Sonntag, 29. Mai 2011

Drive-In Classics Nr. 3 Ma Barker's Killer Brood (Die gnadenlosen Killer 1960)

An manche Filmgenres wagt sich der unbedarfte Zuschauer trotz Neugier nur sehr zaghaft heran. So geht es mir zum Beispiel mit Gangster- und Ganovenstreifen. Umso schöner, dass Subkultur Entertainment für den jungen Filmliebhaber mit Lücken die Rolle des Vorkosters übernimmt. Mit "Not Of This Earth" (1957) und "4D Man" (1959) startete man bereits vielversprechend die "Drive-In Classics"-Reihe und verzückte die Gemeinde mit Leckerbissen. Skeptisch und ohne den Starterbonus, beäugen wir nun kritisch das dritte Output und werden nicht nur den Film auf Herz und Nieren prüfen, sondern auch die Ausstattung der Veröffentlichung genau unter die Lupe nehmen.
Bevor die eigentliche Scheibe im Player landet, fällt mal wieder das absolut spitzenmäßige Cover sowie das Layout des glänzenden Schubers auf. Subkultur lässt sich einfach nicht lumpen und erklärt schon bei den Details, dass ihre Veröffentlichungen eine Herzensangelegenheit sind und man ein perfektes Produkt beim Lieberhaber abliefern will. Im Inneren gibt es das obligatorische alternative oversized Filmplakat über die gesamte Breite des Amarays. Klappen wir die Hülle auf, springt uns das altbekannte, schlichte und gleichermaßen ästhetische schwarze Design der DVD ins Auge. Soweit alles beim Alten. 

Jedoch merkt der Kenner am Booklet schnell, dass sich das Material geändert hat. Gab es bei den Vorgängern noch sehr dünnes Papier, als Nostalgiegimmick, hat Ma Barker ein sehr festes und fast schon kartoniertes Booklet spendiert bekommen. Inhaltlich verausgabt sich Pelle vom Bali in gewohnt humoriger Art und Weise und gräbt einen ganz Berg an Hintergrundinformationen zur historischen Vorlage aus. Bestens informiert starten wir die Scheibe und werden von einem neuen, sehr coolen Intro begeistert. Darauf folgt das Menü, in dem man sich zwischen der deutschen Kinofassung und der Originalfassung entscheiden kann. 
Es lohnt sich wirklich, die beiden Fassungen anzusehen, denn die deutsche hat einen echt verdammt coolen Anfang, in dem die Geschichte noch stärker in den realen Kontext gebettet wird.  In der amerikanischen Fassung leitet der Film mit einem fiesen Feuermord und einem kurzen Abriss über Ma Barker ein. 
Zur Bildqualität: Diese kann sich wirklich sehen lassen! Ein sehr scharfes Bild, das mehr Ausschnitt an den Rändern zeigt, als die US-Scheibe. Außerdem wirken die Farben viel kräftiger, kontrastreicher und weniger verwaschen. Trotzdem vermittelt die Subkulturscheibe nicht den Eindruck, dass übermäßig am Bildmaterial "getunt", sondern mit Maß und Verstand ein authentisches Ergebnis geliefert wurde. Dazu tragen auch die verschiedenen Laufstreifen, die vereinzelt auftreten, bei. Sie erinnern daran, dass wir in einem Drive-In-Kino sind, in dem keine neue Kopie vorgespielt wird. Herrlich!
Auf meinem 32"-Flachbildfernseher - und das war meine größte Sorge - wird das Bild unerwartet gut dargestellt, was wirklich bemerkenswert für einen deart alten Streifen ist. 
Ma Barker in Widescreen ist einfach genial! Auch wenn ich nicht ausschließen kann, dass es immer noch Leute geben wird, die sich darüber beklagen, dass das Bild nicht so gestochen scharf, wie eine Hollywoodproduktion aus dem Jahre 2010 aussieht. Aber denen ist, mit Verlaub, eh nicht mehr zu helfen.
Der Ton ist ebenfalls sehr gelungen. Ich liebe einfach die alten deutschen Kinosynchronisationen. Lurene Tuttle (Ma Barker) wird mit einer echt fiesen Reibeisenstimme vertont und auch sonst ist deutsche Übersetzung ein dicker Pluspunkt der Scheibe. An einigen (es sind glaube ich nur zwei sehr kurze) Stellen war der deutsche Ton wohl nicht mehr rekonstruierbar und es wird englischer Ton eingeblendet (für wenige Sekunden). Man kann also wieder davon ausgehen, dass man das Maximale aus dem vorhandenen Material herausgeholt hat.
Die deutsche Fassung, aber auch die originale sind mit deutschem Ton, wobei die US-Fassung auch noch in englischer Sprache verfügbar ist.
Bei den Extras habe ich mich dann besonders auf die Dokumentation "G-Men - Die Agenten des FBI" gefreut. Eine eigentlich ungewöhnliche Dreingabe, denn, soweit ich die Sache überblicken konnte, handelt es sich hier um eine absolut authentische Doku aus der Zeit. 
Veranwortliche wie FBI-Begründer J. Edgar Hoover kommen zu Wort und liefern einen Einblick in die Geschichte, Struktur und Arbeit der Ermittlungsbehörde. So erfährt man noch mehr über die auftretenden Personen aus "Ma Barker's Killer Brood" (1960). In englischer Sprache wird dieses Extra auf deutsch untertitelt und am Ende erwartet uns noch eine kleine Überraschung. Wäre ich damals ein Junior gewesen, ich hätte meine 3$ sofort investiert!
Neben der 25-minütigen Doku bieten die Extras außerdem noch eine Bildergalerie mit Filmmaterial und den amerikanischen Kinotrailer.
Ok, technisch ist die Scheibe ein Kraftakt nahe der Perfektion, aber kann der Film denn auch eingefleischte Kostverächter in Sachen Heist-Movies wie mich überzeugen?
Schwierig, aber durch das dick geschnürte Infopaket (Booklet, Doku) taucht man schonmal tief in die Materie ein und ist viel aufgeschlossener für das Gebotene.
Zu Beginn hat man den Eindruck, eine wilde Mischung aus "Die kleinen Strolche" und der Olson Bande zu erleben. Ma Barker ist schon eine ziemlich ausgekochte Braut, die auch nicht lange fackelt und ihren Buben direkt mal eine kellt, wenn sie sich bei der täglichen kriminellen Arbeit dämlich anstellen. Schnell wird außerdem klar, wer in der Familie der Barkers die Hosen an hat und wer das Zeug zu einem echten Gauner hat. Nach der kurzen Familiengeschichte springt die Story in der Zeit vorwärts und legt mit der eigentlichen Handlung los. Hier steigen dann auch die Ganovengrößen in die Handlung ein und machen Ma Barker mehr oder weniger das Leben schwer. Dabei ist sie nicht nur eine toughe Mutti, sondern hat auch echten Humor! Vor allem die Szenen mit der schönen Lou sind echte Brüller!
Es gibt viele Außenaufnahmen, Verfolgungsjagden in zeitgenössischen Boliden und etliche Schießereien. Viele kleine Details hat sich Regisseur Bill Karn einfallen lassen und konfliktreiche Reibungspunkte in das Leben der Familie Barker gesetzt. Außerdem gibt es noch eine ziemlich coole Gesangseinlage und andere geniale Klänge zu entdecken (allein die Musik im Intro, yay!) Die Story muss natürlich in einem klassischen Shootout enden, bei dem sich zeigt, wer die Nerven behält.
Ja, der Film rockt, macht Spaß und Lust auf mehr Streifen aus dieser Ecke. Die gnadenlosen Killer fügen sich nahtlos in die Reihe der Sensationsfilme ein und stellen dabei nichtmal wirklich einen Stilbruch dar. Es fällt mir wirklich schwer, hier auch nur irgendein Haar in der Suppe zu finden. Das Einzige, was sich wirklich bemängeln lässt, sind die ein bis zwei Längen, die der Film hat, aber eigentlich stören nichtmal die. Der Zombiebunker rät mal wieder zum Kauf dieser Scheibe. Wer einen klassischen Gangsterfilm in toller Aufmachung und technischer Aufbereitung möchte, der greift nicht zur Ramschfassung, sondern zu diesem Highlight. Da die DVD auf 1000 Exemplare limitiert ist, sollte man damit auch nicht zu lange warten. Schließlich unterstützt man damit auch weitere Perlen, die noch in der Reihe erscheinen werden und die diese liebevollen Umsetzungen verdienen.

Kommentare:

  1. mal wieder eine sehr schöne review, vielen dank!

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  2. Wieder mal rundum gelungene Rezi, Zombie... und alles so schön in Grün hier. :)
    Gruß, G.

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  3. Warum habe ich die DVD noch nicht. Steht geschrieben 5 Tage später.....

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  4. Howdy! Danke für das Lob!
    Also anscheinend hat OFDB noch nicht an alle Vorbesteller verschickt? Wo hast du denn bestellt?

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  5. re: bei i-catcher habe ich bestellt - nun bekomme ich aber Angst. Ja auch mal von meiner Seite ein Lob an Dich.

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  6. Ob ICatcher bereits verschickt, weiß ich nicht. Hab meine Killer von der OFDB. Aber ich denke mal, dass du deine gnadenlosen Killer noch rechtzeitg bekommst. Ansonsten eine Mail an das ICatcher Team, die sind da sicherlich sehr entspannt und klären das bestimmt.

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