Montag, 4. Juli 2011

It Came From Outer Space (Gefahr aus dem Weltall - 1953)


Wenn der Kalte Krieg für etwas gut war, dann auf jeden Fall für die Filmindustrie. Ohne ihn wären wahrscheinlich etliche Invasionsfilme nie entstanden oder nicht so zahlreich in ihrer Art gewesen. Einer dieser knuddeligen 50er-Jahre-Filme ist "It Came From Outer Space" (1953). Habe ich bei meiner letzten Besprechung von dem im gleichen Jahr erschienenen "War Of The Worlds" (1953) bereits unmissverständlich klar gemacht, dass diese Art von Filmen großartig und meiner Meinung nach auch vom heutigen Standpunkt aus von revolutionärer Wichtigkeit war, unterscheidet sich "It Came From Outer Space" etwas vom Genreklassiker und geht einen anderen Weg.
Hier präsentierte man dem Publikum nämlich eine wesentlich fiesere und subtilere Invasionsvariante, die dann auch direkt auf den Kommunismus als solchen verweist.
Die Außerirdischen können nämlich die Menschen duplizieren und mit diesen willenlosen Klonen die Menschenheit unterjochen. Aber starten wir doch am Anfang.
In einer Wüste (ich habe keine Ahnung, wer sich dieses Gesetz ausgedacht hat, dass diese Art von Streifen in staubigem Ödland passieren muss, aber ich würde ihm auch heute noch einen Orden dafür verleihen) lebt ein Schreiberling mit seiner Braut Ellen zurückgezogen und pfeiferauchend in einem beschaulichen Haus. Anfänglich muss man ein paar dümmliche Machodialoge ertragen, bevor die Action richtig los geht. Das Pärchen palavert süßholzraspelnd über ihre gemeinste Zukunft, wobei der weibliche Part ihre gemeinsame Sternenkonstellation aus ihrem astrologischen Halbwissen anpreist. Der Hobby-Astronom  John Putnam blickt sehnsüchtig durch sein Teleskop in die unendlichen Weiten des Weltalls. 
Doch Potzblitz, ein riesiger, heller Feuerball schüsselt am Horizont entlang, unterbricht jäh das Liebesgeseiere, ballert irgendwo mitten in der Wüste runter und kuschelt sich gemütlich in die Erdkruste ein. Die Explosion ist spektakulär und unser Paar macht sich auch sogleich auf den Weg zur Einschlagstelle.
Tatsächlich ist eine Art Raumschiff auf die Erde gekommen, allerdings ist John der einzige Zeuge und verständlicherweise tut sich die Allgemeinheit schwer, dem kauzigen Eigenbrötler hinsichtlich seiner phanastischen Erzähling Glauben zu schenken. Nicht einmal Ellen ist so richtig überzeug davon, ob ihr Schatzi wirklich fremde Besucher getroffen hat oder nur einen ziemlich dollen Sprung in der Schüssel hat.
Schon bald machen sich die Invasoren auf den Weg aus ihrem Raumschiff und verdammt noch mal, das Design ist großartig. Ein riesiger Kopf mit großem Glubschauge und Halbtentakeln schwebt durch die Wüste und verliert auf seiner Route glitzernden Sternenstaub. Man sieht sogar aus der Egoperspektive des Auges die Wüste, bevor sich das hässliche Vieh einem unschuldigen Erdbewohner nähert. Dazu ertönt eine hochfrequent wabernde Stimme (ähnlich dem Stark-Trek-Theme der Originalserie), klasse! Besonders putzig ist dabei der folienartige, durchsichte Umhang, den es um seine Glatze gehüllt hat. Jetzt kommt's, es schnappt sich Leute und kopiert sie, so dass diese nur noch dümmlich Zeug sabbelnd in die Kleinstadt reisen, um ihren Plan zu vollführen.
Das ist in aller Kürze die Handlung, die, jedenfalls in diesem frühen Stadium, eine wirklich dichte Spannung aufbaut! Die Fahrten der Leute im Halbdunkeln durch die verlassenen Steppe mit ihren eigenwilligen tierischen Einwohnern und Pflanzen sind doch gehörig stimmungsvoll geworden und man fiebert mit dem missverstandenen John Putnam mit.
Gegen Ende, als die Außerirdischen auch noch Ellen gefangen haben, wird es dann sogar bedeutungsschwanger und sie offenbaren den wahren Grund für ihre Ankunft: Zufall, weil dumm gelaufen. 
Die Spannungen zwischen John und der Kleinstadtbevölkerung, die ihm nicht glaubt auf der einen Seite und seine Interaktion mit den Marsianern auf der anderen, erzeugen einen wirklich gelungenen Streifen, der wenig platt ist und sogar einige lobenswerte Gedanken transportiert. Besondere Erwähnung sollte die Ausstattung bekommen, denn die Sets sehen wirklich großartig aus. Angefangen bei der Butze in der Wüste, über die stillgelegten Minen bis hin zum Raumschiff. Da stimmt einfach eine ganze Menge und nichts sieht so richtig trashig aus. Ok, vielleicht aus heutiger Sicht, aber im Vergleich zu anderen Genrekaspern mit wesentlich weniger Budget kommt hier schon ordentlich was bei rum.
Wen ich immer noch nicht überzeugen konnte, dem sei gesagt, dass kein anderer als der mit Abstand großartigste Science-Fiction-Regisseur Jack Arnold, auf dem Drehstuhl Platz nahm und uns mit diesem cineastischen Klassiker beschenkte.
Die deutsche DVD hat ein knusprig frisches Bild und müsste derzeit für ein Appel und ein Ei zu bekommen sein. Mit dabei sind auch noch ein lohnenswerter Audiokommentar (englisch) von Tom Weaver und die extrem interessante halbstündige Dokumentation "The Universe According To Universal" (ebenfalls englisch). In der Doku kommen wirklich viele Leute zu Wort und liefern einen vertieften Einblick in die SciFi-Filme aus dem Hause Universal. 
Alternativ kann man auch zur britischen Classic-Sci-Fi-Box greifen, in der der  Streifen in identischer Ausstattung zusammen mit "This Island Earth" (1955), "Tarantula" (1955), "The Thing From Another World (1951), "Creature From The Black Lagoon" (1954), "Invasion Of The Body Snatchers" (1956) sowie "The Incredible Shrinking Man" (1957) enthalten ist.
"It Came From Outer Space" hat einige wirklich abgefahrene Momente, tolle Bilder und Effekte. Er gehört ganz klar zu meinen Lieblingsfilmen und legt den Wunsch nahe, ihn damals in den 50ern im Kino gesehen zu haben. Klare Empfehlung, ein Klassiker, der von jedem gehuldigt werden sollte!

Kommentare:

  1. Na, das ging diesmal aber besonders zügig weiter hier ! und dann noch mit solch besonderem Schmankerl :-) Sehr schönes Artwork auch !

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  2. Ein wirklkich schönes Review. Der Film zählt für mich zu den besten ScFi Filmen der 50er Jahre, neben "Der Tag an dem die Erde stillstand", die mit einer guten Story punkten können.

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  3. Absolut! Das ist auch irgendwie ein perfekter Sommerfilm.
    Die nächste Tage wird es hoffentlich so geschäftig bleiben :)

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  4. Gehört immer noch zu den Schmankerln in meiner Sammlung.Kann mich auch noch gut dran erinnern den Film in einer 3D Version in den siebzigern in einer Sonntagsmatinee gesehen zu haben.(Filmforum Düsseldorf).Leider werden solche Filme gar nicht mehr auf der "grossen Leinwand" wiederaufgeführt !

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  5. Ja, das ist leider schade.
    Die einzige Möglichkeit ist wirklich in kleinen Filmclubs oder Festivals wie dem Monster Machen Mobil.
    Zum Glück kann man sie aber immer noch, wenigstens auf der kleinen Leinwand, genießen.
    :)

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