Samstag, 21. Mai 2011

Monsters (Großbritannien - 2010)

Dieser Film war eine miese Falle! Der Monsterfilmfreund wird durch die tollen Marketingkampagnen im Vorfeld und die tentakelesken Riesenviecher in diesen Film gezogen. Man erwartet ein spektakuläres Endzeitdrama mit einstürzenden Wolkenkratzern und epischen Schlachten zwischen den mutierten Monstern und dem Militär. Wilde Verfolgungsjagden und testosterongeschwängerte Sperrfeuersalven, die Mutantenkörper durchlöchern und zerfetzen.
Aber darum geht es in diesem Film überhaupt nicht, und das macht, seltsamerweise, überhaupt nichts.
"Monsters" (2010) ist ein ganz behutsam agierender Film, der sich gemächlich aufbaut und den Zuschauer die Protagonisten auf ihrer Reise durch ein Niemandsland begleiten lässt.
Es verwundert auch gar nicht, dass das Charakterensemble des Streifens im Wesentlichen aus nur zwei Personen besteht, Samantha und Andrew.
Andrew ist Fotograph für eine Zeitung, deren Besitzer Samanthas Vater ist. Beide befinden sich in Mittelamerika und sollen zügig in die US of A zurück. Daddy erteilt Andrew also den Auftrag, Obacht auf seine Kleine zu geben und sie unbeschadet nach Hause zu bringen.
Nun ist es so, dass zwischen Mexiko und den USA eine Sperrzone, ein infiziertes Gebiet, liegt. Wie wir nach kurzer Zeit lernen, wird dieser Gürtel von Monstern heimgesucht, die offenbar zu bestimmten Jahreszeiten besonders aktiv sind und von amerikanischen Jagdflugzeugen mit chemischen Waffen bekämpft werden. Aber das ist alles nicht das Hauptthema. Wir erfahren über die Monster nur sehr wenig und das auch nur am Rande. Auf kluge Weise wird das Wissen durch Fernsehsendungen oder Plakate, die die beiden auf ihrem Weg sehen, vermittelt. Im Zentrum steht die Reise und die Interaktion der beiden Hauptdarsteller. 
Der ruhige Soundtrack und die genialen Landschaftsaufnahmen der subtropischen Gebiete lassen "Monsters" fast traumwandlerisch wirken. Auf ihrer Heimreise stellen sich den beiden einige Probleme in den Weg. Allerdings werden auch sozialkritische Aspekte in die Geschichte eingeflochten. 
Man kann sagen, dass der Film ein klassisches Roadmovie ist, das mit einer kleinen Liebeshandlung erweitert wurde. Diese ist allerdings erfreulicherweise sehr dezent in den Hintergrund gerückt und wird erst gegen Ende richtig thematisiert.
Über weite Strecken der Handlung wird allerdings das Vorankommen durch zerstörte oder von Elend befallene Gebiete illustriert.
Das macht "Monsters" auch so seltsam unterhaltsam und ganz anders, als die anderen Filme. Die eigentlichen Monster werden nur peripher behandelt und sie haben auch verhältnismäßig wenig Screentime. Dafür sind sie allerdings ganz gut animiert und kommen in klug ausgewählten Situationen vor. Die beiden Hauptdarsteller wirken überzeugend und gehen regelrecht in ihren Rollen auf. An Glaubwürdigkeit mangelt es hier definitiv nicht.
Überraschenderweise ist die Handlung nämlich nicht so vorhersehbar, auch weil sie mit den Erwartungen und Sehgewohnheiten des Zuschauers bricht. 
Das mag vielleicht auch der Grund sein, weshalb der Film relativ schlecht bewertet wird. Leute gehen einfach mit komplett falschen Erwartungen heran, die, zugegeben, durch das Coverdesign etc. induziert werden. 
Lässt man sich jedoch auf "Monsters" ein, erlebt man einen erfrischenden Film, der wundervoll fotografiert ist und sehr spannend sein kann. 
Es ist, wie schon bei "District 9" (2009), eine andere Geschichte, die nicht die Invasion zum Inhalt hat, sondern die Folgen. Außerdem geht es hier nicht um irgendeine amerikanische Metropole, die platt gemacht wird. Bei "District 9" war es Südafrika, hier ist es nun Mexiko. Damit einher gehen viele neue Möglichkeiten und Blickwinkel, die sowohl zum Nachdenken anregen, als auch ein anderes Seherlebnis erzeugen. Klar, der Film hat kein riesiges Budget (nur 15'000$!!!) gehabt, aber es wurde sich auf das Wesentliche konzentriert, um das Maximale dabei herauszuholen. Das ist komplett gelungen und veranlasst mich, den Streifen auch in naher Zukunft erneut in den Player zu schmeißen. Auch wenn es über weite Strecken gar nicht so den Anschein erwecken kann, ist "Monsters" auch irgendwie ein "feel good movie", das den Moment und die Reise zelebriert. 
Man kann sich gut vorstellen, dass nach dem ungewöhnlichen Ende eine Fortsetzung folgt. Ich würde es mir wünschen und hoffen, dass man dem eingeschlagenen Kurs auch im Sequel folgen würde. Besonders zur Geltung kommen die Aufnahmen allerdings auch durch das HD-Erlebnis. Auf Blu-Ray ist das Bild wirklich bemerkenswert und gibt dem Ganzen noch eine völlig andere Tiefe. Zudem mit einem schicken Steelbook und vielen Extras, die ich mir in freudiger Erwartung noch vornehmen werde, superb ausgestattet. Toller Film, lange habe ich nicht mehr ein so geistreiches Werk bewundern können. Das FSK-Siegel ist zudem ablösbar. Ein klarer Vorteil und sehr löblich!

Kommentare:

  1. In der Tat war Monstes nicht der Film, den wir uns alle erhofft haben, aber ich fand ihn schon unterhaltsam. Mich erinnerte er irgendwie an "Jurassic Park"... nur halt bedrohlicher und cooler ;)
    Hätte man vorher nicht so eine riesige Marketing-Kampagne gemacht, wären die meisten Zuschauer wohl weniger enttäuscht gewesen.

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  2. Stimmt schon, wenn man mit falschen Erwartungen an den Film geht, kann man ziemlich enttäuscht werden.
    Vor allem die Extras auf der BD sind wirklich gut und geben einen Einblick, mit wie wenig Budget und festem Plan "Monsters" überhaupt realisiert wurde!
    Einfach beeindruckend.

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  3. Den werde ich mir am Wochenende auch mal an schauen. Aus dem Grund lese ich den Blogeintrag erst im Nachhinein

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  4. Sehr gut! Aber erwarte keinen Monsterfilm und sag Bescheid, wie du ihn fandest! :)

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  5. Hallo Zombibunker,
    ich habe den Film "Monsters" gestern abend auf DVD gesehen (ich kannte ihn nicht)und stolpere zufällig heute beim surfen auf Deine Bewertung zum Film.
    Schön geschrieben und deckt sich mit meinen Eindrücken. Ich kann Dir nur voll zustimmen.
    Man erwartet Monster und viel Blei, auch während des Films noch und dann ist plötzlich Ende und es ist gar nicht schlimm, dass die Montser so selten da waren und nur im Hintergrund agiert haben. Ich hoffe auf eine ebenso ruhige und behutsame (das Ende fand ich ... ergreifend(?!)) Fortsetzung des Films.
    Und weiterso bei Filme kommentieren....
    Gruß Stef

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