Sonntag, 1. Mai 2011

Romantically Apocalyptic - ein kostenloses Webcomic

Vor Kurzem habe ich ja bereits auf das abgedrehte Webcomic "Axe Cop" hingewiesen, der mittlerweile auch als Printvariante gut funktioniert. Damit man auch weiterhin nach Lust und Laune und ganz ohne Monetos tolle Medien konsumieren kann, wieder eine Empfehlung aus dieser Ecke. Heute wird es allerdings ein wenig anders. Als Comicstrip kann man dieses visuelle Kleinod zwar auch einstufen, trotzdem unterscheidet sich Romantically Apocalyptic grundsätzlich vom axtschwingenden Schnurrbartbullen.
Wir befinden uns in einer postapokalyptischen Einöde. Es gibt keinerlei Anzeichen von Lebensformen....nur die skurrilen Charaktere namens Captain, Sniper und Pilot sind noch unterwegs. In Trenchcoats und Gasmasken gehüllt, stolpern sie durch eine zerstörte Welt. Und Gasmasken als solche sind ja bekanntlich per se schon ziemlich cool und man liegt mit ihnen egal in welcher graphischen Form immer goldrichtig! Ein Comic über einen langweiligen Hasen würde doch niemand lesen, hat das Vieh aber eine Gasmaske auf, sieht das schon ganz anders aus! Wenn dann auch noch Tentakeln mit ins Spiel kommen, hast du zumindest mich wie einen Fisch am Haken!
Aber zurück zum Thema... Einöde, Stadtruinen und Trümmer, so weit das Auge reicht. Nun möchte man denken, dass die Unternehmung eine ziemlich trostlose und wenig humoristische sein könnte. Zum Glück ist der Captain allerdings dem Wahnsinn anheim gefallen und zwar einer durchaus sympathischen Variante. So hält er zum Beispiel Palaver mit den letzten zivilisatorischen Überresten in Gebäuderuinen und bringt sein Gefolge durch seine naive und wirklichkeitsferne Interaktion mit der Umwelt in Schwierigkeiten. Der geistreiche Humor erzwingt immer wieder Lachanfälle über die Dialoge und absurden Ideen, die in dieses erfrischende Projekt einfließen.
Sind die ersten "Ausgaben" noch "Einzelsketche", wird schon bald eine komplexere Geschichte, die über mehrere Episoden verläuft, erzählt. Trotzdem gibt es immer wieder die hirnrissigsten Einfälle und deren Konsequenzen zu belachen. Man muss sich nur drauf einlassen.
Bemerkenswert ist auch die graphische Umsetzung. Romantically Apocalyptic ist kein herkömmlicher Comic und schon gar nicht gezeichnet. Vielmehr sind die Charaktere abfotografiert und anschließend in digitalisierter Form bearbeitet. Zu dieser Ästhetik kann man stehen, wie man will, und überwiegend ist mir dieser überkontrastierte Hochglanzlook auch zuwider, aber im Kontext dieser Geschichte funktioniert der Stil einfach unglaublich gut. Klar, es dauert etwas, bis man damit warm wird, aber beeindruckend ist diese ungewöhnliche Umsetzung auf jeden Fall. Man fragt sich nicht nur einmal, was denn dort jetzt am Computer nachgearbeitert und was mit echten Menschen verwirklicht wurde.
Veranwortlich für den Endzeitklamauk ist der gebürtige Russe Vitaly Alexius, der sich im Bereich digitaler Bildgestaltung und Kunst einen Namen gemacht hat. Er entwirft unter anderem CD- und Buchcover. Einen kleinen Auszug seiner weiteren Arbeiten kann man auf dieser Webseite bewundern. Man merkt, dass es sein Baby ist und nachdem es eine Zeit lang ziemlich still um Romantically Apocalyptic war, geht es mittlerweile in einer hohen Frequenz weiter. Man freut sich wieder über regelmäßig erscheindende Episoden und den bekloppt-bescheuerten Kapitän im Wehrmachtsoutfit.
Ziemlich cool ist auch, dass das Webcomic in mehreren Sprachen auf den Leser und seine Bedürfnisse eingeht. Ein Spektrum von 40 Sprachen wird abgedeckt, auch wenn nicht alle 45 (Stand heute) Episoden übersetzt wurden. Wer dem Teil mal eine Chance geben möchte, und was hat man schon bei einem kostenlosen Webcomic zu riskieren, das ist keine Frage von rational choice, der gleite auf den Internetwellen gen Rom.ac und durchstöbere das Archiv nach den ersten Episoden.
Wem der Kram gefällt und wer sich gern noch die Socialmediaüberdosis geben möchte, der kann den Figuren aus dem Comic auch auf den Twitterseiten des Captains, Snipers, Piloten und Engineers folgen. Dort wird ebenfalls immer wieder zotiges Geplapper gebracht und tiefer in die Gedankenwelt der Spinner eingeführt.
Ein in Eigenproduktion entstandendes Heft gibt es zwar auch, allerdings haut einem das mit dicken 60$ ein gewaltiges Loch in die Geldbörse. Aber wer drauf steht? Sicherlich eine gute Sache.
Ich find's geil, ziemlich sogar. Ein Spaß für die ganze Familie!

1 Kommentar:

  1. umgerechnet sind das ca. 40€. Bei dem Preis finde ich kann man es sich überlegen. Schade ist nur das da nicht alle bisherigen Comics drin sind sondern nur die ersten 30 glaube ich.

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