Mittwoch, 18. Mai 2011

Swedish Sensationsfilms - Daniel Ekeroth und "Anita - ur en tonårsflickas dagbok" (1973)

Obacht, es wird schmutzig!  
Daniel Ekeroth ergründet in seinem Buch "Swedish Sensationsfilms" die Abgründe des schwedischen Sexfilms und Actionthrillers. Nachdem er bereits den schwedischen Death Metal unter die Lupe genommen hatte, widmet er sich nun dem nächsten unkonventionellen Thema.
Wobei, anders als in seinem Vorgängerwerk, in dem er explorativ die Entstehungsgeschichte der Musikrichtung zum zentralen Thema machte, wählt er bei "Swedish Sensationsfilms" einen anderen Weg. 
Im Grunde ist das Werk ein Lexikon, das eine schmuddelige Sparte von skandinavischem Filmgut kanonisiert und somit ein kleiner Reiseführer durch die Welt des schwedischen Sleaze darstellt. Ähnlich wie in Deutschland war man in Bezug auf Nudität in Filmen auch in Schweden liberal eingestellt. Noch in den 50er Jahren war jegliche Form von Nacktheit verpönt, durch die 60er-Bewegungen konnten sich Frauen immer stärker emanzipieren und die neugewonnen Freiheiten genießen. Als der später bei einem Attentat ermordete schwedische Staatsminister Olof Palme noch das Amt des Kulturministers innehatte, sorgte er zum Beispiel dafür, dass "Dom kallar oss mods" (1968), nachdem es durch die Zensurbehörde verboten wurde, eine ungeschnittene Freigabe erhielt.
Christina Lindberg in "Thriller" (1974)
Neben einer knappen, definitorischen Einleitung lässt Ekeroth eine Ikone der Sleazedekaden zu Wort kommen: Christina Lindberg. Die Göteborger Schönheit partizipierte in etlichen Machwerken und war stilprägend für den schwedischen Sensationsfilm. Nachdem sie in Herrenmagazinen wie Playboy oder Penthouse posierte, wirkte sie in 23 Filmen mit. Heute ist sie Chefredakteurin der größten kommerziellen Flugzeitschrift "Flygrevyn".
Neben den vielen schwedischen Produktionen wie "Anita - ur en tonårsflickas dagbok" (1973) oder "Thriller - en grym film" (1974) wirkte sie auch in der deutschen Filmreihe "Schuldmädchen-Report" (1970-80) mit. "Thriller" avancierte dann auch dank eines gewissen Herrn Tarantinos und seiner Hommage "Kill Bill" (2003) zu einem Meilenstein und später Ehre.
Wem wie mir die schwedischen Sleazestreifen bisher verborgen geblieben sind, dem kann ich das Buch wärmstens ans Herz legen. Neben einer kurzen Synopse gibt es Einschätzungen zu 200 Filmen, den Casts und einige Anekdoten. Das Buch erschien in englischer Sprache.
Bisher waren diese schwedischen Granaten hierzulande unveröffentlicht bzw. liefen nur seinerzeit in den Lichtspielhäusern. Das könnte sich jetzt allerdings ändern, da das Label Candybox den Klassiker "Anita - ur en tonårsflickas dagbok"(Das Schwedenmädchen Anita - 1973) im Juni bei uns veröffentlichen wird.
Das Cover gefällt durch den sleazy Look und der Streifen wird in einer kleinen Hartbox in Lederoptik veröffentlicht. Als Nichtkenner dieses Vintageheulers freue ich mich natürlich ganz besonders, dass sich ein Label dieser Perlen annimmt und sie nach ihrer Erstaufführung in den Kinos 1974 erneut für Filmfreunde zugänglich macht. 


Kommentare:

  1. Falls noch nicht geschehen guck dir lieber erstmal Thriller an. Anita ist, wenn ich mich recht entsinne, doch von nicht ganz so reizintensiver Machart, sondern man sucht noch mehr den Ernst in den Vordergrund zu kehren.

    AntwortenLöschen
  2. Thriller steht nächste Woche auf dem Speiseplan :)
    Bin gespannt! ;)

    AntwortenLöschen