistert von den flippigen Tapetenmustern und schockiert über die zügellose Gewalt der Bande. Die krawallorientierten Ganovenkerle hat man in dieser Dimension auch schon in "Horror-Sex im Nachtexpress" (1980) sehen können, aber legen sie hier noch mal eine Schippe drauf.
Außerdem steht eine Geburt im Treppenhaus bevor, dabei stellt sich vor allem heraus, dass griechische Hebammen mit Schnauzbart keine gute Wahl sind und schon gar nicht, wenn sie sturzbetrunken sind.
Kinder schlafen in Betten, die Rennautos nachempfunden werden und spielen Cowboy und Bulle oder Kosmonaut. So richtig erkennt man es nicht, aber einer der Buben hat eine Leuchte auf dem Kopf und der andere 'ne Knarre in der Hand. Seltsam!
Wir lernen viele wichtige Dinge für unser eigenes Leben. Zum Beispiel niemals Hochprozentigen im Haus zu haben, wenn ein ausgebrochener Pyromane im Hausflur unterwegs ist und wenn dann mal der Strom ausfällt, Elektrogeräte (hauptsächlich sperrige) mitzunehmen. Das machen da alle! Man sieht, viele witzige Momente und trotzdem ist der Film ernst und macht Spaß. Unterm Strich ein toller, turbulenter Actionkracher, der auf mehr Gegenliebe stoßen sollte als "Der Schlächter".
Ein schönes Gegenstück zu "Der Schlächter" und im Endergebnis eine runde Sache für diese absolut empfehlenswerte Veröffentlichung.
Beide Daumen hoch!

Kommentare:

  1. Hallo Zombiebunker,

    zuerst möchte ich mich bei Ihnen bedanken, ihr Blog hat mich auf die Grindhouse Serie aufmerksam gemacht und mittlerweile bin ich auch stolzer Besitzer beider Volumes.

    Jetzt wollte ich bloß Fragen, ob es vielleicht von Subkultur einen Newsletter gibt, wann denn neue Filme erscheinen, ich besuche zwar ständig diesen Blog, habe aber Angst ein paar der Filme zu verpassen...

    Mit freundlichen Grüßen
    Paul

    AntwortenLöschen
  2. Howdy Paul!

    Einen Newsletter gibt es meines Wissens nicht, aber alle Neuigkeiten werden in diesem Forum veröffentlicht: http://dirtypictures.phpbb8.de/forum.php Eventuell muss man sich dort anmelden, um im Subkultur Forum lesen zu können.
    Ansonsten wird jede News hier so schnell wie möglich gepostet.
    Leider habe ich momentan nur sehr begrenzte zeitliche Ressourcen und habe es immer noch nicht geschafft den 4D Mann zu besprechen, aber vielleicht wird es was zum Wochenende!

    Beste Grüße,

    Zombie

    AntwortenLöschen
  3. Howdy zurück. :)

    Danke für den Tip mit dem Forum (Newsletter wär mir zwar lieber gewesen), ich werd mich da dann demnächst mal anmelden. ;)

    Meine Zeit ist leider auch ziemlich begrenzt und ich habs noch nicht mal geschafft Blackout fertig zu schaun (obwohl mich die 30 Minuten, die ich gesehn hab, sehr angesprochen haben...)

    Auf die Rezension von 4D Man freue ich mich. :)
    Wird wahrscheinlich nächste Woche auch bei mir eintrudeln, zusammen im Paket mit Machete. :D

    Grüße
    Paul

    AntwortenLöschen
  4. Super!
    Deshalb versuch ich die Ankündigung hier im Blog immer so früh wie möglich zu bringen. Bei "Not Of This Earth" war die Scheibe ja extrem schnell ausverkauft.
    Ansonsten: 4D Mann gibt es heute noch im Blog! :)

    AntwortenLöschen
  5. Hab dir doch vor einer Weile mein Leid berichtet, dass ich keine DVD mehr bekommen habe. Hier ein kleines Update: Ich habe eine über den ofdb-Marktplatz erstanden. Freu.

    AntwortenLöschen
  6. Oh, Glückwunsch!
    Und, wie haben dir die Filme gefallen?
    Was musstest du denn dafür hinlegen, ich hoffe nicht zu viel!

    Cheers!

    AntwortenLöschen
  7. Sie ist noch auf dem Postweg. Wenn sie da ist, gibt es einen sofortigen Statusbericht. Gehe als Leser des ZB jedoch nicht unbefangen an diese Filme heran. Bis jetzt wurden die Erwartungen aber stets übertroffen.
    Die Scheibe hat mit satten 29,99€ nen stolzen Preis, war aber dennoch die billigste in OVP, die ich gefunden habe.

    Ps: freudiggrinz:-)

    AntwortenLöschen
  8. Oh, nicht schlecht! Der Preis ist ja sogar verhältnismäßig günstig :)
    Wünsch dir viel Spaß, immerhin bekommt man ja 2 Streifen für die Kohle!

    Ich bin auf deine Meinung gespannt!

    AntwortenLöschen
  9. Wie Prof. Patzelt damals in der Politikwissenschaftsvorlesung meinte, kann man alles vergleichen. Feuer mit Wasser, mich mit Gandhi und natürlich diverse Grindhouse-Produkte. Man darf sie nur nicht gleichsetzen. Die verschiedenen Outputs der Grindhouse-Collection von Subkultur kann man definitiv nicht gleichsetzen, auch wenn sie alle unter dem Banner des Bahnhofskino stehen. Wenn man sie aber vergleicht, werden dem Konsumenten Stärken und Schwächen der einzelnen Filme bewusst.

    Black-Out ist für mich der beste Output bis jetzt. Triviales Nichts gestaltet sich selten so unterhaltsam. Es gibt eine einfache Story, einfache Schauspieler und somit einfach viel Spass. Man will vorerst meinen der Film plätschert langweilig vor sich hin, geht er doch gänzlich ohne Sex 'n Gore einher, dennoch ist man im Verlauf sehr daran interessiert zu sehen, wie die Ganoven ausgeknipst werden.

    Früher hätte ich gesagt: Langweiliger Erwachsenenfilm. Heute sage ich Bali-Kino mit einem gewissen Charme. Hat bei mir definitiv mehr Anklang gefunden als der WiP-Film.

    Leider funktioniert bei mir die Funktion: Grindhouse Erleben nicht. Die DVD haut mich jedensmal zurück ins Hauptmenü :(

    Zu A Scream in the Streets schreibe ich später noch etwas - muss ihn erstmal sichten:).

    Der Xpli

    AntwortenLöschen
  10. Haha, mein Prof. sagte damals auch: "natürlich kann man Äpfel und Birnen vergleichen. Hinsichtlich Reife, Saftgehalt" ;)
    Dann ging es dir ja ganz so wie mir mit dem Film! Ich fand ihn auch erschrecken ernst und richtig gut gemacht. Ein sehr guter Actioner mit einem interessanten Setting. Das Double Feature ist wie Tag und Nacht ;)

    AntwortenLöschen