Mittwoch, 20. April 2011

Drive-In Classics: 4D Man (Der 4D-Mann - 1959)

Klassische Science Fiction is coming home! Erstmals bei uns erhältlich und noch dazu in der wundervoll aufgemachten Drive-In Classic Reihe von Subkultur Entertainment: Der 4D-Mann ist gelandet. Von keinem geringeren als Irvin S. Yeaworth, der bereits für den Klassikler The Blob (1959) verantwortlich war, stammt dieses kleine Juwel. Schon zu Beginn erfreut ein grandioser Soundtrack den Zuschauer. Pauken trommeln, Blasinstrumente setzen ein und führen swingend durch den Vorspann. Ein kleines bisschen erinnert die Musik sogar an die frühen Edgar Wallace Filme. Es fällt auch auf, dass die Bildqualität wieder einmal außerordentlich gelungen ist, was immer noch keine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Ein Erzähler aus dem Off begleitet ein physikalisches Experiment einer der Protagonisten des Streifens. Der Typ, gespielt von James Congdom, will einen Bleistift durch eine massive Metallplatte treiben. Natürlich geht es schief und verschiedenste Apparaturen im Labor fangen Feuer, so dass sich unser Genie gezwungen sieht, die Lokalität zu Gunsten von Leib und Leben zu verlassen. Dumm gelaufen!
Zum Glück hat er einen Bruder (Robert Lansing), der auch noch ein Labor hat und bei dem er sich einschnorren kann. Seine Sekretärin, die süße Lee Meriwether, ist zwar eine Psychologin, muss allerdings trotzdem den undankbaren Job einer Gehilfin ausüben. Tja, so war das damals. Wie wir aber noch im Bonusmaterial feststellen werden, ist die Dame auch heute noch eine wahre Schönheit und verköpert immer noch den Glanz vergangener Epochen.
Da der Pechvogel bei seinem Bruder etwas länger unterkommt und langsam mit dessen Sekretärin anbändelt, entwickelt sich eine Spannung in der Dreiecksbeziehung. Aber auch die anderen Mitarbeiter im Labor fangen nach einiger Zeit an zu intrigieren und machen es den Wissenschaftlern nicht gerade leicht.
Eins muss man sagen: der Streifen hat eine für seine Zeit sehr dichte Geschichte, die mit ein paar Subplots erweitert wird.
Außerdem ist die Geschichte kaum vorhersehbar und wirkt auch heute noch sehr frisch. Zudem erscheinen die Erklärungen durchaus plausibel und führen dazu, dass man "4D man" (1959) wirklich ernst nimmt.
Klar gibt es einige charmante Momente, in denen man sieht, dass hier ein herrlicher B-Film auf unserer Netzhaut flimmert. Zum Beispiel schwenkt ein großes Mikrofon ins Bild, als Linda und der Tollpatschbruder nach einem Platzregen Unterschlupf in einer Burg(?) suchen.
Überhaupt fällt auf, dass außergewöhnlich viele Außenaufnahmen im Film untergebracht sind. Das ist natürlich eine extrem feine Sache und wertet den ohnehin schon sehr guten Film ungemein auf.
Die Effekte sind außerdem hervoragend gemacht und glaubwürdig inszeniert, hier wirkt nichts wirklich billig, sondern viel mehr einem hohen Budget geschuldet. Zur naturwissenschaftlichen Komponente gesellt sich im Verlauf der Handlung dann auch noch etwas Esoterik dazu. Das kann man doof finden, grade weil die Vorgänge für den Laien stringent und logisch formuliert wurden, muss man aber nicht.
Auch die musikalische Untermalung wird von einigen als unpassend und störend empfunden, aber ich fühle mich extrem wohl mit den jazzigen Klängen. Sollte es die Darbietung noch irgendwo auf einem Tonträger geben, würde ich definitiv sofort zuschlagen. Der Soundtrack macht einfach Spaß.
Insgesamt ist es ein bemerkenswert guter Streifen, der nicht nur durch die Leistungen der Schauspieler überzeugt, sondern auch durch tolle Außenaufnahmen, eine durchdachte und sehr gut umgesetzte Handlung und nicht zu letzt die coolen Effekte.
Sehen wir uns die Veröffentlichung dann noch etwas genauer an, fällt mal wieder das tolle Cover, der Schuber und das extrem informative Booklet auf. Im Booklet verfasst Mike Siegel, wir kennen ihn bereits durch seinen Audiokommentar zu "Not Of This Earth" (1957), einen gelungenen Text über das Leben und Wirken von Regisseur Yeaworth. Außerdem ist auf der Rückseite wieder eine schöne Stempelung mit der Nummer der Veröffentlichung angebracht.
Als weiteres Bonusmaterial hat man die Super-8 Fassung auf die Lichtscheibe gepresst und zwei wirklich tolle Interviews mit Hauptdarstellerin Lee Meriwether und dem Produzenten Jack H. Harris geführt. Die Interviews sind jeweils ungefähr 11 Minuten lang und die beiden erzählen viele interessante Dinge über die Produktion, Umstände der Dreharbeiten und das Zustandekommen. Lee Meriwether verrät uns sogar, in welchen Szenen sie mit sich selbst nicht so richtig zufrieden war.
Man hat mal wieder ein dickes Paket geschnürt, das die B-Film Freunde und SciFi-Verrückten im besonderen Maße beglücken sollte.
Die Besprechung kommt etwas spät, das liegt unter anderem auch daran, dass ich ihn mir direkt noch einmal angesehen habe und er beim zweiten Durchgang kein bisschen Charme oder Spannung verloren hat.
Ein wirklich außergewöhnlicher Streifen in einer Veröffentlichung, die am oberen Limit kratzt.
Alles richtig gemacht, ich kann einfach keinen Kritikpunkt finden.
Vielen Dank für die tolle Veröffentlichung! Ich freue mich schon auf Film Nr. 3 "Ma Baker's Killer Brood" (Die gnadenlose Killer - 1969).

Kommentare:

  1. eine rundum gelungene review, vielen dank! ich finde die dvd des 4d-manns auch weit amtlicher als die des gesandten des grauens, was wohl am durchgehend guten ton und an den schönen & exklusiven extras liegt. da wird man selbst als überzeugter fahrradfahrer zum fan der drive-in classics :) schöne grüße, bernd.

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  2. Du bist und bleibst ein Fanboy, aber ein sympathischer. :D

    Stört dich die lange Einleitung wirklich nicht? Ich finde man hätte da ohne Probleme ein Drittel kürzen können. Der Rest ist prima.

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  3. Haha, also ich habe mich zu keiner Zeit gelangweilt und fand die Entwicklungen in der Handlung ziemlich cool. Für einen SciFi Streifen ist die Story wirklich erstaunlich authentisch und taugt was.
    Klar hätte man auch ohne das Geplänkel am Anfang auszuweiten einen prima Film hinlegen können, aber stören tut mich das nicht :)

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  4. Da kann ich mich Zombiebunker nur anschließen, ich fand' das alles ziemlich professionell, richtig gut und auch keinesfalls irgendwo langweilig. Aber klar, die Geschmäcker sind eben verschieden..

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  5. Naja, langweilig, eher für den Film unnötig, weil es weder Handlung noch Figuren ausbaut. Eben dieses typische Strecken für Zuspätkommer.

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