Sonntag, 13. März 2011

Planet Terror (2007)

Der Umzug ist überstanden, also kann auch wieder Leben in den Zombiebunker Einkehr halten. Dafür dient heute die Besprechung eines Streifens, der mir ganz besonders am Herzen liegt und sicherlich jedem geläufig sein sollte, aber schon seit ewiger Zeit eine Besprechung verdient hat.
Es geht um den Grindhousepart von Robert Rodriguez "Planet Terror" (2007). Es war damals ein außerordentliches Erlebnis, den Film auf Großleinwand bestaunen zu dürfen und auch die etlichen Durchläufe in der heimischen Anlage haben an der Qualität von "Planet Terror" nicht rütteln können. Im Gegegenteil: der Status des modernen Klassikers wurde von Mal zu Mal verfestigt und hat sich mit der gestrigen Sichtung endgültig zementiert.
Als Hommage an Filme, die hier im Blog so zahlreich besprochen wurden, als modernes Horrorkino oder pure Fanboyunterhaltung, "Planet Terror" taugt auf allen Ebenen.
Dabei ist die Handlung denkbar dünn und nur Beiwerk, um den temporeichen Verlauf zu unterstützen.
Es gibt da dieses Gas und diese Armeeeinheit aus Afghanistan, einen krummen Deal mit einem "Wissenschaftler" und jetzt sind alle mutiert. Jedenfalls bevölkert das kleine Nest irgendwo im Süden Amerikas fortan eine Zombieplage und das Chaos nimmt seinen Anfang.
Einzelne Handlungsstränge mit verschiedenen, teilweise skurrilen, Charakteren werden gesponnen und man lernt gemütlich das kleine "Planet Terror"-Universum kennen.
Fangen wir also mal etwas ungewohnt mit einer genaueren Betrachtung dieser Personen an. Bei dem Aufgebot an grandiosen Schauspielern bietet sich das ja irgendwie auch an.
Da hätten wir Rose McGowan, die ihre Rolle absolut sicher und authentisch verkörpert. Als Stripperin gelenkig und später mit Holzbein/Knarre am Bein immer noch agil, treibt sie die Geschichte maßgeblich an. Ihr Gegenpart, der kleine Freddy Rodriguez, kann ebenfalls überzeugen, auch wenn bei der Romanze derart dick aufgetragen wird, dass die Sülze nur so fließt.
Der großartige Jeff Fahey spielt als J.T. die Rolle seines Lebens. Der schmierige Barbecue-Onkel, der auch mal ordentlich zulangen kann, rockt mit deftigen Sprüchen und seiner liebenswürdigen Art die Leinwand. Auch das kurze Intermezzo mit der Sängerin Fergy und der grandiose Dialog zwischen beiden lassen den Zuschauer mit einem Grinsen im Gesicht zurück. Special-Effect-Pionier Tom Savini darf natürlich auch nicht fehlen und begeistert durch bisweilen völlig bescheuerte Gesichtsausdrücke. Das sich hassende Ehepaar Josh Brolin und Marley Shelton, sowie ihr kleiner Sohn ("I eat your brain and gain your knoooooowledge") würzen "Planet Terror" mit etlichen amüsanten Dialogen und dramatischen Szenen.
Ach ja, Bruce Willis und all die anderen verrückten Charaktere (crazy babysitter twins!!!) runden die Sache ab.
Neben einem hervorragenden Schauspielerensemble hat "Planet Terror" aber vor allem einen dermaßen schmierigen, verdreckten Look, dass es einem nur so das Herz erwärmt. Das staubige und verschwitzte Kaff mit dem alles andere als antiseptischen Krankenhaus, der BBQ- Hütte und den kleinen Detailverliebtheiten. Die Frauenriege ist bezaubernd, spaziert mit Schweißperlen auf der Stirn und nassen Dekolletés durch die Einöde.
Der Splatterfaktor ist ebenfalls nicht zu verachten. Freunde von derbem Gekröse kommen definitiv auf ihre Kosten. Ob wilde Schießorgien, in denen das Blut literweise durch den Nachthimmel fliegt oder explizite, fiese Szenen. Alles dabei. Aber auch immer so extrem übertrieben, dass absolut niemand diese graphische Gewalt jemals ernst nehmen kann. Umso trauriger, dass der Film trotzdem indiziert werden musste. Aber auch das ist nur wieder ein Beweis dafür, wie wenig Sinn für Humor einige Menschen haben.
Wie dem auch sei, der Film macht Spaß und wenn man die Zuschauerreaktionen zur Audiospur schaltet, fühlt man sich gleich gar nicht mehr so allein mit dem eignenen Fanboytum.
Die nachträglich eingefügten Laufstreifen und Verunreinigungen und auch der fiktive Filmrollenriss sind gelungen eingesetzt.
Musikalisch greift man auf unterschiedliche Welten zurück. Von wirrem Synthiegedudel bis hin zu staubigen Riffs. Zu jeder Zeit aber grandios und atmosphärisch.
Erfreulicherweise ist die deutsche Synchronisation von "Planet Terror" sehr gelungen! Es geht kaum Wortwitz verloren, auch wenn die Akzente des Originals nicht berücksichtigt werden.
Die Veröffentlichung ist vorbildlich. In einer roten Blechbüchse liegt das schlichte Digipack und wenn man an den Scheiben rubbelt, dann riecht es nach Kotze oder verbranntem Gummi, auf jeden Fall aber sehr unangenehm. Neben einem Bloodpack und dem BBQ Rezept, findet man auch noch eine Postkarte mit dem Covermotiv.
Zu den Extras zählen die bereits erwähnte Zuschauertonspur, aber auch ein Audiokommentar mit Rodriguez, Featuretten zu Castings und Rollen sowie natürlich der "Machete" (2010) Trailer. Dieser Tage wurde dann auch das Double Feature "Grindhouse" (2007) mit allen Faketrailern und dem kürzeren US-Cut im Digipack mit Flatschen veröffentlicht. Kann man sich also noch mal zulegen, wenn man lustig ist.
Ansonsten hoffe ich, dass das Franchise nach "Machete" uns noch weiterhin erhalten bleibt. Diese Streifen, die irgendwo zwischen Blockbuster und Nischenfilm changieren und sicherlich durch die Popularität der Regisseure viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, haben einfach eine hohe Qualität und sind für das Post-Grindhouse-Genre wichtige Vorreiter und Motoren.
Ein Klassiker, ein Meisterwerk, das auch nach etlichen Sichtungen weder an Faszination, noch an Spaß verliert.

Kommentare:

  1. Ich muss da in einer Kleinigkeit widersprechen. Als ich aus dem Kino kam, hatte ich soviel Spaß gehabt, daß mein Urteil etwas unkritischer ausfiel, als es sich durch ebenso mehrere Heimdurchläufe herausstellte. Auf DVD flutscht der Streifen zwar immer noch sehr unterhaltsam durch, ist ferner ein bemerkenswertes Bollwerk des Genrekinos, offenbart jedoch einige marginale Schwächen. Zum Beispiel geht mir nun doch der etwas unkontrollierte Fokus in den Effektszenen doch etwas auf den Geist. Im konkreten Gegensatz zu Death Proof wächst Planet Terror auch nicht mehr, während Tarantinos Film, der mir im Kino schon wesentlich besser gefiel, als manch anderem, noch andere Facetten offenbaren kann.

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  2. Ich seh' das noch ein bißchen anders. Ich würde ja öfter gerne ins Kino gehen, mag ich ansich viel lieber, aber bei den Wahnsinnspreisen heutzutage...puh ! Daher hab' ich auch diese beiden nur im Heimkino gesehen, zumindest aber bei "Planet Terror" viel Spaß gehabt. Tarantinos Beitrag mag ich gar nicht, aber mit dem Meister hab' ich ohnehin so ein kleines Problem : ich halte ihn oftmals für "nicht ganz dicht", finde seine Beiträge innerhalb des Duos Tarantionos/Rodriguez manchmal echt krank. So merkt man doch auch sehr schnell den Umschwung der Handlung bei "From Dusk till Down", bei der Meister Tarantino ja den ersteren Teil gedreht hat. Ist aber auch nicht so, das ich nun alle seine Filme schlecht fände, nein, keinesfalls, aber im Falle eines Falles ziehe ich doch Rodriguez's Stil klar vor. "Death Proof" fand' ich ungewöhnlich schlecht, schlicht langwelig.

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  3. Interessante Einschätzungen, danke!
    Ich werde diese Woche auf jeden Fall noch Death Proof besprechen und mal darauf achten.
    Allerdings war es bisher so, dass Death Proof vor allem auf großer Leinwand großartig war und daheim dann eher durchschnittlich.
    Mal schauen :)

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  4. Als Tarantino-Fanboy muss ich auch mal äussern :D
    Ich find alle seine Filme gut - wobei es natürlich qualitative Unterschiede gibt. Death Proof find ich ist sein schlechtester. Trotzdem aber gut - vielleicht hat er aber auch einen Bonus bei mir, weil ich Die Satansweiber von Tittfield schon gut fand und das ganze Setting somit klasse fand ^^

    Vergleichbar mit Rodriguez ist Tarantino meiner Meinung nach sowieso nicht. Es ist - wie auch schon bemerkt wurde - ein ganz anderer Stil, wobei klar ist, dass das nicht jeder mag. Ich persönlich mag beide Stile - deswegen hat mich auch der Umbruch bei From Dusk Till Dawn nicht gestört, sondern fand ihn perfekt, dass ein unterhaltsamer Gangsterfilm nach der hälfte plötzlich zu einem Splatterfilm wird.
    Kennt hier eigentlich noch ähnliche Filme in diesen Stil oder war das doch eher was einmahliges? bzw. hat Tarantino sich eigentlich bei seinem Teil From Dusk Till Dawn bei irgendwas inspirieren lassen?

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